Draftprofile 2018

Michael Porter Jr.

Missouri Tigers

Datenblatt

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Name: Michael Porter Jr.

Geburtsdatum: 29.06.1998

Größe: 6’10” / 2,08m

Gewicht: 215lb / 98kg

Spannweite: 7’0”

Position: Wing

Team: Missouri Tigers

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

  • Athletik

  • Scorer-Mentalität

  • Transition-Offense

  • Post-Moves

  • defensive Basics

  • offensive Konstanz

  • Spacing

Scouting Logbuch

Mai 2018

Über ein halbes Jahr ist es nun her, dass unser erster Scouting-Report zu Michael Porter Junior erschien. Als eines der “größten Talente” seines Jahrgangs bezeichneten wir ihn; einen möglichen Nummer-Eins-Pick, der sein Spiel dringend stabilisieren müsse. Seine Freshman-Saison bei Missouri versprach Antworten zu geben. Bekanntermaßen kam es aber anders: Fast parallel mit dem Erscheinen unseres Artikels drang die Meldung an die Öffentlichkeit, dass sich Porter am Rücken operieren lasse und die gesamte College-Saison 2017/18 aussetzen werde. Gespielt hatte er bis dahin zwei NCAA-Minuten.

Porters Verletzung – ein Bandscheibenvorfall

Da Porters Verletzung Auswirkungen sowohl auf die Draftposition als auch auf dessen Karriere haben kann, muss diese verstanden werden. Deshalb hier ein kleiner Medizin-Crash-Kurs:

Die Missouri Tigers haben Porters Verletzung zunächst als Beinverletzung deklariert, was mit  den Symptomen, nämlich den offensichtlichen Schmerzen im Knie bzw. Unterschenkel zusammenhängt. Die “wahre” Diagnose ist Porters Familie sowie der Universität wohl aber schon länger bekannt (Porter litt angeblich schon viele Monate unter den Schmerzen), es handelte sich um einen Bandscheibenvorfall.

Blausen.com staff (2014). “Medical gallery of Blausen Medical”

Der sogenannte Faserring der Bandscheibe zwischen dem L3- und L4-Wirbel, also im unteren Rücken (nahe der Hüfte), war geplatzt. Somit trat der zähflüssige Gallertkern aus und drückte auf den Nerv. Dies verursachte die Schmerzen, die Porter vorrangig im Knie und sogar im Unterschenkel wahrnahm. Schon viele NBA-Spieler hatten eine vergleichbare Verletzung, etwas weniger als die Hälfte behandelte sie konservativ. Dies versuchte Porter zunächst auch – immerhin habe er schon über viele Monate über Schmerzen geklagt, doch waren diese bereits im ersten Saisonspiel zu groß. Deshalb entschied man sich zu einer Mikrodiskektomie. Das austretende geleeartige Material wurde in einem kleinen operativen Eingriff entfernt, Bänder und Muskeln blieben dabei unberührt.

www.flickr.com/photos/mandj98/3577200638

Laut @PrithviMuddana liegt eine Rückfallwahrscheinlichkeit bei maximal 20 Prozent und tritt zumeist gleich in den ersten drei Monaten nach der Operation auf. Da diese drei Monate bereits überschritten worden sind und Porter wieder unter Maximalbelastung trainiert, ist dies ein hervorragendes Zeichen. Etwas anders bewertet hingegen InStreetClothes.com die Situation: Durchschnittlich drei von vier NBA-Spielern hätten nach einer vergleichbaren Operation auch in der Folge immer wieder Probleme mit dem Rücken gehabt. Prominentestes Beispiel sei Dwight Howard. Der (hoffentlich) entscheidende Unterschied zu Howard ist aber, dass die betroffene Bandscheibe bei Porter etwas höher liegt, was die Heilungschancen wohl erhöht; sowie die Tatsache, dass eine Mikrodiskektomie in jungen Jahren besser weggesteckt wird.

Porter in der NBA

Wie die genauen medizinischen Gutachten Porters nun aussehen, darüber kann nur spekuliert werden. Hoffnung macht aber, dass dieser erklärt hat, sie allen Teams zur Verfügung stellen zu wollen. Es wird interessant sein, wie sie Porter bzw. dessen Verletzung letztlich bewerten. In den einschlägigen Mock Drafts ist der 6’10-Wing zwischen den Positionen zwei und zehn zu finden – ein Indiz dafür, wie stark sich die Meinungen unterscheiden.

In Sachen Scouting konnten wir leider keine neuen Erkenntnisse gewinnen, wenngleich Michael Porter überraschenderweise noch zwei Saisonspiele nach der Operation für seine Tigers bestritt: das letzte der regulären Saison sowie die Erstrundenpartie im großen “March-Madness”-Turnier. Missouri verlor beide Spiele und Porter sah fürchterlich aus. Doch ein Indikator für dessen Leistungsfähigkeit darf dies nicht sein; er selbst sagte nach dem Ausscheiden seines Teams, dass ihm jegliche Kraft in den Beinen gefehlt habe. 

Somit bleiben den NBA-Scouts lediglich die Eindrücke, die sie aus Porters Highschool- sowie Team-USA-Zeit gewinnen konnten. Porter ist ein echter Flügel-Scorer, der sich trotz seiner Größe, Athletik und guter Fußarbeit über den Wurf definiert. Da in der modernen NBA kaum ein Skill begehrter ist als Playmaking von großen, mobilen Flügelspielern, dürfte ihm die nahezu vollständig verpasste College-Saison hinsichtlich seiner Draft-Position weniger schaden als zunächst vermutet. Doch um die bereits analysierten spieltaktischen Defizite in Offense und Defense auszumerzen, wird es dem Team, das sich für Porter entscheidet, einige Zeit und viel Arbeit kosten.

 

November 2017 (Preseason)

Als eines der größten Talente in der NBA-Draft 2018 gilt der gerade 19 Jahre alt gewordene Michael Porter Jr., ein Flügelspieler mit sehr guten physischen Voraussetzungen, der bereits mehrfach auf sich aufmerksam machen konnte. So gewann er 2017 die MVP-Auszeichnungen des McDonald’s All American sowie des Nike Hoop Summits und war Topscorer der USA-Auswahl bei der FIBA U18 Americas 2016, mit der er die Gold-Medaille gewann.

Nachdem Porter bereits der University of Washington seine Zusage erteilt hatte, diese aber ihren Head-Coach entließen, zog er sein Commitment zurück und sagte der University of Missouri zu. Interessanterweise stellte dort der künftige Head-Coach Cuonzo Martin einen gewissen Michael Porter Sr. als Assistant ein und rekrutierte zudem Jontay Porter, Michaels knapp ein Jahr jüngeren Bruder. Somit wird die Porter-Familie wohl künftig die Schlagzeilen bei den Tigers bestimmen.

Wingplayer mit beeindruckender Physis

Michael Porter Jr. besticht in erster Linie durch seine Physis. Mit seiner Körpergröße von 6’10” sowie einer vielversprechenden Athletik überragt er andere Flügelspieler seines Jahrgangs deutlich. Besonders imposant ist hierbei, dass er trotz dieser Größe enorm beweglich, koordinativ sehr gut ausgebildet und durchaus auch schnell daherkommt. Schnell ist auch sein Umschaltverhalten in der Transition-Offense, was ihn zu einem hervorragenden Fast-Break-Spieler macht, der diesen entweder mit dem Ball in der Hand selbst führen oder per Alley-Hoop-Dunk abzuschließen vermag. Auch in der Set-Offense verwertet der künftige Missouri Tiger gern über Ringniveau.

Generell können ihm gute Instinkte in Korbnähe bescheinigt werden, auch im Kampf um den Rebound, bei Tip-ins oder Durchsteckern startet er seine Bewegungen im richtigen Moment und gelangt so zu einfachen Punkten.

Obwohl Porter in der NBA mit dem Ball in der Hand sicher wenig Zeit direkt in Brettnähe verbringen wird, so muss seine hervorragende Fußarbeit im Low Post doch respektiert werden. Hat er einen kleineren Gegenspieler auf dem Rücken, so bestraft er diese Missmatches bereits in seinem jungen Alter mit einer hohen Effizienz.

Dass er generell die Vorzüge von Missmatches in Korbnähe erkennt, lässt sich auch daran ablesen, dass er gern seine Bigmen in Szene setzt, sei es beim Abrollen aus dem Pick&Roll oder das direkte High-Low-Anspiel.

Der Wurf

Michael Porter Jr. wirft gern und häufig, das fällt sofort ins Auge. Seine Wurftechnik lässt hierbei künftig auf gute Quoten hoffen, denn diese ist nahezu lehrbuchreif. Die Bewegung ist schnell und flüssig, der Release ist hoch.

Lediglich aus dem Catch&Shoot lassen sich Schwächen ausmachen, die Ballführung ist hier noch zu unvorteilhaft und somit langsam. Großes Werfer-Potential bescheinigen ihm auch seine guten Freiwurfquoten, die im vergangenen Jahr immer über 80 Prozent lagen. Hochprozentig trifft Porter aber noch nicht; von seiner extrem hohen Dreierquote aus der Highschool (41%) darf man sich hierbei nicht täuschen lassen: Bei der FIBA U18 Americas waren es 30 Prozent, in Spielen mit echtem kompetitiven Charakter – davon bestritt Porter bislang nur sehr wenige – lag er sogar darunter.

Work in progress

In seine Wurf-Konstanz muss Porter also noch sehr viel Arbeit stecken. Gleiches gilt auch für die Entscheidungsfindung; also ob der Wurf, die Penetration oder das Posting-Up die richtige Wahl darstellt. Am Selbstverständnis, dass er mit dem Ball in der Hand scoren möchte, ändert dies aber nichts. Off-the-ball ändert sich seine Wahrnehmung auf das Spiel jedoch drastisch, denn oftmals weiß er nicht, wohin er sich im Raum bewegen muss; sein Spacing ist noch als katastrophal zu bewerten. Vor allem wenn er mit starken Bigs zusammenspielt, erweist sich dies als großer Nachteil.

Die größten Defizite sind jedoch in der Defense auszumachen. Porter bewegt sich mit einem viel zu hohen Körperschwerpunkt über das Feld, womit er sich bei lateralen Bewegungen seiner Schnelligkeit beraubt und zudem instabil daherkommt. Möglicherweise begründet sich dies in der noch vorhandenen muskulären Dysbalance von Ober- und Unterkörper. Auch verlässt er zu oft mit beiden Füßen den Boden. Im Close-out bewegt er sich wie ein absoluter Anfänger, entweder übermotiviert oder zu passiv. Gleiches ist in der Cut- sowie Helpdefense zu beobachten. Seine Aufmerksamkeit gilt nur dem Ball, Laufwege von Weakside-Spielern oder gar eine Rotation in der Defense nimmt er nur selten wahr und erweist sich damit als Schwachpunkt einer jeden Verteidigung. Auch im Defensiv-Rebounding fällt Porter deshalb negativ auf.

Künftiger No.1-Pick?

Porter lässt sich nunmehr als sehr talentierter Scorer bezeichnen, der laut der öffentlichen Meinung extrem hart und fokussiert arbeitet. Gepaart mit seinen elitären körperlichen Voraussetzungen, macht ihn das zu einem der hoffnungsvollsten Prospects des künftigen Draft-Jahrgangs. Mit einer Deklaration zum Favoriten auf den #1-Pick sollte man sich jedoch zurückhalten, unter Coach Martin muss Michael Porter Jr. bei den Missouri Tigers noch sehr viel Stabilität in sein Spiel bekommen, andernfalls werden ihm andere Talente den Rang ablaufen.

Spielervergleich 

Michael Porter Jr. ist das wohl vielversprechendste Offensiv-Talent seines Jahrgangs. Gern werden seine Fähigkeiten mit denen Kevin Durants oder Joe Johnsons verglichen. Doch inwieweit sich Porter zu einem vielfältigen Offensiv-Spieler entwickelt, der konstant richtige Entscheidungen trifft, und seine physischen Voraussetzungen auch in der Defensive zu nutzen weiß, wird sich erst in dessen Freshman-Saison bei den Missouri Tigers zeigen.

Videos

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

Artikelempfehlungen

Statssektion

Highschool:

Senior Season (Nathan Hale): 37 PPG, 14,3 RPG, 2,6 APG, 0,9 SPG, 0,5 BPG, 53 FG%
McDonalds All-American 2017: 17 Punkte, 8 Rebounds, 0 Assists und 1 Steal in 21 Minuten (wurde zum MVP gewählt) 
Nike Hoop Summit 2017: 19 Punkte, 4 Rebounds, 0 Assists, 1 Block und 1 Steal in 23 Minuten (wurde zum MVP gewählt) 

International:

FIBA U18 Americas 2016: 15,8 PPG, 5,6 RPG, 2,4 APG, 53 FG% (6,4/12), 30 TP% (1,2/4)

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Trivia

Michael Porter Jr. wird am College ein Jahr älter sein als andere Freshmen.

Er spielte bereits in der Highschool zusammen mit seinem jüngeren Bruder Jontay.

Twitter

 

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6 comments

  1. D41

    Mit einer Rücken Op ist er jetzt raus für die Saison. Bin gespannt wie weit er fällt bzw. ob er noch ein Jahr bleibt. Sehr schade für ihn.

  2. Tobias Berger

    Kann mir nicht vorstellen, dass er zurückgeht. Das aber vor allem, weil ich denke, dass er auch ohne noch mehr am College zu spielen in der Top 5 Region gezogen wird, wenn seine Medicals nicht vollkommen katastrophal sind.

    Für uns ist es aber super schade. Hätte da schon noch ein paar Fragen an Porters Playmaking und an seine Defense gehabt.

  3. D41

    Mich würde es schon wundern wenn er unter die Top 5 kommt. So weit habe ich ihn vor den anderen Bigs nicht gesehen. Sollte er gar nicht mehr spielen bis zum Draft sehe ich ihn eher Richtung 8-10. Ist halt noch sehr früh und in der HS haben schon viele dominiert.

    Bin auf Deine Analysen im Laufe der Saison gespannt. Die lassen sich super Lesen! Danke dafür :-)

  4. Tobias Berger

    Für viele gilt/galt Porter auch als #1 Talent der Klasse. Solche Spieler fallen auch mit Verletzung nicht so weit, gerade wenn er ja in Richtung Workouts und Combine laut aktuellem Schedule wieder fit sein soll. Wir sehen im Grunde einen etwas weiter verhärteten Kyrie Irving-Case.

    Dazu halt auch die Frage: Welche sieben bis neun Spieler sollen sich vor ihn schieben? Nach Doncic, Bamba, Jackson, Ayton hört es für mich schon fast auf, wenn ich mir reinen Ceilling-Outcome für die Jungs ansehe. Bagley, Carter, Knox, Bridges, Sexton ist schon die Tier drunter für mich. Da würde ich als Lottery-Team auf jeden Fall den Porter-Gamble wagen, wenn meine Ärzte in Bezug auf seinen Körper grünes Licht geben.

    Danke für das Lob, btw. Aktuell hinke ich ja noch hinter dem Output der anderen Draft-Jungs hinterher. Die verdienen also erstmal die Props. :tup:

  5. Mr. Finger-Roll

    |Author

    Ich sehe ihn (bei günstig ausfallender medizinischen Prognose) auch nicht zu stark fallen. Seine Qualitäten in der Offense waren bereits so offensichtlich, das holen die Konkurrenten nicht auf. Defensiv wird er natürlich als wandelndes Fragezeichen in die Draft gehen, aber das Risiko werden schon frühzeitig Teams in Kauf nehmen. Wir erfreuen uns schließlich gegenwärtig fast ausschließlich an den Defensiv-Leistungen von Bamba, Bagley und Jackson, was wohl vielsagend für die kommende Draft ist. Dass sich alle Giannis-like offensiv entwickeln, ist doch eher eine wagemutige Prognose.

    Aktuell hinke ich ja noch hinter dem Output der anderen Draft-Jungs hinterher. Die verdienen also erstmal die Props. :tup:

    …sagte er nach dem Brett von Analyse-Pod Duke vs. Michigan State. ;)

  6. Tobias Berger

    Interessanter Punkt aus dem Stepien-Pod: Porter könnte natürlich absichtlich fallen, wenn ihm die Lottery-Gewinner nicht gefallen und er nur ausgewählten Franchises seine Krankenakte gibt. Diese Art von Steuerung des Landing-Spots wurde ja schon öfter mal versucht.


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