NBA

Die Probleme der Charlotte Hornets

Die Charlotte Hornets galten zu Saisonbeginn als Kandidat für den Heimvorteil im Osten. Die Umbenennung in Hornets, die an die glorreichen Zeiten der 90er Jahre erinnert, und die Verpflichtung von Lance Stephenson sorgten für Aufbruchstimmung in „Queen City“.  Von den ersten elf Spielen gewannen die Hornets gerade einmal vier. Einfach nur ein verpatzter Saisonstart oder gibt es bei den Hornets größere Probleme?

Das Spacing

Im Backcourt sehen Kemba Walker und Lance Stephenson die meisten Minuten. Sowohl Walker, als auch Stephenson trafen in der letzten Saison den Dreipunktewurf aus dem Catch&Shoot mit knapp 34 Prozent nicht gut. Dazu startet mit Michael Kidd-Gilchrist ein Spieler auf der Small Forward Position, der seinen Mitteldistanzwurf zwar deutlich verbessert hat, aber überhaupt keinen Dreipunktewurf in seinem Repertoire hat. Einzig und allein Marvin Williams kann durch seinen guten Distanzwurf einen Gegenspieler an der Dreierlinie binden. Nur 6.1 Dreier treffen die Charlotte Hornets momentan pro Spiel und auch die Quote (34.4 Prozent) ist nicht gut. Durch das schwache Spacing können die Hornets ein Doppeln von Al Jefferson im Lowpost nur sehr selten von Außen bestrafen. Big Al muss sich dann oft gleich gegen zwei Gegenspieler durchsetzen oder hoffen, dass seine Mitspieler von der Dreierlinie einen guten Tag haben.
 

Backcourt-Synergy

 Mit Lance Stephenson und Kemba Walker haben die Charlotte Hornets nicht nur zwei Spieler die viel den Ball in der Hand haben müssen um effektiv zu sein, sondern auch von ihrer Spielweise noch sehr sehr ähnlich sind. Beide verfügen über ein exzellentes Ballhandling, können gut aus dem Dribbling scoren und sind auch in der Lage ihre Mitspieler einzusetzen. Einige Unterschiede sind allerdings doch zu erkennen. Stephenson nahm in der letzten Saison die Hälfte seiner Abschlüsse in der Zone und trifft dort für einen Guard starke 63 Prozent. Walker hat deutlich mehr Probleme in der Zone abzuschließen und vertraut deswegen deutlich öfter auf seinen Mitteldistanzwurf. Das spiegelt sich auch deutlich in den unterschiedlichen Effizienzwerte der beiden wieder. Das True Shooting von Stephenson liegt bei guten 56 Prozent, das von Walker hingegen bei eher schwachen 50 Prozent (alle Statistiken stammen aufgrund der Sample Size aus der letzten Saison). Auf dem Platz wirken die beiden zusammen äußerst unharmonisch. Keiner der beiden bewegt sich abseits des Balles gut. Beide schneiden dann viel zu selten zum Korb wo sie ihre Athletik ausspielen könnten, bewegen sich aber auch nicht gut um vielleicht einen offenen Dreier zu bekommen.

Verteidigung in der Transition

Im letzten Jahr war Charlotte exzellent darin gegnerische Fastbreaks zu unterbinden. Dies lag einerseits daran, dass die Hornets nur sehr selten zum Offensiv-Rebound gingen (Rang 26), aber auch auch daran, dass sie nur sehr wenig Turnover produziert haben (Rang 1). Zwar lassen die Hornets immer noch wenig Punkte in der Transition zu, haben aber oft bei der gegnerischen Early Offense Probleme. Die Early-Offense bezeichnet den Zeitraum zwischen Transition- und Halfcourt-Basketball. Hier ein kleines Beispiel im Spiel gegen die Mavericks:

Nowitzki und Chandler täuschen den Double-Drag-Screen für Devin Harris an.
 
Nowitzki sorgt dafür, dass Marvin Williams an der Dreierlinie bleiben muss, während Tyson Chandler zum Korb abrollt.  Biyombo muss den Drive von Harris verhindern, weil Brian Roberts ihn nicht vor sich halten konnte bzw. aufgrund des angetäuschten Double Drag Screen ihm den Drive nach rechts erlauben musste.
 
Das ganze endet in einem einfachen Dunk für Chandler mit 17 Sekunden auf der Wurfuhr. Wer League-Pass-Besitzer ist kann sich einfach nochmal das zweite Viertel Dallas vs. Charlotte angucken und wird feststellen wie oft die Mavericks durch den Double Drag Screen schnell einfache Punkte generieren konnten.
 

Interior Defense

 Niemand hatte im letzten Jahr damit gerechnet, dass die Charlotte Bobcats mit Al Jefferson und Josh McRoberts unter den Körben eine so starke Defensive stellen würden. Doch die beiden harmonierten gut und so ließen die Bobcats bei gegnerischen Abschlüssen in Korbnähe (less than 5 ft) nur 56 Prozent zu. Nur vier Teams, darunter die Bulls und Pacers, konnten hier eine bessere Quote aufweisen. Da die Hornets mit Walker und Kidd-Gilchrist auch gute Perimeter-Verteidiger in der Starting Five hatten, konnten sie am Ende die sechstbeste Defensive (Def.Rtg. 101.7) stellen. Marvin Williams ist im Vergleich zu McRoberts defensiv ein deutliches Downgrade und auch Al Jefferson agiert defensiv momentan noch nicht auf dem Niveau des letzten Jahres. Die Wurfquote am eigenen Ring ist auf fast 65 Prozent gestiegen, nur die Cavaliers lassen eine noch höhere Quote zu. 
 

 Fazit

Die Charlotte Hornets hatten einen extrem schweren Spielplan. Gleich siebenmal mussten die Hornissen gegen Teams aus der starken Western Conference antreten. Dennoch lassen sich die vorhandenen Probleme der Hornets nicht am Spielplan klein reden. Vor allem die im letzten Jahr so starke Defensive bereitet große Sorgen. Das Duo Jefferson/Williams agiert lange nicht so harmonisch unter dem Korb, wie es noch mit McRoberts der Fall war. Auch hinter der Backcourt-Kombination Kemba Walker/Lance Stephenson stehen noch große Fragezeichen. Um Al Jefferson möglichst viel Platz im Lowpost zu geben fehlen den Hornets gute Dreierschützen, auch hier ist die Kaderstruktur nicht ganz optimal. Das Management in Charlotte muss noch an einigen Schrauben drehen, wenn die Hornets wirklich ganz oben angreifen wollen.

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