Interview, NBA

„Du kriegst nur wenig Zeit und musst als Team bestmöglich funktionieren.“

Mickey McConnell über Summer League, D-League und Noah Vonleh

Mickey McConnell wechselt zur neuen Saison zu den Telekom Baskets Bonn. Im Sommer spielte der 25-Jährige Combo-Guard in der Summer League für die Charlotte Hornets. Jan Sodoge unterhielt sich im Rahmen der Vorbereitung mit ihm über den vergangenen Sommer und seine Zeit in der NBA D-League.

Go-to-Guys.de: Du hast Summer League für die Charlotte Hornets gespielt. Wie viele Tage habt ihr euch vor eurem ersten Spiel im kompletten Kader zusammengefunden?

Mickey McConnell: Wir haben uns sechs Tage vorher getroffen, zusammen trainiert und sind dann für sieben Spiele nach Vegas geflogen. Natürlich waren die ersten Spiele nicht sehr schön anzusehen und wir haben nicht wirklich gut gespielt. Mit dem Verlauf des Turniers sind wir dann besser geworden und bis in das Halbfinale vorgerückt. Aber es war eine gute Erfahrung. Du kriegst nur wenig Zeit und musst als Team bestmöglich funktionieren.

Wie viele Spielzüge habt ihr während der Vorbereitung einstudiert?

Wir hatten vielleicht fünf Set-Plays, aber in den wichtigen Situationen haben wir meist unsere Motion Offense gespielt, weil es einfacher war, sie in der kurzen Zeit zu etablieren. Außerdem waren wir alle mit den Prinzipien vertraut.

Habt ihr mehr auf die Standard-Spielzüge gesetzt oder seid ihr auch ausgefallenere Systeme gelaufen?

Wir haben ein wenig Floppy gespielt. Dann hatten wir aber auch etwas speziellere Sets, sodass wir unsere Scorer in aussichtsreiche Positionen bringen konnten. Wir haben dennoch viel aus dem freien Spiel kreiert.

Die Knicks haben unter Derek Fisher in der Summer League bereits die Triangle für die neue Saison einstudiert. Habt auch ihr einige Elemente der Hornets Offensive gespielt?

Ja, wir haben einige Elemente aus ihrer Offensive eingebracht. So wie die Knicks ihre Triangle gespielt haben, liefen wir unsere Flow-Offense. Ich denke, dass es auch für die Organisation eine gute Möglichkeit ist, ihren jungen Spielern das Offensivkonzept näher zu bringen.

Wenn wir schon bei den jungen Spieler sind: Welchen Eindruck hast du von Rookie Noah Vonleh während deiner Zeit mit ihm gewonnen?

Ich denke, er hat viel Potenzial. Er ist jung, er ist erst 19 Jahre alt und körperlich bereits auf einem guten Niveau. Ich glaube, er ist noch kein dominanter Spieler, aber in ein paar Jahren kann er ein wichtiger Impactplayer sein.

Du hast für Charlotte als Starter auf der Eins gespielt. Glaubst du, dass es für Guards in der Summer League Vorteile gibt, weil ihr viel kreieren und so besser für euch Werbung machen könnt?

Ja, ich denke schon, einfach weil wir so wenig Vorbereitungszeit hatten, spielten wir häufig Pick&Roll. Dadurch konnte ich viel den Ball führen und meinen Mitspielern freie Würfe auflegen. Wir hatten Flügelspieler, die scoren konnten, und wir versuchten sie durch Blöcke in die richtigen Spots zu bringen.

Gehen wir ans andere Ende des Felds. Ist es auch der kurzen Vorbereitung geschuldet, dass in der Defensive oft Chaos herrschte?

Es ist sicherlich schwer die Rotationen in dieser Zeit  reinzukriegen, oftmals geht es mehr um die Instinkte in der Verteidigung. Besonders schwer ist es für die jungen Spieler mit den „defensiven Drei Sekunden“. Sie müssen sich in kurzer Zeit an die neuen Regeln und Rotationen anpassen. Durch meine Zeit in der D-League hatte ich natürlich einen Vorteil, weil ich mit den Regeln bereits vertraut war.

Du hast jetzt viel über den Mangel an Vorbereitungszeit gesprochen. Wie würdest du als Manager eines Teams die Leistung von Spielern in der Summer League bewerten?

Das ist eine gute Frage. Sie bekommen schon Einiges zu sehen. Du trainierst sechs Tage und sie können dich ca. 20 Tage im Spiel aber auch im Training sehen. Ich glaube, was ihnen am meisten hilft, ist zu sehen, wie du arbeitest: deine Einstellung und deinen Charakter. Die meisten haben dich vorher bereits spielen sehen, es geht also mehr um die Bewertung des Charakters, wie du dich auf und abseits des Feldes verhältst, zum Beispiel.

Patrick Ewing und Mark Price betreuten euch während der Summer League. Haben sie euch irgendwelche Geschichten aus der Vergangenheit erzählt?

[Lacht] Ja, die beiden haben schon einiges von früher erzählt. Du kriegst ja nicht jeden Tag Hall of Fame-Spieler als Trainer vorgesetzt. Als Spieler ist es immer besonders von zwei Hall of Fame-Spielern wie Mark Price und Patrick Ewing trainiert zu werden, auch weil sie dir viele Erfahrungen mit auf den Weg geben können.

Zuletzt durch Emmanuel Mudiay, gab es wieder neue Diskussionen über die beste Ausbildungsplattform für junge Talente. Wenn du erneut die Wahl hättest, würdest du sicher wieder zum College gehen, warum ist das so?

Ich würde definitiv in hundert aus hundert Fällen erneut aufs College gehen. Du erlebst sehr viel auf dem College. Ich denke aber, dass es nicht gut für Spieler ist, wenn sie nicht die gesamten vier Jahre bleiben, sondern nach drei Jahren in den Profisport wechseln. Du bleibst vom 18. bis zum 22. Lebensjahr auf dem College, das ist eine sehr lange Zeit, in der du dich charakterlich weiterentwickelst und deine Zukunft bestimmen kannst.

Eine letzte Frage zur NBA D-League: Ich habe ein Interview mit dem deutschen Forward Tim Ohlbrecht gelesen, in dem er sagte, dass sich die D-League für ihn finanziell kaum rentierte und er teilweise fast draufzahlen musste. Wie hast du diese Situation erlebt?

Ja, die Gehaltschecks sind nicht toll. Aber der Lohn ist, dass du sehr nah an den NBA-Teams stehst. An jedem Abend sind mindestens zehn NBA-Scouts bei den Spielen und du stehst stetig im Fokus der Teams. Ich weiß nicht, ob man in der D-League Karriere machen kann, aber für ein, zwei Jahre ist es sicherlich sinnvoll für die Spieler, die auf dem Sprung in die NBA sind.

Danke für das Interview und viel Glück in der neuen Saison.

Ein weiteres Dankeschön an Baskets Picture by Marco für die zur Verfügung gestellten Bilder.

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