Orlando Magic

Victor Oladipo und Elfrid Payton

"Defensive minded" in eine bessere Zukunft?

Nicht wenige Experten waren erstaunt, als die Orlando Magic am 26. Juni 2014 einen Future 1st Round Pick, einen 2nd Round Pick und die Rechte an Dario Saric nach Philadelphia schickten, um Elfrid Payton, der zuvor an 10. Stelle von den Philadelphia Sixers gepickt wurde, nach Florida zu holen. Zwar hörte man während der Workouts der diversen Franchises immer wieder, dass der 20jährige Point Guard aus Gretna, Louisiana zu überzeugen wusste, um auf den Draft Boards der Scouts immer weiter nach oben zu rutschten, aber Orlando war in den Wochen vor der Draft so gut wie nie genannt worden, als es darum ging, welches Team sich die Rechte an ihm sichern wird.

Gerüchteweise wurde zu diesem Zeitpunkt bereits vermutet, dass Jameer Nelson kurz davor stehe gekündigt zu werden, aber dass Orlando mit einem seiner zwei Lottery Picks einen Point Guard verpflichten wird, der nicht Dante Exum heißt – der in Fachkreisen als ungeschliffener Diamant galt, den man sich nicht entgehen lassen könne – wurde kategorisch ausgeschlossen. Nicht weil man nicht an das Talent von Elfrid Payton oder Marcus Smart glaubte, sondern weil beide Draftees eines verbindet – ein Wurf, der recht deutlich vom Niveau der NBA entfernt ist und dieser Fakt viele Experten zur Erkenntnis gelangen ließ, dass ein solcher Spieler nicht mit Victor Oladipo vereinbar ist, der ein Jahr zuvor von den Magic an zweiter Stelle gepickt wurde und in seiner Rookie-Saison ebenfalls erhebliche Schwächen aufwies, wenn es um den Wurf ging.

Trotz aller Unkenrufe entschied man sich für Elfrid Payton, vom kleinen College Louisiana Lafayette, dessen Name einige Wochen vor der Draft nicht als Lottery-Kandidat genannt wurde, dann aber während der Workout-Phase in den Mock-Drafts immer weiter nach oben kletterte. Man setzte auf ihn trotz der Tatsache, dass er zwar in seinen drei Jahren nach der Highschool mit 19,2 Punkten, 6,0 Rebounds und 5,9 Steals beachtliche Zahlen lieferte, aber auf der anderen Seite nur 61 Prozent seiner Freiwürfe und 26,7 Prozent seiner Dreier-Versuche verwandeln konnte. Viele Fragen, viele Zweifel – in den Medien wurden Stimmen laut, die sich scheinbar zurecht fragten, ob General Manager Rob Hennigan nicht zu viel Wert auf Attribute wie Charakter, Defense und Athletik lege. Ist ein Backcourt, bestehend aus Oladipo und Payton in der Lage zu harmonisieren? Kann mindestens einer der beiden einen Distanzwurf entwickeln? War der Preis, um die Rechte an Payton zu bekommen, zu hoch?

“I feel like I can be one of the best in the league. It’s all going to come down to how hard I work and how it works out. I feel like I can be one of the best along with my teammates help.”

– Elfrid Payton nach der Draft.

Er war also bereit für das große Abenteuer NBA und wurde nicht müde zu erwähnen, dass er noch viel Arbeit vor sich hat.

Volles Vertrauen in Oladipo

Bereits kurz vor der Draft einigte man sich mit den Denver Nuggets auf einen Trade, der Arron Afflalo an den östlichen Fuß der Rocky Mountains schickte (im Gegenzug erhielten die Orlando Magic den jungen Franzosen Evan Fournier und einen 2nd Round Pick) und somit war eines klar – die Zukunft auf der Position des Shooting Guards gehört Victor Oladipo.

Der Shooting Guard, der ein Jahr zuvor von den Indiana Hoosiers in die NBA wechselte, konnte die hohen Erwartungen, welche Seitens der Orlando Magic in ihn gesetzt wurden, durchaus erfüllen, es offenbarten sich in seinem Spiel aber auch einige Schwächen. So konnte er nur durchschnittliche 41,9 seiner Wurfversuche aus dem Feld verwandeln, von jenseits der Dreier-Linie waren es für einen Shooting Guard nicht zufriedenstellende 32,7 Prozent. Da er in seiner Rookie-Saison von Ex-Trainer Jacque Vaughn immer wieder als Point Guard aufgestellt wurde, zeigte sich unverkennbar, dass Oladipo noch Probleme beim Ballhandling hat, auch fabrizierte er mit 3,2 TO/Game zu viele Ballverluste.

Auftrumpfen konnte Victor Oladipo vor allem in der Defensive, hier war er nach wenigen Wochen in der NBA angekommen. Pro Spiel konnte er 1,6 Steals, 0,5 Blocks und 4,1 Rebounds verzeichnen; alles für einen Combo-Guard sehr ordentliche Werte. Auch ein Defensive Rating von 106, sowie ein Defensive RPM von 0,97 (Quelle: ESPN) sind für einen Rookie durchaus vielversprechende Zahlen. Gerade durch seine Schnelligkeit und seiner aggressiven Spielweise stellte er den ein oder anderen etablierten Guard vor Problemen.

Paytons Start

Nach überzeugenden Auftritten in der Summer League (Im Schnitt sprangen für Payton 9,2 Punkte, 7,0 Assists und 5,2 Rebounds heraus) konnte sich der Rookie mit der eigenwilligen Interpretation eines Afro-Looks, einen Platz in der Starting Five der Orlando Magic sichern. Laut Ex-Coach Vaughn hatte man eigentlich vor Payton langsam an das Niveau der NBA heranzuführen, da Victor Oladipo kurz vor Saisonbeginn jedoch mit einer Gesichtsverletzung ausfiel, war dieser Plan hinfällig.

In den kommenden drei Wochen bestätigte sich das, was viele Zweifler vermuteten: Payton schoss miserable 32,6 Prozent aus dem Feld und konnte exakt 50 Prozent seiner Freiwürfe verwandeln, beides sind inakzeptable Werte, selbst für einen Rookie.

In vielerlei Hinsicht wirkte er für einen Rookie allerdings schon sehr weit. Seine Defense gegen Point Guards stimmte von Beginn an, so schafft er es seinen Gegner vor sich zu halten und agiert stark in der Pick and Roll Defense, einer der Punkte, bei dem gerade Rookies immer wieder große Probleme haben. Verhältnismäßig problemlos arbeitet er sich um Screens herum, um sich erneut vor seinem Gegenspieler aufzubauen, wo er dann alleine durch seine Statur (1,93 m, Spannweite 2,03 m) und seiner Geschwindigkeit ein unangenehmer Gegenspieler ist.

In der Offensive ist der bereits erwähnte fehlende Wurf eine eindeutige Einschränkung, welche ihn für die gegnerische Defense leichter ausrechenbar macht, trotzdem weiß er als Floor General durchaus zu überzeugen. Hier profitiert er vor allem durch seine Spielübersicht und der Tatsache, dass er schwer aus dem Dribbling zu bekommen ist.

Im weiteren Verlauf der Saison übernahm er immer mehr Verantwortung, so wie am 10. Januar im Spiel bei den Blazers, als Orlando im ersten Viertel früh zweistellig zurücklag und von Damian Lillard vorgeführt wurde. Laut übereinstimmenden Aussagen aus dem Team der Magic, war es dann Elfrid Payton, der seine Teamkollegen dazu motivierte auf Fullcourt-Press umzustellen, um den Point Guard der Blazers und somit deren Offensive aus den Rhythmus zu bringen. Man verlor das Spiel, konnte aber in der Folge lange Zeit auf Augenhöhe agieren.

Vier Tage später im Heimspiel gegen die Houston Rockets war es dann wieder der junge Rookie, der mehrmals im Spiel das Steuer herumreißen konnte, als es danach aussah, dass das Spiel zu Gunsten der Favoriten kippen würde. Im finalen Viertel erzielte Elfrid Payton 12 Punkte, verteilte 2 Assists und griff 3 Rebounds ab und war einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass man die Favoriten aus Texas mit 120 zu 113 schlagen konnte. Lobende Worte erhielt er nach diesem Spiel von einem alten Bekannten der Magic.

I just think it started with their point guard – the guy with the crazy hair. He’s the one that started everything.”

– Dwight Howard nach dem Spiel gegen die Magic

Oladipos Entwicklung im zweiten Jahr

Ab dem 10. Spiel der Magic war Victor Oladipos Gesichtsverletzung insofern verheilt, dass ihm die medizinische Abteilung der Magic grünes Licht gab, um mit Gesichtsschutz aufzulaufen. Durch die Anwesenheit von Payton durfte er nun endlich dort auflaufen, wo er sich am wohlsten fühlt – auf der Position des Shooting Guard. Hier profitiert er nun von der Tatsache, dass er letzte Saison auf der Eins spielte, denn sein Ballhandling hat sich im Gegensatz zum Beginn seiner Rookie-Saison deutlich verbessert, aber er hat aktuell noch Probleme sein vorhandenes Defensiv-Talent auf die neue, alte Position umzustellen, gerade in der Perimeter-Defense ist er auf NBA-Niveau oftmals noch nicht gedankenschnell genug, um seine athletischen Fähigkeiten effektiv einzusetzen. Auch merkt man ihm noch deutlich an, dass seine größere Rolle in der Offensive (Gleiche Usage, obwohl er deutlich seltener den Ball bringt) Einfluss auf seine Verteidigung nimmt.

Und wie steht es um seinen Wurf? Oladipo zeigt sich aus der Distanz deutlich verbessert, so konnte er 36,2 Prozent seiner Dreier-Versuche verwandeln, für einen Shooting Guard keine zufriedenstellende Quote, jedoch ist eine klar deutliche Tendenz zu erkennen. Bei Schüssen aus der Mitteldistanz allerdings fiel sein Wert von durchschnittlichen 39,1 Prozent auf unterdurchschnittlichen 33,6 Prozent. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass er diese Saison mehr Verantwortung übernimmt und noch deutliche Defizite aufweist, wenn es um das Kreieren des eigenen Schusses geht.

Victor Oladipo selbst geht, trotz dem sein Spiel in fast allen Aspekten verbessert wirkt, sehr selbstkritisch zu Gericht und bewertete seine allgemeine Entwicklung in einem Inverview mit basketballinsiders.com mit der amerikanischen Schulnote D – übersetzt: ausreichend! Gewohnt zurückhaltend äußert er sich wie folgt:

I think I’ve done okay. I haven’t won yet so I wouldn’t consider myself doing pretty well until we start winning. That’s the whole key for me.”

– Victor Oladipo

Ein Duo für eine bessere Zukunft?

Als sich an diesem Wochenende die NBA-Elite in New York zusammenfand, um das jährliche All-Star-Weekend zu feiern, hatten auch Elfrid Payton und Victor Oladipo die Chance, sich der breiten Masse zu zeigen, denn beide wurden für die Rising Stars Challenge nominiert und traten für das Team USA gegen eine Weltauswahl im Spiel der besten Rookies und Sophomores an. Für beide sicherlich eine angenehme Abwechslung zum aktuell sportlich eher enttäuschenden NBA-Alltag (Orlando konnte nur 3 der 20 Spiele im Jahre 2015 gewinnen), aber vor allem auch eine Würdigung ihrer bisherigen Leistungen.

We most definitely [want to be the NBA’s best defensive backcourt],” Payton said. “It starts with defense, but we feel like we can get there offensively too. We want to be the best backcourt, period. That’s the goal and that’s what we’re working for.”

(Quelle: basketballinsiders.com)

Trotz dem für beide Guards der Start in die NBA durchaus positiv verlief und man in Orlando frohen Mutes bezüglich ihrer weiteren Entwicklung sein kann, bleiben jedoch viele Fragen offen und für beide Protagonisten noch viele Aspekte, an denen sie hart arbeiten müssen. Können sie hier beweisen, dass der Ruf „Arbeitstiere“ zu sein mehr als nur ein Vorurteil ist, wird aus der dynamischen Backcourt-Kombo zwar ziemlich sicher keine zweite Version der Splash Brothers, bestehend aus Steph Curry und Klay Thompson, aber das Potential, ein Gespann zu werden, welches Spiele verändert und entscheidet, ist vorhanden. Gerade defensiv sind sie auf einem guten Weg und man darf gespannt sein, wann in Central Florida die Sonne wieder anfängt zu scheinen.

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