NBA

Bloß kein Risiko zur Deadline?

Warum gerade die Top-Teams auf Trades verzichteten

Wie in der Deadline-Preview prognostiziert, waren die Cavs in den letzten Tagen eines der aktivsten Teams in Sachen Trades. GM Koby Altman hat nach inneren Querelen, Verletzungen und einigen enttäuschenden Wochen fast den halben Kader ausgetauscht. Isaiah Thomas und Channing Frye schickte er mit dem eigenen Pick 2018 für Larry Nance Jr. und Jordan Clarkson zu den Lakers. Für Jae Crowder, Iman Shumpert, Derrick Rose und einige kleinere Assets holte er Rodney Hood und George Hill aus Utah beziehungsweise Sacramento. Zuletzt durfte noch Dwyane Wade zurück zu den Heat. Eine Einschätzung dieses erheblichen Umbruchs mitten in der Saison ist natürlich schwierig. Allerdings dürfte kein Zweifel bestehen, dass für die Cavs ein ‚weiter so‘ nach den Vorgängen der letzten Wochen keine Alternative darstellte. Der Kader leistete klar weniger als die Summe der Einzelspieler erwarten ließe, die Defense schwamm praktisch schon die ganze Saison. Dass die Cavs aktiv wurden, war daher zu erwarten. Dass sie die einzige Franchise mit einigermaßen seriösen Titelambitionen sein würden, die überhaupt sportlich relevante Trades durchführten, überraschte schon eher.

An der Ligaspitze blieb es bei kleineren, teilweise nur finanziell relevanten Transaktionen: Die Blazers gingen wie zu erwarten unter die Tax, was sie Noah Vonleh kostete. Trotzdem dürfte sich der Trade mit den Bulls (für Cash und irrelevante Draftrechte) mittelfristig lohnen, weil auch Paul Allen kein Interesse an der Repeater Tax hat. Angesichts des überteuerten Kaders der Blazers scheint es unausweichlich, dass sie in den folgenden Jahren Luxussteuer zahlen. Also ist die Entscheidung nachvollziehbar, zumal die Entlassung von Andrew Nicholson per Stretch-Waive im Sommer sonst verhältnismäßig wenig Sinn ergeben hätte. Ähnliche Überlegungen verleiteten die Wizards dazu, den nicht benötigten Sheldon Mac an die Hawks zu schicken. Allerdings erhalten sie so nur die direkten Tax-Einsparungen, die gesamten 7 Millionen konnten sie offensichtlich nicht loswerden. Unter den Stand 10.2. je sechs besten Teams der beiden Conferences tradeten 2018 nur zwei für Spieler, die sportlich irgendeine Relevanz aufweisen: Die Raptors versprechen sich anscheinend mehr von Malachi Richardson als von Bruno Caboclo, den die Kings aufgrund eines benötigten Roster Spots unmittelbar entließen. Die Bucks erhielten in Tyler Zeller noch etwas Tiefe auf den großen Positionen, was immerhin einen Zweitrundenpick kostete. Es besteht vermutlich kein Zweifel, dass diese vier Transaktionen die Playoffs allenfalls minimal beeinflussen.

Ein Vergleich der aktuellen Standings mit den zur Deadline aktiv gewordenen Teams verdeutlicht, dass die Ligaspitze damit jedoch eine Ausnahme darstellt: Fast alle, die noch im Kampf um die Playoffs stehen, versuchten ihre Chancen für diese Saison und möglichst auch darüber hinaus zu verbessern. Die schlechteren Teams führten ebenfalls Trades durch, um zusätzliche Assets zu erhalten. Einzige Ausnahme stellten interessanterweise die Atlanta Hawks dar, die von der Deadline nur finanziell profitierten, da sie unmittelbar alle ertradeten Spieler – wie auch zusätzlich Marco Belinelli –entließen. Ansonsten vollzogen viele Franchises den in der NBA naheliegensten Tradetyp: Ein Lottery-Team gibt einen Veteranen an ein Playoff-Team ab und erhält dafür jüngere Spieler oder Picks. In den meisten Fällen dürften die beteiligten Spieler eher das Ende der Rotation einnehmen, wie etwa bei Heat, die Luke Babbitt von den Hawks zurückholten. Ähnlich sind die Pistons-Trades mit Bulls und Grizzlies für Jameer Nelson beziehungsweise James Ennis einzuschätzen. Etwas mehr spielerische Substanz wechselte in der etwas komplizierteren Drei-Team-Version von Nuggets (Devin Harris), Knicks (Emanuel Mudiay) und Mavs (Doug McDermott). Auch alle Bulls-Akquisitionen – der Trade mit Detroit, schlechte Verträge und ein Pick für Nikola Mirotic und die Aufnahme von Noah Vonleh – entsprechen dem typischen Rebuild-Verhalten. Auch wenn beispielsweise Asiks Vertrag ein recht hoher Preis für einen Erstrundenpick darstellt, profitieren von diesen Konstruktionen meistens beide Seiten. Gerade die Kleinst-Deals für Seconds oder Cash können kaum schaden, aber bringen einigen Playoffkandidaten dringend benötigte Tiefe.

An sich hätte auch die Kings-Seite des Drei-Team-Trades mit Cavs und Jazz in diese Kategorie fallen können. Allerdings sorgt Sacramento mal wieder für Kopfschütteln, weil gerade die Aufnahme von Assets nicht erfolgte – stattdessen mussten sie zur Durchführung des Trades sogar Talente abgeben beziehungsweise entlassen: Malachi Richardson ging wie angesprochen für Caboclo nach Toronto, der dann, wie der erst 2016 mit dem 13. Pick gedraftete Georgios Papagiannis für einen Roster Spot gewaived wurde. Dafür erhielten die Kings in Iman Shumpert und Joe Johnson alte, teure Spieler, einen Zweitrundenpick und Cash. Es ist zumindest fragwürdig, den erst im Sommer verpflichteten George Hill zu so schlechten Bedingungen wieder loswerden zu wollen. Wäre der Cavs-Pick zu den Kings statt zu den Lakers im Thomas/Nance-Trade gegangen, hätten vermutlich beide weniger Verwunderung ausgelöst. Für die Cavs ist es insgesamt egal, für die Kings nicht. Die Jazz und Lakers profitieren beide vor allem bei Cap-Management: Jae Crowder steht anders als Rodney Hood noch zwei Jahre unter Vertrag und könnte in einem strukturierteren Team seinen Wert rehabilitieren. Für die Lakers ist es in jedem Fall von Vorteil, wenn Jordan Clarksons etwa 13 Millionen Dollar pro Jahr aus den Büchern verschwinden. Wenn im Sommer keine größere Free Agent-Verpflichtung gelingt, gleicht der Cavs-Pick den Verlust von Nance trotzdem aus.


Daneben vollzogen einige weitere Teams Transaktionen, die eher einen Schritt zur Seite statt vor oder zurück bedeuteten. Wie schon im Reaktions-Pod angesprochen, erscheint beispielsweise der Swap von Dante Cunningham gegen den gerade erst von den Bucks zu den Nets gewechselten Rashad Vaughn sportlich schwer zu erklären – vermutlich spielten hier finanzielle Überlegungen und schlicht der Umstand, dass beide nicht wirklich weiterhelfen, eine Rolle. Logischer erscheint der Trade von Elfrid Payton zu den Suns: Die benötigen einen Playmaker und können so risikoarm einen relativ jungen Spieler ausprobieren. Die Magic haben offenbar schon beschlossen, dass Payton nicht in ihre weiteren Pläne passt. Unter diesen Umständen ist es ähnlich wie bei den Jazz und Hood sinnvoller, sich zur Deadline von dem Spieler zu trennen. Willy Hernangomez steht zwar noch über diesen Sommer hinaus unter Vertrag, die Konkurrenz im Kader der Knicks ließ einen Trade allerdings trotzdem naheliegend erscheinen. Wieso er nach guten Leistungen in seiner Rookie-Saison nicht mehr Minuten erhielt, ist allerdings genauso fragwürdig wie die Entscheidung der Hornets, ihn für zwei potentiell hohe Seconds in ein Team mit ähnlich dicht besetzter Big-Rotation zu holen. Insgesamt erscheinen die Moves ohne klare Richtung daher wie zu erwarten weniger überzeugend. Angesichts der geringen sportlichen Relevanz der beteiligten Spieler dürfte allerdings keine der Entscheidungen gravierende Folgen haben.

Dieser Satz gilt mit Ausnahme der Cavs-Deals und des Griffin-Trades vor einigen Wochen mehr oder weniger für alle bisherigen Transaktionen des Kalenderjahres 2018. Zwar ist gar nicht so wenig passiert, meistens aber wie vor vier Jahren in erster Linie jenseits des Rotationskerns der beteiligten Teams. Besonders auffällig ist wie thematisiert, dass eigentlich nur Franchises unter offensichtlichem Zugzwang aktiv wurden. Unter Einbeziehung des Clippers-Pistons-Trades waren die Teams um Rang 8 deutlich die aktivsten, zusätzlich zu den aus internen Gründen unter Druck stehenden Cavs. Daher stellt sich die Frage, wieso die Contender sonst so zurückhaltend blieben.


Grundsätzlich erscheint es logisch, dass die erfolgreichsten Teams weniger Notwendigkeit zu Trades sehen. Allerdings waren etwa Raptors, Rockets und Thunder zur letzten Deadline ziemlich aktiv. OKC hätte zudem aufgrund der Roberson-Verletzung durchaus Handlungsbedarf gehabt, Washington in geringerem Ausmaß aufgrund des Ausfalls von John Wall ebenfalls. Die Celtics galten in den Gerüchten der letzten Wochen als eines der aktiveren Teams, mit Ambitionen auf Tyreke Evans – den die Grizzlies behielten, obwohl von interessanten Paketen berichtet wurde – und Marcus Smart als möglichem Abgang.

Es wäre naheliegend, die Zurückhaltung der Topteams auf die Dominanz der Warriors und mit Abstrichen Rockets zu schieben. Wer den Weg zur Meisterschaft oder auch nur in die Conference Finals sowieso versperrt sieht, bevorzugt vielleicht die langfristige Perspektive. Allerdings erscheint trotz des Cavs-Retools zumindest im Osten eine Finalteilnahme nicht unrealistisch, was für alle realistischen Kandidaten einen erheblichen Achtungserfolg bedeuten würde.

Einen weiteren möglichen Faktor stellt die Aussicht auf den Draftjahrgang dar. Gerade an der Spitze scheint die kommende Class vielversprechend, was nicht nur die Cavs mit dem Brooklyn-Pick beeinflusst haben, sondern auch andere Franchises auf einen Trickle-Down-Effekt hoffen lassen könnte. So ließe sich erklären, warum deutlich weniger Firstrounder als im letzten Jahr die Besitzer wechselten. Dass einige der Top-Franchises wie Rockets und Thunder ohnehin schon die eigenen Draftrechte abgegeben haben, verringert die Zahl der verfügbaren Picks zusätzlich. Die trotz Anhebung im letzten CBA immer noch relativ geringen Gehälter der kommenden Draftees spricht zusätzlich gegen einen zu großzügigen Umgang mit Picks. Allerdings sind in diesem Zusammenhang die Unterschiede zum Sommer und der letzten Deadline nicht so groß, dass die geringe Tradefrequenz vollständig zu erklären wäre.

Daher erscheint, gerade angesichts der Entwicklungen seit der Deadline, ein weiterer Punkt beachtenswert: Viele Franchises ohne realistische Playoffambitionen entlassen praktisch alle Spieler jenseits ihrer Prime, deren Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre. Besonders bei gerade in Trades erhaltenen Expirings kann mit der Meldung rechnen, dass ein Buyout erreicht wurde. Konkret haben in den Tagen seit der Deadline bereits Joe Johnson, Marco Bellineli, Brandan Wright, Derrick Rose und Tony Allen diesen Schritt hinter sich gebracht. Weitere wie etwa Vince Carter könnten folgen; Greg Monroe steht bereits wieder bei den Celtics unter Vertrag. Dieser Weg ist für die Topteams besonders attraktiv, weil die Spieler meist weder Assets noch ein besonders hohes Gehalt kosten. Die Verpflichtung per Trade würde zudem ein Matchen der Salarys erfordern, was bei den teureren der genannten Spieler kaum möglich gewesen wäre. Was für die Contender jedoch von Vorteil ist, ruiniert den Lotteryteams den Markt zur Deadline. Wenn sich die Ligaspitze immer mehr auf diese Alternative verlassen können, werden schlechte Teams ihre Veteranen immer schwerer los. Dadurch reduziert sich generell der Gegenwert, mit dem zur Deadline zu rechnen ist. Viellicht ist vor diesem Hintergrund die Zurückhaltung einiger Lottery-Franchises – wie etwa der Grizzlies mit Tyreke Evans – besser erklärbar: Wenn die Tradepartner davon ausgehen, in jeder Hinsicht die bessere Verhandlungsposition aufzuweisen, kann das Signal gegen den Trade mehr wert sein als einige mittelmäßige Assets. In kommenden Jahren könnte sich daher die Situation wieder verschieben, dieses Jahr blieb es jedoch gerade aufgrund der Buyout-Verpflichtungen so ruhig.

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4 comments

  1. Julian Lage

    |Author

    Korrektur: Die Kings haben statt Caboclo nur ihren anderen Erstrundenpick 2016 neben Richardson, Papagiannis, gewaived… Ursprünglich hieß es, der Bruno-Trade sei wie beschrieben gedacht gewesen. Aber macht die Sache nicht besser, wenn man zwei Erstrundenpicks nach nicht mal 2 Jahren aufgibt. Danke an Fabian für den Hinweis!

  2. Smido83

    Es passt hier zwar nicht so richtig hin, aber ich wollte kein neues Thema aufmachen.
    Wenn man Sich den Westen ansieht, dann ergbt sich aktuell ein Bild, welches schon sehr außergewöhnlich ist.

    2 Teams ragen über allem (9,5 Spiele Vorsprung)
    Danach folgen dann 8 Teams die allesamt noch Chancen auf Platz 3, oder wenigstens PO haben (4,5 Spiele auseinander)
    Dann folgt ein “mittelmäßiges” Team, welches wohl aus dem PO Kampf raus, aber auch zu gut für nen top Pic ist.
    Und dann folgen 4 Teams die allesamt um die schlechteste Bilanz der Liga kämpfen (Alle 18 Siege)

    Gäbe es die Lakers nicht, hätte man eine nahezu perfekte 3 Klassengesellschaft! Das erklärt, zumindest im Westen, vieleicht etwas das Tradeverhalten der Teams. Houston/Golden State sind so stark, weshalb sollten die groß was ändern? Die folgenden 8 Tems haben z.T. reagiert, aber weniger die, die schon in den PO stehen, als die, die aktuell noch außerhalb der Top 8 liegen. Ein hohes Risiko ist aber keiner eingegangen, weil dann die Chance aus den PO zu fliegen wohl größer wäre als noch Platz 3 zu ergattern. Und die “Bottom 4”? Die versuchen zumindest nicht besser zu werden. Die Kings sind All In im Kampf um den Top Pic. Hätte mich nicht gewundert, wenn Sie Randolph auch noch gegen Aufpreis verschifft hätten. Dallas sieht sich anscheinend als “schwach genug” an, was ich leider nicht so sehe! Aus Mejri hätte man doch was macchen können, und Dougie McBuckets trifft sogar den Team need und könnte ein Upgrade über Harris sein. Alleine wegen seiner Größe.
    Und welches Team ändert genau genommen am meisten? Richtig… das Team, bei dem es um nix mehr geht! Aber diese großen Änderungen haben auch nichts mit der aktuellen sportlichen, sondern nur der kommenden Free Agent Situation zu tun! Verrückt… :stupid:

    Wie gesagt, bin mir nicht sicher wie diese Tabellenstände hier zum Thema passen, aber außergewöhnlich ist so ein Bild schon.

  3. Julian Lage

    |Author

    Ziemlich genau so hatte ich das Tradeverhalten doch im Artikel erklärt… Die Spitzenteams haben größtenteils nichts gemacht, außer den Cavs, die mussten. Die meisten Teams im Kampf um die letzten Playoffplätze haben versucht, sich zu verstärken. Die Lakers sind genauso raus wie alle dahinter, die paar Siege mehr machen für das Tradeverhalten keinen größeren Unterschied. Höchstens, dass sie den eigenen Pick nicht haben.

  4. Smido83

    Ziemlich genau so hatte ich das Tradeverhalten doch im Artikel erklärt… Die Spitzenteams haben größtenteils nichts gemacht, außer den Cavs, die mussten. Die meisten Teams im Kampf um die letzten Playoffplätze haben versucht, sich zu verstärken. Die Lakers sind genauso raus wie alle dahinter, die paar Siege mehr machen für das Tradeverhalten keinen größeren Unterschied. Höchstens, dass sie den eigenen Pick nicht haben.

    Darauf wollte ich auch nicht hinaus. Nur darauf wie außergewöhnlich die Tabelle im Westen derzeit aussieht, bzw. das dies deine Feststellung erklärt.

    2 Top Dogs die über allem stehen
    8 Teams die nah beieinander liegen und um die PO, bzw. sogar Platz 3 streiten
    1 Team im Niemandsland
    4 Teams die mit gleicher, mieserabler Sieganzahl um den Top Pic spielen

    Ich zumindest kann mich an eine solche Konstellation nach 2 Dritteln der Saison nicht zurückerinnern.


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