Chicago Bulls, Keys to the series, NBA, Playoffs 2014, Washington Wizards

Keys to the series: Chicago (4) vs. Washington (5)

Eastern Conference, first round

Grit and grind, east style: zwei unterdurchschnittliche Offensiv- und überdurchschnittliche Defensivteams treffen heute in Chicago aufeinander. Go-to-Guys.de schaut auf alle Serien und versucht zu erklären, was die Franchises machen müssen, um erfolgreich aus der Serie zu gehen. Was sind die “Keys to the series” für die Bulls und Wizards?

Wie kann Chicago diese Serie erfolgreich gestalten?

Artur Kowis: Die Wizards sind, auch aufgrund des limitierten offensiven Systems am besten, wenn John Wall attackiert und in erster Linie nicht den eigenen Abschluss sucht, sondern seine Mitspieler sucht. Walls Kickouts sind insbesondere so gefährlich, weil er, wie die letzten beiden Jahre bereits, die Liga in assistierten Eckendreiern anführt. Die Wizards warfen 14 Eckendreier in ihren drei RS-Partien gegen die Bulls, 11 davon wurden von Wall vorbereitet und 9 von Trevor Ariza abgeschlossen. Die Quote von 5-aus-14 ist zwar nicht besonders gut und weit unter dem Saisonwert der Wizards, doch darunter waren auch 2-3 recht offene Würfe, die einfach nicht fielen.
Als Go-to-Guy, der aus einer hohen Vertragsverlängerung kommt und sein Team wie gefordert in die Playoffs geführt hat, werden viele Stimmen in Medien- und Fankreisen erwarten, dass in erster Linie John Wall die Bulls schlägt und diese sollten ihm diese Rolle aufzwängen. So gefährlich Walls Drive auch ist – Perimeterverteidiger wie Kirk Hinrich müssen zunächst das Vertrauen bekommen, sich alleinig um ihn zu kümmern, ohne dass Hilfe von den Seiten für rollende Bigs wie Gortat geschickt werden. Mike Dunleavy und D.J. Augustin, die Trevor Ariza wahrscheinlich vorzugsweise decken werden, sollten, wenn sie denn innen aushelfen, sich wieder an Ariza am Flügel orientieren, sobald Walls Füße den Boden verlassen.

Julian Lage: Ein Blick auf den Roster der Bulls würde vermutlich eher den 4. Pick vermuten lassen als den 4. Platz im Osten: Der Topscorer – D. J. Augustin – wurde in der laufenden Saison von den Raptors aus seinem garantierten Vertrag entlassen und erhielt mit dem Minimum-Vertrag bei den Bulls seine vermeintlich letzte Chance in der Liga. Die zweitmeisten Punkte legt in Carlos Boozer ein überbezahlter Amnesty-Kandidat auf. Der einzige Allstar des Teams, Joakim Noah, erzielt 12,6 Punkte bei einer Quote von unter 50%. Mit Mike Dunleavy und Kirk Hinrich starten zwei weitere Spieler, die eher am Ende der Rotation zu erwarten gewesen wären. Die Bulls ohne Rose und Deng sind einfach ein extrem überraschendes Playoffteam, vor allem in dieser Stärke. Damit müssen natürlich auch in den Playoffteams Beiträge von überraschenden Spielern kommen. Die vergleichsweise etablierten Noah, Butler und Gibson sind zwar gerade in der Defense extrem wichtig, aber auf der anderen Seite des Courts sind alle Spieler gefragt. Dann ist vielleicht auch ein Zweitrunden- oder Conference-Finals-Teams mit D. J. Augustin als bestem Punktesammler möglich.

Dennis Spillmann: Die Bulls spielen die schlechteste Offense aller Playoffteams und liegen ligaweit auch nur vor den Philadelphis 76ers und den Orlando Magic. Wenn man über die Offense einfach nicht ins Spiel kommt und die Scorer so austauschbar sind, dass ein Minimum-Pickup diese ersetzen kann, sollte man sich darauf verlassen, was man kann: verteidigen.
Dazu gehört – wie von Artur bereits benannt – vor allem der Eckendreier der Wizards durch Ariza und Webster. Kirk Hinrich wird die schwierige Aufgabe haben, John Wall zur Verzweiflung zu treiben. Sollte dies nicht funktionieren, ist mit Jimmy Butler der nächste Flügel bereit, um es gegen Wall zu versuchen. Hinrich kann man problemlos einem Wizard-Flügel zuweisen, sodass es keine Mismatches geben sollte.
Dazu sollte man viel mit dem Sixth Man-Kandidaten Taj Gibson spielen, der Switches durch seine Mobilität gut verteidigen kann und generell schnell genug für fast jedes Matchup ist, sodass die Wizards auch mit einem Flügel auf der Vier kein großes Mismatch kreieren könnten.
Chicago sollte es tunlichst vermeiden, einen Wizard zu doppeln, da die gute Defense eine Teamdefense ist, die sehr gut rotiert und aushilft. Dazu muss man Wall vor allem vor die Aufgabe stellen, dass dieser seinen Gegenspieler schlagen und zudem an der Garde, die den Korb beschützt, vorbeikommen muss, ohne dass ein Flügel  der bulls zur Hilfe kommt.

Wie kann Washington diese Serie erfolgreich gestalten?

Artur Kowis: Randy Wittman darf sich seine Offensive nicht durch die Defensive der Bulls diktieren lassen. In einer Schimpftirade gegen Kritiker seiner Offensive, die stark auf Mid-Range Würfe vertraut, sagte er: “You take open shots. You take open shots. Where they are is dictated by what the defense does.” Wittman meinte dies vielleicht gut, doch dies klingt nach einer Bankrotterklärung: Du lässt dir den offensiven Plan vom Gegner bestimmen und suchst nicht nach Wegen, diesen durch Anpassungen deinerseits zu beeinflussen. Die Bulls hören sowas gerne. Deren Defensive sieht nichts lieber als gegnerische Mid-Range Würfe, die sie dazu hervorragend verteidigt: Die Bulls liegen als einziges Team im Volumen an erzwungenen gegnerischen Mid-Range Würfen sowie gegnerischer FG% dieser Würfe (37,9%) unter den Top 5. Die Wizards führen die Liga in Mid-Range-Würfen an und nahmen bis Mai 46% ihrer Würfe aus dieser Zone, wo sie mit 38,1%, was nicht nur von der Effizienz her problematisch, sondern selbst im Ligavergleich unterdurchschnittlich sind.

Julian Lage: Die erste Playoff-Serie für die Wizards seit 2008. Die erste überhaupt für John Wall und Bradley Beal. Obwohl mit beispielsweise Andre Miller, Trevor Ariza und Nene erfahrene Spieler in Washingtons Reihen stehen, könnte das Team gegen die Bulls an seine Grenzen geraten. Der Schlüssel in dieser Hinsicht: Intensität. Playoffs-Stimmung, die Besonderheiten einer vermutlich engen Serie, die Chance, sich vor dem gesamten NBA-Publikum zu präsentieren – allein diese Faktoren würden schon eine Herausforderung für Wall und die Wizards darstellen.
Noch stärker wiegt hier aber der Gegner: Ein von Tom Thibodeau trainiertes Team mit Joakim Noah als besten Spieler steht in erster Linie für ein engagiertes Auftreten über 48 Minuten. Ohne Derrick Rose und Luol Deng galt Chicago eher als Lottery-Kandidat, aber trotz fehlender Finesse erkämpften sich die Bulls die Playoffs, vor allem über die Defense. Genau so wird das Team auch die erste Runde angehen, so dass die Wizards hier unmittelbar dagegenhalten müssen.

Dennis Spillmann: Washington muss den Kampf annehmen, völlig richtig. Genauer: Sie müssen den Kampf unter den Brettern annehmen. Chicago ist leicht überdurchschnittlich am offensiven Brett, kreiert dadurch zweite Scoringchancen und nutzt dieses Play öfter als bspw. den Pick ‘n’ Roll Man einzusetzen. Die Wizards selbst sind ein besseres Defensivreboundingteam als die Bulls. Diese Rebounds werden wichtig sein, um sicherzustellen, dass die schwache Bulls-Offense nicht doch durch einen erneuten Ballgewinn zu einfachen Punkten kommt. Wenn man das Reboundduell für sich entscheiden kann, und damit den Bulls physisch zusetzen kann, um zusätzlich auch noch einige Fastbreaks gegen das Defensivbollwerk laufen zu können, können die Wizards überraschen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben