FC Bayern München

PlayOff Breakdown – FC Bayern Basketball

Ist München bereit für die Machtübernahme?

Der Tabellenführer und Titelfavorit in der Analyse

Bereits vor der Saison vermuteten einige, dass der FC Bayern München Basketball durch seinen hochkarätig verstärkten Kader das Team sein könnte, das es zu schlagen gilt. Natürlich war der überraschende Verlust der kompletten Starting Five von Serienmeister und Erzrivale Brose Bamberg bei dieser These kein unerheblicher Faktor. Am Ende der regulären Saison steht der Meister von 2014 nun als Pokalsieger an der Spitze der Tabelle. Bamberg wurde in allen drei Begegnungen besiegt und weist zurzeit bei weitem nicht die Konstanz des Starensembles von der Isar auf. München überzeugte aber nicht nur beim Pokalsieg oder in der  Bundesliga, sondern auch im Eurocup. Bis zum Halbfinale wies die Bilanz der Bayern 16 Siege bei nur drei Niederlagen auf. Man konnte  im Viertelfinale  sogar den russischen Vertreter und letztjährigen Euroleagueteilnehmer Unics Kazan in einer best-of-three Serie mit 2:1 aus dem Turnier nehmen. Erst der spätere Eurocup Sieger Darussafaka Istanbul wurde zum Stolperstein. Hauptsächlich dank einer individuell herausragenden Performance von Starspieler Scottie Wilbekin, der in den beiden Halbfinalspielen im Schnitt 32.5 Punkte “droppte”  und sechs Assists auflegte und somit nicht zu stoppen war, gelang es den Türken die Titelträume und die damit verbundene direkte Qualifikation der Münchner für die Euroleague zu verhindern. Trotzdem hielt der Klub aus der bayrischen Landeshauptstadt beide Partien bis zum Ende offen und zog nur jeweils in der Crunchtime, in Istanbul durch einen Dreier der Gastgeber in der letzten Sekunde, den Kürzeren.  Umso erstaunlicher und überraschend kam deshalb die Trainerentlassung von Olympia Silber Gewinner Sasa Djordevic, der wegen internen Abstimmungsschwierigkeiten den Verein Ende März verlassen musste. Näheres wollte der FC Bayern München in Form von Geschäftsführer Marko Pesic vorerst nicht nach außen kommunizieren. 

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Der neue Trainer Dejan Radonjic

Das erste Pflichtspiel nach  der Entlassung des Chefcoaches ging unter Assistant Coach Emir Mutapcic deutlich gegen Vizemeister Oldenburg verloren. Nachfolger Dejan Radonjic weist allerdings bis zum Start der Playoffs eine weiße Weste mit einer makellosen Bilanz von 8:0 Siegen auf. Der Serbe, der schon während seiner Spielerkarriere als Trainerassistent bei KK Buducnost Podgorica fungierte, übernahm die Mannschaft ab 2006, bevor er 2013 nach Belgrad zu Roter Stern wechselte, um die Mannschaft dort in der Zeitspanne bis Ende der Saison 2016/17 zu 3 Meistertiteln in der serbischen Liga zu führen. Er arbeitete in Belgrad bereits mit den beiden  Bayernspielern Maik Zirbes und Stefan Jovic zusammen und kann in seiner Vita ein kurzes Engagement als Coach der  Montenegrinischen Nationalmannschaft vorweisen.

Check Up*

Im statistischen Bereich kann der dreifache deutsche Meister vollkommen überzeugen. 

In allen drei Bereichen liegt der Verein in den Top 2 und “streitet” sich jeweils nur mit dem Rekordmeister und Tabellenzweiten Alba Berlin um die Spitzenplatzierung. Alle anderen Teams liegen weit zurück. Der Tabellendritte Ludwigsburg folgt mit einem NetRtg von 13,87, der amtierende deutsche Meister aus Bamberg ist mit “nur” 9,25 immer noch vierter. Das sogenannte Net Rating ist die Differenz zwischen Offensive und Defensive Rating.  

Die Effizienz bzw das PIR des Teams bedeutet mit 108 pro Spiel ebenfalls Position eins, wirklich auffällig sind die weiteren Statistiken aber nicht mehr.  Einzig die Wurfquote aus dem 2-Punkte Bereich kann nochmal veranschaulichen wie dominant die Münchner in der Offensive wirklich sind. Mit 62.2 % ist man gut fünf Prozentpunkte besser als der Zweitplatzierte in dieser Kategorie. 

  • 2P-Percentage  62,2% (Ligabestwert)
  • 3P-Percentage  36,6%
  • FG-Percentage 54,0%  (Ligabestwert)
  • FT-Percentage  78,9%

*Stand zum 30. Spieltag der Hauptrunde

Kader und Verletzungen

Alle Statistiken der Spieler des FC Bayern München Basketball findet man hier und dann nur noch auf Statistiken wechseln.

Auch Bayern München blieb in dieser Saison nicht von Ausfällen verschont. Vladimir Lucic und Stefan Jovic fielen jeweils mehrere Spiele verletzungsbedingt aus, Power Forward Milan Macvan, der vor seiner Verletzung in guter Form war, für den Rest der Saison.  Reggie Redding wurde aufgrund einer handfesten Auseinandersetzung mit dem Berliner Joshiko Saibou an der auch Bayern Center Devin Booker, allerdings ohne längerfristige Folgen, beteiligt war, zeitweise für 3 Spiele gesperrt.  

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Aktuell sind aber außer Macvan alle Bayern Stars fit und einsatzbereit für die kommenden Aufgaben in dem entscheidenden Teil der Saison. Das Team spielt meist mit einer sehr ausgeglichenen und qualitativ hochwertigen 10er Rotation und zwei soliden Ergänzungsspielern, was im Hinblick auf die Belastung in den Playoffs völlig ausreichen sollte. Wirklich problematisch war es bei einem Titelaspiranten in jüngster Vergangenheit eigentlich nur bei den Ulmern in der vergangenen Saison, die nach einer grandiosen regulären Saison in den Playoffs nur noch auf eine 6er Rotation zurückgreifen konnten und somit im Halbfinale entkräftet an starken Oldenburgern scheiterten. Über dieses Szenario braucht sich der Tabellenführer aber derzeit keine Sorgen zu machen. 

Die Offensive des Pokalsiegers – Mit Fastbreaks und Pick and Roll zum Titel?

Kein Team der Liga ist wohl, was die Offensive betrifft, so extrem ausgeglichen wie der FC Bayern. Vier Spieler scoren durchschnittlich zweistellig, nimmt man den verletzten Milan Macvan mit ins Boot, ist es sogar noch einer mehr. Fünf weitere erzielen zwischen sechs und zehn Punkten.  Außerdem verteilt die Mannschaft 22.1 Assists pro Partie, was den 2. Platz in der BBL bedeutet.

Falls man sich dennoch einen MVP aus dem exzellent harmonierenden Kollektiv herauspicken möchte, würden sich die meisten vermutlich für Devin Booker entscheiden. Der US-amerikanische Center und Bruder von NBA-Forward Trevor Booker sollte natürlich nicht mit seinem Namensvetter, Phoenix-Suns Star Devin Booker, verwechselt werden, mit dem er abgesehen von seinem Namen und demselben Job zumindest auf den ersten Blick keine weiteren Gemeinsamkeiten teilt. Booker stellt dank seiner Athletik, Schnelligkeit und seinem Rebounding für jedes Team in der BBL ein sehr schwieriges MatchUp dar. Er profitiert dabei natürlich enorm von den Ballhandler Qualitäten seiner Mitspieler, die ihn gerade in Form von Neuzugang Stefan Jovic am Brett immer wieder gut in Szene setzen.

Aber auch die anderen Neuzugänge Braydon Hobbs und Jared Cunningham, die in  der Offseason als  fehlende Puzzlestücke im Kader ergänzt wurden, verfügen genauso wie Point Forward Reggie Redding und Anton Gavel über überdurschnittliche Fähigkeiten im Spielaufbau. Diese verleihen der Mannschaft die Fähigkeit einen der simpelsten aber gleichzeitig auch einen  der gefährlichsten Spielzüge immer wieder effizient einzusetzen: das Pick and Roll.

Elite Point Guard  Jovic, der ohne Zweifel zu den besten Passgebern des Kontinents gezählt werden darf, ist häufig der Auslöser für den Spielzug, der zu teils spektakulären Abschlüssen führt. Dabei bedient er aber nicht nicht nur Booker, sondern auch seine anderen Mitspieler. Vor allem  der deutsche Nationalcenter Maik Zirbes, mit dem er das Block und Abroll-Spiel bereits in ihrer gemeinsamen Zeit in Belgrad perfektioniert hat, ist eine sehr verlässliche Anspielstation für das Adlerauge des Serben. Eine  Schwäche im Kollektiv lässt sich allerdings dann doch ausmachen. Mit den im CheckUp erwähnten 36,6% von Downtown wirft von allen Playoff Teilnehmern nur Ludwigsburg schlechter. Durch ihre überragende 2er Quote konnten sie das zwar in der regulären Saison gut ausgleichen, bei intensiver Zonenverteidigung in den Playoffs könnten die Würfe von außen aber noch wichtig werden. München ist das Team mit den meisten Fastbreak-Abschlüssen der Liga. Auch wenn es hierzu leider keine Statistik gibt, die diese Behauptung belegen könnte, würden wohl nur die wenigsten, die die BBL in dieser Saison verfolgen, dieser Aussage nicht zustimmen. Selbst die kleinsten Fehler der Gegner werden häufig sofort gnadenlos bestraft und durch blitzschnelles Umschalten von der Defensive in die Offensive in leichte Punkte umgewandelt. Das sind sicher die Hauptgründe, warum der FC Bayern die Liga im Offensive Rating mit 119,2 Punkten pro 100 Possessions bzw. Ballbesitzen anführt. 

Könnte die Defensive zur Achillesferse des Titelfavoriten werden?

München ist ohne Zweifel auch Defensiv eines der stärksten Teams der Liga. Mit nur 101,42 zugelassenen Punkten pro 100 Possessions des Gegners muss man sich ligaweit nur Alba Berlin (99,99)  knapp geschlagen geben. Trotzdem wirkt die Verteidigung der Bayern instabiler als die Offensive. Auch wenn der Unterschied zu Berlin nur minimal sein mag und sie im ORtg ungefähr einen Punkt mehr erzielen als die Hauptstädter, so ist die Verteidigung im Basketball schon immer wichtiger gewesen als die Offensive und auch der minimale Unterschied kann in einer hart umkämpften best-of-five Serie durchaus am Ende ausschlaggebend über Sieg oder Niederlage sein. 

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Auch in puncto Ballgewinne und Blocks liegt München ligaweit weit vorne, ist allerdings nirgends Spitzenreiter. 8.1 verzeichnete Steals pro Begegnung bedeuten Platz drei, bei den Blocks (2.6) steht man gemeinsam mit den Fraport Skyliners aus Frankfurt  auf Position fünf. Allerdings erlauben sie ihren Konkurrenten nicht viele 2.Wurfchancen. Mit 26.2 Defensiv Rebounds pro Spiel greift sich der FC Bayern Basketball die meisten Abpraller aller Playoff Mannschaften bei gegnerischen Wurfversuchen. Nur die Gießen 46ers, die sich im Niemandsland der Tabelle einordnen können diesen Wert noch toppen, größtenteils an BBL Top Rebounder und Ex-Bayern Star John Bryant liegen dürfte. Die Help Defense des Teams ist lässt phasenweise zu wünschen übrig  und kann durchaus zu den Schwächen gezählt werden. Dafür kann München auf individuell starke 1-vs-1 Verteidiger wie Anton Gavel zählen, der in möglichen Serien gegen Berlin oder Bamberg individuell starken Scorern wie Peyton Siva oder Daniel Hackett auf den Füßen stehen könnte. 

Gelingt dem FC Bayern das Double?

In keiner anderen Saison seit 2014 waren die Chancen des FC Bayern Basketball auf den Meistertitel so hoch wie in dieser. Der Kader scheint perfekt zusammengestellt, die Teamchemie stimmt, die Rollen der Spieler sind klar verteilt und Serienmeister Brose Bamberg wirkt verwundbar und alles andere als gefestigt, sogar noch mehr als 2014, als sie bereits im Viertelfinale gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück die Segel streichen mussten. Ein  Problem gibt es da aber noch: Alba Berlin. Die Hauptstädter, das stärkste Team der Rückrunde, konnten zwar in den ersten beiden Saisonspielen, inklusive Pokalfinale noch besiegt werden, im heimischen Audi Dome wurden die Münchner Ende März dann aber teilweise vorgeführt und verloren letztlich deutlich. Man darf dabei zwar nicht vergessen, dass die Bayern damals zwei harte Eurocup Halbfinalpartien gegen Darussafaka in den Knochen hatten, trotzdem ist der Aufwärtstrend des Tabellenzweiten zum Ende der regulären Saison alles andere als beruhigend für den Klub, der den ersehnten Meisterpokal endlich wieder in eigenen Händen halten will.  Das Starensembles von der Isar geht natürlich als Pokalsieger und 1. Seed  verdient und völlig zurecht als Meisterschaftsfavorit in die Postseason und es wäre keine Überraschung, wenn sie ihrer Favoritenrolle dort auch relativ ungefährdet gerecht werden würden.

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