Charlotte Hornets, NBA, Utah Jazz

Geld wie Heu

Utahs Situation nach dem Offer Sheet an Gordon Hayward

Bei Familienfesten sticht Gordon Hayward mit seinen 2,03 Metern heraus. Den oft überdurchschnittlichen Eltern bzw. Elternteilen der meisten NBA-Spielern sieht man an, dass ihre Sprösse diese Gen-Eigenschaft oft geerbt haben. Haywards Eltern messen beide keine 1,80 Meter und auch Haywards Basketballtraum schien in seinem ersten Jahr an der High School bereits ausgeträumt. Er war zu diesem Zeitpunkt gerade mal so groß wie seine Eltern und galt neben seiner fragilen Statur und nicht überragender Athletik als zu klein. Gordon Scott Hayward Sr. konnte nicht ahnen, dass der Spross in wenigen Jahren in die Höhe schießen würde und bildete ihn mit Ballhandling-Drills, Wurfübungen und Layup-Lines zum klassischen Point Guard aus. Gut zehn Jahre später ist Hayward ein vielseitiger, erweiterter Spielmacher auf dem Flügel, der irgendwie alles kann, aber keine Fähigkeit besonders gut beherrscht.
Mit dem Maximalvertrag-Angebot der Charlotte Hornets verdient er ab 2014/15 über vier Jahre das Maximalgehalt für Spieler, die aus ihrem Rookievertrag kommen. Anhand seiner Produktion und seines Impacts ist Hayward dieses Geld eher nicht wert und Utah hätte ihn letztes Jahr über den gleichen Zeitraum zu günstigeren Bezügen halten können. Die Jazz werden dennoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Angebot der Hornets gleichziehen und der letztjährigen Entscheidung, eine Offer Sheet mit Hayward auszuhandeln, nicht nachweinen.

Utahs Verhandlungen 2013 und der Markt 2014

Hayward und Utah hätten sich bereits letztes Jahr auf einen Vertrag einigen können. Laut Adrian Wojnarowski forderte Haywards Agent ein Gehalt von etwas über 50 Millionen Dollar bei einer Laufzeit von vier Jahren, was günstiger gewesen wäre als das Angebot der Hornets, über das die Jazz nun entscheiden müssen. Spieler sowie Mannschaft waren trotz des Aufschiebens des Deals in einer recht guten Situation. Die Jazz konnten Hayward als primären Ballhandler und erste Option in einem jungen Team ohne Ambitionen evaluieren. Haywards USG% stieg von 2013 auf 2014 nur um einen Prozentpunkt auf 23.1. Eine hohe, aber nicht imposante Usage für einen Spieler in seiner Situation. Der ehemalige Top-10 Pick war jedoch augenscheinlich die primäre Schaltzentrale in der Offensive und musste sich seine Würfe schwerer erarbeiten. Hayward landete als einziger Jazzman unter den Top 30 der Spieler in der “Touches”-Kategorie und die Anzahl seiner Wurversuche, die durch andere assistiert wurden, fiel gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozentpunkte. Nur die Hälfte aller Würfe Haywards waren assistiert. Die Rate an Spot-Up Dreiern sank um 5%, während sehr lange Mid-Range-Würfe um etwa die gleiche Quote stieg, meist aus dem Dribbling heraus.

Gordon Hayward machte als Post-Rookie-Max-Level-Spieler keine gute Figur und dennoch musste er kaum fürchten, diese Art Vertrag nicht zu bekommen. Den Jazz und Haywards Agent musste zu diesem Zeitpunkt bereits klar gewesen sein, wie viel Geld in dieser Free Agency-Periode vorhanden sein wird. Als Restricted Free Agent musste ein an ihm interessiertes Team hin überbezahlen, um eine Chance zu haben, dass Utah nicht gleichzieht. Andere Teams mussten davon ausgehen, dass Utah ihn mit steigendem Cap im sehr hohen einstelligen und niedrigen zweistelligen Bereich als passablen Deal einschätzte. Als einzige Option blieb da nur die Max-Offerte, die für Spieler mit seiner Vertragssituation im ersten Jahr etwas mehr als 14 Millionen Dollar bedeuten – nicht sehr viel teurer als das, was für Utah ein passabler Deal gewesen sein müsste, vor allem in ihrer Cap-Situation. Mit Eric Bledsoe und Greg Monroe finden sich im diesjährigen Free Agency Pool nur zwei weitere Spieler im gleichen vertraglichen Kontext, wobei Hayward vielleicht nicht aufgrund des Talents, jedoch seiner Verletzungsunanfälligkeit und Vielseitigkeit für viele Teams mit Capspace Sinn macht, seien es eher talentarme Kellerkinder wie die Milwaukee Bucks oder letztjährigen Start-Ups mit Ambitionen und fehlenden Puzzleteilen wie eben den Charlotte Hornets.

Utahs Verträge und Zukunft

Utahs Vertragssituation deutet stark darauf hin, dass Utah mit dem Angebot gleichzieht. Favors wäre neben Hayward der einzige Spieler, der den Cap jährlich mit mehr als 10 Millionen Dollar belasten würde. Nur die Rookie-Deals für Dante Exum, Trey Burke, Rudy Gobert und Rodney Hood würde man über die nächste Spielzeit hinaus nehmen, sowie den auslaufenden Vertrag für Steve Novak. Selbst mit Hayward als Post-Rookie-Max-Spieler würden die Jazz mit ~30 Millionen Dollar Cap Space 2015/16 hohe Flexibilität bewahren und könnten Enes Kanter bei Interesse mit einem neuen Vertrag ausstatten.

Ziehen die Jazz mit der Max-Offerte der Hornets gleich, kommen sie unterm Strich günstiger aus der Sache als bei einem eigenen letztjährigen Max-Angebot. Im Gegensatz zu einem Angebot des eigenen Teams kann der Max-Vertrag eines Fremdteams kein fünftes Vertragsjahr enthalten. Außerdem beträgt die jährliche Gehaltssteigerung nur 4,5% im Gegensatz zu den 7,5% des Eigen-Team-Max. Gerade das fünfte Jahr könnte für die Jazz die Zukunftsplanung erleichtern. Stellt sich der derzeitige, noch schwammige Kern aus Hayward, Favors (und Kanter) als nicht vielversprechend heraus, laufen ihre Deals gleichzeitig und pünktlich zur Vertragsverlängerung Dante Exums aus, welcher derzeit die besten Chancen zum nächsten Post-Rookie-Max-Spieler Utahs hat.

Charlottes Kalkül

Sportlich macht Hayward als Ziel für die Hornets Sinn. Diese sind seit jeher arm an Flügeltalent, vor allem der Art, die Kemba Walker im Spielaufbau entlasten könnte. Dieser hatte in drei Profijahren keine USG% unter 25% und musste sich knapp 60% seiner Treffer aus dem Feld selbst erarbeiten. Während Hayward in der Top 30 der Spieler mit den meisten Touches in der Saison rangiert, findet sich Kemba auf Rang 2 wieder. Vertraglich steht Kemba die kommende Spielzeit dort, wo Hayward das letzte Jahr stand. Sprich, die Hornets müssen sich langsam entscheiden, was er ihnen wert ist. Der Kader der letzten Jahre, geprägt von Armut an Spacing- und Spielmacheroptionen, tat seiner Entwicklung keinen großen Gefallen, und nun zieht auch sehr wahrscheinlich Josh McRoberts weg, der letztes Jahr als erweiterter Spielmacher im Frontcourt Schwerstarbeit verrichtete.

Die auslaufenden Verträge von Ben Gordon, Josh McRoberts und Luke Ridnour spülen etwas mehr als 20 Millionen Dollar (immer wieder ein Schock: Gordon ist für 13 Mio. verantwortlich!) in die Kasse Charlottes, womit Hayward bezahlt werden kann und dann immer noch etwas Flexibilität unter dem vermutlichen Salary Cap vorhanden ist, um sich als Playoffs-Aspirant zu verstärken und auszubalancieren.

Wie weit würdet ihr gehen, um…?

Ein unterschätztes Szenario, das generell für Utahs Vorgehensweise bei der Vertragsverlängerung eines Talents wie Haywards spricht, ist die Möglichkeit eines Trades. Dies müsste vor dem Unterschreiben des Vertrags passieren, also nachdem der Spieler verbal dem Fremdteam zusagt. Wie oben angeführt würde Utah selbst mit Hayward als Max-Spieler kaum an zukünftiger Flexibilität verlieren und kann vertrösten, dass er den Betrag spielerisch eigentlich nicht wert ist. Jedoch könnte die Entscheidungs- und Coachingriege in Salt Lake City in der Rebuildingphase nicht völlig begeistert davon sein, ihn während der Entwicklungsjahre der anderen Ballhandler Trey Burke, Dante Exum und eventueller weiterer Picks im Team zu haben. Wäre Hayward für die Hornets als erweiterter Playmaker mit Range der absolute Wunschspieler neben Kemba Walker und Al Jefferson, könnten die Rebuild-Jazz quasi ihr ‘Veto-Recht’ bei lukrativer Kompensation durch ein junges Talent wie etwa Noah Vonleh eintauschen. Ob die Hornets sich tatsächlich von Vonleh trennen würden, selbst wenn mit voller Kraft auf Win-Now zusteuern, ist jedoch sehr fraglich. Als ehemalige Bobcats hatten sie in der Vergangenheit genügend Gelegenheiten, um für so einen Fall die Draft zu nutzen. Die Spieler, die sich daraus ergaben, sind aufgrund des Ceilings (Zeller) oder des Skillsets (Kidd-Gilchrist, Biyombo) eher fragwürdig. Ebenso fragwürdig ist, ob Charlotte überhaupt gut beraten wäre, diese Spieler für Max-Hayward aufzugeben.

Kurzes Fazit

Gordon Hayward wird aller Voraussicht nach in Salt Lake City bleiben und einige Millionen mehr verdienen, als er spielerisch einbringt. Und beide Parteien werden sich einig sein, dass dies auch gut so ist.

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1 comment

  1. willis

    Danke für diesen guten Artikel!
    Wie die Welt sich in einer Saison doch gewandelt hat…
    Hayward ist seinem Vertrag gerecht geworden und die Hornets stehen ohne Hayward und ohne Vonleh dar.


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