NBA, Oklahoma City Thunder

Deadline-Deals: Oklahoma City Thunder

Blockbuster-Deal oder Business as usual?

Nachdem die ersten Monate aufgrund der zahlreichen Verletzungen für die Oklahoma City Thunder eher – um es vorsichtig auszudrücken – durchwachsen gelaufen waren, erklärte sich GM Sam Presti im Januar bereit, Dion Waiters aufzunehmen. Im Gegenzug gab er einen Firstround-Draftpick sowie Lance Thomas nach Cleveland respektive New York ab. Nach der einhelligen Meinung der Experten dürfte dies nicht Prestis letzter Trade in dieser Saison gewesen sein. Und auch einige andere Faktoren – wie die ungeklärte Situation von Reggie Jackson – sprechen dafür, dass sich im mittleren Westen bis nächsten Donnerstag noch etwas tun wird. Doch der Reihe nach.

Was möchten die Thunder erreichen?

Oklahoma City ist dieses Jahr das klassische Käufer-Team. Zurzeit steht man ein halbes Spiel hinter Platz 8 und die Teilnahme an den Playoffs reicht den Verantwortlichen nicht. Es wäre auch verwunderlich, wenn man mit Spielern wie Kevin Durant und Russell Westbrook nicht mindestens das Conference-Final als Ziel ausgibt. Das Ziel muss also zum einen eine signifikante Verbesserung des aktuellen Personals sein. Zum anderen muss das Dilemma gelöst werden, in dem die Franchise dank Jacksons auslaufendem Vertrag steckt. Der junge Combo-Guard möchte ab Juli eigentlich starten und viel Geld verdienen, doch im Sommer wird er Restricted Free Agent, was OKC die Möglichkeit gibt, mit jedem Angebot gleichzuziehen. Jackson war letztes und vorletztes Jahr eigentlich sehr wichtig für das Team, doch in den letzten Wochen zeigte sich, dass es wohl schwierig ist, ihn und Westbrook zu einem kompatiblen Duo zu vereinen. Das heißt jedoch, dass er im Endeffekt nur ein Backup ist, für den eigentlich niemand einen achtstelligen Dollar-Betrag bezahlen möchte. Ihn ohne Gegenwert zu verlieren ist aber auch keine ernsthafte Option.

 Was kann Presti anbieten?

Man sollte vielleicht besser fragen, wer nicht ReggieJackson im Schaufenster steht. Das wären die drei Stars Kevin Durant, Russell Westbrook und Serge Ibaka, die jungen Bigmen Steven Adams und Mitch McGary sowie der gerade erst mit einer Vertragsverlängerung bedachte Nick Collison und aus CBA-Gründen Dion Waiters (Waiters darf nur alleine getraded werden; das macht eine Transaktion sehr unwahrscheinlich). Auch Andre Roberson sollte aufgrund seines günstigen Vertrags und seines Werts für das Team recht sicher im Sattel sitzen. Der Rest ist verfügbar. Besonders im Fokus stehen hierbei der schon erwähnte Reggie Jackson, Kendrick Perkins und Jeremy Lamb. Jackson hat von den entbehrlichen Spielern im Team den höchsten sportlichen Wert und ist in fast jedem Szenario der Köder, um einen dicken Fisch an Land zu ziehen. Perkins wäre in diesem Bild dann gewissermaßen die Angel – erst sein 9,7 Millionen $ schwerer, auslaufender Vertrag macht die Akquisition von großen Gehaltsvolumina überhaupt möglich. Jeremy Lamb dagegen ist vor allem deswegen in Gerüchten vorne mit dabei, da er trotz seines durchaus vorhandenen Talents in den Plänen von Coach Brooks keine große Rolle mehr zu spielen scheint.  

Auf wen haben die Thunder ein Auge geworfen?

OKC sucht im Endeffekt drei Sorten von Spielern: einen vielseitigen Flügelspieler, der etwas Last von Kevin Durant nehmen und durch Gefahr von außen auch das Spacing des Teams verbessern kann; einen Backup-Pointguard, der idealerweise ebenfalls werfen, mit guter Defense aufwarten und somit Jackson ersetzen kann, falls dieser getraded wird; zuletzt einen Bigman, der am Korb konstant für Gefahr sorgt und die beiden Superstars in Sachen Scoring entlastet. Alles drei auf einmal zu bekommen wird sich angesichts des insgesamt doch eher geringen Angebots an Wert auf Seiten der Thunder als relativ unmöglich herausstellen. Trotzdem gibt es einige Kandidaten und Presti wird sein Augenmerk darauf legen, wenigstens eines, wenn nicht sogar beide Needs zu erfüllen.

Wilson Chandler – SF/PF – Denver Nuggets

Contract: 2 Years left/13,9 Mio. $ (2015/16 nicht garantiert)

Stärken: Vielseitigkeit, Scoring

 Chandler ist derjenige Spieler, der am längsten mit den Thunder in Verbindung gebracht wird. Der Forward kann drei Positionen verteidigen und trifft an guten Tagen auch Dreier. Allgemein kann Chandler scoren (13,9 PPG), ist dieses Jahr mit einem ORtg von 103 allerdings bisher nicht unbedingt durch Effizienz aufgefallen. Dies könnte sich jedoch ändern, sobald seine Mitspieler nicht mehr Ty Lawson und Arron Afflalo, sondern Kevin Durant und Russell Westbrook heißen. Für die Thunder wäre Chandler vor allem durch seine Vielseitigkeit von Wert. Seine Defense könnte besonders in Duellen mit Spurs und Cavs (gegen Leonard und James) von Vorteil sein, seine Offense die Berechenbarkeit der Thunder auf dieser Seite des Spiels etwas verringern. Als Gegenwert würde den Nuggets wohl Reggie Jackson gefallen, allerdings ist hierbei ein Three-Team-Deal recht wahrscheinlich, da die Nuggets wahrscheinlich auch einige andere Stücke ihres Kaders gerne abgeben würden.

Brook Lopez – C – Brooklyn Nets

Contract: 2 Years left/32,4 Mio. $ (2015/16 Spieleroption)

Stärken: Scoring, Midrange, Low-Post

 Auch Brook Lopez stand inBrook Lopez den letzten Wochen immer wieder im Fokus von Gerüchten. Mitte Januar hätte es angeblich fast einen Three-Team-Deal mit Lopez, Perkins und Lance Stephenson gegeben, der in letzter Sekunde abgeblasen wurde. Und just gestern berichtete Alex Kennedy darüber, dass die Gespräche zwischen Thunder und Nets wieder aufgenommen worden sein sollen. Lopez würde gut zu OKC passen. Seine Stärke – Scoring aus dem Low- und High-Post – sind im Kader bisher eher weniger vorhanden, seine Schwäche, die Defense, regeln andere, vor allem Serge Ibaka und Steven Adams. Zudem ist Lopez auch aus der Midrange gefährlich, ideal für das drivelastige Spiel von Westbrook. Dazu kommt, dass er sich sowohl einen eigenen Wurf verschaffen kann, als auch die Anspiele seiner Mitspieler gekonnt zu verwerten weiß. Eine Lineup Westbrook-Morrow-Durant-Ibaka-Lopez wäre demzufolge wohl auch nur ziemlich schwierig zu verteidigen. Klar, defensiv wäre es ein massives Downgrade im Vergleich zu Kendrick Perkins, der bei einem Lopez-Trade zwangsläufig involviert sein müsste. Und ja, Steven Adams und Mitch McGary würden weniger Spielzeit erhalten. Aber Lopez wäre vielleicht der fehlende Baustein zum Titel und dadurch, dass er seine Spieleroption mit großer Sicheheit ziehen würde, auch im für die Thunder so wichtigen Jahr 2016 immer noch in der Stadt.

Arron Afflalo – SG/SF – Denver Nuggets

Contract: 2 Years left/15,25 Mio. $ (Spieleroption 2015/16)

Stärken: Scoring, Wurf

 Während Lopez und Chandler eigentlich schon zwei ganz alte Hüte sind, ist Arron Afflalos Name ganz neu in der Gerüchteküche. Wie Ramona Shelbourne am Montag berichtete, sollen die Thunder eines der Teams sein, die sich um den Flügelspieler bemühen. Zum einen würde eine Verpflichtung Afflalos durchaus ein Problem beheben, da er OKCs Bank in Sachen Scoring unterstützen könnte. Andererseits haben die Thunder in Waiters und Morrow bereits zwei Guards mit zum Teil fragwürdiger Defense. Und während Wilson Chandler auch in der Verteidigung, gerade gegen bullige Forwards wertvoll ist, bringt Afflalo an dieser Stelle eher wenig. Ein Trade für ihn erscheint deswegen eher weniger sinnvoll, die Assets an anderer Stelle besser eingesetzt.  

Lopez, Afflalo und Chandler sind bisher die einzigen Spieler, über die es Gerüchte mit Bezug zu OKC in den Medien gab. In Frage kommen allerdings auch noch andere Kandidaten, die hier kurz Erwähnung finden sollen:

Jameer Nelson –  PG – Denver Nuggets

Contract: 2 Years left/6 Mio. $ (2015/16 Spieleroption)

Stärken: Dreier, Erfahrung

 Nelson ist ein erfahrener Pointguard und trifft Dreier. Diese Eigenschaften machen ihn als Ersatz interessant, wenn Reggie Jackson gegen bspw. Wilson Chandler nach Denver getraded wird. Nachteil: er kann wie Waiters nur alleine getraded werden, was einen Einbau in einen Chandler-Trade unmöglich macht. Ein solcher Trade müsste also separat ablaufen.

Norris Cole – PG – Miami Heat

Contract: 1 Year left/2,15 Mio. $ (im Sommer RFA)

Stärken: Defense

 Auch Cole hat schon einige Male in den Planspielen der Journalisten Erwähnung gefunden, wenn es um einen Ersatz für Jackson ging. Cole ist zwar eher ein mäßiger Schütze, dafür kann er jedoch verteidigen. Anbieten würde sich zum Beispiel ein Swap von Cole und Jeremy Lamb, wenn Jackson Teil eines anderen Trades wird.

Nikola Pekovic – C – Minnesota Timberwolves

Contract: 4 Years left/47,9 Mio. $

Stärken: Low-Post-Offense

 Pekovic WolvesDer Job des Montenegriners in Minnesota ist aufgrund des dortigen Umbruchs nicht mehr der sicherste. Pekovic ist ähnlich wie Lopez ein offensiv ausgerichteter Center, allerdings nicht ganz so gut und ohne Midrange-Game. Deswegen und wegen seines noch bis 2018 laufenden Vertrags ist ein Deal doch sehr unwahrscheinlich, ebenso aufgrund der Tatsache, dass Flip Saunders wahrscheinlich nicht gewillt ist, Pekovic jetzt schon abzugeben.

George Hill – PG – Indiana Pacers

Contract: 3 Years left/24 Mio. $

Stärken: Dreier, Defense, Erfahrung

 Hill ist neben Chandler und Lopez das vielleicht interessanteste Ziel. Er vereint alles was die Thunder im Backcourt gebrauchen können: Defense, Dreier, Erfahrung. Zwar verdient er noch acht Millionen $ p.a. bis 2016, doch im Gegensatz zu Jackson kann er auch gut als Off-Ball-Spieler neben Westbrook oder Waiters eingesetzt werden. Sollte Indiana der Ansicht sein, dass eine Verjüngung ihrer Point-Guard-Position durch Reggie Jackson eine gute Idee ist, wäre Presti wahrscheinlich der letzte, der ein Angebot wie Hill und Mahinmi gegen Perkins und Jackson ablehnen würde.

 Zusammenfassung und Ausblick

Dass in Oklahoma etwas passieren wird, gilt fast schon als gesichert. Fast alle größeren Medien bezeichnen die Thunder als eine der aggressivsten Franchises rund um den 19. Februar. Vielleicht wird es nur einen kleineren Deal geben, um eventuell unter die Luxussteuergrenze zu gelangen. Vielleicht wird es allerdings auch der ganz große Schocker. Man weiß im Voraus nie, was sich an am Deadline-Tag so alles ergibt. Besonders Lopez und Chandler verdienen dabei die Aufmerksamkeit Prestis. Gelänge es ihm, einen der beiden für einen akzeptablen Preis zu holen, würde das für das Team ein massives Upgrade bedeuten. Doch genauso muss der GM der Thunder aufpassen, sich nicht zu verzocken. Er sollte nicht den Fehler begehen, sich jemand für viele Assets ins Team zu holen, den er im Sommer vielleicht gar nicht halten kann. Zudem haben die Thunder keine Zeit, ein durcheinandergewüfeltes Team sich einspielen zu lassen, da jeder Sieg zählt. Deswegen wäre wohl der sinnvollste Move, Perkins Vertrag sowie Jacksons sportlichen Wert für einen oder zwei neue Puzzlestücke einzutauschen, die sofort weiterhelfen. Wer das dann sein wird, ist unmöglich vorherzusagen, denn: Presti hat mit seinen Aktionen die Beobachter immer wieder nachhaltig überrascht.

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