Eurobasket 2017

Gruppenspiel 2: Deutschland – Georgien

Von Differencemakern, Rollenspielern und Inbound-Plays
Telekom Sport

Ein Auftakt nach Maß erzielte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschafts-Vorrunde in Tel Aviv. Gegen starke Georgier gibt es einen 67:57-Erfolg, womit man vor den kommenden schweren Aufgaben mit einer weißen Weste (2-0) in der Tabelle dasteht. Über 33 Minuten entwickelte sich eine sehr enge Partie, ehe Deutschland dann davonziehen und die Partie für sich entscheiden konnte. Auffällig war diesmal vor allem, dass sich neben Dennis Schröder (23 Punkte) auch fast das gesamte Team positiv einbrachte und zum Erfolg verhalf. Wir blicken in unserer Analyse genauer darauf.

Der Theis-Effekt

Nach dem Spiel gegen die Ukraine hatten wir in unserer Analyse noch relativ vergeblich nach einem starken Rim Protector gesucht. Insbesondere in der Anfangsphase hatte sich das deutsche Team da den Schneid abkaufen lassen und zu viele einfache Punkte zugelassen. Gegen Georgien hätte dies zu einem großen Problem werden können, da unter den Körben mit Tornike Shengelia und Zaza Pachulia die gefährlichsten Spieler warteten. Doch das Team von Chris Fleming sollte sich in diesem Punkt verbessern und damit auch das Spiel entscheiden. Ein Mann stach bei dieser Arbeit besonders hervor: Daniel Theis.

Der Big Man der Boston Celtics kam in der Vorbereitung erst spät zum Team und musste zwischenzeitlich auch nochmal in die USA reisen. Aus diesem Grund bekam man bislang noch gar nicht den „echten“ Daniel Theis zu sehen. Auch wenn der 25-Jährige immer noch von seinem Leistungsmaximum entfernt ist, konnte er sich gegen Georgien nochmals deutlich steigern und setzte vor allem am defensiven Ende sehr wichtige Akzente. Denn nachdem der DBB-Starter auf dieser Position, Danilo Barthel, sich früh zwei Fouls gegen Shengelia abholte, durfte Theis sein Glück gegen den Ex-NBA-Spieler versuchen.

Der Deutsche begann mit seiner Arbeit sehr stark und zwang Shengelia direkt in einen Ballverlust, als er ihn im Low-Post verteidigte. Im Bild lässt sich gut erkennen, wie Theis auf jegliche Szenarien vorbereitet ist. Wenn der Georgier zum Korb ziehen will, ist Theis in der Position um dranzubleiben. Genauso kann er durch seine Spannweite und Sprungkraft auch jederzeit den Wurf von Shengelia deutlich erschweren. Zusätzlich lässt sich auch hier schon im Ansatz erkennen, wie Johannes Voigtmann sich ebenfalls Richtung Shengelia positioniert , um auszuhelfen. Dabei muss Karsten Tadda dann einrücken, um den Pass auf Pachulia zu verhindern.

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Wie positiv sich eine konzentrierte Defensivleistung auf die Offense auswirken kann, bewies dann die folgende Szene. Wieder mal versuchte Georgien den Ball nach innen zu Shengelia zu bringen, allerdings war Theis bereit den Kampf um die Position anzunehmen. Als der Pass, der zugegebenermaßen sehr ungenau war, kam, griff Theis schnell mit einer Hand um seinen Gegenspieler herum und gewann den Ball.

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Der Kelte nutzte dies sofort aus, um nach vorne zu sprinten und den Ball sofort wieder zu erhalten. Shengelia haderte noch mit dem Ballverlust, kam nicht mehr hinterher und musste zusehen, wie Theis den Molten durch die Reuse schmetterte.       

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Allerdings leistete sich Theis in der Folge auch zwei schnelle Fouls, sodass auch er auf die Bank musste und Jungspund Isaiah Hartenstein übernahm. Der Ex-Bamberger sollte jedoch zurückkommen und dann vor allem im letzten Spielabschnitt ganze Arbeit leisten. Hier kaufte er Shengelia endgültig den Schneid ab und forcierte den georgischen Go-to-Guy immer wieder zu schweren Würfen. In diesem Fall zeigt Theis seine laterale Geschwindigkeit, um Shengelia bis zum Korb zu verfolgen und ihn da gemeinsam mit dem aufmerksamen Barthel zu stoppen.

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Dies bedeutete natürlich gleichzeitig auch, dass Theis in dieser Formation eher als Fünfer agieren und damit den Centerspieler der Georgier verteidigen muss. Mit Giorgi Schermadini hatte der Gegner da einen 2,16m-Hünen zu bieten, allerdings zeigte Theis auch dort seine defensive Vielseitigkeit. In der folgenden Posssession bleibt er an Schermadini dran, um dann beim Wurfversuch vertikal hochzuspringen und den Wurf für den Gegenspieler enorm zu erschweren. Exzellente Verteidigung ohne Foul.

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Ganz ähnlich sah es auch in seiner Defense gegen die schnellen Spieler der Georgier aus. Wenn Theis switchen musste und sich beispielsweise Michael Dixon gegenübersah, hatte er kein Problem damit auch dort im Tempo mitzuhalten, den Spielmacher bis zum Korb zu verfolgen und dort den Wurf furios zu blocken.

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Doch auch wenn ein verbesserter Daniel Theis einen enorm großen Anteil an der Verteidigungsleistung hatte, muss festgehalten werden, dass insbesondere Toko Shengelia insgesamt im Teamverbund gut verteidigt wurde. Der Forward kam am Ende gerade mal auf 12 Punkte mit sechs getroffenen Würfen bei 13 Versuchen. Zusätzlich wurde er aber auch zu acht Ballverlusten gezwungen.

Hier noch mal ein gutes Beispiel wie konzentriert Deutschland gegen Shengelia verteidigte. Barthel bekommt die Hilfe von Daniel Theis, der sich direkt unter dem Korb postiert und damit den Drive versperrt. Schermadini, der Gegenspieler von Theis, wird dann von Robin Benzing gedeckt, sodass ein Pass direkt ans Brett unmöglich ist. Shengelia muss den Ball schließlich nach Außen an die Dreierlinie passen, was Benzing die Zeit gibt zu seinem Gegenspieler zurückzukehren.

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Zusätztlich sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass der sonst eher defensiv-anfällige Johannes Voigtmann unter den eigenen Brettern eine ordentliche Partie ablieferte. Ebenso wie Theis erschwerte er gegen die georgischen Big Men viele Würfe und meisterte damit seine Aufgabe gegen Pachulia und Schermadini sehr gut. 

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Die Integration der Rollenspieler

Als weiteren Unterschied zum Ukraine-Spiel kann definitiv die Integration der Rollenspieler ausgemacht werden. Während in der ersten Partie noch extrem viel von Schröder abhing, überstand Deutschland gegen Georgien auch die Phasen ohne den Hawks-Guard sehr gut. Wenn Schröder auf der Bank Platz nahm, konnte der Vorsprung teilweise sogar noch leicht ausgebaut aber mindestens immer gehalten werden. Einen großen Anteil daran hatten Ismet Akpinar und Isaiah Hartenstein, die gegen die Ukraine kaum Einsatzzeit bekamen, aber hier dem Spiel auf ihre eigene Weise ihren Stempel aufdrückten.

Bei Akpinar passierte dies vor allem durch seine starke Arbeit in der Defense. Der 21-Jährige war sehr aufmerksam und blieb stets eng an seinen Gegenspieler dran. So übernahm er praktisch die Rolle von Karsten Tadda, da Akpinar immer gleichzeitig mit einem zweiten Ballhandler auf dem Parkett stand. Diese defensiv-orientierte Rolle interpretierte der Ex-Berliner sehr gut, forcierte den Ball mehrmals aus den Händen von Michael Dixon und zwang den Georgien somit etwas ohne ihren Spielmacher zu kreieren. 

Hartenstein hingegen wurde früh ins kalte Wasser geworfen, weil Theis und Barthel sich schnell zwei Fouls gegen Toko Shengelia abholten. Doch der 19-Jährige machte seine Sache sehr ordentlich, bewies in der Defensive immer wieder sein Können und griff zudem beim Rebound (+Putback) zu. Dies gab den deutschen Big Men eine ungeahnt gute Entlastung und so konnten die anfänglichen Foulprobleme bis zum Ende hin in Schach gehalten werden.

Allerdings sollte jetzt nicht der Fehler gemacht werden und Hartenstein zu früh mit Lob überschüttet werden. Es ist weiterhin zu erkennen, dass im Spiel des NBA-Draftees noch viel Luft nach oben ist und es somit fraglich ist wie er im weiteren Verlauf der EM eingesetzt werden kann. Vor allem im Setzen von Blöcken muss sich Hartenstein schnellstmöglich steigern, sonst wird die deutsche Offense mit ihm auf dem Parkett Probleme bekommen. Schröder gelang es nach Hartenstein-Screens kaum sich von seinen Gegenspielern abzusetzen, weil der Mann mit der Nummer 55 mit den gegnerischen Guards keinen Kontakt aufnahm und im Endeffekt nutzlose Blöcke setzte. Hier muss Hartenstein definitiv noch konsequenter werden, um Deutschland in der Offensive wirklich Vorteile zu verschaffen.

Mehr Shooting braucht das Land

Besonders in diesem Spiel war es auffällig: Die georgische Defense zog sich immer wieder zusammen, verlagerte sich gerne in Richtung des Balls und ließ damit immer wieder deutsche Schützen offen. Die DBB-Auswahl kam alleine in der ersten Hälfte auf 17 Dreierversuche, am Ende waren es dann 28. Leider war die Trefferquote immer noch nicht wirklich hochprozentig, ansonsten hätte Deutschland sich möglicherweise schon früher absetzen können.

Lediglich Robin Benzing traf gleich mehrere dieser Catch-and-shoot-Dreier, die gegen starke Gegner so wertvoll sein können. Wie in den folgenden Szenen beobachtet werden kann, halfen die Georgier häufiger von ihren Gegenspielern weg, um beispielsweise den Drive von Dennis Schröder zu stoppen. Während Benzing in diesem Fall noch verwarf…

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… netzte er hier völlig frei dann einen extrem wichtigen Dreipunktwurf ein. Wieder mal, weil die Defense zu sehr mit Schröder beschäftigt war.  

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Auf diese Szenen wird es auch in den kommenden Spielen ankommen, um Erfolg zu haben und die Verteidigung zusätzlich zu zwingen sich auf mehrere Spieler zu konzentrieren. Dies gibt auch Schröder dann wieder Freiräume, um zu agieren und kreieren.

Abgesehen davon versucht Chris Fleming natürlich auch immer wieder seinen Edelschützen Lucca Staiger in Szene zu setzen, um erfolgreiche Würfe von Außen zu erhalten. Gerne nutzt das DBB-Team dabei Flare-Screens, um Staiger freizuspielen. Diese Action kennt man schon sehr gut von Brose Bamberg, wo der Scharfschütze sehr ähnlich eingesetzt wird.

Die folgende Sequenz kann als gutes Beispiel dafür dienen. Die Deutschen laufen ihre Setplay “Thumb Up”, bei dem Staiger in einer Ecke startet und dann um einen Hartenstein-Screen nach oben kommt.

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Der Bamberger sprintet sofort weiter und erhält auf diesem Weg noch einen zweiten Block. Diesmal von dem an der Dreierlinie postierten zweiten Big Man. In der Zeit läuft der andere Guard unter Korb durch, um die Seite freizumachen. Dafür erhält er dann auch einen Screen von Hartenstein.

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Staiger dreht im Laufen schon seinen Kopf in Richtung des Ball, bekommt in diesem Fall den perfekten Pass von Maodo Lo, stoppt an der Dreierlinie ab und netzt ein. Der georgische Gegenspieler kann den Wurf nun nicht mehr erschweren.

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Bonus: Out-of-bounds-plays

Ein weiterer interessanter Aspekt auf denen es sich in den kommenden Partien zu achten lohnt, sind die Out-of-bounds-Plays der deutschen Nationalmannschaft. Ganz egal ob an der Seitenlinie oder an der Grundlinie, die Mannschaft von Chris Fleming hat dabei bereits in den ersten beiden Spiele einige gute Plays gezeigt, die zu leichten Punkten geführt haben.

Dieses Play von der Baseline eröffnete den Deutschen beispielsweise eines ihrer wenigen Pick&Rolls bei dem der Ball beim Roll-Man für zwei einfache Zähler ankommt. Dafür passt Lo den Ball aus dem Einwurf nach oben zu Theis und sprintet dann sofort hinterher. Auf diesem Weg stellt Barthel schon einen Screen, den Lo dafür nutzt um sich mit seiner Schnelligkeit endgültig von seinem Gegenspieler abzusetzen. Oben angekommen übernimmt Lo den Ball und läuft sofort das Blocken und Abrollen mit Theis. 

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Da die Georgier noch etwas unsortiert sind durch die Action vorher, stimmt die Defense nicht und Lo kann den Ball auf Theis durchstecken, der den Ball stopfen kann.

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Wenn der Ball an der Seitenlinie ins Aus geht, hat das DBB-Team auch ein klares Go-to-Play. Dafür stellen sich die beiden Bigs auf Höhe der Freiwurflinie auf und die zwei anderen Akteure sind am Korb postiert. Zuerst stellt der kleiner Spieler nun unter dem Korb einen Crossscreen für den Größeren (meist Robin Benzing) und kommt dann um die beiden Blöcke nach oben. Der Einwerfer hat nun die Wahl den Ball in den Post (häufig eine gute Wahl!) oder an die Dreierlinie zu passen. In dieser Szene kommt das Anspiel direkt auf Benzing, der im Post-Up zwei leichte Zähler markieren kann.

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Fazit

Die deutsche Nationalmannschaft ist mit den Erfolgen über die Ukraine und Georgien sehr stark ins Turnier gestartet. Dabei hat sich vor allem der Eindruck aus der Vorbereitung bestätigt, dass die DBB-Auswahl in bester Verfassung defensiv zu den besten Teams des Turniers gehören kann. Allerdings sollte natürlich genauso beachtet werden, dass mit Italien und Litauen die zwei schwersten Gegner der Gruppe noch kommen. Sollte Daniel Theis sich aber weiter steigern, die Rollenspieler wie Ismet Akpinar oder Isaiah Hartenstein weiter abliefern und sich das Shooting weiter verbessern, kann Deutschland auch in diesen Spielen ein gehöriges Wörtchen mitreden.

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