Orlando Magic

Aaron Gordon – Highflyer oder neuer Star?

Der Forward der Magic steht vor einer wegweisenden Saison

Vor der Saison 2016/2017 stand für die Orlando Magic die Rolle von Aaron Gordon im Mittelpunkt des Interesses. Frank Vogel verglich ihn sogar mit Paul George und wollte ihn in die gleiche Richtung entwickeln. Somit stellte er Gordon neben Serge Ibaka und Nikola Vucevic als Small Forward in die Starting Lineup. Viel wurde gerätselt, ob dieses Experiment gelingen könnte, da Gordon in den ersten zwei Jahren seiner Karriere Probleme mit seinem Wurf hatte. Bei einem Blick auf die reinen Saison-Statistiken muss man feststellen, dass 12.7 Punkte, 5.1 Rebounds, 1.9 Vorlagen in fast 29 Minuten pro Spiel nicht der großen Hoffnung bei einem Spieler seiner Draft-Position bzw. den von Frank Vogel vor der Saison geschürten Erwartungen entsprechen.

“We are going to put the ball in his hands a lot. We’re going to use him like Paul George.”

– Frank Vogel

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Gordon erst 21 Jahre jung ist. In den Top 30 der Draft 2017 wurden acht Spieler gewählt, die älter sind als Gordon. Dieser hat mittlerweile drei NBA Saisons spielen, respektive 205 Spiele Erfahrung sammeln, können. Um aber die Saison von Gordon richtig bewerten zu können, muss man diese in zwei Teile trennen: einmal mit und einmal ohne Serge Ibaka.

Das Experiment neben Ibaka und Vucevic

Viele Experten waren sich sicher, dass Aaron Gordon besser nicht mit zwei weiteren Bigs zusammen auf dem Parkett stehen sollte, um ihn seiner Stärken nicht zu berauben. Unter anderem deswegen hatte man Tobias Harris getradet, um Gordon den Weg frei zu machen auf der 4. Da das Magic-Management um Rob Hennigan aber Ibaka per Trade geholt hatte (gegen Oladipo und Sabonis), stellte Frank Vogel Aaron Gordon auf die 3.

Man sah, dass diese Entscheidung vor allem offensiv nichts sehr erfolgreich war. Vor dem Allstar Game bzw. dem Ibaka-Trade erzielte er 11.2 Punkte, 4.6 Rebounds sowie 1.9 Vorlagen in 27.6 Minuten pro Spiel bei einem ORTG von 102. Diese Zahlen sehen erstmal nicht so groß anders aus als die oben genannten der ganzen Saison. Die Quoten verdeutlichen jedoch, dass seine Punkte wenig effizient erarbeitet wurden: 42,8% aus dem Feld sowie 29,2 3P% und 65% von der Freiwurflinie standen zu Buche.

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Gordon nahm in dieser Zeit ganze 3,4 3er pro Spiel (oder 34% seiner Würfe), wobei er hier auch den nötigen Platz hatte, um dem Wurf zu nehmen. Die meisten Gegenspieler sanken ab, um ihm den Drive zu nehmen. Bei seinen seltenen Drives standen ihm öfter die eigenen Mitspieler, wie Ibaka und Biyombo, im Weg. Entsprechend schwer war es für Gordon, in Korbnähe zu punkten.

Defensiv konnte er aber auch auf der Position des Small Foward überzeugen. Er kann vom Guard bis zum Smallball-Center alle Spieler verteidigen, da er schnell genug ist, um am Perimeter vor ihnen zu bleiben, sich aber andererseits auch im Post zu helfen weiß.

Exemplarisch soll hier das Heimspiel am 6. Januar gegen die Houston Rockets herangezogen werden. In diesem Spiel verteidigte er James Harden, wenn beide gleichzeitig auf dem Feld standen. Gordon konnte in diesem Spiel zeigen, dass er Spezialaufgaben in der Verteidigung mit Bravour bestehen kann. Harden kam erst im dritten Viertel zu seinen ersten Punkten aus dem Feld. Insgesamt erzielte Harden 14 Punkten bei einer Wurfquote von 33% aus dem Feld, keinen einzigen seiner 8 Dreipunktwürfe konnte er versenken. Sein ORtg lag bei unterirdischen 87.

Natürlich erwischt auch ein Superstar einen schlechten Tag, aber hier hat man gesehen, dass Gordon dem Spiel defensiv seinen Stempel aufdrücken kann.

Der Trend nach dem Ibaka-Trade

Nachdem die Magic Ibaka nach Toronto verschifft hatten und im Gegenzug Terrence Ross kam, war der Weg frei für Gordon, seine angestammte Position als Power Forward zu spielen. Diese Chance nutzte er auch eindrucksvoll.

Ein Blick auf seine Statistiken zeigt eine Verbesserung in allen Kategorien, trotz teilweise nur marginaler Veränderungen: Gordon erzielte 16.4 Punkte, 6.2 Rebounds sowie 1.7 Vorlagen in dieser Zeit, gleichzeitig schloss er deutlich effizienter ab als zuvor. Er konnte seine Feldwurfquote um 8% auf 50.3% steigern und erhöhte sein ORtg auf 116. Eine besonders oft gespielte Lineup bestand aus Evan Fournier, Terrence Ross, Elfried Payton, Nikola Vucevic  und Aaron Gordon. Für die zweithäufigste Lineup nach dem Ibaka-Trade wurde nur der Center getauscht und Biyombo durfte neben Gordon ran, was deutlich aufzeigt, dass Vogel Gordon nur noch als Power Forward einsetzte, um die Stärken von Gordon auszuspielen.

Aber wie machte Gordon dies? Zum einem zog er mehr Freiwürfe als neben Ibaka (1 pro Spiel mehr), gleichzeitig stieg seine Freiwurfquote um fast 19% auf 83%. Natürlich hat eine Freiwurfqoute nichts direkt damit zu tun, auf welcher Position man spielt, aber es zeigt, dass Gordon mit mehr Selbstvertrauen agierte und er sich auf der 4 wohler fühlte als auf der 3. Hinzu kommt, dass Gordon seine Wurfauswahl verbesserte.

In beiden Ausschnitten sieht man gut, dass Aaron Gordon mehr Platz direkt am Korb hat, als noch mit Ibaka, da durch die Spielweise von Coach Vogel und das Skillset der Spieler mindestens immer ein Spieler in der Zone stand und diese “dicht” gemacht hat.

Nur noch 25% seiner Würfe kamen von hinter der Dreipunktlinie, stattdessen nahm er mehr Würfe in unmittelbarer Korbnähe – diese erhöhte er um 12%. Neben der kleineren Aufstellung gelang dies vor allem durch intelligentes Bewegen auch abseits des Balls und einer höheren Pace. Die Veränderung der Lineup-Zusammensetztung half auch Point Guard Elfrid Payton: Dieser durfte eine schnellere Pace spielen, was nicht nur seine individuellen Statistiken sondern auch dem Team insgesamt offensiv entgegenkam. Ein Blick auf Gordons offensive On/Off-Zahlen zeigt den positiven Einfluss, den er in auf sein Team hat. Mit ihm auf dem Feld erzielten die Magic pro 100 Possessions 108,6 Punkte, ohne ihn sind es nur 98.4.

Vergleicht man nur die einzelnen Zahlen vor und nach dem Ibaka Trade, wird ganz deutlich, dass die veränderte Rolle Aaron Gordon gut getan hat.

 MinutenPunkteReboundsAssistsFG%3er%FT%OrtGUSGTS%
VIT*27,611,24,61,942,829,265,010219,750,3
NIT*31,216,46,21,750,328,083,811621,358,1

VIT= Vor dem Ibaka-Trade; NIT= Nach dem Ibaka-Trade

Fazit

Der Vergleich mit Paul George, der vor der Saison von Frank Vogel aufgerufen wurde, ist klar eine Fehleinschätzung gewesen. Wenn aber Aaron Gordon dort weitermacht, wo er aufgehört hat, wird er trotz deutlicher Mängel bei seinem Dreipunktewurf zu den wichtigsten Spielern der Magic gehören, wenn er es nicht sogar jetzt schon ist. Dadurch, dass sein Alter noch viel Raum zur Verbesserung seines Spiels zulässt, dürfen sich alle NBA-Fans auf die kommende Saison freuen.

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