Oklahoma City Thunder, Playoffs 2017

Kein Spacing? Großes Problem!

Wie fehlende Schützen die Offensive der Oklahoma City Thunder beeinflussen
Screenshot: NBA League Pass

Spacing ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Begriffe der NBA geworden. Der Dreipunktewurf ist inzwischen eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Komponente erfolgreichen Offensivspiels. Der Einfluss des erhöhten Dreiervolumens auf die Liga allgemein wurde auf Go-to-Guys.de 2016 von Julian Lage und zuletzt von mir selbst ausführlich beschrieben und analysiert. Dennoch gibt es auch Teams wie die Oklahoma City Thunder, die über kaum sichere Schützen verfügen (letzter Platz in 3P%) und sich auch bei den Versuchen eher im unteren Mittelfeld (18. Platz in 3PA) der NBA befinden. Zufall oder Schicksal – die Thunder müssen in den Playoffs gegen die Houston Rockets ran, die die mit Abstand meisten Dreier der Liga nehmen. Nach zwei Spielen führen die Rockets 2:0. Wie unterscheiden sich die Offensiven der beiden Teams und inwiefern ist das fehlende Spacing der Thunder mitverantwortlich für den bisherigen Misserfolg in den Playoffs?

Unterschiedliche Formen von Spacing

Zunächst müssen wir beim Begriff Spacing zwischen dem realen Treffen von Dreiern und der Möglichkeit, dass Spieler einen Dreier treffen könnten, unterscheiden. Letzteres wird oft auch Gravity genannt und sorgt dafür, dass Spieler von der gegnerischen Defense gedeckt werden müssen und somit Platz in der Zone entsteht. Umgekehrt werden Spieler, die eigentlich nie einen Dreier treffen, gerne mal offen stehen gelassen, um die Defense auf die Zone zu konzentrieren. Ein solcher Spieler ist Andre Roberson, Flügelspieler der Thunder, der in diesem Jahr nur knapp 25% seiner Dreier verwandeln konnte. 

Robersons Gegenspieler James Harden hält in dieser Szene meterweit Abstand. Der Zonenbereich, der hier von gleich drei Thunder-Spielern (Steven Adams, Taj Gibson und Russell Westbrook) bevölkert wird, ist damit komplett dicht. Roberson bleiben als Optionen entweder weiterzudribbeln oder doch den Wurf zu nehmen – er entscheidet sich letztlich für den Dreier und trifft sogar. Dennoch zeigt die Szene exemplarisch, was passiert, wenn Spieler von der gegnerischen Defense nicht ernst genommen werden. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man die Seiten wechselt. Die Thunder müssen – bis auf Nene, der den Screen stellt – jeden Akteur der Rockets von außen ernst nehmen. In der Folge hat James Harden (fast) völlig freie Bahn zum Korb und kann den einfachen Pass zum abrollenden Nene spielen, der den Dunk verwandelt.

Das Problem der Thunder 

Das Problem fehlenden Spacings wurde am Auftreten der Thunder in beiden Spielen deutlich. Bis auf Roberson, der für ihn völlig untypische 4/6 Dreier traf, einem Dreier mit Brett von Semaj Christon, Doug McDermotts Treffer in der Garbage Time und den drei erfolgreichen Distanzwürfen von Russell Westbrook (bei elf Versuchen) war im ersten Spiel kein Akteur von hinter der Dreierlinie erfolgreich. Im zweiten Aufeinandertreffen waren die Thunder als Team dann sogar noch schlechter und konnten lediglich 23.3% ihrer Würfe von Downtown verwandeln. Mehr noch: Die Schützen wurden – wie im Fall Roberson – von den Rockets nicht einmal ernst genommen. In der Folge war die Zone fast immer komplett zugestellt und Russell Westbrook konnte insbesondere in Spiel eins gegen die eigentlich schwachen Rockets-Verteidiger Lou Williams, James Harden und Eric Gordon kaum in die Zone, geschweige denn an den Korb, durchdringen. Nur sechs Würfe am Ring konnte Westbrook im ersten Aufeinandertreffen nehmen und lediglich sieben insgesamt in der Zone. Der Superstar der Thunder wich deswegen vermehrt auf lange Zweier und Dreier aus, die er allerdings nur mit schlechter Effizienz verwandeln konnte. Besonders deutlich wurde dies im vierten Viertel des zweiten Spiels.

Die Thunder lagen bei 2:13 Minuten auf der Uhr mit fünf Punkten zurück. Da Grant (links in der Ecke) und Roberson am Flügel von der Rockets-Defense vollkommen ignoriert werden, können sich alle Verteidiger der Rockets auf Westbrook konzentrieren, der versucht ein Pick-and-Roll mit Steven Adams zu laufen. Die Zone ist jedoch für beide Spieler komplett zugestellt, weswegen sich Westbrook für den gut verteidigten Pull-up-Dreier entscheidet.

Lösungen gesucht – und gefunden? 

Wie man sieht, hat das fehlende Spacing hier für die Offense der Thunder katastrophale Auswirkungen. Neben der fehlerhaften Team-Zusammenstellung und der Formschwäche von zum Beispiel Victor Oladipo (bisher 1/13 Dreier in den Playoffs) ist jedoch auch Coach Donovan für die Misere mitverantwortlich.
In der oben geschilderten Szene standen sowohl James Harden als auch Patrick Berverley, die Gegenspieler von Grant und Roberson, bei fünf Fouls. Ein einfaches Pick-and-Roll von einem der beiden Thunder-Forwards mit Russell Westbrook hätte einen der beiden Houston-Guards vielleicht aus dem Spiel befördern können. Dabei haben die Thunder auch in diesen Playoffs durchaus Ansätze gezeigt, wie mit den Problemen, die fehlendes Spacing mit sich bringt, umgehen kann. Im zweiten Spiel lag das Team-ORtg der Thunder bei 114.5, ein eigentlich sehr guter Wert. In den ersten drei Vierteln fand das Team immer wieder Lösungen wie diese.

Da Roberson in dieser Szene – wie immer – nicht eng gedeckt wird, kann er mit einem klugen Cut zum Korb Schwung aufnehmen und letztlich erfolgreich per Dunk abschließen. Doch statt damit weiterzumachen und die solide offensive Leistung zu belohnen, brachte Donovan Ende des dritten Viertels seine katastrophale Bank-Lineup ins Spiel und das Team verlor jeglichen Rythmus. Es ist absolut unverständlich und Donovan und Westbrook anzukreiden, warum im letzten Spielabschnitt statt smarter Plays wieder versucht wurde, mit dem Kopf durch die Wand zu brechen. Neben der schwachen Bank-Performance war die Unfähigkeit des Teams, im letzten Viertel mit der in der Zone massierten Verteidigung der Rockets umzugehen, der Hauptgrund für die Niederlage in Spiel zwei.

Problem kaum von heute auf morgen zu beheben 

Das Spacing-Problem der Thunder ist eines, das sich nicht von einem Spiel zum nächsten lösen lässt. Zwar ist es immer möglich, dass Spieler wie Roberson in Spiel eins heiß laufen, doch die Rockets werden deswegen ihr Verteidigungskonzept nicht ändern und weiterhin die Zone verbarrikadieren, um Russell Westbrook zu stoppen. Den Spielern der Thunder fehlte einfach jegliche Gravity. Ursache des Problems ist, dass das Management der Thunder die Zeichen der Zeit in Sachen Dreier offensichtlich vollkommen verschlafen hat. Coach Donovan muss jetzt versuchen, mit einem guten Playbook möglichst viele smarte Spielzüge zu kreieren, die trotz des Defensivkonzepts der Rockets zum Erfolg führen. Nur dann können die Thunder die nächsten beiden Heimspiele gewinnen und die Serie wieder ausgleichen. Dass ihm das gelingen wird, ist angesichts der Leistungen der Thunder in der Regular Season jedoch höchst zweifelhaft.

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