Atlanta Hawks, Indiana Pacers, Keys to the series, NBA, Playoffs 2014

Keys to the series: Indiana (1) vs. Atlanta (8)

Eastern Conference, first round

Gerade noch das beste Team der Liga, jetzt in der Krise; doch trotzdem Erster im Osten. Wie wird Indiana mit den Atlanta Hawks fertig? Was sind die “Key to the series” für beide Teams?

Wie kann Indiana diese Serie erfolgreich gestalten?

Julian Barsch: Sicherlich galt die Bank der Pacers lange als große Schwachstelle, doch die Partie am 13. April gegen Oklahoma City hat gezeigt, dass diese Tatsache der Vergangenheit angehört. Insgesamt 41 Punkte erzielte die Bank, doch was viel wichtiger war: Roy Hibbert und George Hill kamen insgesamt auf drei Punkte (alle von Hill). Es muss irgendetwas richtig laufen, wenn man die Thunder schlägt, obwohl Point Guard und Center praktisch komplett ausfallen. Wenn C. J. Watson und Ian Mahinmi nur annähernd diese Form halten können und Evan Turner solide spielt, könnte dies der ausschlaggebende Faktor sein. Die Hawks-Bank macht auf jeden Fall Niemandem Angst.

Jan Karon: Go big. So sehr Roy Hibbert der Erfolgsgrund für Indianas letztjährigen Playoff-Erfolg darstellte, so sehr muss man auch eingestehen, dass der gleiche Hibbert in der zweiten Saisonhälfte diesen Jahres ein Schatten seiner selbst war. Kostprobe gefällig? Hibberts Zahlen nach dem All  Star-Break: 9 Punkte, 5 Rebounds, 2 Blocks, 2 Turnover pro Spiel. Besonders besorgniserregend: In den vier Spielen gegen die Atlanta Hawks in der diesjährigen Regular Season kommt Hibbert auf 5 Punkte pro Partie bei einem True Rebounding-Wert von 3.8, einem Net Ranking von -11.9, einem True Shooting-Wert von 30.8 (!) und einem ORtg von 64 (!!). Dabei könnten die Voraussetzungen nicht besser sein: Weder der defensivschwache Pero Antic, noch die zu kleinen Paul Millsap und Elton Brand sollten für Hibbert ein Problem darstellen. Schafft es Indiana, den ehemaligen Georgetown Huskie zu einer (zumindest halbwegs) verlässlichen Lowpost-Option zu machen, gewinnt man die Serie mühelos.

Julian Lage: Für die Pacers geht es in dieser Serie um deutlich mehr als nur das unmittelbare Weiterkommen, es muss auch die Basis für die weiteren Playoffs gelegt werden. Entsprechend wichtig wäre es, die Hawks klar aus eigener Stärke heraus zu schlagen und nicht nur von der Schwäche des Gegners profitieren. Das heißt, die Pacers müssen vor allem Fehler vermeiden.
Die schlechten Quoten auch bei einfachen Würfen in den letzten Wochen sind dabei der auffälligste Baustein, aber auch Turnover sind ein Problem, konkreter: Ein Symptom der Playmaking-Schwierigkeiten des Teams. Die Folge ist klar – die Pacers müssen ihre Offense über geplante Spielzüge laufen, statt Lance Stephenson einfach den Ball in die Hand zu drücken. Als Bonus könnten dabei eventuell George Hill und Roy Hibbert wieder zu ihrem Spiel zurückfinden.

Artur Kowis: Die Pacers müssen ihre Würfe treffen. Klingt einfach, war es in den Spielen der Regular Season gegen die Hawks jedoch nicht. Obwohl die Pacers im Post-Up wie auch durch ihre Ballhandler – für sie eher untypisch – effizient selber scorten, sprangen aus diesen Würfen kaum gute Aktionen für Mitspieler heraus, woraus eine FG% von traurigen 33% aus Spot-Ups und Würfen nach einem Screen resultierte.
Unter den Pacers wurde kürzlich der Egoismus einzelner Spieler breit diskutiert. Nutzen Sie ihre Überlegenheit im Post und im Drive gegen Spieler wie Jeff Teague, Lou Williams und Kyle Korver auch, um gute Würfe für Spieler zu kreieren, die sich ohne Ball bewegen, sollte die erste Runde nicht annähernd die Zitterpartie werden, wie noch vor einigen Wochen während der Pleiteserie erwartet.

Dennis Spillmann: Die Pacers sind eigentlich kein gutes Dreierschützen-Team. Wenn sie jedoch eine Stärke beim Drei-Punkte-Wurf haben, dann, dass der Eckendreier schon die ganze Saison über fällt. Über vierzig Prozent erzielen sie von der linken oder rechten Ecke. Sie nutzen diese Waffe jedoch nicht konsequent genug und treffen nur 2 Würfe aus den Ecken. Das mag auch an den Spielmacherqualitäten der Pacers liegen, die etwas fehlen. Trotzdem sollte man viel mehr auf diese Würfe gehen, da die Hawks zudem äußerst schlecht in der Verteidigung dieser sind. Sie kassieren 42% der Würfe aus der Ecke.
Inwiefern man sich auf Hibberts Low-Post-Game verlassen sollte, ist auch deshalb zu bezweifeln, weil die Hawks leicht überdurchschnittlich beim Ringbeschützen sind. Ein Schlüssel für den Sieg sind demzufolge das konsequente Besetzen der Ecken mit Schützen.

Wie kann Atlanta diese Serie erfolgreich gestalten?

Julian Barsch: Die Regular Season-Serie zwischen den Hawks und Pacers endete 2-2. Die Pacers erzielten in den zwei Niederlagen durchschnittlich 27,5 Punkte in der ersten Halbzeit. In beiden Fällen konnten sie die Punkteanzahl in der zweiten Hälfte deutlich anheben, doch nicht genug, um zu gewinnen. Dementsprechend ist die Defense, vor allem in der ersten Hälfte, der Schlüssel für Atlanta, um diese Serie potentiell offen halten zu können.

Jan Karon: Obwohl es schwer fällt, hier für die Hawks zu argumentieren, sollte Atlanta versuchen, Indiana so umkomfortabel wie möglich zu machen. Man sollte versuchen, Lance Stephenson den Fastbreak und Paul George den Drive zu nehmen, und aus beiden Jumpshooter zu machen; dazu obskure Two Guard- und Small Ball-Lineups mit hohem Pace spielen. Der Pacers Offense mangelt es notorisch an Spacing, und keinem Contender misstraue ich offensiv mehr als Indiana. Die defensive Intensität und Physis der Pacers mag ligaweit ihres Gleichen suchen, doch limitiert Coach Budenholzer ihre Offensivoptionen, verhindert die Umsetzung eines defensivorientierten Halfcourt-Basketballs und schafft es gleichzeitig die eigenen Scorer (Millsap, Teague, Korver) heißlaufen zu lassen, kann Atlanta ein Spiel klauen die Überraschung schaffen.

Julian Lage: Es kann wohl keinen Zweifel geben, dass die Hawks hier der klare Außenseiter sind. Atlanta blieb trotz wenig beeindruckender Konkurrenz im Osten drei Spiele unter 50% – und an 16 von 38 dieser Siege war noch Al Horford beteiligt. Aber psychologisch hat auch die Konkurrenz ein Problem: Die vergangenen Krisenwochen in Indiana wirkten teilweise so, als würde das Team um die Playoffs kämpfen und nicht den ersten Platz in der Conference mit letztendlich 56 Siegen.
Obwohl die negativen Kommentare nicht unberechtigt waren und von allen Seiten kamen, sind besonders die Aussagen der Pacers-Vertreter beachtenswert: Auch Präsident Larry Bird und Head Coach Frank Vogel äußerten sich negativ – und trugen damit vermutlich weiter zu einer Verschlechterung bei. Die Hoffnung der Hawks muss es also sein, diese Krisenstimmung beim Gegner zu erhalten. Das heißt vor allem: Die ersten beiden Auswärtsspiele knapp zu gestalten und dabei das Scoring allgemein niedrig zu halten. Wenn dann zum richtigen Zeitpunkt einige Siege herausspringen, ist eine Überraschung nicht mehr völlig utopisch.

Artur Kowis: Nach einer Saison voller Ups and Downs, in der Platz Acht im Schildkrötenrennen “gewonnen” wurde, haben die Hawks wenig zu verlieren. Um doch irgendwie etwas zu reißen, sollte der Underdog sein Spielsystem gegen die Defensive der Pacers nicht als Hindernis, sondern als Chance sehen. Die Hawks verlassen sich extremst auf ihre Attacke (Teague) und Wurfqualität (Korver). Fast 60% ihrer Angriffe ergeben sich durch Penetration des Ballhandlers, in Transition oder Spot-Ups. Mit den Bollwerken Hibbert und West in der Mitte, die selten weit vom Korb entfernt verteidigen, möchten die Pacers drive-lastige Guards einengen und, dass Gegner ihr Heil von Außen suchen, wo Paul George und Lance Stephenson Schützen terrorisieren.
Wie gesagt, die Hawks haben wenig zu verlieren und können deswegen ein wenig Risiko wagen. Zum Beispiel könnten sie mit Antic und Millsap, einem der kompetenteren Stretch-Duos der Liga, die Screen- und Wurfaktionen noch stärker im Frontcourt nutzen, um Roy und Hibbert allmählich aus der Zone herauszulocken. Es ist schwer vorstellbar, dass die beiden über eine Serie hinweg genügend Würfe treffen würden, um diese Art von Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, doch wie sich bereits gegen die Timberwolves zeigte, haben die Pacers Probleme, wenn zwei Frontcourt-Spieler mit Wurf (in diesem Fall Love und Cunningham) ständig in Screening-Aktionen involviert sind, und ihre Würfe treffen. Mit etwas Wurfglück ergibt sich so vielleicht ein wenig mehr Platz unterm Korb, ohne dass Kyle Korver pro Spiel einen Marathon um den Perimeter rennen muss.

Dennis Spillmann: Die Hawks müssen weiterhin auf ihr tolles, uneigennütziges Spiel setzen. Die Hawks hatten innerhalb der Saison die meisten Assistmöglichkeiten als Team gespielt. Das bedeutet, dass sie kaum Isolationen spielen – wie Artur schon ausführte – sondern sich darauf verlassen, dass sie als Team eine gute Wurfmöglichkeit finden und den besser postierten Spieler einsetzen. Die Hawks haben diese Saison hinter den Spurs mit den zweitmeisten Assists pro Spiel abgeschlossen.
Die Hawks spielen die leicht bessere Offensive im Vergleich zu den Pacers. Die Hawks erzielen die sechstbeste Assist-to-Turnover-Ration, die Pacers stehen hier auf Platz 27. Zwingen die Hawks die Pacers zu Turnovern (Indiana mit den sechstmeisten Ballverlusten), können sie durch die teamdienliche Spielweise gar für einen Überraschungserfolg sorgen.

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