Draftprofile 2014

Tyler Ennis

Syracuse University
Zum Start der Saison 2013/14 wurde praktisch nur über die Riege der „Super-Freshmen“ geredet. Wiggins, Randle, Gordon, die Harrisons & Co. dominierten die Schlagzeilen des College Basketballs. Tyler Ennis hatte eigentlich niemand so richtig auf dem Zettel stehen. Warum auch? Der kanadische Point Guard war High School Spieler des Jahres in New Jersey, hatte aber eine große Rolle im System von Syracuse Orange Head Coach Jim Boeheim zu füllen. Nach diversen Abgängen sollte Ennis als Starter den Posten des Aufbauspielers übernehmen und somit Lottery Pick Michael Carter-Williams ablösen. Alles andere als eine einfach Aufgabe. Trotz vielen kritischen Stimmen vor der Spielzeit ging es aber schnell nicht mehr um die sich schwertuenden Neulinge in Kansas und Kentucky, sondern um einen Point Guard, der so überhaupt nicht spielt wie ein Neuling. Es waren nicht die Stats (12,9 PPG, 5,5 APG und 2,1 SPG) und auch nicht die Statur (Größe:6’2), die für die Begeisterung sorgten. Viel mehr überzeugte die Ruhe und Abgezocktheit, welche in dieser Form sehr selten ist. Ennis wurde schnell für seine Crunchtime-Fähigkeiten bekannt, mit denen er sich dann auch endgültig in der Syracuse-Historie manifestierte.

Draftprofil

nopictureName: Tyler Ennis

Position: Guard

[xrr rating=2/4]  (Starter)

College: Syracuse University

College-Erfahrung: Freshman

Zum Start der Saison 2013/14 wurde praktisch nur über die Riege der „Super-Freshmen“ geredet. Wiggins, Randle, Gordon, die Harrisons & Co. dominierten die Schlagzeilen des College Basketballs. Tyler Ennis hatte eigentlich niemand so richtig auf dem Zettel stehen. Warum auch? Der kanadische Point Guard war High School Spieler des Jahres in New Jersey und führte danach die kanadische U19 bei der WM in Prag an. Dort musste er sich gegen eine starke Konkurrenz (Aaron Gordon, Dante Exum, Marcus Smart, usw.) beweisen und war mit 20.9 Punkten pro Spiel Topscorer des Turniers. Insbesondere in der Partie gegen China deutete er mit 42 Punkten sein Potential an. Im System von Syracuse Orange Head Coach Jim Boeheim hatte er aber eine große Rolle zu füllen. Nach diversen Abgängen sollte Ennis als Starter den Posten des Aufbauspielers übernehmen und somit Lottery Pick Michael Carter-Williams ablösen. Alles andere als eine einfach Aufgabe. Trotz der vielen kritischen Stimmen vor der Spielzeit ging es aber schnell nicht mehr um die sich schwertuenden Neulinge in Kansas und Kentucky, sondern um einen Point Guard, der so überhaupt nicht spielt wie ein Neuling. Es waren nicht die Stats (12,9 PPG, 5,5 APG und 2,1 SPG) und auch nicht die Statur (Größe:6’2), die für die Begeisterung sorgten. Viel mehr überzeugte die Ruhe und Abgezocktheit, welche in dieser Form sehr selten ist. Ennis wurde schnell für seine Crunchtime-Fähigkeiten bekannt, mit denen er sich dann auch endgültig in der Syracuse-Historie manifestierte.

Obwohl ihm der Einzug in das Final Four des NCAA Tournaments verwehrt blieb, lieferte er eine sensationelle Saison ab, in der er die Orange zwischenzeitlich zu einer 25-0 Bilanz führte. Im Duell der dritten Turnierrunde gegen Dayton war es wieder Ennis, der zum Schluss das Spiel spannend hielt. Am Ende stand er dann aber trotzdem als tragischer Held da.

Tools und Skills

Was bekommt man, wenn man Tyler Ennis draftet? Vor allem wird man einen der wenigen „echten“ Point Guards der Liga in seiner Franchise haben. Er baut das Spiel auf, er leitet es und zieht die Fäden im Hintergrund. Ennis ist selten spektakulär und sein Highlight-Reel wird sicherlich selten für Aufsehen sorgen. Solche Dinge sind aber auch zweitrangig.

Es ist passend, in verschiedenen Situationen im Spiel auf das Gesicht des Kanadiers zu achten. Man sieht kaum eine Regung. Immer der gleiche langweilige Blick. Jedoch hat man nie das Gefühl, dass er Dinge auf dem Platz verschläft oder mental hinterher hängt. Weder als College-Freshman noch als NBA-Rookie sind Ruhe und Abgezocktheit häufig gesehene Eigenschaften eines Spielers. Es hilft aber natürlich insbesondere einem Point Guard immer eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen. Das sind seine vielleicht wichtigsten Charakteristika, denn es wirkt sich auch auf sein Spiel aus. Nur 11,9 Prozent seiner Plays enden in einem Ballverlust, ein hervorragender Wert für einen Point Guard. Kontrolle ist das Stichwort. Es passiert sehr selten, dass der 19-Jährige diese verliert und überfordert wirkt. Ein enorm gutes Spielverständnis spielt da selbstredend eine große Rolle. Ennis war als rechte Hand des Coaches auf dem Feld und hat zur richtigen Zeit die richtigen Dinge getan. Das heißt aber auch, dass er sich selbst oftmals zurücknimmt und Verantwortung abgibt, wo es angemessen ist.

Als Passer hilft ihm seine Standing Reach sehr. Zwar ist seine Größe „nur“ oberer Durchschnitt, die Standing Reach von 8’2 ist aber überdurchschnittlich. Gepaart mit einer hervorragenden Court Vision und gutem Ballhandling, ergibt sich ein aufregendes Bild, was jeder Coach gerne in seinem Team sieht. Drive & Kick und Drive & Dish gehören zu seiner Stärke, Post-Entries stellen ebenfalls kein Problem dar. Wichtig sind in der NBA jedoch auch die Fähigkeiten in Transition und beim Pick & Roll. Aber auch hier macht Ennis eine gute Figur. Vor allem das Pick & Roll nutzte der Kanadier oft und überzeugte mit guten Entscheidungen, sowie sicheren Pässen.

Besonders überzeugend ist sein Stand im sogenannten Pure Point Rating. Dieses Rating soll die reinen Point Guard-Fähigkeiten darstellen und eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen Aufbauspielern herstellen. Mit einem Wert von 5.38 belegt Ennis damit den ersten Platz in der diesjährigen Draft Class. Der nächste Einser ist mit 3.6 weit entfernt. Eine weitere Statistik demonstriert das Ausmaß seines Ratings noch einmal besser: In den letzten 13 Jahren haben nur fünf andere Draftees ein besseres Pure Point Rating aufweisen können!

Auch wenn es nicht unbedingt einhergeht, implementiert der Begriff „Pure Point Guard“ in dem Fall Tyler Ennis nicht die Stärke als Scorer. Das soll nicht heißen, dass er in diesem Bereich komplett unbrauchbar ist, doch es gibt offensichtliche Schwächen. Nur 38,1 Prozent der Würfe nimmt er in Korbnähe und das hat auch seine Gründe. 54,7 Prozent Wurfquote ist in diesem Bereich unterdurchschnittlich. Dementsprechend spricht es für Ennis, dass er dort nicht so viele Würfe nimmt. Er muss aber natürlich daran arbeiten, da es gegen bessere Konkurrenz nicht unbedingt einfacher wird. Wenn man sich nur Layups und Floater anschaut, sinkt die Trefferquote sogar noch einmal.

Der Sprungwurf ist zwar auch keine Waffe, weist jedoch einiges an Potential auf. Sowohl Wurfbasis, als auch –form sehen gut aus und 35,3 Prozent aus der Distanz sind durchaus annehmbar. Allerdings stellte der Dreipunktewurf auch nur 24 Prozent seiner Würfe dar (2.8 3PA per 40 mins). Er hat definitiv bewiesen, dass er vom Perimeter aus scoren kann (sechs Spiele mit mind. zwei getroffenen Dreiern), zum Begriff „Shooter“ ist es aber noch ein weiter Weg.

Beim Zug zum Korb spielt ein anderer Aspekt eine entscheidende Rolle, die ihn negativ beeinträchtigt: Die Athletik. Die schwachen Quoten in Korbnähe sind vor allem ein Resultat der sehr durchschnittlichen Sprungkraft. Das führt zu einem konstanten Abschluss unter Ringniveau. Zwar ist er durchaus agil und flink auf den Beinen, in der Vertikalen hat er aber in den meisten Duellen das Nachsehen. Überraschenderweise ist der Max Vert-Wert von Ennis beim Draft Combine sogar höher gewesen, als der von Elfrid Payton. Dieser spielt mit seiner guten Athletik aber konstant auf Ringniveau. Beim Scoring wird die Entwicklung seines Sprungwurfes sehr wichtig sein. Wenn er diesen auf ein Niveau um die 40 Prozent anheben kann, sollten sich die Probleme deutlich einfacher lösen lassen. Problematisch wird es jedoch, wenn das nicht der Fall sein sollte. Die, nach den Combine-Werten, vorhandene Sprungkraft muss besser von ihm genutzt und der Abschluss in Ringnähe sicherer werden.

Beim Kreieren von Würfen konzentriert sich Ennis am liebsten auf seine Teamkollegen. Wenn es jedoch notwendig ist, kann er das aber auch bei seinem eigenen Wurf. Allgemein muss er aber auch hier noch viel Arbeit reinstecken, um in der NBA als potenter Scorer zu gelten.

Um die Freiwürfe muss man sich bei ihm jedoch weniger Sorgen machen. 76 Prozent von der Freiwurflinie sind solide. Speziell in der Schlussphase war es oftmals Ennis der gefoult wurde und die Kontrahenten bestrafte. Auf 40 Minuten gerechnet stand er dann aber doch nur 5,4 Mal an der Linie. Um dies zu verbessern, muss er körperlich definitiv stärker und robuster werden.

 

Wie für alle Syracuse Orange-Prospects stellt der Sprung in die NBA eine Umstellung in der Defense dar. Die Orange zelebrieren die legendäre 2-3 Zone von Jim Boeheim, als Vorbereitung für das nächste Level ist sie aber nicht ideal. Mit der bereits erwähnten Athletik-Problematik kommen noch weitere Aspekte hinzu, die nicht förderlich sind. Positiv fallen hingegen seine Fähigkeiten als Balldieb auf. Mit 2.1 Steals pro Partie führte er die ACC an.

Die Zonenverteidigung passt sicherlich besser zum Skillset von Ennis. Wenn er als on-ball Verteidiger agiert, werden die Probleme zur Geltung kommen. Das Pre-Draft Combine sollte ihn an dieser Stelle aber etwas entlasten. Die Measurements sind für einen Point Guard sehr gut und die langen Arme werden der fehlenden Athletik etwas entgegenwirken. Auch die Instinkte sind definitiv da. Hinzu kommt sein Spielverständnis, welches auch defensiv ein wichtiger Faktor ist. Trotz alledem wird Ennis hart arbeiten müssen, damit er sich in einen ordentlichen Verteidiger entwickelt.

Im Endeffekt hat der Point Guard sicherlich Schwächen, die ihn in seiner NBA Karriere konstant daran hindern werden, zu einem kompletten Spieler zu werden. Die Fähigkeit, am Ende des Spiels die Kontrolle zu behalten und wichtige (Frei-) Würfe zu treffen, kann ihn aber trotzdem zu einem wichtigen Akteur machen. Außerdem gibt es nur sehr selten Spieler, die es schaffen, einen solch guten Mix aus Passen, Kreieren und Scoren zu finden. Alleine diese Tatsache stärkt seine Berechtigung auf ein langes, erfolgreiches Dasein in der Liga.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Point_Combo_Guards

Spielervergleich

Natürlich muss man bei Spielervergleichen grundsätzlich sehr vorsichtig sein und ganz besonders auf das Ceiling eines jeden Spielers achten. Doch auch wenn es vielleicht nicht zu einer ganz so großen Karriere reicht, ähnelt Ennis von seinen Stärken, Schwächen und der Spielweise Tony Parker. Es wäre jetzt natürlich vermessen, zu sagen, dass er die Karriere des Finals MVP haben wird, von der Basis als Spieler haben sie jedoch eine Menge gemeinsam.

Einzelne Elemente des Spiels lassen sich auch mit einem Guard wie Kendall Marshall vergleichen, der ebenfalls als First Pass Point Guard agiert, nicht auf seine Athletik baut und beim Eintritt in die Liga nur ein durchschnittlicher Schütze war.

Im Combine Interview brachte Ennis ebenfalls den Vergleich mit Tony Parker auf, fügte aber hinzu, dass der Franzose mehr Scoring mitbringt. Die Kontrolle, die der mehrfache All Star und der zukünftige Rookie mitbringen, macht den Vergleich aber möglich.

Draftaussichten

Tyler Ennis hat sich innerhalb eines Jahres von einem No-Name zum vermeintlichen Lottery Pick hochgearbeitet. Es besteht sogar eine Chance, dass er von einem Team in der Top 10 gedraftet wird. Zwar ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass er weit fällt, sicher ist eine Platzierung in der Lottery aber natürlich auch nicht. Die Tatsache, dass bereits viele talentierte Point Guards in der Liga aktiv sind und die Position mit am tiefsten besetzt ist, hilft ihm nicht.

Das Team, das ihn draftet, kann damit rechnen, einen guten, sicheren Point Guard vom ersten Tag zu bekommen. Ennis ist nicht der Typ Spieler, dem man ein „Redshirt“-Jahr einräumen muss. Dies liegt aber teilweise auch an seinem Alter. Als Freshman war der im August 94 geborene Ennis bereits so alt wie Sophomore Gary Harris. Noah Vonleh und Aaron Gordon sind sogar ein gesamtes Jahr jünger. Das wird seinem Draft Stock nicht verbessern, ist in dem Alter aber noch kein extremer Nachteil.

Das Combine-Interview hat die vielleicht größte Stärke noch mal deutlich gemacht. Die sehr reife Art auf und neben dem Spielfeld wird ihm das Leben in der NBA erleichtern. Leaderfähigkeiten sind als Point Guard unabdinglich und nur selten gibt es Spieler, die den klassischen Playmaker in dieser Form verkörpern wie Tyler Ennis. Nicht umsonst befand er sich konstant in unserem College Studs-Ranking und war der beste Spieler in einem der absoluten NCAA-Top Teams.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar