Draftprofile 2014

Julius Randle

University of Kentucky

Datenblatt

Name: Julius Randle

Position: Big

[xrr rating=2/4]  (Starter)

College: University of Kentucky

College-Erfahrung: Freshman

Die Fanbase der Kentucky Wildcats, die Big Blue Nation, ist jedes Jahr aufs Neue auf der Suche nach neuen Helden. Das Basketballprogramm in Lexington kann schon schon seit den 1930ern unter Trainerlegende Adolph Rupp nahezu jedes Jahr mannschaftliche Erfolge und talentierte Topspieler vereinen. Besonders im aktuellen Jahrzehnt unter Erfolgscoach John Calipari stimmte die Bilanz. Die NIT-Teilnahme 2012 nach der schweren Verletzung von Star-Center Nerlens Noel einmal ausgeklammert, erreichte man jedes Jahr mindestens das Elite Eight und konnte gleichzeitig fünf Top 5-Picks (Anthony Davis, John Wall, DeMarcus Cousins, Michael Kidd-Gilchrist, Enes Kanter) in der NBA unterbringen. Mit Julius Randle kam im Sommer 2013 ein Forward an ihre Universität, der höher dekoriert nicht hätte sein können und damit dem Profil des neuen Darlings und Hoffnungsträgers direkt entsprach. 32,5 PpG und 22,5 RpG in seinem letzten High School Jahr für die Prestonwood Christian Academy, drei State-Championships in vier Jahren im hart umkämpften Bundesstaat Texas, McDonalds und Jordan Brand Classic All-American, Teilnehmer am Nike Hoop Summit 2013– der #3-Recruit seiner High School Klasse hatte ein beeindruckendes Resümee aufzuweisen. Gemessen an den großen Vorbildern zum Scheitern verdammt, schaffte es Randle nach zwischenzeitlich doch sehr turbulenten und enttäuschenden zwölf Monaten die Big Blue Nation doch von sich zu überzeugen. Als stärkster (pun intended!) Spieler seines Teams, schaffte es Randle seine Mannschaft als #8 Seed in das Title-Game des NCAA Tournaments zu führen und sich mit seinen Leistungen auf dem Parkett einen Platz in der oberen Hälfte der Lottery zu sichern. Eine Aufnahme in die teaminternte Hall of Fame ist schon beschlossene Sache.

Tools & Skills

Als sich sich vor vielen Jahrzehnten die Beobachter des Basketballs die Positionsbezeichnung Power Forward überlegten, müssen sie wohl einen Spieler wie Julius Randle im Kopf gehabt haben. Der Wildcats-Bigman könnte mit seinen körperlichen Voraussetzungen, wie einst Jerry West für das NBA-Logo, als Silluette für dieses Label dienen. 250 starke, aber dennoch sehr bewegliche Pfund verteilt auf 6‘9‘‘ Körpergröße lassen ihn zu einer schwer zu stoppenden Dampfwalze auf dem Parkett werden, die auf College-Level nur wenige Verteidiger stoppen konnten. Der offensiv sehr versierte Forward fühlt sich in Korbnähe am wohlsten (45% seiner Offense entsteht dort) und nutzt seine einzigartige Kombination aus Masse und Schnelligkeit auf verschiedenste Weise im seine Lieblingsposition dort zu erreichen. Im Fastbreak oder am Perimeter kann er sich auf sein überdurchschnittliches Ballhandling verlassen und sich oft mit ein, zwei schnellen Schritten den Weg in die Zone bahnen. shotchart_randle

Erhält er den Ball in der Mitteldistanz kann er seinen Gegenspieler aus dem Face-Up heraus überrennen. Aber auch das Post-Up-Spiel beherrscht Randle sehr gut. Er versteht es dabei seinen bulligen Körper zu nutzen, um ohne Ball klug um eine bestmögliche Positionierung zu kämpfen. Ist der Weg einmal frei, kann der Bigman sehr sicher abschließen (70 FG% in Korbnähe). Dabei ist es ihm egal ob der Lefty den Ball per Korbleger, Dunk, Floater oder linkshändigem Hakenwurf im Korb unterbringt. Er nimmt, was ihm die Verteidigung gibt. Seine gute Core-Strength hilf ihm in diesen Situationen in Balance zu bleiben und erlaubt es ihm zusätzlich auch starken Körperkontakt zu absorbieren. Ohne Angst vor den dicken Verteidigerbrocken schafft es Randle so sehr oft seinen Gegenspielern Fouls anzuhängen und sich selbst viele Versuche an der Freiwurflinie zu erarbeiten, die er sehr gut zu nutzen weiß (7,2 FTA bei 71 FT%). Beachtlich ist dabei, dass der Wildcats-Forward am Korb nicht nur so erfolgreich abschließt, sondern sich auch den Großteil dieser sehr hochprozentigen Würfe mit seinen ausgereiften und sehr flüssig wirkenden Bewegungen auch selbst zu erarbeiten zu weiß. Nur 34% seiner Körbe in der Zone geht ein Assist voraus. Nimmer müde attackiert der mit einem hervorragenden Motor ausgestattete Big den gegnerischen Ring.
Diese tolle Einstellung gepaart mit seinen physischen Talenten hilft Randle auch beim Rebounding ungemein. Auf beiden Seiten des Courts kann er die mit ihm um den Ball kämpfenden Gegner zumeist ausstechen und sammelt mit einer hohen Rate Abpraller ein. Seine 19,2 TRB% erklären ihn (zumindest statistisch gesehen) zu einem besseren College-Rebounder als NBA- Superstar und NCAA-Champ Anthony Davis (18,2 TRB%). Warum eine solche effiziente Offensivmaschine mit zumindest am College geltender eingebauter Double-Double-Garantie (24 DD in 40 Spielen) von uns nur ein Starter-Label verpasst bekommen hat? Nun, so beeindruckend Randle’s Spiel auch auf den ersten Blick auf wirken mag, fehlerfrei ist es keineswegs. War der Forward gegen gleichaltrige und körperlich zumeist unterlegene College-Kollegen eine nicht aufzuhaltende Naturgewalt, so muss man sich sowohl defensiv als auch offensiv bei der Übertragung seines Spiels auf den NBA Level sorgen machen.

wingspan_randle

Dies hat vor allem mit einer körperlichen Limitation zu tun: Unterhalb des Jahres erhielt der 19 Jährige viel Kritik wegen seiner kurzen Arme. Mit damals einer mit 6‘11‘‘ angegebenen Wingspan wäre er am unteren Ende des „wahren“ Größenspektrums für NBA-Bigs anzusiedeln gewesen. Das NBA Draft Combine gab mit einer dort gemessenen Armspannweite von 7‘0‘‘ etwas Entwarnung (er ist nun ein körperlich ein leicht längerer Kevin Love). Dennoch wird es Randle verwehrt bleiben größer zu spielen als er eigentlich ist, wie es viele Athleten mit günstigerer Körpergrößen-Armlängen-Ratio tun können. Für sein Rebounding erwarten wir (entgegen vieler Expertenmeinungen) kaum Beeinträchtigung, auch wenn es absofort gegen längere Gegner gehen wird. Der Forward scheint ähnlich wie Timberwolves-Star Kevin Love ein Näschen für Abpraller zu besitzen und wird auch auf höchstem Niveau auf seine Boards kommen. Allerdings wird sich für ihn daneben das Spiel sowohl offensiv als auch defensiv erschweren. Im Angriff konnte der College-Randle seine Gegner zumeist überpowern und trotz eines Spiels „below the rim“ sicher abschließen. In der NBA werden seine Bewegungen sauberer kommen müssen, um nicht öfter einmal geblockt zu werden oder viel den Ball zu verlieren.
Für Kentucky wurde der Big in manchen Spielen mit vielen kopflosen und unnötig forcierten Aktionen von Zeit zu Zeit zum Turnoverprone und „black hole“ im Angriff, da er besonders mit Double-Teams nicht richtig umzugehen wusste (2,5 TOpG). Randle wird sich bei den Profis vermehrt bremsen müssen, um diese Situationen zu vermeiden und effizient zu bleiben. Wichtig wird auch die Entwicklung seiner Off-Hand werden, um in der Offense am Brett öfter einmal einen Counter-Move einstreuen zu können und nicht leicht ausrechenbar zu sein. Auch die Entwicklung seines Wurfes wird elementar. Am College war es nicht nötig am Midrangejumper zu arbeiten, kam er doch nach Belieben zum Korb. Entsprechend wurde er auch von Coach Calipari auch eingesetzt. Auf NBA-Level wird er Gefährlichkeit aus der Distanz brauchen, um die Face-Up-Facette seines Spiels zu behalten und seinem Team etwas Spacing zu liefern. Dass er das Potential zum überdurchschnittlichen Werfer besitzt, deuten Berichte aus der High School sowie seine gute Freiwurfquote an.

Die meiste Arbeit wird Randle allerdings auf der defensiven Seite des Feldes investieren müssen. Seine Masse und Schnelligkeit geben ihm theoretisch gute Grundvoraussetzungen, um sowohl am Perimeter als auch im Post seinen Mann stehen zu können. Allerdings scheint es ihm noch stark am taktikschen Verständnis für Defensivsysteme zu fehlen. Trotz ausreichender Geschwindigkeit und Stärke sah er am College in der Verteidigung oft verloren aus, verpasste Switches, Help-Aufgaben oder den klugen Moment zum Doppeln. Fehlendes Leaping und die schon angesprochene geringe Armlänge nehmen ihm zusätzlich jede Rim-Protector-Qualität sowie defensive Playmaker-Fähigkeiten (0,5 SpG, 0,8 BpG). Randle wird sich strecken müssen (pun intended!), um jemals als überdurchschnittlicher Verteidiger gelten zu können.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Bigs

Spielervergleich

Julius Randle kommt als bulliger, aber etwas zu klein geratener Postspieler in die Liga. Diese haben es historisch gesehen am College viel leichter als in der NBA. Glen Davis schaffte es 2006 beispielsweise (ähnlich wie Randle in diesem Jahr) seine LSU Tigers in ein Final Four zu führen und die SEC in diesem Jahr zu dominieren. In der NBA fristet „Big Baby“ seitdem wegen defensiver Schwächen und unzureichender Offensivkraft ein Dasein als Reservist. Randle könnte ein solches Schicksal drohen, falls eine Weiterentwicklung komplett ausbleibt. Dies ist aber recht unwahrscheinlich. Zumindest offensiv sollte ein guter Athlet mit seiner starken Ansammlung an Fähigkeiten zu einer verlässlichen Offensivoption mit gutem Rebounding (aber unzureichender Defense) werden, wie es David Lee in seinen besten Jahren war. Ein Blick nach Boston auf Jared Sullinger mit seinem antrainierten Dreier könnte sicherlich auch nicht schaden. Arbeitet er auch stark an seiner Verteidigungsleistung könnte er mit seiner körperlichen und eher erdverbundenen Spielweise auch einmal dem Vergleich mit Grizzlies-Forward Zach Randolph standhalten und ein scoringtechnisch starker Partner für einen Defensivanker auf der Fünf werde.

Draftaussichten

Randle wurde zu Beginn der Saison (besonders nach seinem starken Spiel im Championship-Classic gegen die Michigan State Spartans mit Draftkollegen Adriean Payne) auf einer Stufe mit Jabari Parker und Andrew Wiggins wahrgenommen und in der Top 3 gehandelt. Über die Saison offenbarten sich allerdings immer mehr Schwächen im Spiel des Bigman, die ihn in die Draft-Tier darunter abrutschen ließen. Dennoch wird der Bigman ziemlich sicher in der Top 7 dieser Draft gezogen werden. Ein gutes Combine räumte einige athletische Bedenken aus.

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