Oklahoma City Thunder

Ersatz per Trade?

Die Lage der Oklahoma City Thunder nach dem Ausfall Andre Robersons - Teil 1

Spätestens nach Andre Robersons schwerer Verletzung ist klar, dass die Oklahoma City Thunder bis zur Trading-Deadline aktiv werden müssen, wenn sie auch nur eine Chance auf mehr als das Conference-Halbfinale haben wollen. Der monatelange Ausfall ihres Defensivspezialisten Roberson, der sich berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung für das All-Defense-Team machen konnte, reißt ein enormes Loch in die Starting-Five der Thunder. Im ersten Teil einer zweiteiligen Analyse werden wir darauf eingehen, welche Möglichkeiten Thunder-GM Sam Presti noch bis zum 8. Februar hat, um Roberson per Trade zu ersetzen. Im zweiten Teil wird es nach der Deadline darum gehen, wieso Robersons Einfluss auf die Defense der Thunder so einzigartig war und wie das dann bestehende Team ihn sportlich ersetzen kann.

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Auch die Bank ist ein Problem

Darüber hinaus muss man jedoch auch konstatieren, dass das Team nach Prestis Fabelsommer – er zog bekanntermaßen Paul George und Carmelo Anthony an Land – noch lange nicht fertig ist und zum Teil auf der Bank erhebliche Schwächen hat. Der zweiten Reihe fehlt sowohl ein starker Scorer als auch ein veritabler Back-Up-Center. Immer wenn Big Man Patrick Patterson große, massige Spieler wie zuletzt Boban Marjanovic oder Joel Embiid verteidigen musste, wurde klar, dass er allerhöchstens als Small-Ball-Center fungieren kann und sonst besser neben einem wirklich großen und massigen Big aufgehoben wäre. Und in Sachen Scoring liefert kein einziger Bankspieler zurzeit mehr als die 7,2 PPG von Jerami Grant und niemand kann verlässlich für sich selbst oder gar andere kreieren. Lineups mit mehreren Bankspielern gehen deswegen regelmäßig unter. So hat die Aufstellung Felton-Abrines-George-Grant-Patterson ein Net-Rating von -58 in 148 Minuten; die Vierer-Kombination Felton-George-Grant-Patterson kommt sogar auf -121 in 223 Minuten. Die Bank verspielt also regelmäßig die Vorsprünge, die die Starter herausspielen.


Schon der sportliche Spagat, den Sam Presti schaffen muss, um sein Team fit für die Playoffs zu machen, ist eigentlich kaum schaffbar. Doch neben den spielerischen Aspekten muss er auch noch die finanziellen Rahmenbedingungen beachten. Auch in diesem Jahr liegen die Thunder, wie schon 2015-16, über der Luxussteuer-Grenze und zahlen – Stand 01. Februar – 131 Millionen Dollar an ihr Roster aus. Im nächsten Jahr werden es mindestens 144 Millionen sein, vorausgesetzt Paul George und Carmelo Anthony ziehen ihre Player-Optionen und bleiben in ihren aktuellen Verträgen. Gerade bei George ist das aber unwahrscheinlich. Sollte er in Oklahoma City bleiben wollen, würde er wohl einen neuen Maximalvertrag unterschreiben, was den Kader noch teurer machen würde. Presti kann es sich also kaum leisten, Spieler mit längeren, teuren Verträgen aufzunehmen.

Im Idealfall muss Presti drei Spieler bekommen: einen defensivstarken Flügel, einen starken Guard-Scorer und einen defensivstarken Back-Up-Center. Alle drei sollten einen möglichst billigen Vertrag besitzen, der vielleicht auch noch nicht im Sommer ausläuft. Wer sich ein bisschen in der NBA auskennt weiß, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Was die Thunder abgeben könnten

Neben Russell Westbrook, der noch bis September nicht getradet werden kann, und Carmelo Anthony, der eine No-trade-Klausel besitzt, sind mit ziemlicher Sicherheit auch Paul George und Steven Adams sowie aus persönlichen Gründen Nick Collison unantastbar. Auch Roberson selbst wird kaum getradet werden, da kaum abzusehen ist, wie sich seine Verletzung entwickelt. Bleibt der Rest des Teams. Alle anderen Spieler sind zu haben. Einige – Patrick Patterson und Terrance Ferguson zum Beispiel – wohl nur bei einem (sehr) guten Angebot, andere wie Alex Abrines oder Kyle Singler müssten eigentlich allein schon aufgrund ihres Gehaltes und den Regeln des CBA in jedem Trade involviert sein. Addiert man die Verträge von Singler, Abrines, Josh Huestis, Jerami Grant und Dakari Johnson auf, könnten die Thunder rund 14 Millionen Dollar an Verträgen zurückbekommen. Von den genannten Spielern haben jedoch nur Abrines und Grant irgendeinen sportlichen Wert, die anderen würden bei Bedarf als Salary-Filler dienen. In Sachen Draftpicks können die Thunder ihre eigenen Zweitrundenpicks 2018 und 2019, den Secondrounder der Boston Celtics 2018 sowie frühestens den Erstrundenpick des Jahres 2024 abgeben.

Ein Ersatz für Andre Roberson?

Die größte Lücke im Kader der Thunder besteht natürlich auf dem Flügel. Es wird jedoch kaum machbar sein, den verletzten Roberson per Trade eins zu eins zu ersetzen. Presti sollte deswegen nach einem anderen Spielertyp Ausschau halten: Flügelspieler, die defensiv spielbar sind und offensiv deutlich mehr beitragen können als Roberson. Einen solchen zu einem akzeptablen Preis zu finden, wird die schwierigste Aufgabe der Deadline. Falls Marcus Smart auf dem Markt sein sollte, wäre der Guard der Celtics sicherlich derjenige, der am ehesten an Robersons Spielweise und Defensivstärke herankäme. Gegen ihn spricht, dass es wahrscheinlich mindestens einen Erstrundenpick kosten würde, ihn zu bekommen und sein auslaufender Vertrag im Sommer teuer verlängert werden müsste. Interessant könnten auch Rodney Hood und Alec Burks von den Utah Jazz sowie Courtney Lee (New York Knicks) sein. Bei den beiden letzteren stehen allerdings auch teure Verträge bis 2019 bzw. 2020 in den Büchern.
Wenn Presti – wie schon so oft – eher versuchen will, jüngere, entwicklungsfähige Spieler zu bekommen, könnte er bei den Detroit Pistons wegen Stanley Johnson anfragen. Der defensivstarke Flügel könnte auf dem Markt sein, wenn die Pistons im Gegenzug Schützen für ihr damit nicht gerade gesegnetes Team bekommen können. Tätig werden sollte Presti jedoch in jedem Fall.

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Angesichts ihrer Leistungen in den vergangenen Wochen scheint es weniger sinnvoll, Roberson intern durch Terrance Ferguson oder Josh Huestis ersetzen zu wollen, wie es z.B. der ESPN-Journalist Bobby Marks zuletzt berichtete.

Verstärkung für die Bank?

Darüber hinaus könnte Presti versuchen, einen der verfügbaren Scoring-Guards zu ergattern. Lou Williams und Tyreke Evans besitzen beide auslaufende Verträge; zumindest Evans wird wohl sehr sicher zur Deadline das Team wechseln. Ein Guard mit starkem Scoring würde die eine Lücke auf der Bank schließen und könnte dazu beitragen, dass sich die Bank besser im Spiel hält als zuletzt. Wichtiger erscheint es jedoch, die allgemeine Lücke auf dem Flügel zu schließen. Ob dafür ein nur auf Scoring ausgerichteter Spieler reicht ist zweifelhaft.

Unabhängig davon scheint es zumindest für die Regular Season sinnvoll, einen weiteren Center zu verpflichten. Dies muss jedoch nicht unbedingt per Trade geschehen, da auf dem Buyout-Markt wohl einige Center zu haben sein werden.

Ausweg Buyout-Markt?

Greg Monroe und Andrew Bogut wurden schon aus ihren Verträgen gekauft, Tony Allen, der allerdings zurzeit noch verletzt ist, wurde von den Chicago Bulls entlassen. Weitere Buyouts könnte es bei Joe Johnson und Brook Lopez geben, die beide mit ihrer Situation in Utah bzw. bei den Lakers unzufrieden sein sollen. Alle diese Spieler werden sich wahrscheinlich Playoff-Teams anschließen wollen, Monroe hat nun auch zwischenzeitlich schon bei den Celtics unterschrieben.

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Alle verbleibenden könnten für die Thunder von Interesse sein. Allen kann trotz seiner 36 Jahre immer noch 10-15 defensivstarke Minuten beisteuern, Johnson ist auf dem Flügel in jedem Fall spielbar und die beiden verbleibenden Big Men bringen Größe und Erfahrung sowie im Fall von Bogut auch brauchbare Defense mit. Es ist natürlich nicht sicher, dass die Thunder einen dieser Spieler verpflichten können, aber Sam Presti wird es insbesondere bei den Centern mit Sicherheit versuchen.

Fazit

Nach Andre Robersons Ausfall ist Sam Presti unter Zugzwang, sein Team noch einmal entscheidend zu verbessern. Es ist jedoch klar, dass es in der Liga kaum einen zweiten Spieler wie Roberson gibt. Er kann deswegen nicht via Trade eins zu eins ersetzt werden. Neben Presti muss deswegen auch Coach Donovan handeln und die Defensive seines Teams umstellen. Passend zu diesem Plan sollte Presti dann einen oder mehrere neue Spieler verpflichten. Dass ihm dafür de facto keine Draftpicks und nur wenige Spieler mit sportlichem Gegenwert zur Verfügung stehen, macht die Sache nicht unbedingt einfacher, vor allem da ja auch noch die Probleme der Bank beseitigt werden müssen. Presti täte deswegen gut daran, sich auf eine oder maximal zwei Aufgaben zu konzentrieren – und insbesondere das Center-Problem über die Verpflichtung eines herausgekauften Spielers zu lösen. Es kann passieren, dass Presti es nicht schafft, das Team für einen Playoffrun entscheidend zu verstärken. Wenn es ihm jedoch wie schon im Sommer gelingt, mit wenigen Assets für wirklich gute Spieler zu traden, ist zumindest bis zum Aufeinandertreffen mit den Warriors in den Playoffs vieles möglich.

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4 comments

  1. Dennis Spillmann

    OKC besitzt doch gar nicht den 1st der Celtics oder? Wäre mir zumindest neu.

    Das ist richtig. Es ist der Zweitrundenpick, nicht der First. Danke für den Hinweis.

  2. Sebastian Hansen

    |Author

    In Sachen Draftpicks können die Thunder ihre eigenen Zweitrundenpicks 2018 und 2019, den Secondrounder der Boston Celtics 2018 sowie frühestens den Erstrundenpick des Jahres 2024 abgeben.

    War das zu missverständlich? Gemeint ist natürlich der eigene Firstrounder 2024.

    EDIT: Ah, Dennis hat es gleich geändert? Sorry für den Fehler!

  3. Benchplayer

    Denke mit den 2nds wird es schwer einen ordentlichen Ersatz zu finden.

    Bogut oder Brook Lopez könnte ich mir gut vorstellen. Glaube aber nicht das Lopez einen Buyout bekommt. Mit Bogut hätte man zumindest einen soliden Center der auch die Defensive stabilisieren kann. Dann bräuchten die Thunder nur noch einen Scorer für die Second Unit.

    Einen Trade den ich mir dann gut vorstellen könnte wäre Lou Williams gegen Ferguson, Singler und einen 2nd. OKC hätte dann einen starken Scorer für die Second Unit und Bogut könnte die Defensive stabilisieren.

    Westbrook/ Felton
    Abrines/ Williams
    George/ Huestis
    Anthony/ Patterson/ Grant
    Adams/ Bogut

    Mit dem Kader könnte man in den Playoffs deutlich besser aussehen und zudem müsste Patterson dann auch nicht mehr Center spielen, sondern könnte eine gute Rolle spielen.


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