Houston Rockets, Keys to the series, NBA, Playoffs 2014, Portland Trail Blazers

Keys to the series: Houston (4) vs. Portland (5)

Western Conference, first round

Eben noch hat man sich gefragt, ob der Dunking-Contest tot sei, jetzt stehen schon die Playoffs vor der Tür. Go-to-Guys.de schaut auf alle Serien und versucht zu erklären, was die Franchises machen müssen, um erfolgreich aus der Serie zu gehen. Was sind die “Keys to the series”?

Wie kann Houston diese Serie erfolgreich gestalten?

Julian Lage: Ein Problem beider Teams ist die Bankproduktion – während den Blazers aber wohl einfach das passende Personal fehlt, sollten die Rockets mit den richtigen Rotationen und Systemen einen klaren Vorteil herausspielen können. Bei der angestrebten Starting Five von Beverley, Harden, Parsons, Jones und Howard bleibt Lin als Sixth Man. Der wichtigste Faktor ist allerdings Asik, der zumindest teilweise zu seiner Form der letzten Saison zurückgefunden und Howard gut vertreten hat. Mit Donatas Motiejunas, Francisco Garcia und Omri Casspi konnten weitere Spieler im laufenden Jahr zumindest gelegentlich gute Beiträge leisten.
Im Optimalfall können die Rockets also ihren Startern deutlich entspannter Pausen verschaffen. Allerdings wird Coach McHale wohl auf neue Versuche mit zwei Centern auf dem Feld eher verzichten, so dass die Spielzeit Asiks relativ begrenzt bleibt. Beverley und Lin stehen zwar öfter gemeinsam auf dem Parkett, aber praktisch bleiben einige Minuten für das wechselhafte Trio Motiejunas / Garcia / Casspi. Wie konstant diese Spieler einen Beitrag in den Playoffs leisten, ist also die Frage – zumal einige Starter der Rockets in den letzten Wochen mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatten.

Julian Barsch: Die Houston Rockets haben die Regular Season-Serie mit 3-1 gewonnen. Ein Sieg war jedoch nach Overtime, was zeigt, dass es im Endeffekt doch recht knapp war. Hauptaspekt für die Defensivreihe der Blazers sollte James Harden sein. Der Guard erzielt gegen Damian Lillard & Co. 30,3 Punkte, 7,3 Rebounds und 5,3 Assists im Schnitt in dieser Spielzeit. Auch der beste Akteur der Blazers, LaMarcus Aldridge, hatte gegen die Rockets nicht die schlechteste Form. 26,8 Punkte und 15,5 Rebounds erzielte der Forward in den vier Partien. Ein Schlüssel wird demnach sein, welches Team den Star der Kontrahenten besser in Schach halten kann. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es beiden Mannschaften nicht gelungen und das lief für die Rockets deutlich besser. Dies erhöht den Druck auf die Flügelverteidiger Wes Matthews und Nic Batum und deutet auf ein positives Ende für die Rockets hin.

Jan Karon: Houston hat in Dwight Howard und James Harden die besseren Starspieler als die Blazers in LaMarcus Aldridge und Damian Lillard. Seien wir ehrlich: In der Postseason, gerade beim Aufeinandertreffen zwei sehr ausgeglichener Teams, sind es die individuellen Einzelleistungen, die den Unterschied machen. Besonders bemerkenswert: Während Howard und Harden auf 110 Spiele Postseason-Erfahrung zurückblicken, sind die Playoffs für Aldridge (18) und Lillard (0) Neuland. Im Endeffekt wird dieses Mehr an Erfahrung und individueller Klasse den Unterschied machen, zumal Harden ein für Portland das unbequemere Match-Up als Lillard für Houston darstellt. Auch im Frontcourt sehe ich Houston überlegen: In den Playoffs ziehe ich den Sevenfeeter-Rimprotector in Howard dem Midrange Game eines Aldridge vor.

Artur Kowis: Beide Teams sind dank ihrer vielen Catch-and-Shoot-Optionen rund um den Flügel, die dazu kompetente Ballhandler sind, besonders gut darin, freie und gute Würfe durch Penetration zu kreieren. Im Gegensatz zu den Rockets können sich die Blazers auch eher auf Post-Ups verlassen, allen voran natürlich mit LaMarcus Aldridge. Die Rockets nutzen Post-Ups in erster Linie für korbnahe Abschlüsse von Dwight Howard, und obwohl dies aufgrund seiner Qualität und dem hervorragenden Spacing in der H-Town theoretisch eine gute Idee ist, rangieren die Texaner mit 0,77 Points per Possession ligaweit in dieser Kategorie auf dem letzten Platz – auch weil die Turnoverquote in diesen Situation sehr hoch ist. Sprich, Post-Ups sind für die Rockets eine eher mühselige, unattraktive Option … bis auf die Tage, an denen Sie gegen die Blazers spielen. In den vier Partien agierten Sie deutlich öfter im Post und konnten ihre Ausbeute von 0,77 auf satte 1,08 ppp bei 66 Versuchen steigern. Deswegen, und auch aufgrund der Banksorgen des Blazers-Frontcourts, sollten die Rockets früh in der Serie das Inside-Game etablieren.

Dennis Spillmann: Die Houston Rockets haben trotz einiger Verletzungssorgen eine erstaunliche Entwicklung genommen. Seit dem All Star Break stellt das Team von Coach McHale die dritteffizienteste Offense der Liga. Dies wird nicht zuletzt Daryl Morey freuen, der sein Rim-or-Three-Projekt zwar noch viel ausgiebiger in der D-League testen lässt, aber auch als GM der Rockets darauf achtet. Die Rockets schließen nach den Sixers und Pistons am häufigsten am Ring ab (mit einer Trefferquote von 60%!) und nehmen die viertmeisten Dreier pro Spiel. Mit gerade ein Mal 9 Versuchen aus der Mitteldistanz bilden sie das Schlusslicht der Liga.
Um diese Serie gewinnen zu können, wird es für Houston Voraussetzung sein, die Würfe weiter so effizient auszuwählen. Die Portland Trail Blazers lassen nämlich die wenigsten Dreipunkteversuche aller NBA-Teams zu.

Wie kann Portland diese Serie erfolgreich gestalten?

Julian Lage: Ein wichtiger Faktor für Portland dürfte die Foulbelastung sein. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sind Freiwürfe weiterhin ein zentraler Bestandteil von James Hardens Offense, er liegt ligaweit auf Platz 4 bei den Versuchen pro Minute. Teamintern bedeutet das aber nur Platz zwei, den an der Spitze der Tabelle liegt ein anderer Rocket: Dwight Howard. Auch wenn der Center immer noch keine Traumquoten auflegt, kann diese Kombination jedes Team vor Probleme stellen.
Denn zusätzlich gilt das für die Blazers aufgrund der wenig überzeugenden Bank ganz besonders. Wie schon in der letzten Saison legen die Bankspieler die ligaweit wenigsten Punkte auf, und auch in den übrigen Statistiken ist das Team kaum besser.
Die Folge: Die Starting Five muss sich möglichst lang auf dem Parkett halten. Schon in der Regular Season kamen alle fünf Spieler auf deutlich über 30 Minuten pro Partie. In den Playoffs dürfte diese Zahl weiter steigen, an sich würden vor allem Damian Lilliard, Nicolas Batum und LaMarcus Aldridge wohl nur kurze Pausen bekommen. Können die Rockets also einem ihrer Gegenüber schnelle Fouls anhängen, sind zusätzliche Minuten von Dorell Wright, Thomas Robinson oder Meyers Leonard die verlockende Aussicht.

Julian Barsch: Freiwürfe sind allgemein ein Aspekt im Basketball, der gerne mal unterschätzt wird. Natürlich wäre es zu einfach zu sagen, dass die Würfe von der Wohltätigkeitslinie die Serie entscheiden, doch der Unterschied ist enorm! Portland belegt mit 81,6 Prozent getroffenen Freiwürfen Platz eins in der NBA, während die Rockets auf Platz 28 (71,2 Prozent) herumdümpeln. Woran das liegt, ist klar und dennoch könnte dies von großer Bedeutung sein, wenn die Blazers es schaffen, die Mehrzahl der Spiel knapp zu halten.

Jan Karon: 98, 104, 112, 123, 130, 125, 107, 107, 105, 118, im Durchschnitt 113. Was sich aber wie Bibelpsalme oder Strafgesetzbuch-Paragraphen liest, sind die Punkte, die die Gegner der Houston Rockets in den letzten zehn Spielen erzielten. Houstons Defense kollabiert in jüngster Vergangenheit und wenngleich man argumentieren könnte, der Ausfall Patrick Beverleys, Wehwehchen Howards und Parsons sowie die fünfthöchste Pace der Liga (98.9) seien mögliche Erklärungen dafür, sollte Portland dennoch sein Heil in der Offensive suchen. Läuft Terry Stotts Motion Offense heiß (in den letzten 9 Spielen 8-1 bei einem Offensivrating von 111.4), wird Houstons Verteidigung in Probleme geraten. Schafft es Portland, aus dem Duell einen Offensivschlagabtausch zu machen, bei dem die eigenen Scharfschützen Feuer fangen, wird man die Serie gewinnen.

Artur Kowis: Obwohl diese Serie wahrscheinlich als Aufeinandertreffen zweier sehr guter Guard-Big-Duos beworben wird, sollten die Blazers keine 2-Mann-Show aufführen, sondern sich auf die Stärken besinnen, die Sie zu einer Top-Offensive gemacht hat: Mann und Ball bewegen, und präzise Sets laufen, die in jedem Angriff mehrere Scoringoptionen ermöglicht, ob durch den Drive von Lillard, einem Sprint von Matthews zum Eckendreier, ein Absacken Aldridges zum “Elbow” oder einem Cut Batums zum Korb.
Lillard wird sich mindestens vier Spiele lang mit Patrick Beverly abmühen müssen und die offensive Effektivität der Blazers könnte weiter eingeschränkt werden, wenn die Rockets sich zunächst weigern, Aldridge zu doppeln. Die Rockets haben mit Einzeldeckung von Aldridge bereits experimentiert, selbst wenn dieser gegen deutlich kleinere Spieler in den Post-up ging, wie von Zach Lowe illustriert. Die vielfachen Scoringoptionen, die sich aus der Bewegung der Perimeterriege in der Offense von Stotts an einem guten Tag ergeben – Hand-Offs, Screens Abseits des Balles für Shooter, Cuts zum Korb und die nötigen Extrapässe – sind Aktionen, mit denen Houstons Off-Ball-Verteidung öfter im Kollektiv Probleme hat.

Dennis Spillmann: Portland hat nach dem All Star Break still und leise einen Weg gefunden, um die gegnerischen Team recht effektiv zu verteidigen. Während die Aufmerksamkeit Vieler auf die zusammengebrochene Offense fiel, ließen die Blazers in diesem Zeitraum keine 103 Punkte pro 100 Possessions zu – das sind drei Punkte weniger als vor dem Break. Ein Grund dafür ist Robin Lopez’ Präsenz unter den Körben. Der Center lässt nur 42% aller Würfe direkt am Ring zu, musste seinen Rhythmus aber erst finden und die Systeme verinnerlichen, obwohl die Systeme Midseason nochmals überarbeitet wurden.
Die Blazers lassen nach den Pacers die zweitniedrigste Quote direkt am Ring zu. Dazu gelingt es ihnen, dem Gegner den Dreier zu nehmen und ihn so in die Mitteldistanz zu zwingen. Wenn ihnen das auch bei den Effizienzfanatikern aus Houston gelingt, haben sie eine reelle Chance, diese Serie zu gewinnen.

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