NBA, Salary Cap / CBA

Keep Gettin‘ Dem Checks

Die teuren Rollenspieler-Verträge in der ersten Juliwoche

gelddollar9 Millionen für Ben Gordon, 10 für Chris Kaman, je um die zwanzig für jüngere Guards wie Darren Collison, Jodie Meeks und Shaun Livingston – die Journeymen der NBA haben in den letzten Tagen erstaunlich gut dotierte Verträge unterschrieben. Die titelgebende Formulierung von Jalen Rose erklärt das zum Ziel jedes NBA-Veteranen: So relevant zu bleiben, dass man weiterhin Vertragsangebote erhält. In erster Linie waren dabei die älteren Spieler gemeint, derzeit sind allerdings auch jüngere Spieler von marginalem Einfluss auf das Spiel unter den Glücklichen. Selten stand dieses Phänomen so stark gleichermaßen in Mittelpunkt und Kritik wie in den letzten Tagen. Es lassen sich tatsächlich drei Kategorien feststellen, die diese Zunahme begünstigten: Grundlegende finanzielle Neuerungen, damit in Zusammenhang stehende Teambuilding-Maßnahmen und zuletzt kurzfristige psychologische Aspekte dieses Jahres.

Finanzen 1: Der angehobene Salary Floor

Als erster zentraler Faktor ist eine bisher vernachlässigte Auswirkung des neuen Collective Bargaining Agreements (CBA) festzuhalten: Die Anhebung des Salary Floors. Bis 2011 mussten die Teams nur 75% des Salary Caps ausgeben, mit der aktuellen Saison sind es erstmals die vollen 90%. In Zahlen ergibt sich daraus aktuell ein Unterschied von gut 9 Millionen Dollar, den auch Teams ohne echte Gewinnambitionen ausgeben müssen. Die Strafe für das Nichterreichen der garantierten Summe ist zwar wenig erschreckend – die Differenz wird einfach an die Spieler im Kader ausbezahlt – aber keine Franchise verschenkt grundlos Geld.

Das auf den ersten Blick wohl absurdeste Signing der Offseason, die 9 Millionen Dollar über 2 Jahre für Ben Gordon, lässt sich wohl in erster Line so erklären. Da das zweite Vertragsjahr nicht garantiert ist, schaffen die Magic so einen Tradebaustein, der praktisch nichts kostet. Es bestand offensichtlich nicht die Absicht, bereits diese Saison echte Verstärkungen zu verpflichten; im kommenden Jahr hat GM Rob Hennigan wieder alle Möglichkeiten, indem Gordon einfach entlassen wird. Auch der Deadline-Trade von Danny Granger letzte Saison ist vergleichbar, da die 76ers so weit unter dem Salary Cap waren, dass der aufgenommene 14-Millionen-Vertrag keine finanzielle Belastung bedeutete.

Finanzen 2: Das steigende BRI

Während die angehobenen minimalen Ausgaben nur Teams im Rebuild betreffen, hat der zweite finanzielle Faktor viel stärkere Auswirkungen. Die Einnahmen der NBA stiegen, ironischerweise vor allem seit dem Lockout, erheblich an. Damit stieg das sogenannte Basketball Related Income (BRI), aus dem sich der Salary Cap berechnet, ebenfalls – die Teams können also einfach mehr Geld ausgeben. In der aktuellen Saison erfolgte bereits ein Anstieg von 5 Millionen Dollar, für die kommenden Jahre ist insbesondere durch einen neuen TV-Deal mit weiterem Wachstum zu rechnen. Die im Verhältnis zu den letzten Jahren exorbitanten Preise für Franchises wie insbesondere die Clippers zeigen, dass diese Aussicht von fast allen Seiten geteilt wird.

Wie etwa an der Unzufriedenheit vieler Spieler mit dem 2-Milliarden-Deal abzulesen, steigen somit auch die Gehaltsansprüche. Für die Gesamtheit der Spieler ist das zwar irrelevant (siehe hier und hier), der individuelle Spieler profitiert aber natürlich von einem höheren Gehalt. Da die Franchises die neue Flexibilität ausnützen wollen und müssen, folgen sie dieser Entwicklung. Dies betrifft auch Teams über dem Capspace, da die Luxussteuer und der ‚Apron‘ als weitere Grenzen ebenfalls vom BRI abhängen. Entsprechend können etwa Warriors und Blazers ihre neuen Backups praktisch komplett aus der erhöhten Summe bezahlen und müssen noch keine Luxussteuer fürchten. Die langfristige Entwicklung dürfte noch stärker in diese Richtung gehen.

Teambuilding 1: Keine Liga für Stars?

Durch die Neuerungen des CBA ergeben sich zudem Anpassungen der Franchises im Teambuilding, die sich oft nur langsam und subtil durchsetzen. Zwei Beispiele, die bessere Verträge für Durchschnittsspieler mit bedingen, sind hier zu nennen. Der erste ist vergleichsweise auffällig, weil meistens eher das Gegenteil diagnostiziert wird: Die NBA ist zumindest finanziell keine Liga der Stars mehr. Das scheint auf den ersten Blick der derzeitigen Jagd nach Melo und Lebron zu widersprechen, hier muss jedoch getrennt werden: Die sportliche Relevanz der Superstars ist nicht beeinträchtigt, sie verdienen jedoch immer weniger. Am auffälligsten wird das durch den Anspruch, dass die beiden Free Agents auf Gehalt verzichten sollten, um über Capspace bei einem interessanten Team zu unterschreiben.

lebronjamesstandingAllerdings bezeichnete Bill Simmons den Vertrag von Lebron James ohnehin schon als den preiswertesten der Liga – während Amar’e Stoudemire und Joe Johnson auf der genau entgegengesetzten Liste stehen. Sie stellen genau das Modell dar, das ein Großteil der Teams derzeit vermeiden möchte: Stars der zweiten oder dritten Reihe, die durch ihre hohen Verträge jede Flexibilität zunichte machen. Die Luxussteuer, die bei den Brooklyn Nets diese Saison für ein Minus von 144 Millionen Dollar sorgte, führt gemeinsam mit weiteren Einschränkungen also zu einer Obergrenze, die kaum ein Team mehr überschreiten will. Daher werden, wenn möglich, die extrem langen und teuren Verträge vermieden – und stattdessen in mehrere, kleinere Verträge investiert.

Teambuilding 2: Was ist schon ein Jahr?

Vor ziemlich genau einem Jahr nahmen die Utah Jazz etwa 24 Millionen Dollar an Verträgen von den Golden State Warriors auf und erhielten dafür vergleichsweise wenige Assets als Kompensation. Auch dieser Trade lässt sich bereits mit dem Salary Floor in Verbindung bringen, auffälliger ist jedoch der zeitliche Aspekt: Die Verträge in der NBA werden allgemein kürzer. Das ist teilweise schon durch die um ein Jahr verringerte Maximallaufzeit bedingt, die Teams verstärken diesen Trend jedoch freiwillig zusätzlich. Die meisten Spieler erhalten nur kurzfristige Verträge, die letzte Saison ist oft nur teilweise garantiert, echte Verlängerungen existieren praktisch nur noch bei Spielern, die im letzten Jahr ihres Rookie-Vertrags stehen.

Der Grund dafür findet sich wiederum im gestiegenen Bedürfnis nach Flexibilität, vor allem in Hinblick auf die Bedeutung von Capspace. Während vor dem aktuellen CBA die Contender meist über Jahr hinweg nur die Exceptions nutzten und nicht unterhalb des Salary Caps arbeiteten, existiert dieses Modell jetzt kaum noch. Selbst die Lakers haben sich diese Offseason erstmals wieder in den Cap Space begeben – eben auch in der Hoffnung, jetzt James und/oder Anthony anzulocken.

Psychologie 1: Die Hackordnung der NBA

Genau diese beiden Stars stellen jedoch einen weiteren Baustein dar, der die Flut von mittleren Verträgen erklärt. Schon rein von der allgemeinen Aufmerksamkeit her ist klar, dass die „Decision 2.0“ den überbezahlten Vertrag von Jodie Meeks bei den Pistons verdrängen würde. Der Fokus auf die Durchschnittsspieler erklärt sich also zumindest teilweise durch den Mangel an interessanteren Nachrichten, zumal in der zweiten Reihe der Free Agents – Marcin Gortat, Kyle Lowry, auf gewisse Weise auch Dirk Nowitzki – bisher keine Teamwechsel zu verbuchen sind.

Diese zweite Reihe ist zusätzlich auf eine andere Weise von der ersten abhängig: Spieler wie Luol Deng oder Pau Gasol warten wohl, genauso wie die Teams, auf die Entscheidung von James und Co. Falls sich einige der Franchises von dieser Situation unter Druck gesetzt fühlen, schlägt die Stunde der Rollenspieler. Weil die etwas besseren Spieler noch nicht bereit sind, sich festzulegen, profitieren die anderen – wie jetzt möglicherweise Meeks, Kaman und Gordon.

Psychologie 2: Win Now!

Ein weiterer Faktor ist die Situation der Teams und ihre Ziele für die kommende Saison. Absurderweise trägt die Unausgeglichenheit der Liga erheblich dazu bei, wenn man die Aussage der abgelaufenen Playoffs betrachtet, dass 8 der 9 besten Teams im Westen spielten. Während also einerseits Teams wie die Warriors und Clippers dringend Verstärkungen brauchen, um angesichts der Konkurrenz zu bestehen, ist die Eastern Conference derzeit völlig unvorhersehbar. In Miami droht die Auflösung der Big Three, die Pacers sind seit dem All Star Break in der Krise, und eine dritte Kraft konnte sich in den vergangenen Jahren nicht etablieren. Daher verstärken sich Teams wie die Pistons oder Hawks, die sich Hoffnungen machen, diese Lücke zu besetzen.

Die Festlegung Thabo Sefoloshas auf Atlanta muss nicht zwingend ein Fehler für eine der beiden Seiten sein, sie ist jedoch ein Symptom dieser Entwicklung. Wenn sich mehr als die Hälfte der Liga einigermaßen realistische Hoffnungen auf Erfolge in den Playoffs machen, sind kaum genug Spieler der gewünschten Qualität verfügbar. Die oben angesprochene Zurückhaltung vieler Spieler der zweiten Reihe verstärkt diesen Trend noch. Auch der Verbleib von Kyle Lowry und Marcin Gortat bei ihren bisherigen Teams passt in diese Argumentation, angesichts der guten Chancen im Osten will keine Franchise das bestehende Gerüst aufgeben.

Fazit

Zumindest bisher lässt sich die Free Agency 2014 als die große Zeit der kleineren Namen bezeichnen. Die Welle an prestigeträchtigeren Verpflichtungen muss natürlich noch folgen, aber die Grundtendenz zu mehr Geld für Durchschnittsspieler wird bestehen bleiben. Im Sinn der Rose-Programmatik kann Ben Gordon und Co. dazu nur gratuliert werden – die meisten angesprochenen Teams sind dagegen kaum zu beglückwünschen. Auch ein weiter steigender Salary Cap macht Spieler ohne gute NBA-Skills nicht plötzlich brauchbar.

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