NBA

Curry for Three! Curry for MVP?

Wir schreiben den 17. Februar 2013 in Houston, das Allstar-Game ist im vollen Gange noch knapp neun Minuten sind im zweiten Viertel zu spielen und ein Warrior wird eingewechselt. Er ist der erste Allstar der Golden State Warriors seit 16 Jahren. Die Rede ist von David Lee.

Auch Stephen Curry ist an diesem Tag in der Halle. Am Vortag absolvierte er noch den Threepoint-Contest und wie gern hätte auch er an diesem Tag auf dem Feld gestanden.

Wieder einmal wurde Stephen Curry übersehen, und dass obwohl Curry mit durchschnittlich 21 Punkten und sechs Assists der klare Anführer der überraschend starken Warriors (30-21, Rang 6) ist. Wie schon 2006, als ihm kein größeres College ein Angebot machte und er sich mit dem vergleichsweise kleinen College in Davidson zufrieden geben musste. Wie schon 2009 im Draft, als Spieler wie Hasheem Thabeet und Johnny Flynn ihm vorgezogen wurden. Es ist das Schicksal von Stephen Curry, der immer als zu klein und zu schmächtig gehalten wurde um sich auf dem nächst höheren Level durchzusetzen. Die Nicht-Nominierung beim Allstar-Game scheint Curry nur noch einmal mehr anzuspornen. Zehn Tage später lässt es Curry in New York „regnen“, schenkt den Knicks satte elf Dreier und 54 Punkte ein.

 

 

Insgesamt legt er nach dem Allstar-Game durchschnittlich 25.2 Punkte und 7.2 Assists auf. Dazu führt er die Warriors fast im Alleingang in die zweite Runde der Playoffs. Es ist sein endgültiger Durchbruch als Superstar in der NBA.

Scoring

Stephen Curry ist einer der besten Scorer unserer Zeit. Mit seinem unglaublich schnellen Release ist er jeder Zeit in der Lage aus dem Dribbling einen Wurf zu nehmen und zu verwandeln. Rund 45 Prozent seiner Abschlüsse kommen von hinter der Dreierlinie, die er in dieser Saison mit „nur“ 40.6 Prozent für seine Verhältnisse (Karriereschnitt 43.7 Prozent) schlecht trifft. Wenn er einmal seinen Shooting Touch gefunden hat, dann ist er für keine Defensive der Welt mehr zu halten. Im Gegensatz zu den meisten anderen elitären Dreierschützen der Liga wie z.B. Kyle Korver, nimmt Curry einen deutlich geringeren Anteil seiner Würfe aus dem Catch&Shoot.

 
Stephen Curry
Kyle Korver
Anteil an Catch&Shoot-3P-FGA
42.1%
88.9%
Catch&Shoot 3P-FG%
38.4%
56.1%
Anteil an Pullup 3P-FGA
57.9%
11.1%
Pullup 3P-FG%
43.4%
43.8%

Stephen Curry ist jeder Zeit in der Lage aus dem Dribbling von hinter der Dreierlinie abzudrücken. Diese Fähigkeit nützt Stephen Curry vor allem dann, wenn sein direkter Gegenspieler im Pick`n Roll unterläuft oder er im Fastbreak die Möglichkeit hat von Downtown abzudrücken. Bis auf James Harden nimmt kein anderer Spieler der Liga annährend so viele Dreier aus dem Dribbling, die Trefferquote von Harden ist mit 36 Prozent aber auch deutlich schwächer.

Auch wenn der Wurf sicherlich die größte Waffe von Stephen Curry ist, so dürfen andere Aspekte seines Spiels dabei nicht vernachlässigt werden. Trotz seiner vergleichsweise schmächtigen Statur kann Curry auch exzellent in der Zone abschließen. Er ist in der Lage sowohl mit der rechten, als auch mit der linken Hand per Korbleger trotz Kontaktes abzuschließen und hat außerdem einen starken Floater in seinem Repetoire.

In der Zone
Stephen Curry
LeBron James
Monta Ellis
Russell Westbrook (2013-2014)
FGA
5.2
8.3
7.6
11.2
FGM
3.4
5.1
4.0
6.0
FG%
64.7
61.2
52.1
53.5

Das Curry unter diesen vier Spielern die beste Wurfquote in der Zone aufweisen kann ist auf den ersten Blick verwunderlich, aber auch der Tatsache geschuldet, dass er deutlich weniger Abschlüsse in diesem Bereich nimmt. Stephen Curry ist alles andere als ein Spieler, der pausenlos in die Zone zieht, aber sein Drive ist gut genug (56% FG% bei Drives), dass gegnerische Defensiven sich nicht ausschließlich auf seinen überragenden Wurf fokussieren können. Wer Curry also immer noch für einen reinen Shooter hält, der liegt eindeutig falsch.

Die Wurfauswahl von Stephen Curry ist exzellent. Nur sehr selten nimmt er überhastete Würfe und auch aus der Mitteldistanz schließt er nicht sehr häufig ab. Unter den Spielern, die mindestens 10 Spiele in dieser Saison absolviert haben und über 20 Punkte pro Spiel erzielen kann Stephen Curry die beste True Shooting Percentage aufweisen.

 
PPG
FG%
3PA per FGA
FTA per FGA
2009/10
17.5
46.2
56.8
33.2%
0.175
2010/11
18.6
48.0
59.5
32.5%
0.216
2011/12
14.7
49.0
60.5
40.9%
0.159
2012/13
22.9
45.1
58.9
43.2%
0.210
2013/14
24.0
47.1
61.0
44.5%
0.252
2014/15
23.7
48.7
63.0
45.3%
0.275

Curry warf schon in seiner Rookie-Saison ungewöhnlich gute Quoten. Im Laufe seiner Karriere konnte er seine Effizienz trotz größer werdender Rolle noch steigern. Dies lag vor allem daran, dass er sein Dreiervolumen noch deutlich vergrößerte und mittlerweile auch deutlich mehr Freiwürfe zieht.

Playmaking

Auch seine Fähigkeit als Point Guard die Offensive der Warriors zu leiten hat sich im Laufe seiner Karriere deutlich verbessert. Curry versteht wieviel Aufmerksamkeit gegnerische Defensiven auf ihn legen und findet seine Mitspieler deutlich besser als es noch zu Beginn seiner Karriere war.

 
Assist pro Spiel
Assist pro 36min
Assistratio
Turnover pro Spiel
Assist-Turnover-Verhältnis
2009/10
5.9
5.9
24.6%
3.0
1.97
2010/11
5.8
6.2
28.1%
3.1
1.81
2011/12
5.3
6.8
32.3%
2.5
2.12
2012/13
6.9
6.5
31.1%
3.1
2.10
2013/14
8.5
8.4
39.9%
3.8
2.24
2014/15
7.7
8.2
38.7%
3.3
2.33

In kleinen Schritten hat Curry Saison für Saison seinen Assistschnitt immer weiter steigern können. Auch sein Assist-Turnover-Verhältnis ist langsam aber stetig immer besser geworden. In dieser Saison agiert Curry etwas öfter abseits des Balles als in der vergangenen Saison. Dies liegt einerseits an Klay Thompson, der deutlich öfter mit dem Ball in der Hand agiert als in der Vergangenheit, aber auch Neuzugang Shaun Livingston benötigt den Ball in seinen Händen. Curry wird deshalb von Coach Steve Kerr etwas öfter abseits des Balles eingesetzt, wo er als Spotup-Shooter oder nach Screenplays für viel Gefahr sorgt. Sein Assistschnitt ist dementsprechend etwas gesunken, dennoch assistiert Curry immer noch knapp 39 Prozent aller Korberfolge seiner Mannschaftskammeraden wenn er auf dem Feld steht.

Schlechter Verteidiger?

Die größte Kritik an Curry´s Spiel war schon immer seine Defensive. Doch in dieser Saison agiert der einst als defensives Loch verschriene Curry exzellent. Er kämpft sich um Screens, setzt seine Gegenspieler unter Druck und agiert defensiv auf einem völlig neuen Niveau. Coach Steve Kerr ist beeindruckt von Curry´s Leistungsfähigkeit am defensiven Ende:

“I knew he was better defensively than people gave him credit for, but honestly, what he’s done this year at that end is remarkable” – Steve Kerr

Während Mark Jackson in der letzten Saison regelmäßig Klay Thompson den primären gegnerischen Point Guard verteidigen ließ, vertraut Kerr auch am defensiven Ende in seinen besten Spieler und lässt ihn Abend für Abend gegen die besten Point Guards der Liga antreten.

“He’d go to Klay and say, ‘You got C.P.,’ and he’d look at me,”. “And I’m sitting here, shaking my head.
 So he knew … I talked to him a couple of times to just kind of get a reason for it. Obviously, it’s his decision, and I still have to do my job on the other guy. I wasn’t running from that at all. You have a little pride when it comes to that for sure.” – Stephen Curry

On/Off-Court2013/142014/15
Gegnerisches Offensivrating mit Curry auf dem Feld102.795.3
Gegnerisches Offensivrating ohne Curry auf dem Feld101.7103.7
Unterschied+1.0-8.4

Das Vertrauen von Kerr in Curry scheint sich offensichtlich ausgezahlt zu haben. Auf 100 Possessions machen gegnerische Offensiven in dieser Saison sogar 8.4 Punkte weniger, wenn Curry auf dem Feld steht. In der letzten Saison agierte die Defensive der Warriors noch leicht besser wenn Curry auf der Bank saß. Natürlich sind diese Stats mit Vorsicht zu genießen, da die Saison noch jung ist und On/Off-Court-Stats auch immer abhängig von den Lineups sind in denen der Spieler agiert. Dennoch weisen sie daraufhin, dass Curry in diesem Jahr defensiv enorm verbessert agiert.

MVP?

Mit einer unglaublichen Bilanz von 21 Siegen aus den ersten 23 Spielen führen die Warriors momentan die NBA an. Ihr bester Spieler Stephen Curry agiert in der Offensive unglaublich effizient und zeigt auch in der Defensive klare Verbesserungen. Das MVP-Rennen dürfte in diesem Jahr so spannend wie schon lange nicht mehr werden. Mich persönlich würde es nicht wundern, wenn Stephen Curry am Ende der Saison die MVP-Trophy entgegen nehmen darf.

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