Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, NBA, Playoffs 2015

Game 2: Golden State Warriors vs. Cleveland Cavaliers

NBA Finals: Spiel 2 in der Analyse

Vor dem Spiel

Für die Cleveland Cavaliers ist Spiel zwei schon eine Art Schicksalsspiel. Nachdem auch noch Kyrie Irving im Lazarett in Ohio Platz nimmt, bleiben nur noch wenige Spieler als Hilfe für LeBron James übrig. Umso mehr wird ein starkes Spiel des Superstars erwartet und auch nötig sein, um die Cavs auf die Siegerstraße zu bringen. Eine Niederlage wäre wohl zwar noch nicht das endgültige Ende, aber mit einem 2:0 im Rücken hätten die Golden State Warriors für den Rest der Serie im Angesicht der Ausfälle auf Seiten Clevelands leichtes Spiel. Deswegen werden die Dubs um die Splash-Brothers Thompson und Curry auch alles versuchen, dieses Aufeinandertreffen in der heimischen Arena für sich zu entscheiden. Zentral wird dabei sein, wie gut LeBron James gestoppt werden kann. In Spiel eins gelangen ihm 44 Punkte – was eindeutig zu viel ist, wollen die Warriors auf der sicheren Seite sein. Aber auch Spieler wie J.R. Smith sollten im Fokus von Golden States Defense stehen.

Die Startaufstellungen

Alles wie erwartet. Für Cleveland beginnen Dellavedova – Shumpert – James – Thompson – Mozgov, für Golden State Curry – Thompson – Barnes – Green – Bogut. 

Das Spiel 

Beide Teams beginnen in den ersten Sekunden relativ nervös. Die Warriors versuchen, ihren Dreier zum Laufen zu kriegen, was jedoch eher mit mäßigem Erfolg gelingt. Bei den Cavs dagegen werden zu Beginn vor allem Isolations für LeBron James gelaufen, von denen er einige verwandelt. Auffällig auch: die Dubs versuchen oft, das Spiel schnell zu machen. Das könnte eine Strategie sein, die personell angeschlagenen Cavs durch eine hohe Pace zu ermüden. Zudem setzen sie wieder alle drei Mitglieder des Trios Barnes/Green/Igoudala für die Bewachung von LeBron James ein. Da die Cavs sich weiterhin in meist erfolglosen Iso-Plays versuchen und auch aus ihren Offensivrebounds nichts Zählbares machen können, gelingt es den Warriors, sich Mitte des ersten Viertels etwas abzusetzen. Anschließend zeigt sich jedoch wieder, warum Basketball ein Spiel aus Runs ist: LeBron James und J.R. Smith treffen ein paar Würfe, die Warriors treffen schlechte Entscheidungen und schon ist die Partie wieder ausgeglichen. Die Cavs nehmen dabei kaum Dreier, nur zwei sind es im ersten Viertel. Stattdessen einiges an Midrange, aber auch Post-Ups und Durchstecker am Brett. Golden State schickt im ersten Viertel übrigens die komplette zehn-Mann-Rotation (ohne Lee, dafür mit Ezeli) aufs Feld. Ein Zeichen, dass weiterhin versucht werden soll, durch “große” Spielweise den Cavs an den Brettern Paroli zu bieten. David Blatt ist auf der anderen Seite da etwas sparsamer und setzt im ersten Viertel lediglich sieben Spieler ein – wobei er auch kaum mehr NBA-taugliche Akteure im Kader hat. 

Das zweite Viertel beginnt mit einem extrem heißen Klay Thompson, der mehrere Würfe hintereinander trift. Das liegt auch an der Defense von Matthew Dellavedova, der den Shooting Guard der Warriors einfach nicht verteidigen kann. Dafür sieht es gegen Curry umso besser aus:

Nicht weniger beeindruckend: LeBron James. Auch der King ist im Angriffsmodus, hat zwischenzeitlich eine USG% von 67%. Er muss aber aufgrund der mangelnden Unterstützung auch sehr viel machen, um sein Team überhaupt im Spiel halten zu können. Dadurch und die fragwürdige Wurfauswahl der Warriors gelingt es den Cavs, sich kurz vor der Halbzeit erstmals eine Führung herauszuspielen. Großen Einfluss hat in dieser Phase auch James Jones, der plötzlich Minuten bekommt und gleich mal acht Punkte in Halbzeit eins auflegen kann. Die Warriors entscheiden sich daraufhin, klein zu spielen. Das hilft jedoch – nichts. Timofey Mozgov kann in der ersten Halbzeit 11 Punkte erzielen. James kommt auf 20. Doch auch bei den Cavs ist nicht alles Gold, was glänzt, und abgesehen von den drei genannten glänzt wenig. Es ist insgesamt eher die Schwäche der Warriors, die Cleveland eine zwei-Punkte-Führung zur Halbzeit beschert. Besonders bei Curry und Green läuft wenig bis gar nichts zusammen. Dass es trotzdem nur zwei Punkte Rückstand sind, spricht für die Warriors. 

Der Anfang der zweiten Halbzeit ist noch deutlich zerfahrener als das Ende der ersten. Curry ist gar nicht im Rythmus und auch Thompson inzwischen abgekühlt. Die Warriors schaffen es nicht, etwas anderes als Dreier oder andere Jumper zu kreieren – und die treffen sie einfach nicht. Auch in der Transition läuft wenig zusammen. Bei Cleveland ist das Problem dagegen strukturell. Durch ihr großes Spiel haben sie einfach zu wenig Spacing auf dem Feld. Mit James Jones sah das alles deutlich flüssiger aus, zumal die Cavs immer noch nichts aus ihren Offensivrebounds machen. Nachdem Jones für Thompson eingewechselt wurde und Mozgov plötzlich wie entfesselt spielt, scheint es, dass die Cavs sich absetzen könnten. Die kleine Aufstellung hilft den Cavaliers, da in der Zone jetzt plötzlich Platz ist. Beste Voraussetzungen für Mozgov und James, aber auch die anderen Protagonisten in weinrot. Und trotzdem ist es dann nur das erwähnte Frontcourt-Duo, das etwas zustande bringt. Der Rest schafft das aus welchen Gründen auch immer einfach nicht. Auf der anderen Seite verzweifeln die Warriors immer mehr an ihrem Wurfglück, können den Anschluss aber irgendwie dann doch halten. Unter anderem deswegen, weil die Cavs immer wieder unkonzentriert agieren oder die Warriors-Defense Wurfzeitüberschreitungen erzwingt. Und dann haben die Warriors in den letzten Sekunden die Chance, auf einen Punkt zu verkürzen… und Marreese Speights schafft es, einen freien Fastbreakdunk daneben zu setzen. End of third, Cavs up three. 

Kaum ist das letzte Viertel am laufen, fangen auch die Foulprobleme erstmals an. Klay Thompson und Andrew Bogut fangen sich jeweils ihr viertes ein, jeweils ein Loose-Ball-Foul beim Defensivrebound. Auch Iguodala kann sein viertes Foul etwas später nicht vermeiden. Dass später mit J.R. Smith ein Cav ausfoult und keiner der Warriors, ist also eher überraschend. Zudem geht das Rebound-Duell immer mehr an die Cavs. 41-29 führen sie nachdem gut 3 Minuten im vierten Viertel gespielt sind. Doch ein anderer Faktor ist zur Zeit viel wichtiger: Den Warriors – insbesondere Curry – gelingt es nicht, ihr Problem mit den Trefferquoten unter Kontrolle zu bringen. Der MVP steht zwischenzeitlich bei 1-10 von draußen und kann seine Mitspieler auch nicht animieren, mehr Verantwortung zu übernehmen. Zudem treffen die Cavs ein paar Würfe, auch endlich mal nach Offensivrebounds und können sich deswegen gut drei Minuten vor Ende auf 11 Punkte absetzen. Doch dann trifft Andre Igoudala einen Dreier. Und Steph Curry trifft einen Dreier. Und zwei Freiwürfe. Und dazwischen spielen die Dubs Hack-a-Tristan. Und sind zweieinhalb Minuten vor dem Ende auf fünf Punkte dran. Dann wird es richtig wild: James mit Freiwürfen, Smith mit einem unnötigen Foul zum And-One für Harrison Barnes, zwei Fehlwürfe – und die Cavs haben eine zwei-Punkte-Führung, den Ball und noch knapp 40 Sekunden auf der Uhr. Doch Shumpert trifft den Ring nicht, genauso wie Curry einige Sekunden später. Der Unterschied: das erste ist ein Airball, das zweite ein Swish. James kann den Gamewinner nicht verwandeln. Overtime. Hauptfaktor beim Warriors-Run in die Verlängerung: die kleine Aufstellung mit Green auf Center und die Hack-a-Tristan-Taktik. 

Es ist das erste Mal in der Geschichte der NBA, dass die ersten beiden Spiele einer Finalserie in die Verlängerung gehen. Die Veranstaltung hat dann auch die ihrer historischen Bedeutung angemessene Munterkeit in sich. Es geht hin und her. Hier ein Dreier von Shumpert, da ein Putback von Green. Dazwischen Freiwürfe. Noch eineinhalb Minuten, da wird James klar gefoult. Und kriegt – wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben – den Call nicht. Ball an die Warriors, die mit 1:11 auf der Uhr und einem Punkt Rückstand die Chance haben, in Führung zu gehen. Und dann? Ein Turnover der Dubs. Und einer der Cavs. Anschließend geht Golden State durch zwei Freiwürfe von Stephen Curry in Führung. Auftritt Matthew Dellavedova, der beim Putback gefoult wird und sein Team wiederum in Führung bringt. Curry schafft es nicht, den nächsten Wurf zu verwandeln, James wird gefoult und trifft beide – die Warriors schaffen das Comeback anschließend nicht mehr. 

Das Ergebnis

Cavs 96, Warriors 93 (OT)

Fazit

Die Cavs können die Serie ausgleichen. Doch das war nicht wirklich ihrer Stärke, sondern vor allem der Schwäche der Warriors zu verdanken. Vor allem Curry stand völlig neben sich, nur Thompson erreichte annähernd Normalform. Auch James agierte zuweilen ineffizient, schaffte es aber dennoch, sein Team zu tragen und seine Mitspieler besser zu machen. Vor allem bei Matthew Dellavedova – als ungedrafteter Summer-League Spieler zu den Cavs gekommen – und Mozgov funktionierte das. Der Center ließ Bogut auf beiden Seiten des Courts ziemlich alt aussehen. In der Summe konnten die Cavs mit klaren Vorsprüngen bei Rebounds (+10), getroffenen Freiwürfen (+9) und Turnovern (13 zu 18) die schlechte Wurfquote von 32, 2 % im Vergleich mit Golden States 39,8 % ausgleichen. Selbst bei den Dreipunktwürfen hatten die Cavs mit 9 zu 8 die Nase vorne.

Dass der Sieg dennoch erst in der Overtime zustande kam, zeigt den Zustand der Cavs noch einmal in aller Deutlichkeit. Es wäre eine Überraschung, wenn die Warriors noch einmal so schlecht spielen würden. Die Cavs dürfen sich nach diesem Spiel wieder Hoffnungen machen, aber sehr viel ändert sich nicht an den Aussichten auf die Serie.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben