Draftprofile 2014

Marcus Smart

Oklahoma State University

Datenblatt

nopictureName: Marcus Smart

Position: Playmaker

[xrr rating=2/4]  (Starter)

College: Oklahoma State University

College-Erfahrung: Sophomore

Es war kein einfaches Jahr für den leidenschaftlichen Gewinner Marcus Smart. Nach einer sehr erfolgreichen Freshman-Campaign inklusive eines erdbebenartigen Sieges bei den Kansas Jayhawks kehrte der Oklahoma State Cowboy zur Überraschung vieler Experten, die ihn alle in ihren Mockdrafts fest an #2 als Pick der Orlando Magic eingeplant hatten, zurück an die Universität. Der für sein Alter sehr reife Smart sagte auf der Pressekonferenz zu seiner Entscheidung folgendes:

I am aware of how much money I am giving up. I am aware of that.
— Marcus Smart

Smart hatte zu viel Gefallen am College-Leben in Stillwater gefunden und vor allen noch einige selbstgesteckte Ziele auf seiner Universitäts-To-Do-Liste noch nicht abhaken können. In seinem zweiten Jahr als Vollzeitaufbau (Smart spielte in der High School den Großteil seiner Minuten auf dem Flügel) wollte er seine Point Guard-Fähigkeiten weiterverbessern, die lange Big 12-Titel-Serie der Kansas Jayhawks beenden und im NCAA Tournament nach dem bitteren Erstrunden-Aus gegen Oregon 2013 endlich einmal Spiele gewinnen. Während schon früh im Jahr klar wurde, dass er Ersteres durch harte Arbeit im Sommer geschafft hatte, sollten ihm die letzten beiden Punkte große Schwierigkeiten bereiten. Nach einigen Verletzungen und Sperren ließ sich der erwartete Angriff der Cowboys auf die Kansas Jayhawks nicht starten. Im Conference-Play sammelte man Niederlage um Niederlage. Eine große Frustration machte sich in dem sehr ehrgeizigen 20 Jährigen breit, die schließlich in dem Texax Tech-Vorfall gipfelte – wir berichteten. Smart ließ sich dazu hinreißen einen gegnerischen Fan anzugehen. Alles mündete in einer Sperre für ihn, die sogar die Tournament-Chancen der Cowboys in Gefahr brachte. Allerdings schien die Pause für seine Psyche Wunder gewirkt zu haben. All die angestaute Verbitterung ob der vielen Niederlagen wusste der Sophomore in Manier eines echten Anführer in Energie umzumünzen und schaffte es ein ins Straucheln geratenes Team in letztes Sekunde doch noch in das NCAA-Turnier zu führen. Dass man in diesem wieder in der ersten Runde scheiterte, lag sicher nicht an dem jungen Guard, der sich mit 23 P / 13 R / 7 A / 6 S mit aller Kraft gegen einer Niederlage gestemmt hatte. Auch wenn Smart viele seiner Ziele nicht erreichte, wird er für sich als Spieler sicher die richtigen Schlüsse aus diesem schwierigen Jahr ziehen. Es ging ihm ja nicht um das Geld sondern darum ein weiteres Jahr Erfahrungen zu sammeln, um zu wachsen.

Tools & Skills

Wenn man Marcus Smart als Draftprospect beschreiben möchte, ist es unmöglich nicht zuerst über seine physischen Voraussetzungen zu sprechen. Er vereinigt 6‘3‘‘ Körpergröße, eine monströse Armspannweite von 6‘9‘‘ und sehr gut verteilte, muskolöse 225 Pfund Körpergewicht in einem für einen Guard ziemlich einzigartigen Frame, der ihn auch gegen die meisten NBA-Point Guards zu einem Mismatch werden lassen wird. Seine zumeist automatisch entstehenden Größen- und Massenvorteile weiß Smart spielerisch, gewinnbringend einzusetzen und lebt deswegen als Spieler buchstäblich in der Zone. Nach Rebounds, die er sowohl offensiv als auch defensiv so gut wie kein anderer Guard am College herunterpflückt (10,2 TRB), drückt er sehr gern auf das Gaspedal und leitet sofort den Fastbreak ein. Ob als Passgeber oder als Coast-to Coast gehender Ballhandler attackiert ständig den gegnerischen Korb sobald sich die Möglichkeit ergibt. Mit großen Erfolg – 1,1 PPP erzielt Smart in diesen Transitionpushes und sorgt so für circa 20% seiner Offense. Aber auch im Halbfeldangriff ist auf Smart verlass. In der Manier eines modernen NBA-Point Guards schaut er dabei zunächst einmal auch zunächst auf das eigene Scoring und greift zumeist über eine Mischung aus Power und Finesse den Korb des Gegners an.

Gern aus dem überdurchschnittlich funktionierenden Pick’n’Roll (21% seiner Offense bei 0,88PPP) oder aus Isolations versteht er es wie kaum ein Zweiter sich einen Pfad in die Zone zu bahnen. Für einen Guard starke 34% seiner Würfe nimmt Smart in Korbnähe. Zu stoppen ist er dort wegen seiner extrem kompakten Statur auch mit hartem Körperkontakt oder Doppeln kaum. Stark überdurchschnittliche 65% seiner Schüsse „in the paint“ netzt der All American aus der Nahdistanz ein, oft sogar mit Foul (0,6 And1s pro Spiel in 13/14). Fällt der Ball einmal nicht, steht er danach zumeist an der Freiwurflinie und verwandelt die von dort sehr sicher (8,1 FTA bei 73 FT%). Dazu baute Smart im Sommer ein sehr effizientes Post-Up-Game in sein Spiel ein und sorgte als Sophomore auch auf diese Weise für Gefahr (1,0 PPP). In all diesen für ihn sehr vorteilhaften Situationen vergisst Smart allerdings seine Mitspieler nicht und schafft es in seinem zweiten Jahr als Vollzeit-Aufbau immer besser die Balance zwischen eigenem Scoring und dem Einsetzen der Teammates zu finden. Man merkt, dass er es immer besser versteht Verteidigungen zu lesen und anschließend gute Entscheidungen zu treffen. Mit Drive’n’Dish, Drive’n’Kick, dem Abgeben auf den abrollenden Screener aus dem Pick’n’Roll als auch dem Passing aus dem Doppeln beim Post-Up beherrscht nun das große Point Guard Einmaleins immer sicherer und konnte seine Assistrate auf starke 30,2% steigern. Es ist allerdings nicht die Offense, die GM-Herzen höher schlagen lässt, wenn der Name Marcus Smart fällt. Es ist eine starke Verteidigung, die die Basis des Spiels des Cowboys-Spielers bildet. Der Sophomore spielt jede Basketball-Partie um zu gewinnen und möchte dies auch besondern zeigen, wenn der Gegner in Ballbesitz ist. Zu gern deckt er deswegen den besten Scorer des anderen Teams. Seine Größe, Masse und Länge erlaubten es ihm am College sowohl die Guard-Positionen als auch Small Forwards effektiv zu verteidigen. Dies stellte er zum Beispiel im Conference-Rückspiel gegen Kansas unter Beweis, als er über weite Strecken der Partie Andrew Wiggins an die Kette legte.

Seine Schnelligkeit gepaart mit seinem Körper machen ihn sowohl zu einem extrem unangenehmen und physischen On-ball-Defender als auch zu einer ständigen Bedrohung in den gegnerischen Passwegen. Mit schnellen Händen, gutem Basketball IQ und viel Antizipationskraft gelingt es dem starken Defensiv-Playmaker oft Turnover zu forcieren und über Ballgewinne sofort Schnellangriffe zu initiieren (2,9 SpG). Immer wieder schafft er es mit spektakulären Aktionen gerade auf dieser Seite des Feldes die eigenen Fans und Mitspieler mitzureißen und dadurch als emotionaler Anführer zu fungieren. Smart könnte mit all seinen guten Anlagen auch in die Allstar-Kategorie gehören, wenn da nicht das kleine Problem mit seinem Wurf wäre. Wie bei so vielen Überathleten, ist es der eigene Schuss, der als letzte, fehlende, spielöffnende Komponente zurückhält. Zwar hat Smart im Sommer dieses Problem schon in Angriff genommen – gelöst ist es aber noch auf keinen Fall. Nur 0,8 PPP erzielt der U19 Nationalspieler mit seinem Jumper, der alles andere als sauber aussieht. Vom Fangen bis zum Release legt der Ball bei seiner Bewegung einen sehr langen Weg zurück und bietet so viel Raum für Störelemente. Besonders aus dem Dribbling funktioniert der Ablauf noch gar nicht (0,79). Dass er allerdings auch kein hoffnungsloser Fall ist und zumindest als streaky Shooter gesehen werden muss beweisen 8 Spiele mit 3+ 3PM in diesem Jahr, eine 39 Punkte Performance gegen Memphis (inkl. 5-10 3P) und seine Werte aus dem Catch’n’Shoot (0,88PPP bzw. sogar 1,29 PPP bei unguarded C’n’S-Situationen). Bis er seinen Wurf aber nachhaltig verbessert hat (29 3P%), sollte Smart definitiv seine Schussauswahl überdenken. Am College konnte er sich Hero-Ball mit vielen Dreiern direkt in das Gesicht seines Verteidigers erlauben. Bei den Profis muss er die Zahl seiner Versuche gehörig zurückfahren, um sich nicht selbst durch wilde, schlechte Würfe auf die Bank zu befördern (5,3 3PA und damit in einer Liga mit den Shootern Napier, Stauskas, Harris und McDermott ). Ähnliches gilt für seinen Hang zum Forcieren von komplizierten Pässen und Offensivaktionen, die noch zu oft in Ballverlusten enden. Zwar konnte der junge Aufbau seine Ballverluste schon herunterschrauben (von 19 TO% auf 14 TO%), allerdings muss er weiterhin daran arbeiten im Angriff das einfache Play für sich oder den Mitspieler zu finden.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Point_Combo_Guards

Spielervergleich

Smart kommt als hervorragender Verteidiger mit guten Offensivanlagen in die Liga. Eine Entwicklung zum physischen Edel-Defender, wie es z.B. Oklahoma State Cowboys-Alumni Tony Allen ist mit einer, scheint sehr wahrscheinlich. Zu stark sind Smart’s physische Tools und sein Joakim Noah-artiges inneres Feuer.

Wie wertvoll er einmal als Gesamtprodukt sein wird, hängt ganz von der Entwicklung seiner Offense ab. Sein starker Zug zum Korb wird ihn auf dieser Seite des Feldes nie komplett wertlos sein lassen, allerdings muss sein Wurf den nächsten Schritt machen, um ein komplettes Ausnutzen seines Arsenals um Drive, Ballhandling und Passing zu ermöglichen. Schafft er dies könnte er das sein, was Tyreke Evans in seiner Rookie-Saison war, was die Pacers an guten Tagen von Lance Stephenson bekommen oder was sich die Warriors von Andre Iguodala erhofft hatten.

Draftaussichten

Viele Medien meinen, dass die Texas Tech Affäre und das zusätzliche Jahr College Smart’s Draftstock geschadet haben. Ein Blick auf die GM-Lager der hoch draftenden Teams reicht aber aus, um zu sehen, dass dies nicht stimmt. Smart, den man im letzten Jahr wohl an #1 hätte ziehen sollen, wird wohl wegen der stärkeren Konkurrenz im Talentpool effektiv ein, zwei Plätze unter dem Rang gedraftet werden, den er 2013 erreicht hätte. Sein Ansehen ist unter den draftenden Entscheidern in der NBA noch immer sehr hoch. Sie sehen ihn weiterhin als extrem leidenschaftlichen Gewinnertypen, den man im Lockerroom braucht, um eine „winning culture“ voranzutreiben. So sagte Celtics-GM Danny Ainge bspw.:

“I sorta like Marcus Smart. I like his fire. […]I want passion. I got myself in trouble a few times on the court. I don’t worry too much. I’d much rather try to calm a player down than try to light a fire under somebody. I’m a big fan of passionate players.”

– Danny Ainge

Smart ist ein Lock für die Top 10 und könnte mit etwas Glück sogar die Top 5 der Draft knacken.

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