Draftprofile 2018

Jaren Jackson Jr.

Michigan State Spartans

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Datenblatt

Name: Jaren Jackson Jr.

Geburtsdatum: 15.09.1999

Größe: 6’11”

Gewicht: 240 lbs.

Spannweite: 7’4”

Position: Big

Team: Michigan State Spartans

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Tools

+ defensive Varibilität

+ Rollenspieler-Offense

– Shotcreation

– hohe Foulrate

– weiter ausbaufähige Muskelmasse

Scouting – Logbuch

01.03.2018

Obwohl sein vollständiges Profil erst verhältnismäßig spät auf unserem Draftradar erschienen ist, sollten aufmerksame Verfolger unserer Prospect-Coverage den Namen Jaren Jackson Jr. schon länger kennen. Wir haben den 18jährigen Freshman-Big der Michigan Spartans schon in zwei Podcasts besprochen.

Ganz aufmerksame Leser können sich eventuell sogar noch an unseren Scouting-Artikel zur FIBA U17-WM 2016 erinnern, in dem wir „Triple-J“ schon vor über anderthalb Jahren als ein großes Talent ausgemacht hatten. Die Worte von damals zum Pre-Senior-High School-Year Jaren Jackson Jr. lesen sich noch immer recht gut:

„An dieser Stelle hätte auch mit Troy Jones ein ziemlich starker Flügel-Allrounder stehen können, der mit seinem schon sehr runden Spiel viele Scouts überzeugte. In dieser Auflistung hat sich aber Jaren Jackson Jr. diesen Platz verdient, da sich der Forward in einem Team voller Top-Athleten noch einmal hervortat.

Bei den Teamvorstellungen fiel auf, dass der Sohn von Ex-Spur Jaren Jackson aktuell größer als die beiden nominellen Bigmen Carter Jr. und Whiley zu sein scheint. Allerdings bewegt er sich trotz seiner Körperhöhe und enormen Armspannweite mit der Leichtigkeit eines Guard und hätte wahrscheinlich mit seiner Mischung aus Sprungkraft und Geschwindigkeit auch in jeder Leichtathletikdisziplin Erfolge feiern können. Bisher nutzt er diese Tools vor allem, um in der Defense enorme Distanzen zurückzulegen, den Ring zu beschützen, mit hoher Frequenz Würfe am Perimeter zu blocken und den Fastbreak mitzulaufen. Angeblich soll er aber an der High School sogar Dreier werfen und treffen. Verfügt Jackson Jr. wirklich über einen nur annähernd verlässlichen Wurf und verbessert sein Spielverständnis sowie seine Intensität, kann er durch seinen Körper ein ungemein hohes Ceiling erreichen.“

In diesem Profil können wir uns ansehen, wie das Spiel des jungen Bigs in den vergangenen 20 Monaten gewachsen ist und wo seine Entwicklung hinführen könnte.

Athletik

5*-Spieler Jaren Jackson Jr. kam als #9 Prospect der letzten High School-Klasse und eines der jüngsten Talente dieses Draftjahrgangs an die Michigan State University. Der ihn umgebende Hype basierte vor allem auf seinen Tools. 6‘11‘‘ Körper gepaart mit einer Armspannweite von 7‘4‘‘ sowie einem stetig wachsenden Körpergewicht von aktuell 240 Pfund geben ihm perfekte Maße für einen New School-Big in der NBA, da sein Körper sowohl tolle Länge als auch eine robuste Leichtbauweise ausweist.

Jackson verfügt aber nicht nur über starke Werkzeuge, sondern auch über jede Menge funktionale Athletik. Gemessen an seiner Körpergröße sehen alle Bewegungen ungemein flüssig aus. Besonders seine geschmeidigen, langen Schritte stechen hervor und geben ihm überdurchschnittlichen Geschwindigkeit, wenn er viel Platz hat. Aber auch in begrenzten Räumen wirkt JJJ enorm flink und agil. Seine schnellen Füße machen es möglich. So zählt auch seine zweiter Sprung beim Kampf um Rebounds oder Blocks zu einem der besseren der NCAA. Nachdem er über das Freshman-Jahr schon stark an seinem Frame gearbeitet zu haben scheint und Muskelmasse aufgebaut hat, scheinen ihm auf körperlicher Ebene einzig elitäre Sprungkraft und Explosivität zu fehlen. In diesen Kategorien ist er „nur“ als überdurchschnittlich zu bezeichnen.

Defense

Steckenpferd des Spiels des Spartans ist ganz klar die Verteidigung. Nicht umsonst haben wir schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt dieser Saison eine Video-Analyse dieser Facette seines Spiels vorgenommen:

JJJ bringt ein ungemein großes defensives Potential mit. Seine Kombination aus Länge, Koordination, Agilität, IQ und vor allem auch Motor ist selten. Sie ermöglicht es ihm auf dieser Seite des Balles ein Spieler zu sein, der den Unterschied macht. Nur wenige andere Talente kommen ob des immer anspruchsvoller werdenden Jobprofils als echte NBA-Rimprotector in Frage – doch die Bewerbungs-Clips des Spartans sind überzeugend.

JJJ kann ohne Probleme weite Wege gehen, erfasst nötige Rotationen schnell und ist zumeist im defensive Stance zu finden:

Pick’n’Roll-Actions kann er auf unterschiedliche Art und Weisen auf hohem Level verteidigen.

Auch wenn er mal als Perimeter-Defender gefragt ist, gibt der junge Big eine gute Figur ab.

Sein größtes Asset sind aber seine Ringbeschützerqualitäten und sein Shotblocking, welches er besonders als Helper immer wieder effektiv anbringen kann. Dabei ist es erstaunlich, wie oft JJJ auch mit Offball-Zuweisungen an der Dreierlinie den Weg zurück zum Korb findet, um Würfe zu verändern und Punkte zu verhindert. Ihm helfen seine starken Antizipationsfähigkeiten und der Wille auch mit der schwachen Hand zu Blocken, wenn es die Situation verlangt.

Overall

Müsste ich defensive Schwächen nennen, würde ich auf seine verbesserungswürdige Postdefense verweisen, obwohl selbst diese auf College-Level wegen seiner athletischen Vorteile und seinem Wille zu Recovery-Plays gut aussehen kann…

…und zuletzt seine leider hohe Foulrate hervorheben (8,2 PF/100poss). Mehr Löcher lassen sich in seinem Verteidigungsspiel nicht finden, da er gegnerische Ballbesitze nicht nur via Rejection sondern auch mittels Rebound auf solidem Level (20 DREB%) zu beenden weiß. Vielmehr muss an dieser Stelle noch einmal auch statistisch herausgestellt werden, wie gut sein Einfluss auf dieser Seite des Feldes schon ist. Er ist der mit Abstand beste Spieler einer Top 8-CBB-Defense. Sein DRtg von 84,7 liegt vier Punkte unter dem seines verteidigungsstärksten Mitspielers. Er legt aktuell eine astronomische Blockrate von 14,8 BLK% auf und sendete damit mehr Würfe als Bagley und Ayton zusammen zurück zum Empfänger. Und dies, obwohl JJJ die meiste Zeit neben dem traditionellen Big Nick Ward spielt und dadurch gewungenermaßen oft auch fernab vom Korb verteidigt. Besonders interessant ist aber ein Blick auf die Advanced-Stats. Zur Zeit steht JJJ als Freshman bei einem DBPM von 11,1. Einen Wert über 10 legten seit der Erfassung dieser Statistik für den CBB (2010/11) in einer vergleichbaren Rolle lediglich Anthony Davis, Karl-Anthony Towns, Joel Embiid und Nerlens Noel auf. Wir sehen, dass der Spartan ein absolut elitäres Defensiv-Talent ist. Dies gibt ihm einen enorm hohen Floor. Sein Ceilling als Prospect bestimmt allerdings seine Offensive.

Offense

Auf der anderen Seite des Balles hat Triple-J auch einiges zu bieten. Allerdings ist er in der variablen MSU-Offense keine der ersten Optionen (23,4 USG%). Die Chancen, die sich ihm für Abschlüsse bieten, nutzt der Bigman dafür aber effizient (122 ORtg). Für ihn werden kaum Plays gelaufen. Vielmehr ist der Freshman dazu gezwungen durch Rollenspieler-Fertigkeiten zu glänzen.

Als überdurchschnittlicher Cutter ist er oft in guten Situationen anspielbar und erarbeitet sich leichte Punkte:

Putbacks nach Offensivrebounds kann er:

Dazu sind einfache Drives gegen sich bewegende Verteidigungen drin, die er sogar mit der Off-Hand abschließen kann:

Wirklich selbst kreierte Würfe aus dem Post- oder Faceup stellen allerdings eine Seltenheit für JJJ dar. Es scheint etwas Handling und Bewegungen abseits eines solide aussehenden Spin-Moves zu fehlen.

Positiv sollte Scouts und GMs aber sein Wurf stimmen. Die Bewegung ist zwar alles andere als sauber und eher als Push-Shot als als Bilderbuch-Jumper zu bezeichnen. Dennoch gilt: Wer trifft, hat recht. Und dies tut JJJ, weil er seine Füße gut setzt, sein Release hoch genug ist und der Wurf insgesamt nicht zu flach auf den Ring trifft. Aktuell sprechen 41 3P% bei 89 3PA und knapp 80 FT% für sich und geben wenig Anlass etwas an seiner Technik zu verändern, auch wenn dies perspektivisch eventuell noch mehr Konstanz verspreche könnte.

Aber das ist Zukunftsmusik. Wichtig ist zu diesem Zeitpunkt, dass JJJ den Sprungwurf als wohl wichtigstes Element des Basketballs unserer Zeit als Offensivdimension mit einbringen kann. Auch in der NBA wird er als extrem gefährlicher Pick’n’Pop-Spieler, als Ecken-Schütze oder abschlussfreudiger Transition-Trailer beachtet werden müssen und so für sein Team besonders als potentieller NBA-Fünfer ein Spacing-Plus darstellen.

Erfreulich war es zusätzlich zu beobachten, dass seine Decisionmaking-Kurve nach oben zeigt und er über das Jahr sein Gefühl für die Offense deutlich verbessert zu haben scheint. Zusätzliche Erfahrung scheint das Spiel für ihn sprichwörtlich zu verlangsamen bzw. seinen Entscheidungsprozess mit dem Ball in der Hand zu beschleunigen. Besonders in den letzten Spielen konnte JJJ dadurch öfter einmal seine solide Vision und überdurchschnittlichen Passer-Fähigkeiten präsentieren.

Um das nächste Level als Offensivspieler zu erreichen, wird JJJ an seinem Handling arbeiten müssen. Auf diesem Weg sollte er sich selbst mehr Drives kreieren und dadurch öfter Nutzen aus seinem schnellen ersten Schritt generieren können. Seine weitere körperliche Entwicklung wird ihm dabei helfen seine Core-Strength zu verbessern und am Korb damit noch etwas besser abschließen zu können (66 FG%@Rim).

Playerlevel

Jaren Jackson Jr. ist schwierig einzuordnen. Er ist mit seiner Kombination als Tools, defensiver Dominanz und klaren offensiven Stärken der wohl sicherste Bigman-Pick dieser Klasse. Allerdings stellt sich die Frage, wie wertvoll er als Spielertyp sein kann. Entwickelt er in der Offense keine Shotcreator-Fähigkeiten ist sein Upside als Spieler limitiert, obwohl er auch in der NBA potentiell zum defensiven Difference-Maker reifen könnte. Ohne selbstkreiertes Scoring auf hohem Level zu liefern kann ein NBA-Spieler wohl maximal der zweit- oder drittbeste Spieler eines Titelteams sein. Diese Problematik haben wir in mehreren Podcasts schon öfter einmal besprochen und gilt es bei der Bewertung JJJs mit einzuberechnen.

Spielervergleich

Der Spartans-Freshman fühlt sich nach einem Super-Rollenspieler an, der je nach Entwicklung All-Star-Level-Impact mitbringen könnte. Als mobiler, eher dünnerer Rimprotector gehört er zur neuen Schule von Bigs, in die auch Jonathan Isaac später einmal gehören möchte. Mit seiner defensiven Stärke und Variabilität erinnert JJJ auch oft an Good-Guy Nerlens Noel. Außerdem lässt er mich in vielen Facetten seines Spiels auch an einen etwas größeren Andrei Kirilenko denken, der in der heutigen NBA ein wohl noch gefragterer Spieler wäre als er es in der Vergangenheit ohnehin schon war.

Statssektion

Highschool:

 

Trivia

  • Sein Vater Jaren Jackson Sr. gewann einen Titel mit den Spurs.

Instagram

@therealjnari_

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5 comments

  1. D41

    Klasse Artikel!

    Ich höre aus Deinen Worten, dass er durchaus Potenzial hat auch seinen eigenen Wurf zu entwickeln. Dann wäre er ein extrem spannender Spieler. Lässt es seine Agilität auch zu ihn auf der 3 starten zu lassen ala KD oder siehst Du ihn in jedem Fall auf der 4 und als Smallball-Center?

  2. Mr. Finger-Roll

    Lässt es seine Agilität auch zu ihn auf der 3 starten zu lassen ala KD oder siehst Du ihn in jedem Fall auf der 4 und als Smallball-Center?

    Für die 3 ist er nicht gemacht: zu wenig Schnellkraft, zu langsam insgesamt. Das ist aber OK, denn auf der 4 und 5 ist er auf jeden Fall flexibel einsetzbar.

  3. Tobias Berger

    |Author

    Ich höre aus Deinen Worten, dass er durchaus Potenzial hat auch seinen eigenen Wurf zu entwickeln. Dann wäre er ein extrem spannender Spieler. Lässt es seine Agilität auch zu ihn auf der 3 starten zu lassen ala KD oder siehst Du ihn in jedem Fall auf der 4 und als Smallball-Center?

    Rein defensiv sehe ich weniger Probleme. Vierer, Dreier und Zweier verschwimmen ja immer mehr und dann muss sein Coach halt schauen, welche Dinge er switchen kann und welche nicht. Denke, dass er schon gegen viele Wings vor sich halten kann und seine Länge beim verteidigen immer eklig sein wird. Letztlich wären seine Rimprotection-Qualitäten aber etwas verschwendet, wenn er die ganze Zeit weit vom Korb entfernt agieren muss.

    Andersrum könnte er sein Team offensiv beschneiden, wenn seine zukünftige Franchise nicht zufällig zwei super fähige Leute für Vier und Fünf neben ihm hat. Für einen Fünfer sind seine Ballskills gut, für die Vier ausreichend. Auf der Drei würde ich seine Fähigkeiten mit dem Ball aktuell eher als unterdurchschnittlich sehen. Analog verhält es sich mit seinem Shooting. Wieder würde ein Coach also JJJ und seine Lineups nicht maximieren. Deshalb würde ich von zu vielen Experimenten mit ihm auf der Drei abraten, auch wenn er theoretisch nicht komplett verloren wäre.

  4. Avatar

    Nobody

    Kann mir nicht vorstellen, dass JJJ in der NBA auf dem Flügel spielt, denke auch eher, dass er offensiv vorwiegend als 4er/5er im P&R und P&P eingesetzt werden wird. Dass er permanent um Blöcke rennt, sehe ich nicht. Offensiv ist seine Rolle aber eh noch gar nicht abzuschätzen.

    Defensiv dagegen wird er top, da bin ich mir sicher. Er kann fast alles switchen, kann im P&R auch mal einen Guard vor sich halten und ist mit seiner Länge/ws echt eklig in Ringnähe. Solche Spieler sind sehr gefragt, weshalb ich nicht glaube, dass er in der Draft tiefer als auf 4 oder maximal 5 fällt.

  5. Coach K

    Da ich JJJ zu wenig gesehen habe live, kann er Vollzeit auf der 5 verteidigen? Das er Switchen kann ist klar. Aber hat er auch den Körper um hier gegen die Big Body zu bestehen?


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