Minnesota Timberwolves, NBA, Sacramento Kings

Das Ende der Erwartungen

Derrick Williams verlässt die Minnesota Timberwolves

Die Minnesota Timberwolves und Sacramento Kings tauschten diese Woche per Trade Spieler für Spieler. Der Trade bekam hauptsächlich Aufmerksamkeit, da der neue King, Derrick Williams, noch vor drei Jahren ein dunkender Top 3-Pick des NBA Drafts war. Das Gegenstück im Tauschgeschäft, Luc Richard Mbah A Moute, ist hingegen eine vergleichsweise graue Maus.

Der Trade eines Top 5-Picks vor Auslaufen seines Rookivertrages ist selten und in jüngerer Vergangenheit mit Thomas Robinson zu vergleichen, der ausgerechnet von den Kings innerhalb eines Jahres gedrafted und verschifft wurde, jedoch unter anderer Teamführung. Dass Derrick Williams als noch höherer Pick im Alter von 22 Jahren lediglich für einen Spieler, der selbst im Sommer als Gegenwert eines Zweitrundenpicks nach Sacramento kam, überraschte viele Beobachter ebenso wie der schnelle Vertrauensverlust der Kings damals in „T-Rob“.

Als Zweitrundenpick kam Mbah A Moute unter anderen Voraussetzungen in die Liga als Derrick Williams. Während Teams in Zweitrundenpicks die Hoffnung setzen, brauchbare, wenn auch limitierte Rotationsspieler zu finden, setzen vor allem Fans und Medien in Top 5-Picks die Erwartung, weitaus mehr zu sein. Der Druck, welcher auf die Spieler in den jeweiligen Reichweiten liegt, ist demnach auch ein anderer. Zweitrundenpicks müssen sich oft außerhalb des generellen Fan- und Medieninteresses in relativ kurzer Zeit als Rotationsspieler beweisen, oft im internen Wettstreit gegen frühere Zweit- und Erstrundenpicks sowie Veteranen, die bereits Teamkollgen sind oder auf eine weitere Chance in der Liga brennen. Die ersten paar Spieler, deren Namen auf dem Draft Board aufleuchten, müssen ihrem Coaching-Zirkel nicht nur früh zeigen, dass Sie eine verlässliche Rotationskraft sein können, sondern auch das öffentliche Verlangen nach Indizien für ihr Potentials als Besonderheit, und zukünftiger Teil eines Franchise-Fundaments, befriedigen.

Das gescheiterte Flügelexperiment

2011 galt Williams weitestgehend als zweitbester Spieler seiner Draftklasse und wurde von den Wolves als potentielle Scoring-Option für den Flügel ausgewählt. Von Anfang an gab es Bedenken über Williams’ Fähigkeit, dort effektiv zu sein, und eine Minutenarmut hinter Kevin Love drohte, sollte dieses Experiment scheitern. Gute Quoten aus der Distanz sowie niedrige Turnover-Raten und Anzahl an assistierten Würfen  am College bescheinigten Derrick Williams das Potential in dieser Rolle zu spielen, welches er in zwei Profijahren jedoch nicht erfüllen konnte.

Derricks enttäuschende Dreierquote (33,2% in Jahr zwei bei 3,7 3PA per 36) gepaart mit fehlender Übersicht und mangelnder Dribbelfähigkeit ließen ihn als Flügelspieler scheitern. Szenen mit Williams als Faciliator am Elbow, ähnlich wie es Kevin Love derzeit zeigt, endeten meist nach Hand-Off als neu angesetztes Play durch den Point Guard oder forciertes Ziehen in eine Defensivreihe, die schon längst in Position war.

Die diesjährige Sample Size ist noch extremst klein, jedoch deuten die neuen, kameraunterstützten Statistiken von StatVu Inc. an, was die letzten Jahre mit dem Auge erkennbar war. In der unteren Grafik sind Spieler abgebildet, die in 100+ Minuten die wenigsten Asisst-Möglichkeiten verbuchen konnten. Assist-Möglichkeiten sind Pässe, die zu Assisst geworden wären, hätte der Rezipient den darauf folgenden Wurf getroffen. Wie gesagt, extremes sample size – aber es fällt auf, dass sich bis auf Derrick Williams… und vielleicht (schluck) Anthony Bennett, keine Spieler tummeln, die man auf dem Flügel als Ballhandler oder sekundärer Spielgestalter erwartet.

derrickwilliamsastpass

Wie gesagt, extrem kleine Sample Size. Aber auch für die vergangenen Jahre gibt es Indizien für diese Schwäche: Williams war in beiden Profijahren einer von 12 Spielern, die bei 1000+ gespielten Saisonminuten und einer Usage von 20+ auf eine AST% von unter 6 und APG von unter 2 kamem. Bis auf Nick Young weist auch diese Liste hauptsächlich klare Bigs wie etwa Nikola Pekovic aus:

derrickwilliamsusgast

Auch als Back-Up für Love bzw. dessen Ersatz im letzten Jahr konnte sich Derrick Williams nicht hervortun. Trotz herausragender Athletik ist er im Abschluss um den Korb überraschend schwach. Nur 54% seiner Würfe in einem Umkreis von 2,50 Meter vom Korb entfernt traf Derrick, wobei er besonders bei Lay-Ups Probleme hatte.  Diese kamen jedoch nicht von ungefähr, denn Williams zog oft planlos in eine Verteidigungsbox, die sich um ihn zuzog, da sie nicht fürchten musste, er könnte den Ball zu einem frei stehenden Spieler kicken:

derrickwilliamslayup

Solche Szenen waren keine Seltenheit. Immerhin kommt diesem Drive eine Aktion (Hand-Off) zuvor, welche die Defensive auf den Beinen hält. Bekam Derrick den Ball am Perimeter und sah sich einem Big gegenübergestellt, versuchte er oft, per Dribbling an diesem vorbeizuziehen, was aufgrund fehlendem Ballgefühls und Geschwindigkeit nicht besonders gut gelang, zumindest nicht, wie man es sich bei einem Flügelspieler vorstellt. 

derrickwilliamsdrive

Geht einem Drive keine Aktion voraus, sprich Derrick bekommt den Ball am Perimeter und muss von dort aus dem Stand arbeiten, tut er sich extrem schwer, selbst gegen viel größere und langsamere Spieler wie etwa Lou Amundson:

derrickwilliamsantritt

Kennen wir Derrick Williams’ Stärken? Kennt er sie?

Als lernender Spieler war Derricks Situation bei den spacinglosen Timberwolves des letzten Jahres kein einfaches, weswegen der hohe Abfall an Wurfversuchen in der Zone zugunsten der Mid-Range zu vertreten ist. Eine Layup-FG% von 44% (2011: 48%) ist es jedoch nicht. Gepaart mit der Wurfschwäche (32% Jumper-FG% bei 91% der Würfe assistiert – 2011: 24% bei 81% d. Würfe asst.) machte dies Williams zu einem Spieler, um den sich gegnerische Mannschaften in der Verteidigung nicht besonders kümmern mussten.

2011 bis 2013 spielte Derrick Williams zwar nur die elftmeisten Minuten seiner Draftklasse, loggte mit 3334 Minuten aber ähnlich viel Zeit wie Kawhi Leonard und Nikola Vucevic. Es war eine Herausforderung , unter Rick Adelman zu spielen, der in besonderem Maße auf Bewegung und Passfertigkeiten setzt, jedoch sind Williams’ enttäuschende Resultate auf beiden Positionen nicht darauf zurückzuführen, dass er unter dem Vet-Coach keine Chance bekam. Williams’ Schwierigkeiten, eine Position oder zumindest Stärken in der Offensive zu finden, ist an der Liga natürlich nicht vorbeigegangen. Auch wenn sich in Derrick Williams ein brauchbarer Spieler versteckt, leidet er wie T-Rob unter dem Trend, dass Coaches und Front Offices offensiv vermehrt auf Spieler setzen, die im Stande sind, die Choreografie der eigenen Offensiv- und der gegnerischen Defensivreihe zu lesen und durch rasche (Ball-)Bewegung zu reagieren. Im Gegensatz zu Williams versucht sich T-Rob zumindest nicht als Flügel, was Williams’ Defizite noch stärker herausstechen lassen und so die rapide Entwertung seines Marktwerts zum Teil erklären lassen.

Der ehemalige Star der Arizona Wildcats schien dem Ruf des kommenden Stars gerecht werden zu wollen und überdehnte sein Spiel infolgedessen auf Bereiche, die ihm rein vom Ruf her, nicht vom spielerischen Skillset, liegen sollten, weswegen er auch im dritten Jahr seiner Karriere ein Mysterium bleibt. Luc Richard Mbah A Moute ist hingegen ein beschriebenes Blatt. Wir wissen, wer er ist und er selber weiß es ebenso gut. Der kamerunische Prinz kennt Limitationen und Stärken, schaltet sich demnach kaum in die Offensive einer Mannschaft ein und genießt den Ruf als defensiver Spezialist, der ihn zu einem garantierten, wenn auch nicht besonders gefragten Rotationsspieler macht.

Mbah A Moute und Minnesota

Die Timberwolves sind nach heißem Start mit massiven Blowouts gegen schwache Teams inzwischen stark abgekühlt, was in erster Linie an einer Bank liegt, die bisher nicht mal auf D-League Niveau produziert. On/Off-Nummern sind kein perfekter Gradmesser, jedoch ist der Unterschied zwischen den startenden Wölfen und den ersten fünf Optionen von der Bank so gravierend, dass sie hier Aussagekraft besitzen:

derrickwilliamsMINstartbench

Anhand der %Min-Ziffern ist zu erkennen, dass es Adelman schwer fällt, funktionierende Rotationen zu finden, in der zumindest drei Starter auf der Bank Ruhe finden. Die Starting Five der Wolves loggt mit 336 Minuten mit Abstand die meisten Minuten in der NBA. Auf Platz zwei und drei sind die mit ähnlichen Problemen behafteten, aber deutlich erfolgreicheren Portland TrailBlazers (283 min) und Los Angeles Clippers (271 Minuten). Im Durchschnitt spielt die Top-Lineup eines Teams ca. 140 Minuten. Die zweithäufigste Lineup der Wolves loggt bisher 32 Minuten und stellt Rubio, Martin, Brewer und Love.

Das besondere Sorgenkind der Wölfe, die Defense, hat sich bisher als nicht so grottig erwiesen wie sie vor der Saison dem Papier schien. Obwohl Ricky Rubio bis dato der einzige überdurchschnittliche Verteidiger im Kader war, der Minuten sah, überlebte Minnesota – an einem noch sehr frühen Punkt in der Saison – die ersten 15 Spiele als defensiv überdurchschnittliche Mannschaft. Die offensiven Probleme der Bank bleiben auch mit Mbah A Moute bestehen. Dennoch ist der Trade für einen klaren Rotationsspieler ein vorausschauender Move, der ein Problemfeld, das womöglich in der näheren Zukunft aufflammt, lindern kann. Mit Chase Budinger und Ronny Turiaf sollten in den nächsten Monaten zwei weitere verlässliche Bankoptionen dazustoßen, welche das Mischen von Lineups einfacher gestalten sollte, wenngleich Sie keine Garanten für eine deutlich stärkere Produktion von der Bank sind.

Finanziell ist der Deal ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn nach den 3 x 5 Millionen Dollar Verträgen für die Flügelspieler Budinger, Martin, Brewer und der Vertragsverlängerung für Pekovic in zweistelliger Millionenhöhe liegen die Timberwolves für nächstes Jahr definitiv über dem Cap. Rostertechnisch ergibt sich jedoch minimale Flexibilität, denn es besteht keine Notwendigkeit, Dante Cunningham, dessen Vertrag ausläuft, wieder zu verpflichten bzw. zu ersetzen.

Williams und Sacramento

Der Kader der Kings bleibt ein Stückwerk, das 2012 neben den Cats die schlechteste Verteidigung der Liga stellte. Trotz passabler Offensiveffizienz konnten sich die Könige um wurffreudige Spieler wie DeMarcus Cousins, Marcus Thornton und Tyreke Evans dem Ruf einer eigensinnigen Truppe nicht erwehren. Mit 55,3% assistierter Körbe rangierten die Kings 2012 nur über den Iso-Knicks. Unter neuer Teamführung und neuem Coach schien man gewillt, jüngste Problemfelder langsam aber sicher zu beheben. Der Verpflichtung von Mbah A Moute als verteidigender Flügel-Big Hybrid folgte Greivis Vasquez, der ungleich der Kombo-Guards der letzten Jahre ein klassischerer Point mit Übersicht ist.

Die bisherigen Resultate dieser Saison zeigen, auch aufgrund eines schweren Spielplanes (7 der 13 Spiele bestritt man gegen die Clippers, Warriors, Trail Blazers und Grizzlies), dass die Mannschaft dennoch weit vom Mitbewerber-Status entfernt ist. Die Meinung der Kings-Fans zu dem Deal ist geteilt, denn viele sehen es nicht gerne, dass ein brauchbarer Spieler, der einen „Team-need“ ausfühlte für einen unzuverlässigen Combo-Forward abgegeben wird. Die Kings sollten jedoch auch mit einem Mbah A Moute am Ende der Spielzeit eine unterdurchschnittliche Defensiveffizienz aufweisen, weswegen er ihnen nicht so wertvoll sein kann wie einer Mannschaft, die ebenfalls defensiv Probleme sieht, jedoch Playoffaspirationen hat. Williams ist dafür kein toller Preis, jedoch als junger Spieler, der seinen ersten Teamwechsel mitmacht, für einen Vet-Spezialisten auch kein Verlust.

Wie passt er in dieses Gefüge? Mit dem Trade wurde der Flügel ausgedünnt, auf dem sich neben einigen Guards mit John Salmons und Travis Outlaw nicht gerade verlässliche Kräfte wiederfinden. Auf die Big-Position neben Cousins, unter der bereits Jason Thompson, Patrick Patterson und Carl Landry gelistet werden, stößt hingegen Derrick Williams hinzu. Mike Malone hat noch Schwierigkeiten, eine verlässliche Top-Unit zusammenzustellen. Die Gruppe aus Vasquez-Thornton-Salmons-Patterson und Cousins sah in 95 Minuten offensiv (eFG von .376 – Ortg von 87) wie defensiv (DRtg von 111.9 – schlechter als der Teamwert letztes Jahr) nicht gut aus.

Ausblick

Laut dem Head Coach wird das Flügelexperiment mit Derrick zunächst fortgesetzt – ob aus Überzeugung oder Mangel an Kompetenz auf dem Flügel sei dahingestellt. Derrick Williams sollte nun vom Druck, ein Starspieler zu werden, befreit sein. In seiner bisherigen Karriere hat er noch keine besonderen Stärken für sich als Spieler entdecken können, weswegen es besonders wichtig ist, ihn in einer Rolle einzusetzen, in der ihm dies gelingen kann. Die Vorzeichen auf ein Gelingen als klassischer Flügelspieler stehen demnach nicht besser als in Minnesota. Es wird interessant zu sehen sein, wie Malone dessen Rolle genau definiert, aber bisher hat Williams kaum Potential als Spieler gezeigt, der sich selbst oder andere in Szene setzen kann – und ist nun Teil einer Mannschaft, die damit generell Probleme hat.

Captechnisch ist der Deal zunächst keine große Bürde für die Kings, da sie mit dem Deal insgesamt nur ca. 2,37 Millionen Dollar aufnehmen. Mit dem erhöhtem Gehalt für Cousins ab 2014 und dem Expiring von John Salmons wäre das Team genau an der Capgrenze. Mit Greivis Vasquez und Isaiah Thomas haben sie jedoch zwei günstige, auslaufende Rookieverträge, die deutlich über ihrem Vertragswert produzieren und bei anderen GMs gefragt sein könnten. Von der Forward-Riege würde nur Patrick Pattersons Vertrag auslaufen, dessen Qualifying Offer von 4,3 Millionen die Kings wahrscheinlich nicht ziehen werden. Williams hat noch über die nächste Saison hinaus einen Vertrag, bevor die Kings ihm eine QO von satten 8,2 Millionen Dollar unterbreiten könnten. Sprich: Die Kings haben keine Flexibilität und können ihre Forward-Riege weiterhin nur durch nur durch Trades entschlacken. Aber auch dies wird nicht einfach, denn Jason Thompson verdient über die nächsten Jahre noch ca. 25 Millionen Dollar und dem bald von einer Verletzung wiederkehrenden 30-jährigen Carl Landry haben die Kings aus irgendeinem Grund einen vierjährigen, vollgarantierten Vertrag über 26 Millionen Dollar gegeben. Williams wird den Vertragswert der QO mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit spielerisch nicht gerecht werden, weswegen die Kings sich in diesen zwei verbliebenen Jahren nicht zu lange mit Experimenten aufhalten sollten. Stattdessen gilt es, endlich herauszufinden, was man an Derrick Williams hat.

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