Los Angeles Clippers, NBA, Oklahoma City Thunder, Playoffs 2014

Doc Rivers, what you have to do

Wie die Clippers in der Serie gegen die Thunder das Ruder noch rumreißen könnten

Die Serie zwischen den Los Angeles Clippers und den Oklahoma City Thunder ist eine Achterbahnfahrt, wie sie im Buche steht. Spiel 1 ging klar und verdient an Los Angeles, Spiel 2 an die Thunder. Spiel 3 war umkämpft, mit dem besseren Ende für das Team um Kevin Durant und Russell Westbrook. In Spiel 4 führten die Thunder im vierten Viertel bereits mit 16 Punkten, dominierten nach Belieben, doch ein epischer Zusammenbruch folgte, mit einem insgesamt unverdienten und sehr glücklichen Sieg für die Clippers. In der fünften Begegnung dann das umgekehrte Spiel: Clippers führten mit 13 Punkten, waren die klar bessere Mannschaft, doch kassierten in den letzten vier Minuten noch einen 17:3 Run, wobei die Thunder erheblich von den Schiedsrichtern profitierten.

Sicher ist, dass in dieser Serie zwei Teams auf Augenhöhe aufeinander treffen. Die Thunder erzielen gegen die Clippers durchschnittlich 113,5 Punkte pro 100 Ballbesitze, Clippers erzielen 113,7. Eigentlich führen die Thunder nur mit 3:2, weil sie ihre Runs zu den besseren Zeitpunkten hatten und an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Glück hatten. Es hätte genau so gut, 2:3, 4:1 oder 1:4 stehen können. Doch für die Clippers ist diese Serie noch lange nicht vorbei, denn die Thunder haben in den Playoffs schon gezeigt, dass sie verwundbar sind und Schwierigkeiten haben, Spiele und Serien nach Hause zu bringen. Das trifft zwar genauso auf die Clippers zu, allerdings kann sich das Blatt in den letzten Spielen wieder wenden. Voraussetzung dafür ist, dass Coach Doc Rivers die richtigen Schlüsse zieht und gegebenenfalls Veränderungen vornimmt.

Smallball der Thunder mit eigenem Smallball kontern

In Spiel 3 konnten die Thunder das Spiel im letzten Viertel durch einen 32:22 Schlussabschnitt drehen. Schlüssel für die Wende war die Smallball-Lineup der Thunder (Westbrook/Jackson/Butler/Durant/Ibaka), gegen die Doc Rivers mit seiner großen Aufstellung (Jordan/Griffin beide auf dem Feld) defensiv wenig ausrichten konnte, wodurch es ein Leichtes für die Thunder war, leichte Würfe zu kreieren. Exemplarisch dazu ein einfaches P&R Play, welches für die Thunder einen völlig freien Dreipunktewurf für Caron Butler in der rechten unteren Ecke kreierte:

Der Spielzug lief folgendermaßen ab: Serge Ibaka stellte für Kevin Durant einen Screen gegen Matt Barnes von der linken Seite. Kevin Durant nutzte diesen Screen, DeAndre Jordan rechnete damit und blieb nicht bei Serge Ibaka, sondern doppelte zusammen mit Matt Barnes den Superstar der Thunder. Ibaka rollte völlig alleine zum Korb ab, Blake Griffin musste sich Ibaka entgegenstellen, damit Ibaka nicht die leichten Punkte machen konnte und verließ somit seinen Gegenspieler Caron Butler. Kevin Durant sah Butler in der Ecke, spielte den diagonalen Pass und Butler versenkte den 3er.

Das Problem für die Clippers ist hier, dass sie Blake Griffin (oder DeAndre Jordan) gegen einen der Flügel/Guards der Thunder stellen müssen, da beide wohl kaum Kevin Durant selbst verteidigen können, wenn dieser offiziell Power Forward spielt.  Allerdings sind beide überhaupt nicht gewöhnt gegen Perimeter-Spieler zu verteidigen. Beide neigen dazu in der Zone zu bleiben, um die Drive-Spezialisten der Thunder (Westbrook, Jackson, Durant) einzuschränken. Das öffnet zwangsläufig Räume. Bis zu Spiel 4, als die Clippers bereits mit 16 Punkten im vierten Viertel zurücklagen, traute sich Doc Rivers jedoch nicht, DeAndre Jordan rauszunehmen und klein zu spielen, obwohl die defensiven Nachteile seiner Lineup offenkundig waren. Als er dann endlich den Wechsel vollzog, drehten die Clippers mit eigenem Smallball noch das Spiel.

Generell sollten Jordans Minuten in dieser Serie deandrejordanreduziert werden. Mit ihm auf Feld kassieren die Clippers knapp 118 Punkte pro 100 Ballbesitze und stehen bei -11,3 Netpoints. Natürlich kann Jordan für einige Highlight-Plays sorgen, doch hat er Probleme mit der richtigen defensiven Rotation und kann sein eigentlich gutes Offensivrebounding nur wenig gegen Perkins, Adams und Kevin Durant einbringen. So holt er in dieser Serie 7.7% der möglichen Offensivrebounds, was fast nur die Hälfte der Leistung aus der regulären Saison entspricht. Wenn dann noch das oben geschilderte Smallballproblem hinzu kommt, kann er seiner Mannschaft nicht mehr großartig helfen. Bedeutet also: Spielen die Thunder klein, muss Doc Rivers mit einer ebenfalls kleinen Aufstellung kontern, um die Mismatches auszugleichen.

Jamal Crawfords Rolle verkleinern, Redicks Rolle vergrößern

Jamal Crawford wurde in der regulären Saison zum besten 6th-Man der NBA gewählt. Dies ist bei durchschnittlich fast 19 Punkten pro Spiel und einer für ihn guten Effizienz keine echte Überraschung (vergleiche TS%, Offensivrating). Doch gegen die Thunder hat er Probleme, wie man anhand folgender Grafik sehen kann:

Die Thunder, vor allem Thabo Sefolosha, Reggie Jackson, Caron Butler und Derek Fisher, schaffen es nicht nur, dass Crawford deutlich mehr schlechte Würfe nimmt und seine Effizienz in den Keller stürzt; sie schaffen es auch, dass Crawford meint, es besonders forcieren zu müssen. Genau genommen schließt er von allen Clippers Spielern prozentual die meisten Angriffe ab, wenn er auf dem Feld ist – noch vor den eigentlichen Franchise Playern Blake Griffin oder Chris Paul. Das gilt inbesondere dann, wenn Caron Butler oder Derek Fisher ihn verteidigen, weil die Clippers meinen, dass diese Mismatches vorteilhaft für sie sind. Bislang konnte Crawford jedoch nicht zeigen, dass dem so ist. Überraschenderweise machte Doc Rivers bislang wenig Anstalten, die Scoring-Rolle von Jamal Crawford kleiner zu gestalten.

Etwas tragisch ist es deswegen, weil es auf Kosten der Touches jj-redickvon JJ Redick geht. Der Scharfschütze schließt deutlich weniger Angriffe ab und spielt weniger als noch in der regulären Saison, obwohl er auf dem Feld gegen die Thunder im Vergleich zu Crawford die bessere Leistung zeigt. Wieso Doc Rivers Crawford mehr als Redick vertraut, bleibt sein Geheimnis, auch weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass es die Thunder in der Regel darauf anlegen, dass ihre Gegner viele (freie) Dreier bekommen und nehmen dürfen. Redick wäre die beste Wahl, um OKC dafür zu bestrafen.

Die Spielzeit von Darren Collison verringern

Ein weiteres Problem ist die Zeit, in welcher Superstar Chris Paul auf der Bank Platz nimmt. So schneiden die Clippers mit Paul auf dem Feld mit +9,3 Netpoints pro 100 Ballbesitze ab; ohne ihn dominieren die Thunder nach Belieben. Bislang ist es Doc Rivers nicht gelungen, Runs der Thunder zu verhindern, wenn Paul mal eine Pause bekommt und sein Backup ist das Hauptproblem. Collison zählt bereits zu den schlechtesten Verteidigern seiner Position. Wenn er dann auch noch gegen die körperlich deutlich überlegenen Russell Westbrook und Reggie Jackson antreten muss, sieht das nicht besser aus. Die Clippers stehen mit ihm in der Serie bei -10,9 Punkte pro 100 Ballbesitze. Das fällt noch schwerer ins Gewicht, weil Collison nicht nur die Minuten hinter Chris Paul bekommt, sondern zudem Minuten auf der SG-Position. Interessanterweise überzeugt er auf der SG-Position neben Chris Paul mehr als auf der Eins, was aber wohl vor allem an der außerordentlichen Klasse von Paul liegt und weniger mit Collison zusammenhängt. Doc Rivers sollte jedenfalls Collisons Minuten (bislang knapp 18 mpg!) deutlich reduzieren. Eine Möglichkeit könnte sein, Crawford auf die 1 zu stellen und dafür den Schützen JJ Redick (siehe oben) und Jared Dudley mehr Minuten zu geben. Zudem könnte sichergestellt werden, dass zumindest noch Blake Griffin auf dem Feld ist, wenn Paul eine Pause bekommt, damit mit Griffin eine zusätzliche Playmaking Option auf dem Feld ist, welche Crawford bei der Verantwortung, Wurfgelegenheiten für andere zu kreieren, entlasten würde.

Weiter Stärke am Brett zeigen

In den ersten drei Spielen dominierten die Thunder die Bretter. Das überraschte nicht wirklich, da die Thunder zu den besseren Reboundteams der NBA gehören, die Clippers zu Schlechteren. Doch die letzten beiden Partien machte Los Angeles einige Fortschritte, entschieden das Duell an den Brettern jeweils für sich und konnten ihre eigentliche Schwäche durch mehr Einsatz wettmachen.

Wollen die Clippers die Thunder schlagen, müssen sie in Spiel 6 diesbezüglich weiterhin überzeugen und hier sind nicht nur die Bigs Griffin und Jordan gefordert, sondern insbesondere die Guards und Flügel. Denn Russell Westbrook ist der explosivste Guard der NBA und crasht wie verrückt das offensive Brett (knapp drei Offboards pro Spiel in den Playoffs). Auch die Bigs der Thunder, Serge Ibaka, Kendrick Perkins, Steven Adams und Nick Collison sind gute Offensivrebounder.

Die Basis für gutes Defensivrebounding ist das Verständnis, dass es vor allem eine Teamfähigkeit ist. Individuell starke Rebounder wie Griffin oder Jordan helfen nur wenig, wenn nicht das gesamte Team mitarbeitet, zuverlässig ausboxt und hinter jedem Ball hergeht. Gewinnen nun die Thunder wieder das Duell an den Brettern, sind die Chancen auf ein Erfolg der Clippers in Spiel 6 minimal.

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5 comments

  1. Hassan Mohamed

    Der Grund, weshalb Coach Rivers auf Jamal Crawford setzt, dürfte seine Überlegenheit ggü. Redick im eigenständigen Kreieren sein. Nach der ganzen Backsteinen in der ersten HZ von Spiel 5, konnte er in der zweiten HZ ja einige wichtige Impulse setzen und auch bei guter Quote punkten, wenn ich mich nicht täusche. Das wird Grund genug sein, weshalb Rivers auch in Spiel 6 auf ihn setzen wird. Crawford ist wirklich undankbar zu coachen, da unberechenbar. Kann dem Team den Hintern retten, aber auch aus dem Spiel schießen.

  2. Sebastian Hansen

    Bin schon sehr gespannt wie es ausgeht. Wie würdest du gegen Durant verteidigen? Weiter mit Paul und Double Teams?

  3. Fabian Thewes

    |Author

    Bin schon sehr gespannt wie es ausgeht. Wie würdest du gegen Durant verteidigen? Weiter mit Paul und Double Teams?

    Würde erstmal bei Barnes bleiben, aber in bestimmten Smallballlineups (Paul/Crawford/Redick/Barnes/Griffin) würde ich durchaus mal auf Paul switchen und Durant nerven. Kleinere Defender, die gut den Ball klauen können, können KD offenbar noch richtig aus dem Konzept bringen (siehe Tony Allen in Runde 1 oder Chris Paul im letzten Viertel des 4. Spiels). Und wenn KD aufpostet, kann Paul auch leicht mal ein Offensivfoul aufnehmen und einen Kontakt von KD als Stoß mit dem Ellenbogen aussehen lassen.

    Der Grund, weshalb Coach Rivers auf Jamal Crawford setzt, dürfte seine Überlegenheit ggü. Redick im eigenständigen Kreieren sein. Nach der ganzen Backsteinen in der ersten HZ von Spiel 5, konnte er in der zweiten HZ ja einige wichtige Impulse setzen und auch bei guter Quote punkten, wenn ich mich nicht täusche. Das wird Grund genug sein, weshalb Rivers auch in Spiel 6 auf ihn setzen wird. Crawford ist wirklich undankbar zu coachen, da unberechenbar. Kann dem Team den Hintern retten, aber auch aus dem Spiel schießen.

    Meine Kritik richtet sich vor allem gegen die Anzahl der Touches, die Crawford erhält. Ich finde es nicht gut, wenn er die erste Option in der Offensive ist. Bislang ist er das und das mit dem relativ großen Abstand. Gestern in HZ 2 ging das noch ganz gut (zählte 16 Punkte in 14 Possessions), doch dieses unberechenbare ist bei einem Rollenspieler mMn mehr schädlich als nützlich. Bei Russell Westbrook ist es z.B. ähnlich, doch zum einen kann er seinem Team noch auf sehr unterschiedlicher Art und Weise helfen (Crawford weniger), zum anderen ist er der Meister darin, das von ihm kreierte Chaos für sich selbst zu nutzen. Crawford zieht sein Team in solchen Phasen, du schreibst es selbst, erheblich runter. Dein Hinweis auf die Fähigkeiten Crawfords für sich selbst Würfe zu kreieren, ist zwar richtig, doch ist das neben einem Chris Paul und Blake Griffin mMn nicht so wichtig. Dann würde ich als Anhänger der Clippers lieber einen Redick an der 3er Linie sehen als ein Crawford, der jeden schlechten Wurf nimmt und sonst nur wenig zum Spiel beisteuert. Nicht ohne Grund ist die Starterlineup der Clippers (Redick statt Crawford) eines der erfolgreichsten Lineups in den Playoffs (+10 Netpoints) und konnte auch in der Serie gegen die Thunder besser aussehen als die Thunder (+3 Netpoints).

    Wichtiger wäre aber meiner Ansicht nach, dass die Minuten von Collison verringert werden und Crawford die Backupminuten hinter Paul bekommt. Collisons Minuten könnten dann teilweise auf Redick übergehen, der der klar bessere Spieler ist. Wieso Doc Rivers dies noch gar nicht ausprobiert hat, keine Ahnung? Aber gut, Doc Rivers hat in der Vergangenheit auch ziemlich lange an Hollins und Mullens im Frontcourt festgehalten…

  4. Avatar

    glover

    Danke für den interessanten Artikel.

    “Meine Kritik richtet sich vor allem gegen die Anzahl der Touches, die Crawford erhält. Ich finde es nicht gut, wenn er die erste Option in der Offensive ist.”

    Ist Crawford wirlich die erste Option im Angriff oder zeigt sich hier ein allgemeineres Phänomen?
    Usage percentage is an estimate of the percentage of team plays used by a player while he was on the floor.
    Entscheidend ist doch, dass es sich um einen relativen Wert handelt, der sich nur auf die Zeit erstreckt, in welcher ein Spieler tatsächlich auf dem Parkett stand. Wenn man nun zugrundelegt, dass gute Teams mindestens zwei Scorer/Playmaker in der Starting Five haben, die von verlässlichen Rollenspielern ergänzt werden, dann verteilt sich hier die Usage percentage ganz anders als in der zweiten Fünf bzw. anderen Lineups. Die Usage percentage ist bei Paul und Griffen dann tendenziell niedriger, weil das Scoring in Lineups mit beiden Spielern und anderen Startern besser ausbalanciert ist. Während Crawford als Sixth Men zunächst einmal die wichtigste Scoring/Playmaking-Option ist. Man müsste mal prüfen, wie sich Crawfords usage percentage auf unterschiedliche Lineups verteilt. Generell kann ich mir vorstellen, dass der Playmaker/Scorer der Reservistenlineups eine höhere usage percentage haben könnte als die Stars der Teams. Hier muss man einfach Untersuchen wie Ausbalanciert das Scorings der Teams ist, wenn wichtige Spieler auf der Bank Platz nehmen und wie viel Zeit mindestens ein Star auf dem Parket verbringt.

  5. Fabian Thewes

    |Author

    @Glover:

    Guter Punkt. Du hast recht, das müsste man überprüfen. Ich werde die Tage mal analysieren, wieviele abschlüsse crawford erhält, wenn er mit griffin/paul gemeinsam auf dem Feld ist.


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