Draftprofile 2014

Gary Harris

Michigan State University

Datenblatt

Name: Gary Harris

Position: Wing

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: Michigan State University

College-Erfahrung: Sophomore

Viele kennen die Geschichte der überraschenden College-Rückkehr von Marcus Smart. Als Freshman-Point Guard überzeugte er in seinem ersten Jahr für die Oklahoma State Cowboys vollends und entschied sich trotz einer sicheren Top 5-Position in der Draft 2013 und entgegen aller Expertenmeinungen gegen die NBA und für ein weiteres Jahr in der NCAA. Dass aber auch andere Spieler eine ähnliche Entscheidung trafen, ist den wenigsten Fans bekannt. Ein weiteres Beispiel für eine solche unkonventionelle Vorgehensweise ist Michigan State-Spieler Gary Harris. Ebenfalls als Freshman sein erstes Jahr in einem College-Team, katapultierte der bei ESPN als High School Recruit nur einen Platz hinter Smart gehandelte Guard, spätestens mit seinen 5 getroffenen Dreiern im direkten Duell gegen Victor Oladipo im Januar 2013 seinen Namen in Erstrunden-Draft-Gespräche. Ein Platz in der Lottery wäre angesichts der schwachen Konkurrenz wohl sehr wahrscheinlich gewesen. Doch Harris entschied sich ähnlich wie Smart damals gegen das schnelle Geld und für ein weiteres Jahr College-Erfahrung. Nach einem schmerzhaften Sweet Sixteen-Aus gegen Duke 2013, bei dem er nur zwei seiner elf Würfe aus dem Feld traf, wollte Harris gemeinsam mit der starken 2014er Spartans-Senior-Class um Keith Appling und Adreian Payne erneuten Anlauf auf einen tiefen Tournament-Run nehmen. Er wurde mit dem Erreichen eines Elite Eights belohnt und wird nun mit 12 Monaten Verspätungen seinen Weg in die NBA finden.

Tools & Skills

Mit einer Körpergröße von 6‘4‘‘ und einer Armspannweite von 6‘6,75‘‘ hat Gary Harris für einen NBA-Shooting Guard nur sehr durchschnittliche physische Tools. Der Spartan weiß allerdings diese manchmal fehlenden Zentimeter mit seinem sehr austrainierten Körper wettzumachen. Seine 205 Pfund Körpergewicht weisen ihn derzeit beispielsweise rund fünf Kilogramm schwerer aus als den circa zehn Zentimeter größeren Small Forward Andrew Wiggins. Das Spiel des ehemaligen McDonalds All-American Harris baut sich, wie es sich für einen Zweier der alten Schule gehört, rund um seinen sehr schön anzusehenden Sprungwurf auf. Auch wenn sich seine Quoten und seine Shotselection durch die größer gewordene Rolle im Team von Michigan State etwas verschlechter haben, muss der Big Ten Freshman of the Year 2013 noch immer als sehr starker Schütze bezeichnet werden. Rund die Hälfte seiner Würfe am College nahm er aus der Dreierdistanz und verwandelte gute 38% dieser. In Conference-Spielen waren es starke 42 3P%. Dabei ist es ihm nahezu egal aus welcher Situation er seinen Wurf bekommt. Sowohl aus dem Dribbling (0,98 PPP) als auch per Catch’n’Shoot (1,14 PPP) weiß der Guard den Ball im Korb unterzubringen. Besondere Arbeit hat Harris in der Offseason wohl in die Arbeit abseits des Balles gesteckt. Er nutzt nun für ihn gestellte Screens öfter und hat dies als neue Facette in sein Spiel eingebaut. Punkte nach durch ihn gelaufene Curls oder Flares machten in der vergangenen Spielzeit rund 20% seines offensiven Outputs aus.

Aber auch als Slasher hat Harris durchaus einiges Potential. Hat er einmal den Weg zum Korb gefunden, ist er durch seine Physis nur von wenigen Verteidigern noch zu stoppen und kann mit Highlightplays für Aufruhr sorgen. Besonders im Fast Break kann er hier viele körperliche Vorteile in leiche Punkte ummünzen. Ansonsten zeichnet Harris offensiv vor allem aus, dass er ein Low-Risk-Player und keiner der von Bill Simmons und Jalen Rose oft beschworenen „heat check guys“ ist. Dies dürfte alle Coaches freuen. Harris mutiert nach getroffenen Würfen nicht zum wilden, gewissenlosen Chucker, sondern bleibt im Angriffssystem und zeichnet sich zusätzlich oft als extrem uneigennützig aus (2,7 ApG / 1,7 TOpG).
Darüber hinaus ist Harris ein echter „two way player“. Seine Mischung aus Physis, Geschwindigkeit und vor allem auch Einstellung zur Arbeit in der Defense sollten ihm auch in der NBA die Möglichkeit dazu geben beide Guard-Positionen überdurchschnittlich zu verteidigen. Unter Tom Izzo, einem der besten Defensivcoaches der NCAA, hat der Hustler Harris gelernt „on ball“ viel Druck auszuüben ohne dabei den eigenen Gegenspieler vorbeizulassen, gute Close-Outs zu laufen und klug im Teamverband zu agieren. Abseits des Balles helfen dem ehemaligen High School-Star seine Football-Instinkte rund um das Antizipieren von Passwegen zu einem Playmaker zu werden (1,8 SpG). Ein für einen Guard solides Rebounding runden Harris‘ starkes Spiel auf dieser Seite des Feldes ab (2,9 DRpG bei 10 DRB%). Ihn wird auf allerhöchstem Level allerdings zurückhalten, dass er sowohl handlingtechnisch als auch athletisch nur Durchschnitt sein wird.
Harris verfügt aus dem eigenen Dribblung heraus nur über wenige Moves. Zwar kann er über beide Seiten zum Korb ziehen, aber schafft es, wenn er in Bewegung ist, nur schwer noch einmal seine Richtung zu ändern (0,77 PPP aus Isolations). So fällt es ihm sogar aus dem Pick’n’Roll heraus recht schwer seinen eigenen Wurf zu kreieren und wählt hier meist die Option auf den abrollenden Blocksteller zu passen. Zudem fehlt es ihm an elitärer Athletik. Harris muss zwar aufgrund seiner Toughness und Robustheit als athletisch bezeichnet werden, dennoch fällt er nie als schnellster Spieler auf dem Parkett auf und ist auch nicht mit unglaublicher Sprungkraft gesegnet. Die dadurch verursachten Limitationen schlagen sich besonders in seinem oft zu zaghaften Zug zum Korb nieder. Oft zieht er seine Drives nicht bis zum Ende durch, weil er den Körperkontakt mit den verteidigenden Bigs scheut, sondern schließt per wackligem Floater ab. So zieht Harris angesichts seiner guten Treffsicherheit von der Linie viel zu wenige Freiwürfe (81 FT% aber nur 4,1 FTA). Noch öfter entscheidet er sich aber ganz gegen einen Drive und nimmt lieber den Sprungwurf. Nur 25% seiner Würfe nimmt der Spartan am Korb. Auch seine Abschlussquote ist am Ring mit 58% nur durchschnittlich gut. Harris wird an diesen beiden Baustellen arbeiten müssen, um später nicht als limitierter, reiner Werfer gelten zu müssen. Zeit hat er dafür noch recht viel. Trotz der Extra-Runde am College wird der Sophomore erst rund drei Monate nach der Draft seinen 20. Geburtstag feiern.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Wings

Spielervergleich

Gary Harris wird mit seiner guten Verteidigung und seinem Shooting ziemlich sicher ein wertvoller Rollenspieler sein, wie es Jared Dudley in Phoenix war. Auch eine Entwicklung zu einem soliden Starter ala Gerald Henderson sollte er mit seinen Voraussetzungen bewerkstelligen können. Ein Sprung zu einem der besseren Defensiv-Shooting Guards der Liga mit dennoch ordentlichem Offensiv-Output, wie es beispielsweise Wesley Matthews und Aaron Afflalo sind, scheint auch im Bereich des Möglichen, aber bedarf auch noch gehöriger Verbesserung in vielen Facetten seines Spiels.

Draftausblick

Die zwölf Monate zusätzliche NCAA-Erfahrung haben Harris’ Draftstock wohl nicht geschadet, aber auch nicht geholfen. Galt er schon im letzten Jahr in einer etwas schwächeren Draftklasse als etwas schlechterer Spieler als Lottery-Pick, so hat seine basketballerische Entwicklung lediglich dazu geführt, dass er auch in einer stärkeren Draft einen Platz unter den ersten 15 Picks innehaben sollte.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar