Miami Heat, NBA, Playoffs 2014, San Antonio Spurs

2013 Reloaded?

Das Finals-Rematch zwischen Heat und Spurs

Rematch?

Finals Rematches sind eine tolle Sache, denn sie haben heutzutage Seltenheitswert. Sie bestätigen gewissermaßen, dass beide Teams im Vorjahr nicht zufällig irgendwie in den Finals gelandet sind. Und der geneigte NBA-Fan weiß in der Regel, was ihn erwartet. Oder?
Teilweise ist das sicherlich richtig. Ausgehend vom letztjährigen Ergebnis jedoch, weiß man lediglich, dass man bezüglich des Ausgangs eigentlich nichts weiß. Die Finals 2013 hätten knapper nicht sein können. Kurz vor Ende von Spiel 6 hatten die Spurs Championship Nummer Fünf eigentlich schon in der Tasche. Dann kam ein Dreier von Ray Allen, ein Sieg der Heat, und in Spiel 7 ein weiterer. Die Serie war episch, an Spannung kaum zu übertreffen und bot alles, was eine Serie bieten kann. Es gab Blowouts, Verlängerungen, Heim- und Auswärtssiege. Beide Coaches mussten ihre Starting Five und Rotationen im Laufe der Serien anpassen, es wurde Coaching-Schach vom Feinsten praktiziert. All das kann auch von den Finals 2014 erwartet werden. Eine ähnlich spannende Serie würde wohl niemanden überraschen. Und das, obwohl nun nicht dieselben Teams wie vor einem Jahr gegeneinander antreten.

Quelle: RMTip21

Quelle: RMTip21

4th time, another charm?

Offensiv hing in den Finals 2013 unglaublich viel von LeBron James ab. Wade war nie wirklich fit, Bosh steuerte quantitativ wenig bei (11.9 PPG, 0 Punkte in Spiel 7). Wäre nicht regelmäßig immerhin ein Schütze von außen heiß gelaufen (Miller, Allen, Battier), hätten Popovich und Co. weiterhin keine Finalsniederlage in ihrer Vita stehen.

Heute findet sich Miami in einer anderen Situation wieder. Dwyane Wade wurde über die reguläre Saison systematisch geschont und ist als Resultat dessen nun fitter als noch im Vorjahr. James kann also auf etwas mehr Unterstützung von seinem Co-Star hoffen. Der dritte im Bunde, Chris Bosh, hat unterdessen 2013/14 seinem Spiel eine weitere Waffe hinzugefügt. Während Bosh über die Finals 2013 insgesamt 5 Dreier nahm (und keinen davon traf), nimmt er in den Playoffs bisher 4.1 Dreier pro Spiel und trifft 41% davon. Beide Umstände dürfte es Miami ungleich leichter machen, die Defense der Spurs erfolgreich zu attackieren, vorzugsweise per Drives von James und Wade.

Dies wird auch dringend nötig sein, denn Mike Miller wird Miami fehlen. Letztes Jahr noch kurzfristig für Udonis Haslem in die erste Fünf befördert, wurde der Scharfschütze nach seinem unfreiwilligen Abgang eigentlich nie ersetzt. Battier ist, wie bereits letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt, kein fester Bestandteil der Rotation mehr. Der Ersatz kam trotzdem aus dem vorhandenen Kader heraus, nämlich Rashard Lewis, der die letztjährigen Finals nur zur Garbagetime kennenlernte. Lewis ist zwar nicht ganz so tödlich von Downtown wie Miller, hat sich jedoch in den ECF einen Spot in der Starting Five erspielt. Seine Kombination aus ordentlicher Defense und Spacing stellte die überraschten Pacers vor Probleme, mit denen sich auch die Spurs nicht leicht tun werden, denn er kann Big Men annehmbar in Schach halten und zieht diese durch seinen immer noch soliden Wurf in der Offense bis zur Dreierlinie hinaus. Das Plus an Defense könnte das Minus an Treffsicherheit gegenüber Miller sogar wett machen.

Mario Chalmers spielt bislang in den Playoffs ähnlich unzuverlässig wie in den Finals letztes Jahr, doch mit Norris Cole steht mittlerweile ein mehr als brauchbarer Backup bereit, der Chalmers gar – je nach Tagesform – Spielzeit in der Crunchtime klaut. Zudem ist er in der Defense eine Pest gegen gegnerische Point Guards und könnte Tony Parker das Leben schwer machen, während er sich offensiv auf wenige Drives und vor allem den Dreier aus der Ecke beschränkt.

Auch wenn die älteren Spieler der Heat natürlich nicht jünger wurden und die Neuzugänge Oden und Beasley in diesen Playoffs bisher keine Rolle spielten und auch in den Finals wohl keine spielen werden, ist das Team der Heat 2014 gegenüber 2013 nicht unbedingt schlechter geworden. Auch psychologisch hat Miami einen Vorteil, den sie vor einem Jahr freilich noch nicht haben konnten: Sie haben diese Spurs bereits geschlagen. Been there, done that. So dürfte es sich wesentlich selbstbewusster aufspielen lassen.

Sweet Revenge?

Doch auch bei den Spurs hat sich nicht wenig getan. Aus den Reihen ihres bereits vorhandenen Kaders drängten sich Spieler für größere Rollen als noch 2013 auf. Patty Mills spielte, wie Lewis, vor einem Jahr nur, wenn die Partie bereits gelaufen war. Dieses Jahr ist er eine potente Option hinter Tony Parker. Zusammen mit Neuzugang Marco Belinelli bildet Mills ein deutliches Upgrade gegenüber Gary Neal, der im Prinzip mit Manu Ginobili die Guard-Rotation der Spurs abrundete. Auch Diaw, der im Vorjahr erst im Laufe der Serie immer mehr eingesetzt wurde und vor allem defensiv gegen James Akzente setzte, ist nun mehr eingebunden. Dazu machten die jüngeren Starter Green, Leonard und Splitter einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung.

Insgesamt zeigen sich die Spurs 2014 verbessert und tiefer als noch 2013. Auch das „neue alte“ Format der Finals, welches von 2-3-2 Heim-/Auswärtsspielen auf die regulären 2-2-1-1-1 zurückgesetzt wurde, spielt San Antonio in die Karten. Bisher waren die drei Heimspiele in Folge immer von Vorteil für das Team mit der schlechteren Bilanz gewesen. Diesen Vorteil hat Miami nun nicht, denn dieses Jahr hat San Antonio den Heimvorteil und somit jetzt auch drei der ersten fünf Spiele in der eigenen Arena. Und natürlich ist San Antonio nach der knappen Niederlage jetzt extrem motiviert, sich endlich zu holen, was schon Ihres schien.

Von Big Balls und Small Ball

Wie auch im letzten Jahr werden die Heat viel auf Smallball zurückgreifen (müssen), um die Spurs aus dem Konzept zu bringen. Die Spurs spielen traditionell mit zwei Big Men, entweder mit Duncan/Splitter, oder mit Duncan und einem Stretch-Four, also Diaw oder Bonner (wie zuletzt gegen OKC). In den Finals 2013 ließ sich Popovich jedoch dazu hinreißen, von seinem altbewährten Kurs abzuweichen und ebenfalls klein zu spielen, nachdem Spoelstra Eier zeigte und Haslem durch Miller ersetzte. So wurde Leonard auf die Vier geschoben und Ginobili rückte in die erste Fünf nach – mit dem bekannten Ausgang für die Heat.
Mit Bosh als Dreierschützen und Lewis als weiteren Stretch Big sind die Vorzeichen ähnlich wie damals mit Miller als Starter. Der Haken: Coach Pop weiß das und wird sich sicher seine Gedanken dazu gemacht haben. Potente Flügel haben die Spurs genug in ihren Reihen, doch wird Splitter abermals zu Duncans Backup degradiert? Auch super-small Lineups mit jeweils zwei nominellen Point Guards (Chalmers/Cole und Parker/Mills) sind von beiden Seiten aus denkbar. Drei Guards (PG/Allen/Wade) plus James und Bosh sind für Miami mittlerweile sowieso Standard geworden. Die Bretter verliert Miami so voraussichtlich, doch das ist ebenfalls nicht Neues mehr. Der springende Punkt wird sein, ob die Vorteile defensiv und vor allem offensiv insgesamt trotzdem überwiegen, falls Pop weiterhin groß spielt.

Man darf gespannt sein, wer im Coaching-Schach klüger zieht und wie es die Spieler 2014 umsetzen, nachdem die Finals 2013 höchste Basketballunterhaltung waren.

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