Indiana Pacers

Game Changer

Die Pacers nach Paul Georges Verletzung

Die schwere Verletzung Paul Georges in einem Showcase Game mit Team USA könnte ein „Game Changer“ für den Einsatz von NBA-Stars in den Nationalmannschaften werden. Ganz sicher hat sich die Situation für die Pacers komplett verändert. Was macht das Conference Finals-Team der letzten beiden Jahre?

 Mehr als nur ein Beinbruch

Obwohl Verletzungen im Ligaalltag nicht selten PaulGeorgePacerssind, waren die übrigen Teammitglieder und auch Offizielle wie Adam Silver von der Kollision des Pacers-Stars mit der Korbanlage schockiert. Viele Spieler wie etwa LeBron James äußerten sich  entsprechend, die Berichte zum Thema enthalten Beschreibungen wie „horrific“ und „gruesome“. Die Verletzung ist in erster Linie für George selbst bedauerlich, der sich in der letzten Saison nochmal klar verbessert hatte, wenn auch mit einigen Aufs und Abs.

Was bedeutet diese Verletzung jedoch langfristig? Es ist für George zu hoffen, dass er zumindest in einem Jahr wieder weitgehend unbeeinträchtigt spielen kann. Diese Möglichkeit besteht mit Sicherheit, aber auch langfristige Probleme können nicht ausgeschlossen werden. Die derzeit kursierenden Fehlzeiten sind daher mit Vorsicht zu genießen – es ist möglich, dass trotz des hohen Schock-Faktors die Auswirkungen geringer sind als bei oft von außen kaum zu erkennenden Kreuzbandrissen oder ähnlichen Knieverletzungen. Es kann jedoch auf keinen Fall im Interesse von Spieler oder Team sein, die Rekonvaleszenz zu übereilen. George möchte noch lange in der NBA spielen, davon wohl zumindest die nächsten vier Jahre in Indiana.

Bye, Bye, Lance!

So einschneidend und vor allem überraschend Georges Beinbruch war – schon davor hatte sich eine entscheidende Veränderung im Kadergefüge der Pacers ergeben: Lance Stephenson entschied sich für ein kürzeres 3 Jahre/27 Millionen-Angebot der Charlotte Hornets statt einem pro Jahr schlechter dotierten Vertrag in Indiana (5/44). Für die Bewertung der aktuellen Situation ist das insofern interessant, weil sich auch die Einschätzung des Managements darin wiederspiegelt: Zum einen aufgrund des geringen finanziellen Spielraums, aber wohl auch wegen des spielerischen Einbruchs des gesamten Teams gegen Ende der letzten Saison hielt sich das Engagement für Stephenson in Grenzen. Einen langfristigen, eher günstigen Vertrag haben Larry Bird und Co. geboten, aber nicht die bis vor einigen Monaten gehandelten Summen nahe des Maximum-Gehalts.

Die Ersatzverpflichtung CJ Miles kann zwar die Minuten von Stephenson weitgehend übernehmen, wird dabei aber kaum auf dessen Niveau agieren. Daraus lässt sich schließen, dass das Pacers-Management trotz des Wechsels von Lebron James nach Cleveland relativ wenig Vertrauen in den Kader setzte. Andernfalls wäre Stephenson stärker umworben worden oder zumindest ein Bemühen um eine stärkere Alternative bekannt geworden. In den letzten beiden Offseasons war das noch anders, hier wurde der Kern gehalten und sollte durch weitere Verpflichtungen verstärkt werden.  Allerdings gelang es Frank Vogel kaum, die eigentlich brauchbaren Spieler wirklich ins Team einzubauen: Gerald Green wurde bereits nach einem Jahr wieder nach Phoenix abgeschoben – wo er klar aufblühte – der für ihn ertradete Luis Scola konnte genauso wenig überzeugen. Als Preis für den Trade gaben die Pacers zusätzlich einen Pick und Miles Plumlee ab, der bei den Suns ebenfalls weit über den Erwartungen agierte. Die Probleme in der gerade abgelaufenen Saison wurden bereits hier und hier dargestellt.

PacersHillWestGeorge

Die Optionen

Es wirkt also recht naheliegend, den Pacers jetzt zum Komplettumbau zu raten und die kommende Saison bis zu Georges Rückkehr im Tabellenkeller zu verbringen. Allerdings ist Larry Bird nicht zu einer solchen Entscheidung gezwungen, das Team kann genauso gut um einen der letzten Playoffplätze spielen. Für beide Vorgehensweisen gibt es aktuelle Beispiele: Die Bulls spielten trotz des Kreuzbandrisses von Derrick Rose in der ersten Saison weiter und erreichten relativ problemlos die Playoffs. Auch nach der erneuten Verletzung änderte sich zuerst wenig bei Chicago, erst mitten in der Saison wurde Luol Deng abgegeben. Die Celtics nahmen dagegen die Verletzung von Rajon Rondo Ende der vorletzten Saison zum Anlass, in der Offseason 2013 Kevin Garnett und Paul Pierce zu vertraden und damit eine radikale Verjüngung des Teams einzuleiten.

Um diese Alternativen für die Pacers abzuwägen, muss man Bedingungen vergleichen. Ähnlich wie jetzt Indiana hatten auch die Bulls einige Playoff-Ausrufezeichen mit einem jungen Team vorzuweisen und Rose wie jetzt George langfristig unter Vertrag. Allerdings bestand für Chicago nicht das Negativerlebnis der letzten Pacers-Saisonhälfte – und einige Aspekte lassen sich eher mit der Situation der Celtics vergleichen: David West wird in wenigen Wochen 34 und ist damit kaum jünger als Pierce war, als er zu den Nets getradet wurde. Sowohl West als auch Hibbert können nach dieser Saison ihre Spieleroptionen ziehen, was die Planungen für das Team erschwert – wiederum ähnlich wie bei Pierce und Garnett. Auch der Zeitpunkt ist schwer zu vergleichen, Rose und Rondo verletzen sich am Ende der Saison, so dass ihre Franchises längerfristig planen konnten. Jetzt fehlt aber vielen anderen Teams bereits die Flexibilität für mögliche Trades mit den Pacers, oder sie haben schon andere Optionen gewählt. Welche Entscheidung ist also die richtige?

Der Bulls-Weg: Keine Experimente…

Die erste Möglichkeit ist, nur minimale Mittel zu nutzen, um George zu ersetzen und den Kader ansonsten beizubehalten. Mit einem zumindest brauchbaren Ersatz für den Flügel sollten die Pacers in einem nicht übermäßig starken Osten zumindest um die Playoffs spielen, falls George Hill und Roy Hibbert annähernd zu ihrer Bestform zurückfinden. Gerade aus diesem Grund wäre dieser Weg attraktiv, mit deutlich weniger Konkurrenz könnten die beiden Spieler besser ihre Rolle wiederfinden. Auf den großen Positionen und auf Point Guard wäre Indiana also mit den drei Starten sowie Luis Scola, Ian Mahinmi und CJ Watson gut besetzt.

Der Flügel ist dafür praktisch verwaist, außer Miles stehen praktisch nur noch Vet.-Min.-Spieler wie Rodney Stuckey und Donald Sloan sowie Sophomore Solomon Hill zur Verfügung. Auch Verstärkung zu erhalten ist vergleichsweise schwer, da einerseits die MLE bereits komplett verbraucht wurde: Für Miles und den 28-Jährigen Rookie Damjan Rudez, eine weitere Flügel-Option. Die Biannual Exception erhielt bereits letztes Jahr C.J. Watson. Zudem steht das Team nur gut 1,5 Millionen Dollar unterhalb der Tax Line, die wohl vermieden werden soll. Aus diesem Grund ist auch die Disabled Player-Exception wenig hilfreich, George bleibt trotz Verletzung auf der Tax-Rechnung. Zudem könnte die Liga eine Heilung bis Ende der Saison für wahrscheinlich erachten und die Exception verweigern – aufgrund der oben beschriebenen Medienwirkung der Verletzung allerdings eher unwahrscheinlich. Für größere Trades fehlen tendenziell die Assets, falls die übrigen Starter gehalten werden sollen. Mit einigen eigenen Picks und auslaufenden Verträgen ist kaum ein brauchbarer Flügelspieler zu bekommen – zumal die Pacers gerade erst einen solchen haben gehen lassen.

… – Shawn Marion.

Die Pacers könnten also in diesem Szenario beschließen, aufgrund der wohl durch eine Versicherung reduzierten Gehaltszahlung an Paul George ein Jahr lang die Luxussteuer in Kauf zu nehmen oder alternativ den nur teilweise garantierten Vertrag von Luis Scola aufzulösen. Dann wäre es möglich, mit der Disabled Player-Exception einen der letzten Free Agents zu verpflichten oder einen Trade durchzuführen. Das maximale Gehalt beträgt in diesem Fall aber nur gut 5 Millionen Dollar und der Vertrag darf nur ein Jahr laufen. ShawnMarionMavsUnter diesen Bedingungen ist Shawn Marion ein realistisches Ziel, das keine Assets kosten würde. Ein Team um Hill, Miles, Marion, West und Hibbert wäre also möglich.

Vor allem, falls George zu den Playoffs fit werden sollte, ist dieses Szenario auf den ersten Blick nicht unattraktiv. Allerdings sorgen die nur kurzen Verträge der drei Frontcourt-Spieler dafür, dass kaum langfristige Planungen möglich sind. Genauso gut kann George noch über ein Jahr fehlen, dann wäre die Zwischenzeit wohl unter ‚vertane Chance‘ zu verbuchen.

Der Celtics-Weg: Firesale

Die Alternative ist, die Starter Hill, West und Hibbert abzugeben und mit einem weitgehend aus Spielern mit Rookie- oder auslaufenden Verträgen bestehenden Rumpfteam in die Saison zu gehen. Dann könnte Larry Bird in der kommenden Offseason Jagd auf Free Agents machen, bewaffnet mit den ertradeten Assets sowie einem Top 5-Pick. Mögliche Tradepartner wären beispielsweise Cleveland und Houston, die beide ihr Team ohnehin noch umbauen wollen, oder auch die Big Market-Teams Lakers, Nets und Knicks. In Kombination mit den oben beschriebenen Schwächen der zweiten Reihe und der nicht zufriedenstellenden abgelaufenen Saison wirkt dieses Vorgehen extrem attraktiv, wenn der Gegenwert für die abgegebenen Spieler gut genug ist.

Hier findet sich jedoch der Haken: West ist relativ teuer und relativ alt, Hill und Hibbert haben ihren Tradewert in den letzten Monaten erheblich reduziert. Zum letzten Allstar-Break hätten die Pacers Hibbert als vermutlichen DPoY anbieten können, der sich zudem offensiv konstant verbessert hat. Diesen Gegenwert wird jetzt kein Team mehr abgeben; ähnlich bei George Hill. Die Kombination aus zuletzt enttäuschenden Leistungen und dem Handlungsdruck durch die Verletzung von Paul George sorgt zum jetztigen Zeitpunkt für den wohl niedrigsten möglichen Tradewert. Diese schlechten Verhandlungsbedingungen werden Bird und Co. vermeiden wollen, auch wenn Abwarten den Wert des eigenen Picks ungewollt reduziert.

Die dritte Möglichkeit: Der Mittelweg

Aus diesem Grund dürfte die beste Chance für die Pacers sein, einfach abzuwarten und sich alle Optionen offen zu halten. Eine Marion-Verpflichtung wäre relativ risikolos, weil Scola auch im weiteren Saisonverlauf noch entlassen werden kann. Der Mittelweg kann beispielsweise bedeuten, das Team teilweise umzugestalten – die mit ihren derzeitigen Franchises unzufriedenen Restricted Free Agents Greg Monroe und Eric Bledsoe wären Möglichkeiten. Umgekehrt kann es aber auch sinnvoll sein, den Heilungsverlauf von George zu beobachten, gleichzeitig Hibberts und Hills Trade Value zu verbessern –  und eventuell zwischen Weihnachten und der Trade Deadline das Team zu demontieren. Falls die Pacers keine Angebote wie im ‚Paten‘ vorliegen haben, sollten sie zumindest jetzt nicht in Aktivismus verfallen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben