Gedanken, NBA, Oklahoma City Thunder

Search Ibaka?

Ist das Fehlen Ibakas das einzige Problem?

Die ersten beiden Spiele der Western Conference Finals sind gespielt und wenn man die Spiele kurz zusammenfassen will, muss man sagen: Die Oklahoma City Thunder haben ein Problem. Bevor wir aber mit der Kritik und den Schwierigkeiten der Thunder beginnen, gilt es eine Sache festzuhalten und hervorzuheben: Die Mannschaft spielt nicht gegen irgendein Team, sondern gegen das Uhrwerk aus San Antonio. Eine Mannschaft, die vom besten Trainer der NBA geleitet wird und durch die Konstanz im Kader Automatismen entwickeln konnte, die beim Basketball Gold wert sind. Da Bilder sprichwörtlich mehr sagen als Worte, kann man sich geschriebene Lobhudelei zu den Spurs sparen und den Lesern einfach das nachfolgende Video empfehlen, um der Stärke der Spurs – angetrieben von Tim Duncan, Tony Parker und Manu Ginobili  – Nachdruck zu verleihen:

Gegen diese Spurs zwei Auswärtsspiele hintereinander oder eine komplette Serie zu verlieren, ist keine Schande. Selbst der zweifache Meister aus Miami war in den vergangenen Finals einen Rebound davon entfernt, dasselbe zu erleben. Die beiden Spiele aber mit 17 bzw. 35 Punkten Unterschied zu verlieren – das dürften selbst die größten Spurs-Fans in dieser Form nicht erwartet haben.

Keine Starterlaubnis für Air Kongo

Das augenscheinliche Problem: das Fehlen von Serge Ibaka. Das verletzungsbedingte Fehlen vom besten Big Man der Thunder sollte auf keinen Fall unterschätzt werden, denn er gibt mit seinem Fähigkeiten Coach Scott Brooks ein Skill-Set, welches dieser derzeit schmerzlich vermisst: einen Two-Way-Player. Die Alternativen für den Spanier, die zur Verfügung stehen, haben allesamt große Defizite auf einer Seite des Feldes. Die Ersatzleute – Steven Adams, Nick Collison, Caron Butler, Perry Jones – können nicht zum einen die Zone verteidigen und im Angriff zeitgleich Freiräume für die beiden Superstars schaffen und für Entlastung sorgen. Die drei defensiv-orientierten Starter Kendrick Perkins, Thabo Sefolosha und Nick Collison bringen es auf neun Punkte. Gemeinsam. In zwei Spielen. Bei einer herausragenden Verteidigungsleistung wäre dies eventuell entschuldbar, allerdings war selbst diese Lineup teilweise anfällig für leichte Punkte der Spurs. Letzlich war es die Defense, die für die Niederlage in Spiel I gesorgt hat. Das ORtg von 111.1 lag leicht über dem Saisondurchschnitt der Thunder. Wenn man allerdings 122 Punkte bei einem ORtg von 129.0 kassiert, darf man sich über keine Niederlage wundern. Über die erste Niederlage hätte man mit dem Schwamm rüberwischen können. Aber was die Thunder in Spiel II boten, lässt sich nicht allein mit dem Fehlen von Ibaka erklären. In einem Spiel entblößte Popovich alle Schwächen der Thunder vor den Augen der Basketballwelt.

ibakarebound

You are the real MVP

Was sah man in diesem Spiel? Einen Coach, der viel probierte, aber absolut kein glückliches Händchen bewies. Einen MVP, der keine Anstalten machte, das Spiel an sich zu reißen. Die Frage, wer eigentlich das Alpha-Männchen im Kader der Thunder ist. Überforderte Rollenspieler. Das Fehlen von jeglichem Ball-Movement. All dies spiegelte sich im Endergebnis wieder. 77 Punkte bei einem ORtg von 83.0 erzielt, 112  Punkte bei einem ORtg von 120.7 kassiert.

Man könnte beim amtierenden Most Valuable Player beginnen. Dieser war nach dem Spiel selbstkritisch und nahm die Niederlage auf seine Kappe. Die seiner Ansicht nach größten Patzer listete er wie folgt auf:

I messed the game up at the end of the second quarter. I got hit on the screen and Danny Green got open for 3. I over-helped, and he got another 3 and then Ginobili hit a 3. All those plays were on me. It was my fault and I take full responsibility for it. Wish they wouldn’t have happened. I can’t get them back now, but I’ll take that one. As I said, we shouldn’t have been down that much at halftime, but I made three bonehead plays. – Kevin Durant

Fehler gehören zum Spiel und sind verzeihbar. Wenn man die Zuschauer allerdings nach Kevin Durant fragen würde, hätten wohl die wenigsten diese Szene im Sinn gehabt. Was viel stärker ins Auge und ins Gewicht fiel, war die Passivität, die er in Spiel II an den Tag gelegt hat (bspw. hatte er weniger Ballberührungen als Steven Adams und Reggie Jackson). Darf es sein, dass ein MVP in einem wichtigen Playoff-Spiel wirklich unauffällig bleibt? Wenn seine Mannschaft führt und seine Mitspieler einen guten Tag haben, ist es eine hervorragende Einstellungen, wenn sich ein Superstar auch zurücknehmen kann. Aber wenn die eigene Mannschaft eine Tracht Prügel einsteckt? Sind es nicht die Momente, wo ein Spieler mit diesem Kaliber es zumindest versuchen muss? Diesen Eindruck konnte man nicht gewinnen. Es war Russell Westbrook, der nicht aufgeben wollte, auch wenn es ihm nicht gelungen ist, wirklich positiven Einfluss zu nehmen, und er teilweise enorm schlechte Wurfentscheidungen – zwei Pullup-Dreier kurz hintereinander – traf. Den Effort konnte man ihm wie gewohnt auch gestern nicht absprechen. Durant allerdings schon.

Wenn man dem besten Spieler der Mannschaft in den Conference Finals in den Hintern treten muss, ist es nicht verwunderlich, dass der Coach bereits vor Ablauf des dritten Viertels die weiße Fahne hisste.

They gave up on the game pretty early. – Boris Diaw

Sind es bereits die ersten physischen und mentalen Ermüdungserscheinungen? Die Serien gegen die Memphis Grizzlies und die Los Angeles Clippers waren ziemlich aufreibend und könnten bereits Spuren hinterlassen haben. Allerdings sollte man Durant noch nicht abschreiben. Er hat eine Klasse, wie nur wenige Spieler vor ihm, und hatte schon einige ‘Bounce Back’-Spiele in seiner Karriere – und auch in diesen Playoffs, wenn man sich an die Serie gegen die Grizzlies erinnert. Selbst wenn er und seine Thunder die Serie nicht mehr drehen können, ist es jetzt seine Aufgabe der Leitwolf, das Alpha-Männchen, im Team zu sein – nicht Westbrooks. Als Außenstehender hat man zu oft den Eindruck, dass Westbrook diese Rolle ausfüllt. Dann ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser auf dem Court sein Standing einfordert und in zwei Playoffspielen hintereinander (wie in den Semi-Finals gegen die Clippers) die potentiell spielentscheidenden Dreier nimmt statt zum besten Spieler des Teams, der darüber hinaus die besseren Wurffähigkeiten hat, abzuspielen.

Brooks’ Glück im Unglück?

Könnte die Verletzung von Serge Ibaka zumindest für Coach Brooks positiv sein, um ein mögliches Ausscheiden letztlich damit zu erklären und sich zumindest eine weitere Saison den Job zu sichern? Möglicherweise. Es dürfte sicherlich davon abhängen, wie Sam Presti und das restliche Front-Office die Anpassungen von Brooks bewerten. Dies muss man dem Trainer der Thunder zumindest zugestehen: Er hat versucht, Wege zu finden. Durant als Fünfer, Perkins und Adams nebeneinander, verschiedene Lineups mit Jones. Jetzt hat er drei spielfreie Tage, um noch ein Ass aus dem Ärmel zu schütteln. Oder ist das Kind möglicherweise bereits in den Brunnen gefallen?

kevindurantshoutIn der regulären Saison reichen Durant und Westbrook quasi alleine, um 60 Siege zu holen. Machen viele Coaches den Fehler, bereits in der Saison den Output zu maximieren statt wie Popovich auch mal zu experimentieren – und nicht erst, wenn man durch Verletzungen dazu gezwungen ist? Wäre es sinnvoll gewesen, Spiele auch mal von Rollenspieler gewinnen zu lassen (mit dem Risiko, das Spiel zu verlieren) statt regelmäßig das Dynamic Duo zu beauftragen, das Eisen aus dem Feuer zu holen?
Ein Phil Jackson hat früher in Situationen, in denen die meisten Trainer eine Auszeit genommen hätten, keine Auszeit genommen, damit die Spieler selbst lernen und Erfahrung sammeln. Für die Thunder wäre es hinsichtlich des Ball-Movements von Vorteil gewesen. Die Bewegung abseits des Balles in kritischen Situationen ist teilweise grausam. Man ist gewohnt, dass Superman und Superman II das Ganze schon schaukeln. Wenn man keinen Helden hat, bleibt einem nicht anderes übrig als den Ball vernünftig laufen zu lassen, um zu guten Wurfoptionen zu kommen. Dies zu lernen, ist enorm wichtig. Wie es funktioniert, wird vor den Augen der Thunder von den Spurs zelebriert.

Ein anderer Punkt: Hätten man teilweise auch auf offensiven Output von Durant verzichten sollen und ihn öfter mit Big Men ringen lassen, damit er die defensive Spielweise eines Big Man noch stärker verinnerlicht? Mit dem Ausfall von Ibaka wäre es nun sehr hilfreich. Es wäre zudem weniger ermüdend, wenn es gewohnter wäre. Trotz der Minuten, die er auf der Vier eingesetzt wird, hat er verständlicherweise noch die Instinkte eines Flügelverteidigers.

Spiel III

Ob es kurzfristige Lösungen für diese Probleme gibt? Schwer zu sagen, dafür waren die Spurs bisher zu überlegen. Und ob man sich als NBA-Analyst einbilden sollte, Popovich auscoachen zu können? Vielleicht gelingt es Brooks, die Spurs zumindest etwas zu überraschen. Wenn man den Track-Record von Brooks kennt, ist es ziemlich unwahrscheinlich, aber man könnte probieren, mit einer angriffslustigen Lineup in das Spiel zu starten. Adams auf der Fünf, Durant und Butler auf dem Flügel sowie Derek Fisher und Russell Westbrook als Guards. In der Defense etwas variieren, mal eine Zone, mal eine Box-and-One gegen Danny Green. Es wäre ein Versuch, auch mal eine Führung herauszuspielen und die Spurs in eine bisher ungewohnte Situation zu bringen. Mit der Verletzung Ibakas und den zwei Spielen hat Brooks eigentlich die Möglichkeit für solch ein Experiment, aber vermutlich wird es nicht über das Herz bringen, Perkins nicht starten zu lassen.

Das dritte Spiel wird interessant. Insbesondere für Scott Brooks und Kevin Durant.

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1 comment

  1. Sebastian Hansen

    Jetzt ändert sich das ganze natürlich etwas, da Ibaka eventuell in Spiel 3 spielen kann…


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