Keys to the series, Memphis Grizzlies, NBA, Oklahoma City Thunder, Playoffs 2014

Keys to the series: Oklahoma City (2) vs. Memphis (7)

Western Conference, first round

Das wahrscheinlich spannendste Playoffduell der ersten Runde im Westen startet heute Nacht!  Go-to-Guys.de schaut auf alle Serien und versucht zu erklären, was die Franchises machen müssen, um erfolgreich aus der Serie zu gehen. Was sind die “Keys to the series” für Oklahoma City und Memphis?

Wie kann Oklahoma City diese Serie erfolgreich gestalten?

Fabian Thewes:  Indem sie fit und konzentriert bleiben. Letzte Saison haben die Grizzlies die Thunder rausgeworfen, weil sie ohne ihren Superstar Point Guard Russell Westbrook nicht in der Lage waren, die Offensive gegen die Weltklasse-Defensive der Grizzlies am Laufen zu halten (< 100 Punkte pro 100 Ballbesitze gegen die Grizzlies in den Playoffs). Diese Saison hat sich das Team um Kevin Durant jedoch besser darauf eingestellt, auch ohne Westbrook oder andere Schlüsselspieler auszukommen; zumindest im regulären Ligabetrieb: so stehen die Thunder ohne Westbrook bei 24:11, mit den Rookies Andre Roberson (für Thabo) und Steven Adams (für Perkins) in der Starting-Five bei 7:3. Die Thunder spielen dieses Jahr – trotz der zahlreichen Ausfälle – die bessere Defensive und Offensive als die Grizzlies. Sie haben mit dem stark verbesserten Kevin Durant den voraussichtlichen MVP und den Heimvorteil. Dennoch: Die Bären aus Tennessee können die Klauen ausfahren und sollten nicht unterschätzt werden. Bleibt OKC konzentriert und verletzen sich nicht wieder ein oder mehrere Schlüsselspieler/Stars, werden die Thunder ohne Zweifel Revanche für den Rauswurf vom letzten Jahr nehmen. Fehlt dieser Fokus und machen die Thunder die Grizzlies stark, könnte sich diese Serie jedoch zu dem spannendsten Aufeinandertreffen der diesjährigen Playoffs entwickeln. Jan Karon: Der Schlüssel zum Serienerfolg Oklahoma Citys heißt Russell Westbrook. In den vergangenen Monaten wurde viel darüber geschrieben, inwiefern Westbrook denn Oklahoma City überhaupt helfe. Die von unter anderem Coach Nick (Basketball Breakdown) diskutierte These, die Thunder seien ohne Westbrook das bessere Team, halte ich für Unfug. Das letztjährige Ausscheiden gegen Memphis war maßgeblich Westbrooks Fehlen – und folgerichtig einer zu leicht ausrechenbaren Offense – geschuldet. Auch die diesjährige Empirie zeigt: Ohne Westbrook stehen die Thunder bei 24-11 (68% Siege), mit ihm bei 35-12 (74% Siege), und wenngleich Westbrooks Fehlen von Durants geschichtsträchtigem Scoringstreak kompensiert wurde, ist das kein Erfolgsrezept für die Playoffs. Schafft es Westbrook das Duell gegen Mike Conley zu dominieren und wird er erneut zu einer validen zweiten Offensivoption, ist die Scoringpower der beiden Alphatiere OKCs zuviel für die Grizzlies und David Joerger. Julian Lage: Der Favorit dieser Serie ist wohl klar das Team um Kevin Durant und Russell Westbrook – aber genau diese Beschreibung könnte bereits einen Teil des Problems beinhalten. Die trotz einiger Ausfälle letztendlich überzeugende Regular Season haben die Thunder vor allem Durant zu verdanken, während auf Westbrook die Hoffnungen in den Playoffs ruhen. Wie letztes Jahr gesehen, fehlt dem Team ohne den Spielmacher der Biss, um auch auf dieser Ebene zu bestehen. Trotzdem werden die beiden Stars das Team nicht alleine zur Meisterschaft tragen können, und der Rest des Teams wird schon in der Memphis-Serie gefordert sein. Die Aufgabe der Thunder ist es also, die richtige Balance zu finden – wie viele Würfe sollte Westbrook erhalten, wie sinnvoll sind Durant-Isolations? Welcher Spieler kann noch konstant einen offensiven Beitrag leisten? Sind die Veteranen Kendrick Perkins, Derek Fisher und Caron Butler die richtige Wahl, oder sollten die Minuten eher an Steve Adams, Reggie Jackson und Jeremy Lamb gehen? Die in den letzten Jahren nicht immer überzeugenden Spielzüge und Rotationen von Head Coach Scott Brooks könnten dabei Grund zur Sorge für Thunder-Fans sein.

Wie kann Memphis diese Serie erfolgreich gestalten?

Fabian Thewes: Indem sie zunächst wieder zu dem Defensivteam werden, welches sie letztes Jahr gewesen sind. Letztes Jahr waren die Grizzlies das beste Defensivteam der NBA, kassierten nur 100,3 Punkte pro 100 gegnerische Ballbesitze. Dieses Jahr sind es 104,6. Das reicht zwar immer noch für einen guten siebten Platz, absolute NBA-Spitze ist es jedoch nicht. Auch nach der Rückkehr von DPotY Marc Gasol wurde es kaum besser, denn die letzten 20 Spiele ließen sie durchschnittlich weiterhin 104 Punkte pro 100 Ballbesitze zu. Hoffnung macht jedoch die Entwicklung in der Offensive, welche durch Neuverpflichtungen wie die Schützen Courtney Lee und Mike Miller angetrieben worden ist. Die Grizzlies sind nämlich etwas gefährlicher aus der Distanz als in der Vergangenheit (von Rang 24 bei der 3er-Quote zu Rang 19), wodurch sie ihr Spacing und die Wurfauswahl verbessert haben.

Gerade gegen die Oklahoma City Thunder könnte das wichtig werden, da diese mit Serge Ibaka, Kendrick Perkins, Nick Collison und Steven Adams die defensive Qualität und Größe besitzen, um gegen die Zonenspieler der Grizzlies – allen voran Zach Randolph und Marc Gasol – dagegen zu halten. Paaren die Grizzlies also die Verbesserung im Offensivspiel mit der defensiven Stärke der letzten Saison, könnte Memphis OKC ein weiteres Mal rausschmeißen, auch wenn Russell Westbrook im Gegensatz zu 2012/2013 wieder dabei sein wird.

Jan Karon: Die Grizzlies müssen das Momentum aus der Regular Season in die Playoffs nehmen und der Serie ihren Stempel aufdrücken. Seit Anfang März steht Memphis bei einer Bilanz von 18-7 (nur San Antonio hat eine bessere Siegesbilanz in dieser Zeit) und lässt lediglich 93,8 Punkte pro Partie zu. Trainer David Joerger, der nach Lionel Hollins’ Abschied ein schweres Erbe anzutreten hatte, findet in Tennessee immer besser zurecht und wurde Coach des Monats April. Mit den genesenen Marc Gasol und Mike Conley ist das Team zudem wieder komplett. Insbesondere die Match-Ups sehen auf dem Papier gut aus für Memphis: Tony Allen und Tayshaun Prince dürften Kevin Durant das Leben schwer machen und der Frontcourt um Zach Randolph und Gasol wird Scott Brooks vor das Problem stellen, dass OKCs small ball-Lineups mit Durant als Power Forward und Ibaka als Center, physisch massiv unterlegen sein werden. Diesen Vorteil gilt es auszuspielen.

Julian Lage: Der letzte Platz in einer Teamstatistik ist normalerweise keine gute Nachricht für ein NBA-Team. Zumindest in einer Hinsicht widerspricht Memphis dieser Aussage jedoch: Eine langsame Spielgeschwindigkeit ist Teil der Identität der Gasol/Randolph/Conley-Grizzlies – diese Saison wurde es erstmals tatsächlich Platz 30. Die Pace sollte auch einen Schlüssel der Thunder-Serie darstellen. Nur wenn die Grizzlies das Spiel ihren Vorstellungen anpassen, haben sie eine Chance. Niedrige Geschwindigkeit, eher schlechte Quoten bei beiden Teams und Halfcourt-Spiel – kurz das, was dem Team unter dem Label ‚Grit and Grind‘ in den letzten Jahren zu einigem Playofferfolg verholfen hat. Dafür ist es vor allem wichtig, dass die Thunder nicht zu einfachen Fastbreak-Punkten kommen. Westbrook und Durant werden zwar in jedem Fall ihre Punkten erzielen, aber im Halbfeld könnten die Schwächen des restlichen Teams deutlich schwerer wiegen: Gegen die Grizzlies-Bigs braucht OKC wohl dauerhaft einen echten Center auf dem Parkett, so dass Kendrick Perkins verhältnismäßig viele Minuten sehen dürfte. Auch die tendenziell inkonstanten Wings der Thunder dürften nicht von einem langsamen Spiel profitieren.

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