Draftprofile 2014

Jusuf Nurkić

KK Cedevita Zagreb, Adriatic League (Kroatien)

Datenblatt

https://www.go-to-guys.de/Wordpress/wp-content/uploads/2011/04/nopicture.pngName: Jusuf Nurkić

Position: Big

NBA-Potential: ★★☆☆   (Starter)

Team: KK Cedevita Zagreb (Adriatic League)

Pro-Erfahrung: 2 Jahre

nurk-saric-cap

Statistischer Vergleich von Jusuf Nurkic zu Clint Capela und Dario Saric in den nationalen Ligen (Adriatic League bzw. LNB French Pro A) sowie dem EuroCup

In seiner noch sehr jungen Karriere als Basketballer hat Jusuf Nurkic bereits einige Stationen durchlaufen und verschiedenste spielerische Level erlebt. Zielstrebig ergriff der Bosnier jede Gelegenheit, die sich ihm in den letzten viereinhalb Jahren bot, um in der Sphäre des europäischen Jugendbasketballs stetig aufzusteigen und seinen Namen in die Scoutingbücher auf diesem Kontinent sowie jenseits des Atlantiks zu platzieren.

Im Jahr 2009 kam Nurkic wie viele andere junge Bosnier, die Potential als zukünftige Basketballer hatten nach Slowenien, um dort ausgebildet zu werden. Seine Zeit beim slowenischen Erstligisten KK Zlatorag Laško sollte Nurkic später aufgrund mangelndem Vertrauens in sein Talent und fehlender Spielzeit als frustrierend bezeichnen. Nichtsdestotrotz machte er aufgrund seiner Kombination aus Physikalität und Mobilität schnell von sich reden, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch eher ein gut gehütetes Mysterium war.  Die steigende Neugier ermöglichte Anfang 2012 eine kurze Leihe zu Sloweniens Vorzeigeclub, KK Union Olimpija Ljublajana, um mit deren Jugendabteilung das Nike Invitational Junior Tournament am Rande der Euroleague zu spielen. Das erste Spiel reichte um den Grundstein für seine bisherige Karriere zu setzen, die bisher mit dem Status als Lottery Pick im tiefen Draft 2014 gekrönt wurde. Gegen die Jugend des serbischen Vereins KK Mega Vizura legte der damals 18-jährige 25 Punkte, 10 Rebounds, 7 Blocks, 3 Steals und 2 Assists in 34 Minuten auf. Ljubljana verlor, doch ein neuer Star war im Jugendzirkel geboren. NBA-Scouts merkten sich den Namen Nurkic vor, der Slowenien verließ um beim kroatischen Euroleague-Teilnehmer Cedevita Zagreb anzuheuern und zur bosnischen Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde.

Seine anfängliche Zeit bei Zagreb gestaltete sich aufgrund eines Rechtsstreits mit dem früheren Arbeitgeber Laško schwierig. Er stieß ohne Saisonvorbereitung einige Wochen verspätet zur Mannschaft und griff nur wenige Minuten, unter Anderem in der Euroleague ab, bevor an den kroatischen Mitstreiter in der Adriatic League, KK Zadar verliehen zu werden. Hier sammelte er hauptsächlich in der schwächeren kroatischen Liga Erfahrung. 2012 nahm er dazu an der U-18 Europameisterschaft der schwächeren B-Division teil, welche er gemeinsam mit den ebenfalls zum 2014er Draft angemeldeten Flügelspielern Adin Vrabac und Nedim Buza gewann. Auch hier präsentierte sich Nurkic eine Klasse besser als die gleichaltrige Konkurrenz: In 31 Minuten pro Spiel erzielte der Turnier-MVP 19,4 Punkte, 13,3 Rebounds, 2,3 Blocks und 1,9 Steals. In der einzigen Niederlage gegen die Finnen erzielte er bei nur 17 Würfen 34 Punkte und 20 Rebounds.

In der Saison 2013/14 stieß Nurkic letztendlich als vollwertiges Mitglied zum Kader Cedevitas, für den er in der Rolle der Abrissbirne von der Bank glänzte. Der Senkrechtstarter war unter allen (U-23-)Spielern in europäischen Top-Ligen* offensiv wie defensiv einer der produktivsten und effizientesten Per-Minute-Spieler, erzielte pro 30 Minuten durchschnittlich sogar ein Double-Double. Einzig er selber konnte sich stoppen: Foulprobleme und eventuelle Konditionsschwierigkeiten, die sich aus seiner energischen Spielweise ergeben zwangen ihn zu limitierter Einsatzzeit.

Tools & Skills

Physische Voraussetzungen – Nurkics physische Überlegenheit liegt in seiner Größe und dem Körperbau. Mit 6’11” und einer Armspannweite von 7’2″ besitzt er für die Centerposition ein gutes Maß, welches von imposanten 127 Kilogramm ausgefüllt wird. Von Vorteil um Position unter dem Korb, ob bei Post-Ups oder Rebounds, ist sein kräftiger Rumpf mit einem sehr weitem Becken. Dieses ist auf einem relativ niedrigen Körperschwerpunkt gesetzt, was es gegnerischen Spielern fast unmöglich macht, ihn von der Stelle zu bewegen. Einige Beobachter werden wahrscheinlich vor Nurkic kaum vorhandener Athletik zurückschrecken, die sich in erster Linie dadurch auszeichnet, dass Nurkic bei Sprungwürfen und Aktionen am Korb kaum vom Boden kommt. Beim Kampf um den Ball in Körperhöhe sowie bei der Körperbeherrschung in der Luft wirkt der Big manchmal geradezu tapsig. Nurkic macht dieses Defizit zum Teil durch seine Mobilität wett und ist sich nicht zu schade, sein Gewicht im Kampf um den Ball umherzuwerfen, manchmal in rücksichtsloser Manier, oft zum Leidwesen seiner Gegenspieler.

Offensive – Zunächst muss mit einem Mythos aufgeräumt werden, der immer noch in einigen Scoutingbeiträgen zu Nurkic zu finden ist: Jusuf Nurkic sei ein passabler Shooter. Dieses Gerücht hält sich seit seiner Coming-Out-Party, dem NIJT 2012, bei dem er 7 von 15 Dreier traf. Diese erfolgreiche Quote ist wohl auf die kleine Stichprobengröße zurückzuführen, denn Nurkic hat in seinen Stationen seit dem Turnier, ob in Kroatien oder für Bosnien kaum Vertrauen in den Distanzwurf gezeigt und die wenigen genommen Versuche selten getroffen. Auch in den für dieses Profil vorliegenden Spielen sahen die wenigen Würfe außerhalb der Zone zögerlich, ohne besonders gute Form oder guten Touch aus. Nurkic ist bei hohem Volumen zumindest ein solider Freiwurfschütze.

Trotz der Wurfschwäche ist Nurkic offensiv eine Gewalt, die kaum zu bremsen war. Würfe bereitet er für sich selber eher selten konventionell selber vor. Seine Post-Moves wirken roh, wild und erinnern in ihrer Fundamentalsschwäche an die von Puristen oft gescholtenen Post-Ups von Blake Griffin. Auch wenn Nurkic von Griffins Athletik nur träumen kann, sind seine ähnlich rabiaten und nicht besonders ästhetischen Moves eine effektive Waffe. Besonders gefährlich ist Nurkic als Roll-Man und im Verwerten von offensiven Rebounds. Er weiß seinen breiten Hintern beim Stellen von Screens zu nutzen und setzt diese oft mit dem Rücken zum gescreenten Guard, um schneller zum Korb zu rollen. Oft hebt Nurkic beim Abrollen die Arme und meint sich freigelaufen zu haben, ohne es wirklich zu sein. Hat er jedoch eine Bahn zum Korb, versucht er stetig kraftvoll mit Dunk abzuschließen. Nurkic akkumuliert auch einen guten Teil seiner Punkte nach Offensivrebounds, indem er entweder schnell hochsteigt oder den Gegner zum Foulen zwingt. Unter allen U-23 Spielern in europäischen Top-Ligen hatte Nurkic 2013/14 die höchste Usage und war dazu extremst effizient:

highestusage

U-23 Spieler in europäischen Top-Ligen mit der höchsten Usage (zum Vergrößern klicken)

Nurkic ist am besten, wenn er schnelle Entscheidungen für den eigenen Abschluss trifft. Ob nach Offensivrebounds oder im Abrollen sucht er sofort den Weg zum Korb und hat damit meist Erfolg. Es fehlt ihm jedoch an Konter-Aktionen, wenn seine erste Option von der Verteidigung weggenommen wird. Oft versucht er gar nicht erst, seine Aktion abzubrechen und nach einer anderen Option zu suchen, einem Pass nach außen oder eben einer alternativen Aktion etwa. Stattdessen nimmt er den Wurf, den er gerade bekommt, die oft sehr wild aussehen. Robert Whites Scouting Video dokumentiert viele dieser Aktionen:

Nurkic zeigte dieses Jahr kaum Potential als Passer oder direkter Vorbereiter, schien in dieser Rolle aber auch nicht von Cedevita gefordert zu sein.

Jusuf Nurkic Activity Map
Stichprobengröße: 7 der 10 minutenreichsten Spiele Nurkics in der ABA
(Zum Vergrößern jeweils klicken)
Nurkic-Activityminuspass

Activity Map – Gesamt

Nurkic-Touches

Touches / Pässe empfangen

Nurkic-shotchart

Shot Chart

Nurkic-PostupvsDrive

Aktionen aus Post-Ups & Drives

Nurkic-passes-asts

Pässe & Assistgelegenheiten

Nurkic-ORB

Offensivrebounds

Defensive – Nurkics augenscheinlichster defensiver Skill ist derzeit wahrscheinlich das Hedging gegen Point Guards beim Pick-&-Roll. Cedevitas Spieler hedgen konsequent und Nurkic nutzt seine Länge bzw. “Breite” gut, um Guards den Weg abzuschneiden. Seine Mobilität hilft ihm auch hier., sodass er auch beim Recovern zu seinem Mann in den uns vorliegenden Spielen kaum Probleme hatte. Nurkic ist in diesem Bereich der Defense bereits so solide, dass er auch in der NBA bei schnelleren Guards eine gute Figur machen sollte.

Um nochmal auf Nurkics fehlende Athletik zurückzukommen und was sie für seine Zukunft in der NBA bedeuten oder nicht bedeuten mag: Gute athletische Werte sind ein Fingerzeig für Potential, doch letztendlich stellt sich die Frage, ob ein Spieler seine Athletik auch im Spiel nutzen kann bzw. mangelnde Athletik anderweitig ausgleichen kann. Auch wenn Nurkic mit seinen Werten bei der Combine nicht geglänzt hätte, verfügt er defensiv über genügend Sachverstand und weiß seinen Körperbau zu nutzen, um eine hohe Zahl an defensiven “Plays” zu verursachen, ob Steals, Blocks oder Rebounds, die so manch athletischerer oder größerer Spieler nicht vermag. Hierbei gehörte Nurkic 2013/14 zu den besten jungen Spielern in Europa:

stlsblksper30

U-23 Spieler in Europa*, die pro 30 Minuten die meisten Steals und Blocks sammeln.

Obwohl Nurkic gegenüber anderen Draft-Kandidaten wie Kristaps Porzingis, Clint Capela, Walter Tavares und Moussa Diagne athletisch das Nachsehen hat, konnte er in defensiven Plays mithalten. Eine Kehrseite der Medaille ist, dass Nurkic seine Athletik manchmal zu überschätzen scheint und es ihm bei Blockversuchen an Körperbeherrschung fehlt, weswegen er viele Fouls gegen Spieler begeht, die zum Dunk oder Korbleger hochsteigen.

Generell ist Nurkics wilde, sich herumwerfende Spielweise, die ihn so produktiv macht gleichzeitig der Grund, warum er nur knapp 17 Minuten pro Spiel auf dem Feld stand bzw. die Quelle seiner Probleme. Nurkic lässt den Gegner seine Präsenz ständig spüren – auch off-the-ball beim Ausboxen, dem Kampf um Position oder wenn er in der Defensive seinen eigentlich Gegenspieler im Post nach einem Hedge gegen den Guard anstößt: Gegen Nurkic spielen tut weh. Verteidigt er im Post-Up und gegen Drives diszipliniert, ohne auf den Highlight-Block oder den Steal zu gehen, macht er sich als Hindernis bereits recht gut. Nurkic extrem physische Spielweise macht ihn in erster Linie jedoch für Fouls nach Reach-Ins, missglückten Blockversuchen oder Charges anfällig, was 5,8 Fouls pro 30 Minuten bestätigen. Dazu bietet seine Spielweise sehr viel Energie auf, was die Frage aufwirft, ob er bei diesem Körper und dem Einsatz auch über 30 Minuten ähnlich produktiv sein kann.

 

Spielervergleich

Jusuf Nurkic ist ein eigenartiger Spieler, für den sich nur schwer Vergleiche finden lassen. Die Statur erinnert ein wenig an Nikola Pekovic, doch der Montenegriner verfügt über bessere Post-Moves, die er über sehr viel bessere Positionierung und Abschottung des Gegenspielers davor vorbereitet. Pekovic war jedoch während seiner Zeit bei Partizan Belgrad nicht so produktiv wie Nurkic und zeigte trotz guter Mobilität bei unterdurchschnittlicher Athletik nicht das gleiche defensive Potential. Ein weiterer Vergleich, DeMarcus Cousins legte zu seiner Collegezeit ähnliche Per-30-Werte wie Nurkic auf. Auch dies scheint ein problematischer Vergleich zu sein, da Nurkic zwar überraschend gut Breaks selber laufen kann, aber weder das Ballhandling noch die Vision von DeMarcus Cousins zeigt. Spieler in der Rolle, die Nurkic dieses Jahr verkörperte – Two-Way Hustle-Guy, der von der Bank eine extrem hohe Usage schultern können – gibt es wahrscheinlich einfach selten. Es bleibt auch die Frage, wie Nurkic seine Rolle in einer stärkeren Liga gestaltet. Die Do-Shit-Mikrowelle in eher limitierten Minuten von der Bank scheint schon fast der spielerische “Floor” für ihn zu sein, wenn er sich denn damit begnügt. Aus Mangel an guten Alternativen ist der beste Vergleich vielleicht der Tasmanische Teufel, der ja immerhin in Space Jam mit Basketball in Berührung kam.

Draftaussichten

Die Top Drei der europäischen Talente in dieser Draft ist eine interessante Mischung. Dario Saric ist das goldene Kind, dass sich nach einem unglücklichen Jahr rehabilitierte und in großer Rolle als MVP eine Meisterschaft holte, jedoch weiterhin von Transition-Zweifeln geplagt wird. Clint Capela ist der Sleeper-Kandidat vieler statistischer Modelle, der keine Basketball-Ästheten von sich überzeugen wird, jedoch bei gestiegenen Minuten seine Produktivität ohne Foulprobleme in der nationalen Liga sowie dem internationalen Wettbewerb beibehielt, dazu über hervorragende physische Eigenschaften verfügt. Nimmt man Stichprobengröße außer Acht, war Jusuf Nurkic zweifelsohne der produktivste Spieler dieser Gruppe, doch die schwache Stichprobengröße beruht eben auf der Spielweise, die ihn so produktiv machte. Bei seinem Alter und der erbrachten Produktion sollte Nurkic ein Lottery Pick werden. Doch die Frage, inwieweit der Spagat zwischen einer moderateren Spielweise und einem eventuell fitteren Körper bei ähnlich hoher Effizienz und Produktion gelingt.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar