Draft, OUP-Rated

Favoritenstellung der Top 3 gerechtfertigt?

Overrated, Underrated, Properly Rated #2

Der Non-Conference Schedule liegt hinter uns und wir wissen nun deutlich besser, wo die Teams stehen. Während einige Teams ihren Contender-Status untermauern oder sogar ausbauen konnten, sind andere deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Big Ten enttäuscht mit vielen Niederlagen gegen unterdurchschnittliche Teams. Im Vergleich sieht die Big 12 jedoch sehr gut aus und überzeugt mit sechs Teams, die in der Top 25 stehen. Kentucky dominiert alles und scheint sich klar von der Spitze abzusetzen. Duke hat mit Jahlil Okafor den klaren Frontrunner für den Player of the Year. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn man etwas über den Tellerrand hinaus schaut? Um einen Maßstab zu setzen, haben wir uns an den AP Top 25 Rankings orientiert. Diese fokussieren sich auf eine Momentaufnahme und doch bilden sie eine Meinung, die bei einigen Programmen zu falschen Schlüssen führen kann. Dass die allgemein wertende mediale Berichterstattung in dieses Format einfließt, ist klar und doch bilden die AP Polls ein nachweisliches Ranking, welches als Grundlage für unsere Einschätzung dient. 

Overrated

Wir beginnen gleich in der Top Ten der Top 25-Rankings. Nach den Abgängen von Melvin Ejim und DeAndre Kane konnten die Erwartungen an die Iowa State Cyclones nicht allzu hoch sein. Doch Forward-Allrounder Georges Niang hat sich, wie erhofft, zum Leader des Teams entwickelt und führt seine Teamkameraden zu einer sehr guten 10-2 Bilanz. Niederlagen gegen das Überraschungsteam aus Maryland und die unter dem Radar fliegenden South Carolina Gamecocks sollten nicht passieren, sind aber keine Ausrutscher, die unverzeihlich sind (siehe Michigan vs. NJIT).
Allerdings hat das Team das mit Abstand schlechteste Defensivrating in der Top 20 bei kenpom.com und das sollte den Jungs von Head Coach Fred Hoiberg Sorgen bereiten. Die Big 12 ist eine in der Offensive sehr talentierte Liga und ohne eine Top 20-Defense wird es hart, den Status als Eliteteam zu halten. Wenn man nun noch bedenkt, dass man auch beim Strength of Schedule bisher nur auf Platz 244 liegt, sagt das einiges über die Konkurrenz bis zu diesem Zeitpunkt aus. Das Spiel von Niang (15.6 PPG) und Transfer Bryce Dejean-Jones (14.1 PPG, vorher UNLV) macht Hoffnung, doch die Defense muss definitiv verbessert werden. Die Präsenz eines 7-Footers fehlt den Cyclones in der Zone. Gegen Teams wie Kansas, Texas, Baylor und Oklahoma kann das ausschlaggebend sein.

Jerian Grant hat mit seinem Dunk gegen Georgia Tech wohl für das Highlight des Jahres gesorgt. Die Rückkehr des Guards und Sohn von Horace Grant ist unabdingbar für den Erfolg der Fightin Irish.

Notre Dame spielt wieder einen sehr guten Ball und steht nur für wenige überraschend bei einer Bilanz von 15-1. Neben Grant, der mit 17,9 Punkten, 6,2 Assists und 53 Prozent aus dem Feld überzeugt, spielt vor allem Pat Connaughton auf einem hohen Niveau. Der Senior legt die besten Zahlen seiner Karriere auf und führt das Team in Rebounds an (8.2). Besonders wichtig ist jedoch, dass vier Akteure mit über 13 Punkten pro Spiel zeigen, dass niemand in diesem Programm unersetzbar ist. Trotzdem stehen sie noch in der Kategorie Overrated und das aufgrund von sehr ähnlichen Problemen wie die Cyclones. Mit einem Wert von 99.5 stehen die Irish nur auf Platz 157 in der Adjusted Defense und das, obwohl sie einen der einfachsten Spielpläne im Land hatten (Platz 350 beim SOS). Jetzt geht es gegen Teams wie Duke, Louisville und Virginia. Sie haben das Zeug zu überraschen, doch dazu muss vor allem am defensiven Ende noch mal eine ordentliche Schippe drauf gelegt werden. Hoffnung macht hingegen, dass man bisher landesweit ein Top 3-Team in der Offense (Adjusted Offense) war. Doch das alleine wird gegen die Elite der ACC nicht reichen. Dass man nun zu Beginn des Conference Plays gleich knapp gegen UNC gewinnen konnte, passt absolut nicht zu der Kategorie. Um die Platzierung in der Top 15 zu bestätigen, muss aber noch mehr passieren. 

Während Iowa State in der sehr starken Big 12 aufpassen muss, nicht schneller abzurutschen als ihnen lieb ist, sieht die nahe Zukunft der Fighting Irish gar nicht mal so schlecht aus. Wenn es gelingt, in den nächsten zehn Partien nur gegen Virginia und zweimal gegen Duke zu verlieren, hat man gute Karten, sich in der Top 5 der ACC festzusetzen. Mit Georgia Tech, Miami, Pittsburgh, usw. warten jedoch so einige Teams, die keine Siege herschenken werden. Das mag alles sehr rosig klingen, doch man hat – bis auf North Carolina – einfach keine gute Konkurrenz gespielt. All die bisherigen Erfahrungen beruhen auf Spielen gegen durchschnittliche Teams. Die ACC gehört zur absoluten Elite im College Basketball. Mit dem bisherigen Niveau wird man in South Bend ganz böse überrascht werden. Ausrutscher dürfen nicht vorkommen, wenn man die Position halten will. 
Iowa State trifft in den folgenden zehn Spielen auf fünf gerankte Teams. Außerdem sind Kansas State und TCU (13-1 Bilanz) nicht zu unterschätzen. Oklahoma State hat im vergangenen Jahr gezeigt, wie schnell eine Niederlagenserie zum Bubble Watch und eventuell sogar einer NIT-Teilnahme führen kann.

Underrated

Die North Carolina Tar Heels haben einen holprigen Start in die Spielzeit 14/15 erlebt. Nun steht man bei 11-4 und so richtig zufrieden kann Roy Williams nicht sein. Doch mit dem Start der ACC hat man eine neue Chance durchzustarten. Dass man gleich das zweite Spiel gegen Notre Dame abgeben würde, war so nicht zu erwarten. Trotz der Leistung gegen die Fighting Irish sollten die Tar Heels nicht unterschätzt werden. Alleine dieser Kader beherbergt enorm viel Talent und der Frontcourt ist nach Kentucky vielleicht sogar der tiefste in ganz Amerika. 

Das Spiel von Marcus Paige lässt bisher zu Wünschen übrig, dabei galt der Guard als Hoffnungsträger. Vor allem die Feldwurfquote von 37 Prozent kann so nicht bestehen bleiben. Wenn man aber bedenkt, dass nur VCU und Kansas einen schwereren Spielplan hatten, dann entkräftet es die Leistung zumindest etwas. Auf dem Papier sieht es nämlich gar nicht so schlecht aus: Dominante Siege gegen Ohio State, Florida und UCLA sprechen für sich. Außerdem spielt man die viertmeisten Assists, belegt Platz zwei landesweit bei den Rebounds und scort über 80 Punkte im Schnitt.
Doch woran mangelt es dann? Auch in der Defense stand man bisher gut. 63,9 gegnerische Punkte sind nicht überragend, jedoch auch nicht schlecht, insbesondere wenn man auf die eigene Punkteausbeute achtet. Die mentalen Aussetzer in knappen Partien dürfen einfach nicht mehr vorkommen. Notre Dame ist an dieser Stelle ein weiteres Beispiel (70:71). Paige muss sich im Conference Play gehörig steigern und das Scoring konstant bleiben. In allen vier Niederlagen (66, 55, 70 und 70) kam man nicht annähernd an die durchschnittliche Punkteausbeute heran. Solche Off-Spiele darf es nicht mehr geben. Dann wird auch bald wieder besser über die Tar Heels aus Chapel Hill geredet.

Die Erwartungshaltung für die kommenden Spiele in der ACC sind hoch. Man wird schnell wissen, wo man steht. Nach der Partie gegen Notre Dame wartet nun in Louisville ein Top-Team auf die Tar Heels. Die fünf folgenden Spiele gegen Durchschnittsteams müssen gewonnen werden, um den Favoritenstatus wiederherzustellen. Erneut Louisville und Virginia runden das Programm in der ersten Hälfte des ACC Schedules ab. Das Risiko, sich aus dem NCAA Tournament rauszuspielen ist in diesem Jahr relativ gering. Mit diesem Potential im Kader darf und sollte nichts anderes als eine Top 3 Platzierung herausspringen. Mit den angesprochenen Verbesserungen (einem verbesserten Marcus Paige) ist man ein Team der Klasse Duke und Wisconsin.

Properly Rated

Zu diesem Zeitpunkt sind noch drei Teams ungeschlagen. Nach der Niederlage von Villanova gegen Seton Hall gehören Kentucky, Duke und Virginia noch zu diesem elitären Kreis. Doch nicht nur daher sind dies drei Teams, die zurecht dort stehen, wo sie stehen. Zu Kentucky wurde in letzter Zeit schon so viel geschrieben und daher muss dazu auch gar nicht mehr so viel gesagt werden (Artikel zur historisch guten Defense der Wildcats von Tobias Berger).

Dass Duke hier stehen würde, war vielen wahrscheinlich auch schon klar. Nicht nur, dass Jahlil Okafor in beeindruckender Weise jedes Spiel dominiert, sondern das ganze Team scheint sehr gut zu funktionieren.

Quinn Cook spielt als erfahrener Guard eine tolle Saison und gibt den Blue Devils wichtiges Shooting (fast 50/40/90!). Dazu kommt eine sehr unerfahrene Bande von Freshmen, die aber so überhaupt nicht unerfahren spielt. Neben Okafor zeigen sich auch Tyus Jones und Justise Winslow gänzlich unbeeindruckt und spielen auf einem sehr hohen Niveau. Dass ein sehr starker Rekrut wie Grayson Allen nur 7,6 Minuten zum Einsatz kommt, spricht Bände.

Virginia ist sicherlich das Team, was die wenigsten an dieser Stelle gesehen haben. Bisher hat man zwar nur Maryland und Miami als wirklich starke Teams gespielt, doch auch das wird sich bald ändern und im Gegensatz zu vielen anderen Teams hat man sich keinen Ausrutscher erlaubt.

Das Team ist stark besetzt und Justin Anderson hat sein Spiel auf ein ganz neues Niveau gehoben. Beeindruckend ist jedoch, dass mehrere Spieler in diesem Team in der Lage sind, eine Partie zu übernehmen und nach Hause zu bringen. So überraschte Anthony Gill in einer engen Partie gegen Davidson mit 25 Punkten und 13 Rebounds. Point Guard London Perrantes ließ sich die Anspannung im 2OT-Thriller gegen Miami nicht anmerken und traf bei seinen 26 Punkten fünf Würfe von jenseits der Dreierlinie. Beide sind entscheidend im Team von Tony Bennett, aber nicht die Hauptverantwortlichen, wenn es um das Scoring geht. Das setzt den Trend des letzten Jahres fort: UVA kommt über Teambasketball. Das war im letzten Jahr so und ist nun wieder der Fall. Ohne richtigen Superstar belegen die Cavaliers landesweit sowohl in der Adjusted Offense als auch in der Defense Platz vier. Eine hervorragende Platzierung! Auch dieses Team ist definitiv wieder in der Lage, Duke und UNC den Rang für die ACC-Championship abzulaufen. So don’t sleep on Virginia again!

Es wäre eine absolute Überraschung, wenn eines dieser drei Teams am Ende der regulären Spielzeit nicht mehr in der Top 5 zu finden wäre. Einzig Wisconsin und mit Abstrichen Arizona und Texas (mit einem gesunden Isaiah Taylor) können hier noch eingreifen. Zu Beginn wurde UNC noch zu diesem Kreis gezählt. Diesen Status müssen sich die Tar Heels aber erst wieder erarbeiten. Kentucky hat sehr gute Chancen, ungeschlagen durch die Saison zu kommen, da der SEC Schedule nur wenig ernstzunehmende Kontrahenten beherbergt. Aber selbst mit einem Ausrutscher dürfte allen Experten und Fans klar sein, dass sich die Wildcats momentan auf einem anderen Level befinden. Ein Matchup gegen Duke und Okafor im März (oder besser Anfang April) wäre aber wahrscheinlich der Traum eines jeden Basketball-Fans.

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