Cleveland Cavaliers, Indiana Pacers, Playoffs 2018

Die Cleveland Cavaliers und Indiana Pacers im Rematch

Können die Indiana Pacers LeBron James ein Erstrundenaus verpassen?

Die Cleveland Cavaliers und Indiana Pacers standen sich bereits in den letzten Playoffs gegenüber, haben sich aber jeweils so stark verändert, dass man augenscheinlich daraus für die anstehende Serie wenig schließen kann.

Im letzten Jahr schaffte es Paul George fast, sich LeBron James als ebenbürtig zu präsentieren, konnte aber leider dennoch kein einziges Spiel gewinnen und verlor alle 4 Erstrundenspiele in einer der knapperen ‘Sweeps’, die wir in der NBA je gesehen haben.

Inzwischen spielt Paul George in Oklahoma, und so wird Victor Oladipo versuchen müssen, diese Rolle zu übernehmen. Seine erste Saison in Indiana lässt darauf schließen, dass jenes Unterfangen möglich sein sollte, erst recht, da die Defensive der Cleveland Cavaliers seit letztem Jahr noch schlechter geworden ist.

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Stars

Victor Oladipo werden sich jedoch Probleme stellen, für die Paul George bedeutend besser geeignet waren. Zum einen fehlen ihm die Länge und Kraft, um LeBron James zu verteidigen. Andere Anwärter, denen man diese Verantwortung zutraut, gibt es im Kader der Pacers auch nicht wirklich – Lance Stephenson, der inzwischen eine sehr umfangreiche Playoffgeschichte mit LeBron erleben durfte, mag wohl der beste Kandidat sein.

Dies würde auch bedeuten, dass Oladipo Clevelands Guards verteidigen müsste, welche nach den Abgängen von Kyrie Irving und Isaiah Thomas keine große Gefahr mehr darstellen. Damit würden die Pacers einen ihrer besten Verteidiger auf einer Position verschwenden, die eine eher geringe Gefahr darstellt.

Des Weiteren waren LeBron James’ Teams in der Vergangenheit oft erfolgreich damit, ihn stellenweise und vor allem im letzten Viertel den besten Spieler seines Gegners verteidigen zu lassen. Gerade bei Matchups, wo LeBron bedeutend größer und stärker ist (z. B. gegen Derrick Rose, Isaiah Thomas, Stephen Curry, DeMar DeRozan, Kyle Lowry, Deron Williams und viele weitere Guards) konnte er seinen Gegenspieler fast komplett neutralisieren. Bei einem Team, das so sehr auf ihren Star angewiesen ist wie Indiana, könnte das schwerwiegende und womöglich unlösbare Konsequenzen haben.

Sicherlich ist die Frage berechtigt, ob LeBron nach einer Kampagne, die zumindest defensiv die schwächste seiner Karriere war, zu solchen Leistungen noch fähig ist. Dennoch wäre es eine Überraschung, wenn er in den Playoffs nicht seine alte Form zumindest annähernd zurückerlangen kann.

Indiana wird auch dafür sorgen müssen, dass sie Myles Turner besser in die Offense integrieren, als sie es letztes Jahr getan haben. Defensiv sah er für einen 20-Jährigen zwar gut aus, hatte aber ein miserables .452 TS%. Clevelands Frontcourt ist erstaunlicherweise sogar tendenziell besser geworden, weshalb es für ihn nicht unbedingt leichter werden sollte. Kevin Love scheint zudem ein besonders schlechtes Matchup für Turner zu sein, der seine natürlichen Vorteile gewissermaßen neutralisieren könnte.

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Teamvergleich

Was für Indiana spricht, ist, dass ihr Net-Rating diese Saison tatsächlich besser war. Sie schlossen die Saison +1.6 ab, während Cleveland nur mit +1.0 enden konnte. Nun darf man bei Cleveland nicht vergessen, dass sie seit der Trade Deadline ein völlig anderes Personal haben als es vorher der Fall war, was ihre Bilanz jedoch kaum beeinflusste.

Wichtig ist jedoch, dass ihre Defense, die vorher die schlechteste in der ganzen Liga war, seit der All-Star Pause und somit der Trade Deadline bei auf Rang 21 gestiegen ist. Das mag zwar noch immer nicht nach viel klingen, aber ihre Defense in den vorigen Monaten war so schlecht, dass sie trotz dieser Verbesserungen die Saison an 29. Stelle beenden.

Obwohl ihre Defense demnach problematisch ist, haben die Cavaliers und besonders LeBron gezeigt, dass man auch auf diese Art gewinnen, beziehungsweise durch die Eastern Conference rasen kann. Ihre Offense ist nämlich nach wie vor Top 5 und außer womöglich Milwaukee und Philadelphia hat kein Team einen Spielertyp, der James Schwierigkeiten bereiten könnte.

Es bleibt unwahrscheinlich, dass Cleveland sich defensiv verbessern kann, auch wenn Coach Tyronn Lue in diesem, so wie im letzten Jahr (fälschlicherweise), behauptet, sie hätten besondere Strategien für die Playoffs, die das Team besser machen würden. Fakt ist, keines der Teams im Osten hat defensiv genug Talent, um die Cavaliers zu stoppen, wenn sie in der Offensive das Niveau erreichen, zu dem sie fähig sind. Andererseits fehlt der Konkurrenz aber ebenso die Qualität, um offensiv in Tempo und Effizienz mitzuziehen. Gerade die Verteidigung der Pacers war nicht immer überzeugend und sie siedelten sich am Ende der Saison auf Platz 14 an.

Die größte Frage in dieser Serie, nebst Oladipos erste Chance sich als Go-to Guy zu beweisen, wird wohl sein, wie die neuen Cavaliers sich in den Playoffs zeigen werden. Larry Nance und Jordan Clarkson haben ihre ganze bisherige Karriere nur für die Lottery Teams der Los Angeles Lakers gespielt. Rodney Hood durfte letztes Jahr zwar gleich zwei Serien genießen, war aber im Grunde genommen eine Katastrophe für Utah. Er traf nur 26% seiner Dreier, hatte ein 43 TS% und zog kaum Freiwürfe – die er auch nur zu 61% traf. Sogar jede einzelne Catch-All Metrik (WS, BPM, RPM, VORP, etc) war im negativen Bereich. Der einzige Neuling mit einer starken Playoff-Vergangenheit ist der ehemalige Pacer und gebürtige Hoosier George Hill, der wohl ein wenig Extramotivation mitbringen wird.

Coaching

Einen letzten Blick sollte man vermutlich auf die Coaches werfen, die aber beide nicht besonders interessant scheinen und von denen man auch keine taktisch umwerfenden Anpassungen oder Schachzüge erwartet. Tyronn Lues Teams spielen schon immer recht uninspiriert, weshalb sich auch immer die Frage stellt, ob LeBron James einfach einen zu großen Schatten auf ihn wirft. Nate McMillan hat eine hervorragende Saison gecoacht und ein Team, das von vielen als Lotteryanwärter eingestuft wurde, in die Mitte des Playoffbrackets gebracht. Dennoch scheinen viele seiner Siege durch Oladipos Soloaktionen im letzten Viertel in Form von Pull-up Würfen aus dem Pick and Roll entstanden zu sein. Eine Strategie, die zwar funktionieren kann, in den Playoffs aber oft schiefgeht.

Fazit

Diese Serie ähnelt, trotz eines überholten Indiana-Teams, dem gleichen Matchup des letzten Jahres enorm. Daher dürfte man auch mit einem ähnlichen Ablauf rechnen. Es ist möglich, dass Cleveland doch noch eine Weile braucht, um sich zu fangen, aber vermutlich werden James’ Cavaliers Oladipos Pacers in 4 oder 5 Spielen besiegen und in die zweite Runde einziehen.

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