3-on-1 Fastbreak, Cleveland Cavaliers, Houston Rockets, Milwaukee Bucks

Wer sind die Kandidaten für die MVP-Trophäe?

3-on-1 Fast Break: Midseason-Award-Favoriten, Teil 2

Etwa die Hälfte der Regular Season in der NBA ist vorbei. Es zeichnet sich bereits recht deutlich ab, welche Teams schon für die Playoffs planen können, wo es vermutlich nur noch um Spielerentwicklung und Picks geht oder bei welchen Teams noch zwischen Platz 5 und 12 alles denkbar ist. Aber auch die Spieler können sich schon langsam Gedanken machen, wie es mit individuellen Auszeichnungen aussieht. Einige Veteranen suchen vielleicht schon nach Platz in ihrem gut gefüllten Trophäen-Schrank, andere können auf ihren ersten (Profi-)Award hoffen. Alle Kandidaten heute haben schon mindestens eine der wichtigsten Auszeichnungen gewonnen, was nicht überrascht, denn es geht um die MVP-Kandidaten. Nachdem Russell Westbrook kein Triple-Double mehr auflegt und zwei weitere Kandidaten im selben Team spielen, läuft alles auf einen erstmaligen MVP hinaus – oder einen altbekannten…

Nicholas Gorny: Die Vergabe des MVPs folgt seit der vergangenen Saison offenkundig neuen Richtlinien. Teamerfolg ist nur in gewissem Maße ein Ausschlusskriterium. Die Cleveland Cavaliers befinden sich in einer erneuten Krise (wenn man so will) und belegen mit einer 27-17 Bilanz lediglich Platz 3 der Eastern Conference. Das Team ist von ausbleibenden Leistungen einzelner Spieler, Rosterumschwüngen und vor allem katastrophaler Defense geplagt. Eine positive Konstante hat indes seit jeher Bestand. LeBron James liefert auch in seiner fünfzehnten (!) Saison, nach über 50.000 absolvierten Minuten, ein Komplettpaket, das in der Form nach wie vor seinesgleichen sucht. James trägt auch mit 33 die Offensive eines Finalsaspiranten mit beeindruckender Effektivität und Effizienz. Auch wenn seine Leistungen von Saisonbeginn nicht ganz aufrecht erhalten werden konnten, brilliert James mit seinen elitären Passfähigkeiten (43.9 AST%: Karrierebestwert), seinem Reboundinstinkt (TRB% 12.1) und seinem Scoring. Dabei agiert er am Ring so effizient wie noch nie in seiner Karriere. Ganze 76.1% seiner 380 Versuche am Brett schloss James in dieser Saison erfolgreich ab. War es für Defensiven oftmals ratsam, James aufgrund seiner Effizienz den Drive  zu erschweren und ihm im Zweifel den Distanzwurf zu geben, ist diese Taktik bisweilen keine Option. James trifft bei guten fünf Versuchen pro Spiel 37% von Downtown. Auch sein Postgame zeigt sich immer vielseitiger, bindet Verteidiger, schafft dadurch entscheidende Räume für die Rollenspieler der Cavaliers und ermöglicht nicht zuletzt effiziente Abschlussmöglichkeiten für James selbst. James Scoring befindet sich auch in dieser Saison auf elitärem Level. Ein 119er ORtg mit einer TS% von 63.4 bieten nahezu keinerlei Raum für Kritik. Legt man beim Scoring den Fokus auf die Vielseitigkeit, kann man gar soweit gehen und behaupten, dass James noch nie so fasettenreich auf höchstem Niveau den Spalding im Korb versenken konnte. Dieser Umstand gleicht auch zu Teilen seine langsam nachlassende Athletik aus. James nutzt Winkel und erkennt Räume, die es nicht nur einzelnen Verteidigern, sondern ganzen Teamdefensiven nahezu unmöglich gestalten, James effektiv am Drive oder auch generell am Abschluss zu hindern. Fouls sind im Gegensatz zum Vorjahr auch eine schlechte Alternative für die Defense. James geht zwar nur noch sechsmal pro Spiel an die Linie, verwandelt seine Freiwürfe aber zu 75%. James offensives Komplettpaket bleibt spektakulär. 

Bedenklich ist die defensive Leistung. Abseits weniger Ausnahmen und den Simple Stats (1.7 Steals und 1.1 Blocks pro Spiel), bestätigt sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre. Dennoch zeigte James, dass er phasenweise auch an dem Ende des Courts noch Leader und Orientierungskraft für seine Mitspieler sein kann. Die Belastung, die James in der Offense der Cavs trägt (5th im ORtg) und sein enormes Minutenpensum entschuldigen seine Aussetzer in der Defensive nicht. Sie bieten aber zumindest einen Erklärungsansatz. Seine knapp 38 Minuten pro Spiel reichen auch mit 33 Jahren noch für einen Top 5-Wert ligaweit. Trotz schwachen Phasen in der Defensive bietet LeBron James ein Allround-Paket, welches auf diesem Level bisher unerreicht bleibt. Auch aktuell forciert kein anderer Spieler der Liga in dem Ausmaß Adjustments des gegnerischen Coaching Staffs. Von kaum einem anderen Spieler profitieren die Mitspieler in der Form. Es wäre vermessen zu behaupten, James habe den MVP verdient, weil er seit nunmehr 15 Jahren Leistungen auf teils nie gesehenem Level abruft. Nein, auch wenn man seine Legacy ausklammert, wäre James nur aufgrund der Leistungen, die er in der Saison 17/18 konstant aufs Parkett bringt ein würdiger MVP. Vielleicht ist es an der Zeit, mit LeBron James den besten Spieler der Liga noch ein letztes Mal mit der MVP-Trophäe zu würdigen. 

 

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Julian Lage: Nimmt man ‚MVP‘ wörtlich, also als den für sein Team wertvollsten Spieler, ist Giannis Antetokounmpo der naheliegende Kandidat: Kein Team ist so abhängig von seinem besten Spieler wie die Bucks vom letztjährigen MIP. Auch das ist nicht neu – in der vergangen Saison hatte er als erster Spieler überhaupt die meisten Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Blocks im eigenen Team geholt. In den letzten beiden Kategorien muss er dieses Jahr anderen den Vortritt lassen, nachdem durch den Eric Bledsoe/Greg Monroe-Trade ein Steal-Spezialist nach Milwaukee kam und John Henson als Rimprotector in die Starterrolle rutschte. Aber entgegen dieser eher unwichtigen Statistik hat Antetokounmpo seine Bedeutung für die Bucks sogar noch gesteigert. Obwohl sein Distanzwurf immer noch nicht konstant genug fällt, konnte er seinen Scoring-Output von 22,9 auf 28,2 Punkte pro Spiel steigern, ohne dass seine Effizienz darunter litt: Aus 116 ORtg wurden sogar 120, was Antetokounmpo inmitten seiner MVP-Konkurrenz platziert. Im Volumen erreicht er nach James Harden und vor Stephen Curry und LeBron James sogar Rang zwei. Nebenbei steigerte er auch sein Rebounding, so dass er aktuell knapp ein Double-Double auflegt. Dazu trägt allerdings seine ligaweit höchste Spielzeit von 37,4 Minuten zumindest bei.

Dass die Bucks allerdings kaum eine Minute ohne ihren Star überleben, ist das wohl beste Argument für Antetokounmpos MVP-Kandidatur. Mit einigen On-Off- und Lineup- Statistiken lässt sich dies besonders anschaulich belegen: Mit ihm auf dem Feld sind Bucks ein +3,4-Team, ohne ihn stehen sie bei -12,2 – das ergibt einen On/Off-Wert von absurden 15,6. Zum Vergleich: James Harden kommt ‚nur‘ auf +4,5, LeBron James steht nach Jahren im zweistelligen Plus-Bereich erstaunlicherweise bei -3,1. Steph Curry (+13,2) und Anthony Davis (+12,6) erreichen zumindest die gleiche Größenordnung. Diese Zahlen werden zwar durch die Mitspieler beeinflusst, verdeutlichen aber trotzdem die Abhängigkeit einzelner Teams von ihren Stars. Einige Bucks-interne Statistiken zeigen diese Problematik noch besser: So erreicht derzeit ohne Antetokounmpo keine der 20 häufigsten Lineups ein positives Net-Rating. Fast noch auffälliger, da extrem unwahrscheinlich: Die Bucks haben diese Saison noch kein Spiel gewonnen, in dem Antetokounmpo ein negatives Plus-Minus aufwies – das sind mittlerweile 15. So erklärt sich auch teilweise die etwas enttäuschende Bilanz von nur knapp über 50%, die zur Zeit gerade für einen der letzten Playoffplätze im Osten reicht. Hinter Pacers oder Heat zu landen entspräche sicher nicht den Ansprüchen, da der Bucks-Kader eigentlich mehr hergeben sollte. Zwar ist Jabari Parker immer noch verletzt, aber in Khris Middleton und Eric Bledsoe stehen zwei gute Starter zur Verfügung, dazu in Malcolm Brogdon, Tony Snell und John Henson drei exzellente Rollenspieler. Genauso wenig können die Ausfälle von Matthew Dellavedova und Mirza Teletovic können die Probleme der Bucks erklären: Die Leistungen eines NBA-Teams hängen selten am siebt- oder achtbesten Spieler.

Stattdessen werden die Stimmen lauter, die Jason Kidd als Schwachpunkt ausmachen, gegen den Antetokounmpo quasi noch zusätzlich anspielen muss. Die teilweise überaggressive Defense, eine konfuse Offense mit zu vielen schlechten Abschlüssen vor allem für Bledsoe und Middleton – die Bucks rollen ihrem Star nicht gerade den roten Teppich zum Award aus. Besonders bemerkenswert: Kidd versucht immer wieder, das inkonstante Spiel seines Teams mit dem Alter zu entschuldigen. Von den Rotationsspielern ist jedoch nur Antetokounmpo und offiziell Thon Maker unter 25, Middleton (26) und Bledsoe (28) sind im besten Basketballer-Alter. Will er also seinen klar besten Spieler in einer Saison auf MVP-Niveau für die schlechten Ergebnisse verantwortlich machen? Falls Antetokounmpo den Award tatsächlich gewinnt, dann gelingt ihm das vermutlich nicht dank, sondern trotz Kidd. Vermutlich müssten die Bucks dafür jedoch zumindest ein klares Playoff-Team sein, was derzeit eher gegen Antetokounmpos Chancen spricht.

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Timo Kanbach: 31,7 Punkte, 5 Rebounds und 9 Vorlagen legt James Harden aktuell pro Spiel auf. Ein zusätzlicher Blick auf seine Wurfquoten, etwa 38,7% von Downtown bei über 10 Versuchen sowie seine gewohnt gute Freiwurfquote, bringt ihn dann automatisch in die Diskussion um die MVP-Trophäe. Bis zur seiner Verletzung führt er sein Team zusammen mit Chris Paul zu 26 Siegen und 9 Niederlagen, 74% aller Spiele wurden also mit Harden gewonnen. Nach seiner Verletzung sank die Siegquote um fast 20%, auch wenn Harden nur 7 Spiele verpasst hatte.

Dabei gelang Harden in der laufenden Saison nochmals eine Verbesserung in der Effizienz: Sein ORTG stieg  um ganze 4 Punkte auf 122. Dies ist absolutes Topniveau in der NBA. Mit Blick auf seine reinen Boxscore-Statistiken kann man zwar damit argumentieren, dass er weniger Rebounds holt als in der Vorsaison – ganze 3 pro Spiel – und auch weniger Vorlagen gibt. Letzteres hängt aber vor allem damit zusammen, dass er neben sich in der Guard-Rotation in Chris Paul einen deutlich besseren Spieler hat als es Patrick Beverly in der Vorsaison war. Paul hat deutlich öfters den Ball in der Hand, als es Beverly hatte und kreiert für sich und die Mitspieler deutlich mehr. Dies hat zur Folge, das es auch Harden leichter hat und er Kraft sparen kann im Laufe des Spiels um am Ende nochmal einen Gang hochschalten kann.

Ein weiterer zentraler Punkt: Die Houston Rockets gehören mit Harden zu den besten Teams der Liga, ohne ihn wären sie bestenfalls ein mittelmäßiges Team. Die Rockets profitieren natürlich vom System ihres Coaches Mike D`Antoni, weil es zum Kader passend das schnelle Spiel fordert und fördert – aber erst James Harden macht es zu einem Spitzenteam mit realistische Chancen auf die Western Conference Finals und vielleicht sogar auf die Finals. Solange Harden auf dem Feld steht, ist die Offensive der Rockets um 6.7 Punkte besser pro 100 Angriffe als ohne ihn. Auch in On/Off-basierten Advanced Stats wie zum Beispiel RPM steht Harden deutlich besser da als beispielsweise Giannis Antetokounmpo.

Harden gehört seit Jahren zum Besten, was die NBA zu bieten hat und verbessert sich trotzdem noch von Jahr zu Jahr. Es wird Zeit, dass er die Maurice-Podoloff-Trophäe in den Himmel strecken darf, da es sein Team zu einem der besten Teams der Liga macht bei einer unglaublichen Effizienz. Andere Spieler hätten es auch verdient, weisen jedoch nicht die Kombination aus individuellem Impact und Teamerfolg auf – weder ein Giannis Antetokounmpo noch ein LeBron James, die zudem beide im schwächeren Osten spielen.  

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3 comments

  1. Avatar

    lemanu

    schöne analyse zu den jeweiligen spielern!
    besonders freue ich mich, dass giannis aufgenommen wurde der es definitiv verdient hat in der konversation genannt zu werden!

    ich finde es fehlen nur ein paar namen in der diskussion:
    zum einen die beiden warrior durant und curry. klar allein dass es eben zwei sind von denen keiner der klar wichtigere spieler ist, ist bereits ein gegenargument. dennoch die beiden spieler stehen den anderen genannten in talent nicht nach und die warriors sind nuneinmal ein historisch starkes team. selbst die shaqobe lakers und jordan bulls haben in meinen augen nciht diese dominanz ausgestrahlt, das muss schon irgendwie gewürdigt werden.

    ein anderer name der mir noch fehlt ist der von jimmy g buckets (the g stands for gets) butler

    die wolves sind derzeit mit 31-18 siegen nicht nur das 4. beste team, sondern lichtjahre besser als 2017 wo sie insgesamt nur 31 siege einfahren konnten.
    der motor des ganzen ist eindeutig butler der das team nicht nur beim scoring anführt und erster playmakr ist, sondern auch defensiv vorangeht und als neuer im team direkt die rolle des anführers übernommen hat.
    (und das auf bemerkenswerte art in dem er sich va zu beginn viel zurückgenommen und nicht gleiche alles ansichgerissen und dabei die teamchemie riskiert hat)

  2. Julian Lage

    schöne analyse zu den jeweiligen spielern!
    besonders freue ich mich, dass giannis aufgenommen wurde der es definitiv verdient hat in der konversation genannt zu werden!

    ich finde es fehlen nur ein paar namen in der diskussion:
    zum einen die beiden warrior durant und curry. klar allein dass es eben zwei sind von denen keiner der klar wichtigere spieler ist, ist bereits ein gegenargument. dennoch die beiden spieler stehen den anderen genannten in talent nicht nach und die warriors sind nuneinmal ein historisch starkes team. selbst die shaqobe lakers und jordan bulls haben in meinen augen nciht diese dominanz ausgestrahlt, das muss schon irgendwie gewürdigt werden.

    Danke, die Nachfrage kommt quasi auf Bestellung, wir veröffentlichen in den nächsten Tagen ne Debatte, ob die beiden (bzw. v.a. Curry) MVP-Kandidaten sein sollten.

    ein anderer name der mir noch fehlt ist der von jimmy g buckets (the g stands for gets) butler

    die wolves sind derzeit mit 31-18 siegen nicht nur das 4. beste team, sondern lichtjahre besser als 2017 wo sie insgesamt nur 31 siege einfahren konnten.
    der motor des ganzen ist eindeutig butler der das team nicht nur beim scoring anführt und erster playmakr ist, sondern auch defensiv vorangeht und als neuer im team direkt die rolle des anführers übernommen hat.
    (und das auf bemerkenswerte art in dem er sich va zu beginn viel zurückgenommen und nicht gleiche alles ansichgerissen und dabei die teamchemie riskiert hat)

    Bei Butler kann ich die Überlegung einerseits nachvollziehen, weil er auf jeden Fall auch ein Top 10-Spieler ist. Andererseits hat er sich in eigentlich allen relevanten Kategorien gegenüber letztem Jahr verschlechtert, mit Ausnahme der Team-Bilanz natürlich. PPG, RPG, APG runter, 3P% und ORtg auch minimal… Also müsste man dann erst mal diskutieren, wieso letztes Jahr niemand über ihn geredet hat. Da würde man dann aber vermutlich v.a. bei den ziemlich willkürlichen MVP-Kriterien ankommen, also bringt das auch nichts ;)

  3. Avatar

    lemanu

    die counting stats von butler kommen nicht die anderen kandidaten ran.
    auch wenn 22 punkte 5,5 rebounds 5 assists (bei nur 1,9 urnover) mit 122 ORtg nicht zu verachten sind reicht es wohl nicht ganz.
    naja wenn er nicht mit wiggins spielen müsse hätte er bessere karten :D

    dennoch wenn die wolves am ende wirklich zu den top 3-4 teams zählen muss man nochmal über ihn sprechen mmn.
    und auch wenn ich bereits anfang des jahres nach der ersten hotstreak giannis als mvp kandidaten ausgerufen habe müssen die bucks einfach noch eine spur zulegennum ihn wirklich ernst zu nehmen.


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