Draft, NCAA Previews 14/15

Die besten Scoring- und Passingteams

NCAA Previews 14/15

Auch wenn viele Coaches den Ausspruch „Play the right way!“ geprägt haben, gibt nach wie vor keinen korrekten Weg, wie Basketball gespielt werden muss. Siege können auf die verschiedensten Arten errungen werden. Dass die Sportart und besonders dabei auch der Collegebasketball in so vielen verschiedenen Facetten daherkommt, macht ihn erst so unglaublich interessant und spannend. Soll ein Team den Gegner durch Kontrolle der Bretter und harte Defense in die Knie zwingen oder ihn durch Spacing und athletische Offensivpower überrennen? All dies hängt von der Mentalität des Coaches und dem Spielerpersonal ab.

Wir haben uns bei den Colleges mit ernsthaften Tournament-Ambitionen umgesehen und jeweils die besten Teams für die verschiedenen Bereiche des Spiels herausgesucht, um aufzuzeigen, welche Uni in der kommenden Saison auf welche Art und Weise seine Partien dominieren wird. So kann jeder College-Neuling ein Team für die eigenen Vorlieben finden. Heute machen wir alle Punkte- und Passing-Liebhaber glücklich.

Scoring

Frontrunner – Duke Blue Devils

Jahr für Jahr muss in dieser Kategorie zuallererst die Mannschaft aus Durham, NC genannt werden. Coach K ist nicht nur auf Collegelevel, sondern vielleicht sogar global ein Maßstab für Offensivbasketball. Ähnlich, wie er es im Vorfeld der WM in Spanien wieder mit dem Team USA veranstaltet hat, schaut sich Krzyzewski vor jeder Spielzeit sein vorhandenes Spielermaterial an und baut ein funktionierendes Angriffssystem um dieses. Dabei kommt es ganz auf die Spieler an, ob der man eher gemächlich agiert (’10 Meisterschaft mit Scheyer, Singler, Zoubek – 77PpG) oder man gehörig auf das Gaspedal drückt (’01 Meisterschaft mit Battier, Jay Williams, Boozer – 90 PpG). Was alle Teams aber gemein haben, sie werfen verhältnismäßig viele Dreier und agieren dabei unglaublich effizient. In den letzten fünf Jahren schafften es Krzyzewski-Truppen, am O-Rating gemessen, am Ende eines Jahres immer eine Top 10-Offense zu stellen.

Das sollte mit Blick auf den diesjährigen Kader auch 2014/15 wieder klappen. Zwar verlieren die Bluedevils mit Jabari Parker den vielleicht komplettesten NCAA-Scorer der letzten Saison und mit Flügelspieler Rodney Hood sogar den zweiterfolgreichsten Punktesammler aus dem letzten Jahr. Dennoch müssen sich die Fans keine Sorgen machen, konnte man doch die beste Recruitingklasse des Landes holen und damit ein sehr ausbalanciertes Roster zusammenbringen. Erste Option im Angriff wird der als zukünftiger #1-Pick gehandelte Freshman-Center Jahlil Okafor bilden (ihn besprachen wir im Preview-Podcast). Ihn werden die zwei tollen Playmaker Tyus Jones und Quinn Cook versuchen in jedem Angriff einzusetzen und darüber ein funktionierendes Inside-Outside-Spiel zu ermöglichen. Die Räume, die Okafor mit seiner Postpräsenz ohne Frage schaffen wird, können zusätzlich den schon bewiesenen Größen Amile Jefferson, Rasheed Sulaimon und Marshall Plumlee oder aber den jungen, wilden, athletischen Neulingen Matt Jones, Justise Winslow und Grayson Allen genutzt werden. Coach K wird mit dieser gelungenen Mischung aus Point Guard-Play, variantenreichen Optionen auf dem Flügel und einem herausragenden Postspieler einiges anzufangen wissen. Einschalten lohnt sich.

Runner-Up – North Carolina Tar Heels

Wie sich in der Offseason gezeigt hat, weiß UNC-Trainer Roy Williams nicht von allen Spielern, was sie akademisch so leisten und geriet damit stark in die Kritik. Wofür er allerdings nicht kritisiert werden kann, sind seine Coaching-Leistungen, die er tagtäglich an der Seitenlinie abruft. Die Tradition vom legendären Dean Smith fortsetzend, stehen auch seine Tar Heels-Teams nahezu jede Saison für erfrischenden Offensiv-Basketball. Nur einmal in seinen elf Jahren in North Carolina erzielten UNC weniger als 76 Punkte im Schnitt (6x sogar über 82 PpG). Dieser Trend sollte sich in der kommenden Saison fortsetzen.

Williams gelang es über den Sommer seinen 13/14 oft unausgewogen wirkenden Kader zurechtzurücken. Mit James Michael McAdoo verließ ein offensiv nicht wirklich potenter Minutenfresser im Frontcourt das Tar Heels-Boot und gibt mit seinem Abgang Zeit für die offensiv talentierteren Kennedy Meeks und Brice Johnson frei. Der neue 5-Sterne-Point Guard und McDonalds All-American Joel Berry wird den im letzten Jahr oft überforderten Nate Britt im Spielaufbau unterstützen und es dem etatmäßigen Playmaker Marcus Paige ermöglichen, mehr abseits des Balles agieren zu können. Dies sollte dem Kandidaten für den Wooden Award und Anführer dieses Teams entgegenkommen, da er eher Scorer als Vorbereiter ist. Dazu verstärken mit Theo Pinson und Justin Jackson zwei weitere McDonalds-All Americans den Flügel der Tar Heels und werden für dringend benötigtes Shooting sorgen. Diese extrem dynamische, athletische und unter Williams immer sehr frei aufspielende Truppe wird nicht wie im letzten Jahr zu den schwächsten Teams in Dreier- und Freiwurfquote gehören, sondern eine der spaßigsten Offensiven im Collegebasketball 14/15 stellen.

Notable – Oklahoma Sooners

Im letzten Jahr stand Oklahoma-Coach Lon Kruger vor einem Problem: Er hatte es nicht geschafft einen Spieler größer als 6‘8‘‘ nach Norman, OK zu holen und ging mit einem Team in die Saison, für das „undersized“ noch ein nett gemeintes Wort sein könnte. Er machte allerdings aus der Not eine Tugend und installierte ein packendes Smallball-System, das offensiv extrem gut funktionierte. Wie besessen, überrannten die Sooners die Gegner einfach, indem sie die Spielgeschwindigkeit ständig extrem hoch hielten (#16 in Pace/ #8 im Scoring mit 82 PpG). Dabei spielte man mit einer großzügigen Neun-Mann-Rotation und sorgte für gut verteilte Würfe. Alle Spieler der Starting Five erzielten 9,6 PpG oder mehr.

Rund 75 Prozent dieser vielen Punkte inklusive des Topscorers und Super-Shooters Buddy Hield (16,5 PpG mit 2,7 3PM) kehren für 14/15 zurück. Hinzu gesellen sich mit Dante Buford und Khadeem Lattin talentierte, bewegliche 4-Sterne Bigman, die dem jetzt schon gut funktionierenden System mit Athletik und mehr Rebounding eine weitere Dimension hinzufügen werden. All das sollte schon für ein weiteres, am Perimeter sehr variables Offensivfeuerwerk 14/15 reichen. Allerdings könnten die Sooners mit etwas Glück von einem sehr aussichtsreichen Team zu einem ernstzunehmendem Elite-Eight-Kandidaten werden. In Norman wartet alles auf die NCAA-Entscheidung zu Transfer TaShawn Thomas. Wird dem Mann, der in diesem Sommer aus Houston kam, das grüne Licht in Sachen Spielberechtigung gegeben, stößt mit dem Senior (14 PpG / 8RpG / 2BpG in 13/14) eine echte Scoring-Option am Brett mit viel Erfahrung zum Team, die die Athletik besitzt auch mit den anderen Teamkollegen mitzurennen. Spätestens dann sind die Sooners ein Must-Watch für alle Freunde vieler Punkte.

Passing

Frontrunner – Wisconsin Badgers

Die Wisconsin Bagders könnte man ohne Probleme als die San Antonio Spurs des Collegebasketballs bezeichnen. Über die vergangenen 15 Jahren errang das Team aus Madison nie weniger als 18 Saisonsiege und verpasste seit 1998 nicht mehr das NCAA Tournament. In Sachen Erfolg und Konstanz machen den Badgers über diesen Zeitraum also nur wenige Mannschaften etwas vor. Dennoch fehlte auf nationaler Ebene immer ein wenig die Anerkennung. Nur wenige Fans außerhalb der eigenen Anhängerschaft konnten sich mit dem langsamen, sehr methodischen Oldschoolbasketball ohne Überraschungsmomente anfreunden. So galt man trotz Wins am Fließband als eher graue, langweilige Truppe aus der Provinz. Doch das sollte sich in der Spielzeit 2013/14 ändern. Trainer Bo Ryan sah sich nach dem erfolgreichsten Jahr seines Colleges seit der Meisterschaft von 1941 noch nie so viel Zuspruch gegenüber. Nach dem Grund gefragt, würde der 66jährige sicherlich das Attribut „Passing“ nennen, das seine Badgers im vergangenen Jahr ganz Spurs-like bis in das Final Four trug.

Wisconsin durchlief im vergangenen Jahr eine erstaunliche Transformation im eigene Spielstil. Ähnlich, wie die Spurs nach dem Bruce Bowen-Retirement, verabschiedete man sich teilweise vom knallharten Defensivbasketball und hob lieber die eigene Spielgeschwindigkeit an. Im Vergleich zur Spielzeit 2012/13 erhöhte sich der Punkteschnitt der Badgers in der vergangenen Saison um sagenhafte 8,5 Punkte. Dabei verbesserte man sich nicht durch die Ankunft eines neuen Super-Freshmans oder Transfers so urplötzlich, sondern glänzte als Team. Die Mannschaft ließ, mal ganz einfach formuliert, nur den Ball besser laufen. Mit überdurchschnittlichen Passern auf allen Positionen konnte im Angriff extrem variantenreich agiert werden. Fast alle Spieler waren im neuen System dazu in der Lage, nicht nur als Playstarter, sondern auch als Playmaker in Erscheinung zu treten – gleich sieben Spieler konnten einen Assist pro Spiel verzeichnen. Als Resultat standen nicht nur bessere Werte in den absoluten Kategorien wie Punkte pro Spiel zu Buche, sondern auch gerade im Hinblick auf die Gesamteffizienz des Teams. Mit dem verstärkten Ballmovement verbesserte man bspw. die eigene Feldwurfquote um vier Prozent und erarbeitete sich 25 Prozent mehr Freiwürfe. Zudem schaffte man es trotz der höheren Pace die Team-TOV% gehörig zu drücken und stellte dadurch am Ende des Jahres die zwöfteffizienteste Offense des Landes. In der kommenden Saison sollte die Mannschaft an diese neue Spielfreude nahtlos anknüpfen können. Man verliert mit Ben Brust zwar den wichtigsten Shooter, aber vielleicht auch schlechtesten Passer der eigenen Achter-Rotation. Der restliche Teamkern bleibt allerdings zusammen. Besonders die erfahrenen Upperclassmen Frank Kaminsky, Sam Dekker, Traevon Jackson und Josh Gasser freuen sich auf einen gemeinsamen letzten Run, während Sophomore Nigel Hayes vor seinem Breakout-Year steht. Alle Freunde von gepflegtem Teambasketball sollten sich den Final Four-Kandidaten einmal ansehen.

Runner-Up – Villanova Wildcats

Jay Wright hat es nicht leicht. Seit 2002 ist er Headcoach des traditionsreichen Colleges in Philadelphia und muss wohl zugeben, dass er in seiner Zeit bei Villanova bisher wenig Erfolg hatte, wenn es darum ging, gute Bigmen zu rekrutieren. In seinen 12 Jahren schaffte es mit Dante Cunningham 2005 nur einmal einen 6‘9‘‘+ Spieler mit NBA-Format an seine Uni zu lotsen. Dementsprechend musste Wright seine Spieltaktik schon immer an seinen Playmakern und Flügelspielern ausrichten. Dies funktionierte in vielen Jahren hervorrangend. 2008 reichte es bspw. mit einem Team um Randy Foye, Kyle Lowry und Allen Ray zu einem Einzug in das Elite Eight. In anderen Spielzeiten scheiterte man am fehlenden Talent auf den großen Positionen und schied unnötig früh aus dem Tournament aus oder verpasste dieses wie 2011/12 gleich ganz.

2013/14 war wieder eine der guten Spielzeiten. In „alter Tradition“ wurden mangels potenter Optionen im Frontcourt 90 Prozent aller Minuten von Spielern mit 6‘7‘‘ Körpergröße oder kleiner absolviert. Diesen doch oft recht klaren Größennachteil konnten die kleinen Line-Ups der Wildcats wieder vor allem durch einen wichtigen Faktor ausgleichen – Passing. Ähnlich wie Wisconsin, hatte Villanova durch den konsequent gespielten Small Ball stets mehrere Playmaker auf dem Feld. Diese Kombination an multiplen Ballhandlern ermöglichte es durch variables Zusammenspiel, viel Bewegung der einzelnen Spieler-Komponenten und tolles Ballmovement eine sehr variantenreiche Offense zu spielen. Durch die Angriffsstärke war man nicht einmal gezwungen in Run ‘n’ Gun zu verfallen, wie es viele kleinere Teams gern tun, sondern konnte, aufbauend auf einer guten Defense, die Gegner im Halbfeld sezieren (#131 in Pace). Hervorrangendes Spacing mit sechs ernstzunehmenden Dreierschützen in der Neuner-Rotation ließ, zusammen mit dem Pass-First-Mindset aller Spieler (sieben Mann mit 1,4+ ApG), das Drive’N’Kick zur gefährlichsten Waffe des Big East-Teams werden. Aus diesem Setup heraus entstanden ungemein viele freie Würfe, besonders auch von hinter der Dreierlinie. Nur acht Teams trafen in der vergangenen Saison mehr Versuche aus der Drei-Punkte-Distanz als Villanova. Dass diese Schüsse durch gutes Zusammenspiel entstanden, beweist die Team-Ast% von 60,1. Eine Top 25 Offense ohne Postoption entstand, die es ermöglichte als #2 Seed in das Tournament einzuziehen, in welchem man unglücklich gegen den späteren Champ Connecticut ausschied. Dieser Angriff sollte auch im kommenden Jahr wieder wie eine gut geölte Maschine laufen. Man verliert zwar Topscorer James Bell, aber hat ansonsten keine weiteren nennenswerten Verluste zu beklagen. Die schon 2013/14 sehr starken Upperclassmen Ryan Arcidiacono, Darrun Hilliard II, Daniel Ochefu und JayVaughn Pinkston werden weiterhin durch tolles Zusammenspiel glänzen, während die talentierten Sophomores Josh Hart und Kris Jenkins bereitwillig in die neuen, größeren Rollen wachsen werden. Zeigt gar noch einer der Freshmen etwas Leistung, könnte die Truppe in der schwachen Big East gar noch dominanter agieren als im vergangenen Jahr – dem Passing sei Dank.

Notable – Wichita State Shockers

Neben besonders starken Passing-Teams sollen an dieser Stelle auch noch ein Einzelspieler für seine Passing-Skills etwas Liebe bekommen. Insgesamt wird es wieder ein gutes Jahr für Pass-First Guards werden. Überzeugte im letzten Jahr Tyler Ennis als Freshman-Playmaker, werden ihm 14/15 seine Frischlings-Pendants Tyler Ulis (Kentucky) und Tyus Jones (Duke) als reine Spielmacher in Nichts nachstehen. Die Lücke des großen, ungewöhnlichen und damit besonders aufregenden Point Guards, die Neu-Spur Kyle Anderson hinterlassen hat, wird Utah Utes-Playmaker Delon Wright füllen. Als bester Pass First- Aufbau könnte am Ende der Saison dennoch ein anderer Spieler gelten.

Eine 35 Spiele andauernde Siegesserie – diese herausragende Leistung konnten die Wichita State Shockers inklusive eines Einzugs als #1 Seeds in das NCAA Tournament in der vergangenen Saison vermelden. Viele haben als Hauptverantwortlichen für diese Erfolge den New York Knicks-Rookie Cleanthony Early ausgemacht. Das ergibt zunächst auch Sinn. Flügelspieler Early war Topscorer seines Teams und als Senior der erfahrenste Spieler im Kader der Shockers. Dennoch war wohl, zum Glück von Wichita State, der zurückgekehrte Aufbauspieler Fred VanVleet noch wichtiger für den Erfolg. Der mit 5‘11‘‘ vielleicht etwas zu kurz geratene Point Guard, ist ein Spielmacher der alten Schule. Als „großer“ Antreiber und verlängerter Arm des Trainers Marshall lenkt der Junior die Geschicke seines Teams mit seinen Entscheidungen, Dribblings und natürlich Pässen. Nach einem Freshman-Jahr mit wenig Verantwortung (16 MpG) tat dies der Playmaker 13/14 so gut wie kaum ein anderer Guard im Land. Mit seiner starken 4,1 Ast/TO-Ratio und sehr gute Quoten (51 2P%, 42 3P%, 83 FT%) verhalf er nicht nur seinem Team zu einer ungeschlagenen Regular Season, sondern machte sich selbst statistisch gesehen zu einem wahren Effizienzmonster (134,9 ORtg). Nach einem solchen Jahr geht VanVleet wohl automatisch als nominell bester Playmaker des Landes in die neue Saison. Ihm beim Spielen zuzusehen, sollte jedem Passing-Freund große Freude bereiten.

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