NBA, Phoenix Suns

Sonnenuntergang – Teil 2

Der Rebuild der Phoenix Suns - Kader 2013-14 und Ausblick

In Teil 1 des Artikels zum Rebuild der Suns warf Jonathan Walker einen Blick auf die  jüngere Vergangenheit der Suns sowie die Transaktionen der Offseasons 2012 und 2013. Im zweiten Teil soll der Kader der Suns 2013-2014 näher beleuchtet und ein Blick in die Zukunft gewagt werden. Die aktuellen Suns werden der Übersicht halber in Talente, Veteranen/Tradekandidaten und Füllmaterial unterteilt.

Talente

Talentierte Spieler sind beim Neuaufbau selbstredend unabdingbar, denn irgendwann soll es schließlich wieder aufwärts mit der Franchise gehen. Vor dieser Offseason war es in Sachen junge Talente bei den Suns allerdings nicht weit her. Nach der Draft und dem Dudley-Trade sieht es nun nicht mehr ganz so schlimm aus, auch wenn weiterhin wohl kein Superstartalent im Kader steht.

Eric Bledsoe

Wenn Fanliebling Dudley schon getradet werden sollte, dann bitte für ein vielversprechendes Talent oder einen ordentlichen Draftpick, so der Tenor im Fanlager der Suns. Mit Eric Bledsoe kam ersteres zu den Suns und so konnte man in Phoenix mit dem Verlust leben, auch wenn der Ex-Clipper auf einer mit Dragic eigentlich bereits besetzten Position zuhause war.

Die Saison 2012-13 war Bledsoes kleine Coming-Out Party, in der er sich in allen relevanten Bereichen statistisch verbesserte. So hievte er seine TS% mit 53.1 erstmals auf ein akzeptables Niveau und drückte seine TOV% auf 17.9, während seine absoluten Zahlen stiegen. Allgemein verbessert sich Bledsoe seit seinem Rookiejahr kontinuierlich, legte in den Playoffs noch eine Schippe drauf und führte in L.A. einen der besten Benchmobs der Liga an.

Das kraftvolle Energiebündel bekam auf Grund seiner Allroundfähigkeiten von King James persönlich den Spitznamen „Mini-LeBron“ verpasst. Defensiv gehört er schon jetzt zu den besten Guards der Liga. On-Ball ist er eine Pest, seine Stealrate wird nur von Rubio und Paul getoppt, mit seiner Blockrate von 3.0 steht er mit meilenweitem Vorsprung vor allen anderen Guards der NBA (Wade folgt mit 1.9, Wall 1.8), was selbst für einen Big Man ein respektabler Wert wäre, obwohl er mit seinen 1,85m zu den kleinsten Spielern überhaupt gehört. Das stört ihn auch nicht beim Rebounden, wo er bei den Offensivrebounds mit einer Rate von 6.1 unter den Guards den zweiten Platz (hinter Tony Allen) belegt. Die totale Reboundrate ist gut für Platz acht.*

(*alle Stats 2012-13, minimum 20 MPG und 30 Spiele)

Bledsoe

Trotz des Hypes um Bledsoe, müssen einige Fragen erlaubt sein. Da wäre zum einen die Frage, ob Bledsoe ein echter Aufbau ist. Laut 82games.com verbrachte er zwar über 90% seiner Minuten auf der Eins (den Rest neben Chris Paul), doch dort hatte er mit Jamal Crawford auch so gut wie immer einen zweiten Ballhandler an seiner Seite und mit Odom oft noch einen weiteren Playmaker auf den großen Positionen. Mit einer Assistrate von nur 23.5 seigerte er sich zwar, bleibt jedoch noch immer hinter 43(!) anderen Guards zurück, die 2012-13 mindesten 20 MPG spielten, was sich in lediglich 5.4 APG/36 Min. niederschlägt. In Kombination mit diesen Werten ist seine Turnoverrate dann viel zu hoch. Seine Dreierquote stieg auf knapp 40%, bei jedoch durchschnittlich nur einem Versuch pro Spiel, was auf seinen weiterhin wackligen Sprungwurf hinweist. Aus der Mitteldistanz (10 Feet bis Dreierlinie) sieht es mit rund 30% gar noch viel schlimmer aus. Diese offensiven Schwierigkeiten schlagen sich dann in einem Offensivrating von nur 102 nieder, was zwar viel besser als in seinen ersten beiden Jahren, aber noch immer unterdurchschnittlich ist und zu den schlechtesten aller Guards gehört.

All das scheint darauf hinzudeuten, dass Hornacek erst einmal gut beraten ist, Dragic und Bledsoe gemeinsam auflaufen zu lassen, da Dragic ihn im Aufbau entlasten kann und einen ordentlichen Wurf mitbringt. Zudem kennt Dragic das Spiel als Off-Guard noch aus Zeiten an der Seite Steve Nashs und hat mit 1,93m genug Länge, um auch mal gegen Zweier zu verteidigen. Bledsoe wird dennoch wegen seiner defensiven Qualitäten in der Regel den gefährlicheren Backcourtspieler übernehmen. Das Auflaufen mit zwei nominellen Aufbauspielern kann jedoch kein Dauerzustand sein. Wenn Bledsoe der Point Guard der Zukunft in Phoenix sein soll, muss Hornacek ihm früher oder später auch die Zügel in die Hand geben. Da Bledsoe im Dezember schon 24 Jahre alt wird, darf dies auch nicht mehr allzu lang dauern, denn als reines Talent geht Bledsoe in diesem Alter nicht mehr durch.

Alex Len

Die Fans der Suns machten sich im Vorfeld der Draft eigentlich keine Illusionen. Man hatte den fünften Pick eines in der Spitze schwachen Jahrgangs. An die im Laufe der Saison an Eins gehandelten Nerlens Noel und Ben McLemore würde man nicht kommen, mit viel Glück würde es für Victor Oladipo oder Anthony Bennett reichen. Doch dann kam alles anders: Cleveland überraschte alle und zog Bennett, Orlando schlug bei Oladipo zu, Washington nahm wie erwartet Otto Porter und Charlotte schockte mit Cody Zeller die NBA-Welt gleich noch einmal. Da stand nun Phoenix an Position Fünf und hatte völlig unverhofft die Wahl zwischen McLemore und Noel! Und entschied sich für: Alex Len.

Nichts gegen den Ukrainer, doch die Pelicans (bzw. dann Sixers) und Kings freuten sich, während Sunsfans – vorsichtig ausgedrückt – nicht wissen, was sie von der Wahl des neuen GMs halten sollen.

Zum einen ist Len ein enormes Talent. Er ist mit 2,16m und 2,22m Spannweite ewig lang und bewegt sich, Turnstunden im Jugendalter sei Dank, sehr koordiniert. Auch ganz unatheltisch ist er nicht und langsam aber sicher packt er Muskeln auf seinen schmalen Körper. Das allein macht ihn schon zum potentiellen Rimprotector sowie zur Anspielstation im Lowpost, was in der NBA extrem wertvoll ist. Er ist bereits ein überdurchschnittlicher Rebounder und Shotblocker und offensiv dank Touch brauchbar, obwohl er mit gerade 20 Jahren gerade erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Dass er wegen Knöchel-Operationen den gesamten Sommer aussetzen musste, ist daher unglücklich. Die Hauptfrage wird jedoch bleiben, ob Len einmal ein besserer Spieler als Noel und McLemore wird, denn das waren die logischen Alternativen in der Draftnacht 2013. Sicher stehen hinter Noels Körper und McLemores Einstellung Fragezeichen und Len hat das Talent, der beste Spieler seiner Draftklasse zu sein. Doch McDonough wird sich an seinem ersten Draftpick messen lassen müssen.

Nachdem Gortat nun nach Washington geschickt wurde, stehen Len theoretisch Tor und Tür für viel Spielzeit offen, doch momentan ist er physisch noch nicht auf der Höhe und soll weiterhin erst einmal langsam an die NBA herangeführt werden.

Archie Goodwin

Dass der 29. Pick der diesjährigen Draft direkt zu Phoenix‘ drei hoffnungsvollsten Talenten zählt, verheißt für die Suns eigentlich nichts Gutes. Archie Goodwin könnte unter Umständen jedoch zum Steal werden, wenn er sein Talent einigermaßen auf das Parkett bringen kann. Mit gerade einmal 19 Jahren und seinen noch rohen Fertigkeiten ist er die Blaupause eines Projekts. Als Guard hat er mit 1,95m und einer Armspannweite von 2,07m eine ordentliche Länge und ist recht athletisch. Das macht ihn im Fastbreak zur gefährlichen Waffe und legt die Grundlage zum effektiven Slasher und bissigen Verteidiger, der er in der NBA einmal werden kann.

Problematisch ist sein wackeliger, weil technisch nicht ganz sauberer Sprungwurf – in Kombination mit einem sehr gesunden Selbstvertrauen. Laut Coach Hornacek hat der jüngste Spieler der NBA bisher noch selten einen schlechten Wurf gesehen, ist aber sehr lernwillig, wissbegierig und versucht immer mehr, die Ratschläge des Coachingstaffs umzusetzen. Auf Grund dieser Kombination ließ sich Hornacek gar zu einem Vergleich mit dem jungen Kobe Bryant hinreißen.

Der ehemalige Kentucky Wildcat sollte außerdem ein paar Kilo zulegen, wenn er in der NBA beim Zug zum Korb hochprozentig abschließen will. Desweiteren verfügt er über ein gutes Auge für den Mitspieler, weshalb er teilweise als Comboguard geführt wurde, was er aber nicht ist und bei den Suns auch nicht sein muss, da mit Bledsoe, Dragic und Ishmael Smith genug Einser im Kader stehen. Auf der Zwei jedoch klafft nach dem Trade Browns ein Loch im Wüstenstaat. Entwickelt sich Goodwin wie erhofft, gehört ihm die Zukunft auf Shooting Guard in Phoenix.

Markieff Morris

KieffIm Prinzip ist Markieff Morris ein Spielertyp, den jedes Team gebrauchen kann, da er als Power Forward über einen ordentlichen Sprungwurf verfügt und so als Stretch Four eingesetzt werden kann, was in der heutigen NBA zunächst keine schlechte Basis ist. Doch der Lotterypick 2011 stagnierte in seiner Sophomoresaison auf einem unterdurchschnittlichen Level. Man kann darüber streiten, ob dies auch dem Abgang Steve Nashs zu verdanken ist, oder er eben nicht weiter talentiert ist. Jedenfalls ist Kieff offensiv schrecklich ineffizient (TS% 47.3; ORtg 96), da er zu viele Sprungwürfe nimmt und auch am Ring trotz Athletik nicht effizient abschließt. Er reißt defensiv keine Bäume aus, da foulanfällig, auch wenn seine Steal-  und Blockrate immerhin zu den besseren unter den Forwards gehört. Auch als Rebounder ist er maximal durchschnittlich. Er wird sich in der kommenden Saison mit dem wiedergenesenen Channing Frye um Spielzeit streiten, wobei Morris auf Grund seines mit 24 Jahren (zumindest theoretisch noch vorhandenen) Entwicklungspotentials einen Vorteil bei Hornacek haben dürfte. Setzt er selbiges jedoch nicht um und entwickelt sich mindestens zu einem verlässlichen Starter, dürfte seine Zukunft in Phoenix stark begrenzt sein.

Marcus Morris

Der zweite im Zwillingsverbund kann im Gegensatz zu seinem Bruder auch die Drei spielen und somit auch neben diesem auflaufen. Problem: Marcus Morris traf seinen Dreier in Phoenix mit 31% bei 3.8 Versuchen/36 Minuten nicht mehr annähernd so gut, wie noch in Houston (38% bei 6.1) und verkam so zu einem ähnlich ineffizienten Offensivspieler wie sein Ebenbild Markieff. Dazu ist Mook ein klassischer Tweener – im negativen Sinn: zu klein (rebound- und verteidigungsswach) für die Vier und zu langsam für die Drei. Bei den Suns musste er mehr Small Forward spielen, während er bei den Rockets als Strecht-Four agierte, was ihm offensiv besser zu liegen schien. Auch bei ihm wird ein Schritt in Richtung Rockets-Form und darüber hinaus nötig sein, um sich bei den Suns und in der Liga zu halten. Die Chancen, dass er unter Hornacek besser agiert als unter Lindsey Hunter stehen allerdings nicht schlecht.

Miles Plumlee

Eigentlich ist es grenzwertig, Plumlee noch unter den „Talenten“ zu listen, denn er ist trotz erst einer Saison in der NBA bereits 25 Jahre alt. Er stellt einen weiteren Bruder (von Mason Plumlee) in der langen Reihe von Brüdern von anderen (besseren) NBA-Spielern bei den Suns dar. Da Len wie erwähnt noch nicht bereit für den Starterposten bei den Suns ist, erhält Plumlee nun seine Chance zu zeigen, dass er besser als die 23% ist, die er in seinem Rookiejahr aus dem Feld warf. Vom College kennt man ihn als Athlet, der offensiv stark limitiert ist. In der Preseason zeigte er jedoch ein deutlich verbessertes offensives Repertoire, nachdem die Coaches den Sommer über intensiv mit ihm zusammengearbeitet hatten. Kann er seine Kombination aus Rebounding, Shotblocking und verfeinerter Offense halbwegs konstant auf das Parkett übertragen und sich für sehr viel mehr als die 55 NBA-Minuten empfehlen, die er in seinem Rookiejahr spielte, könnte er langfristig Lens Backup auf der Fünf werden.

Veteranen / Tradekandidaten

Da Phoenix in der harten Realität des kompromisslosen Rebuilds angekommen ist, ist jeder halbwegs brauchbare Veteran gleichzeitig auch Tradekandidat. Für einen Mittelweg à la Daryl Morey sind die besten Spieler der Suns und auch ihre bisherigen Talente einfach nicht gut genug. Frye ist 30, Dragic 27 und Okafor 31. Beide werden mit dem Alter eher nicht besser werden und in ein paar Jahren, wenn die Suns (hoffentlich) wieder angreifen können, noch gut genug sein, um dem Team wirklich weiterzuhelfen. Weiter ist es fraglich, ob sie die näcshten Jahre näher am Tabellenende als den Playoffs verbringen wollen. Durch Trades schaffen sie Spielzeit für jüngere und entwicklungsfähige Spieler auf ihren Positionen und bringen Assets als Gegenwert. Dennoch müssen die Suns Frye und Dragic nicht unbedingt traden, denn im Gegensatz zu Okafor und den bereits verschifften Gortat und Brown laufen ihre Verträge nicht aus. Desweiteren schadet es auch einem Team wie den Suns nicht, wenn ein paar vorbildliche Veteranen im Team stehen, wie es Dragic und Frye sind.

DragicGoran Dragic ist momentan vielleicht der beste Spieler der Suns. Der Slowene spielte eine starke EM und soll nun im Wechsel mit Bledsoe das Spiel leiten. Er ist ein starker Slasher und eigentlich ordentlicher Werfer, auch wenn seine Dreierquote in der vergangenen Saison mit 31.9% (bei 3.6 Versuchen/Spiel) stark zu wünschen übrig ließ. Auch als Vorbereiter kann der „Dragon“ glänzen, wenn auch natürlich bei weitem nicht auf Steve Nashs Niveau. Klar ist, dass Dragic momentan als Träger der offensiven Hauptlast und dienst-ältester Sun in gewisser Weise das Gesicht der Franchise ist, was eigentlich auch gegen einen Trade sprechen sollte. Sein Vertrag ist mit je $7.5 Mio. über die nächsten drei Jahre (drittes Jahr Player Option) auch angemessen. Andererseits ist der drei Jahre jüngere Bledsoe die Zukunft auf der Eins und eine Combo der beiden keine Lösung auf Jahre. Früher oder später sollte Dragic weg – auch wenn dann diese Saison offensiv in Phoenix wahrscheinlich alles vollends zusammenbrechen würde.

Channing Frye war in Phoenix vom Bust zu einem der besten Dreierschützen der Liga avanciert, was ihn zum vielleicht besten Strecht-Big der Liga gemacht hatte. Die Saison 2012-13 musste er jedoch mit einem vergrößerten Herzen pausieren. Niemand kann abschätzen, wie schnell er zu physisch alter Form zurückkehren wird – und vor allem wie negativ sich der Abgang Nashs auf einen Spotup-Shooter wie ihn auswirkt. Er verdient über die nächsten beiden Saisons mit $6.4 und $6.8 Mio. (Player Option) gut, ist aber – wenn fit – nicht überbezahlt. Kann er halbwegs an seine besten Saisons anschließen, ist er für beinahe jedes Playoffteam interessant. Findet man keinen Abnehmer, kann man ihn erst einmal behalten und entweder in der folgenden Saison seinen dann auslaufenden Vertrag in der Liga anbieten oder ihn gar längerfristig binden, wenn man ihn als Veteran und Strecht-Big halten will.

Emeka Okafor wurde in erster Linie von den Wizards getradet, da er mit seiner Halswirbelverletzung noch Monate fehlen könnte. Im Medical Staff der Suns ist er zwar bestens aufgehoben, doch es kann gut sein, dass Okafor spielerisch in Phoenix gar keine Rolle spielen wird. Falls er vor der Deadline als dicker auslaufender Vertrag nicht noch weitergeschickt werden kann, kann er als vorbildlicher, defensiver Arbeiter aber vielleicht noch den Mentor für die jungen Bigs geben.

Füllmaterial

Gerald Green musste im Trade mit den Pacers aufgenommen werden. Da er für die nächste beiden Jahre noch $7 Mio. Dollar verdient, wird es kaum möglich sein, ihn weiterzutraden. Er hat zwar – wie so viele Spieler der Suns – eine zum Abgewöhnen ineffiziente Saison hinter sich (TS% 46.5, ORtg 95), passt in Phoenix aber nicht nur deswegen sogar irgendwie dazu. Er kann mit Bledsoe und Dragic/Goodwin eine athletische Lineup auf den kleinen Positionen bilden, was zwangsläufig für ein paar Highlights und somit zur Belustigung der treuen Fans im US Airways Center dienen. Auf Small Forward klaut er ohnehin keinem vielversprechendem Talent Spielzeit. Außerdem hat er im Grunde einen ordentlichen Dreier im Repertoire (35% bei 5.0 Versuchen/36 Min. Karrierewert) und kann so das Feld breit für die Drives der Guards oder Postups der Bigs machen. Da er direkt von der Highschool in die NBA kam ist er mit 27 jünger als man denken mag und seine bisher beste Saison spielte er vor zwei Jahren bei einem ähnlich miesen Team in New Jersey…

TuckerPJ Tucker ist zwar erst in seinem dritten Jahr, auf Grund seiner Abwesenheit von der NBA 2006-2012 mit 28 Jahren aber lange kein Talent mehr. Als billiger, harter Arbeiter, der wenig Fehler macht, ist er jedoch trotzdem mehr als brauchbar. Er kann beide Flügelpositionen spielen und – in diesem Kader wichtig – verteidigen. Er wird da einspringen wo es nötig ist und sich ansonsten nicht weiter beklagen. Diese Eigenschaften könnten ihm ein längerfristiges Engagement als Backup in Phoenix einbringen. Diese Saison ist er aber mangels guter Alternativen sogar vorerst Starter.

Die Position des dritten Centers bekleidet Viacheslav Kravtsov, der wie Len Ukrainer ist und ihm so den Einstieg in die NBA erleichtern soll. Kravtsov war in seiner Rookiesaison bei den Pistons in ebenfalls begrenzter Spielzeit in gewisser Weise der Gegenentwurf zu Plumlee, indem er mies reboundete, aber knapp 72% seiner Würfe verwandelte. Wie Plumlee ist Slava bereits 25, was eigentlich keine großen Entwicklungssprünge mehr erwarten lässt. Wegen seines garantierten Gehalts von $1.5 Mio. wurde er im Kader behalten, sollte aber nur sporadisch Minuten sehen.

Ishmael Smith ist der dritte Point Guard hinter Dragic und Bledsoe und verdankt seinen Verbleib im Kader seinem garantiertem Vertrag sowie dem Trade Marshalls. Smith ist schnell, ballsicher und kann passen, jedoch selbst für einen Aufbau körperlich schwach und dazu kein guter Schütze. Es ist mehr als fraglich, ob er sich in der Liga halten können wird und so überhaupt eine Rolle in der Zukunft Phoenix‘ spielt.

Dionte Christmas ist ein alter Bekannter McDonoughs, der ihn bereits in Boston ins Training Camp geholt hatte. Der Mann mit dem weihnachtlichen Nachnamen ist der Notnagel für den Flügel und sollte nur sporadisch eingesetzt werden. Mit 27 Jahren hat er kaum noch Entwicklungspotential.

… Till Dawn?

Machen wir uns nichts vor, basketballerisch wird die Saison in Phoenix wenig erfolgreich werden. Mit Dragic und Bledsoe befinden sich gerade einmal zwei Spieler im Kader, die sich in den anderen Teams der Liga überhaupt Chancen auf einen Starterposten ausrechnen dürften – und die spielen auch noch dieselbe Position. Die Suns werden versuchen Ballverluste zu forcieren, dann zu rennen und (möglichst spektakulär) abzuschließen, denn im Halbfeld wird man sich ohne gutes Spacing oder konstante Lowpostoptionen schwer tun. Defensiv sieht es, vor allem am Korb, genau so übel aus. Selbst andere Teams im Rebuild wie die Jazz oder Magic haben mehr Qualität im Kader. Bestenfalls die Sixers und Celtics haben noch schlechtere Teams, doch die spielen im schwächeren Osten…

Suns

Doch das ist auch Teil des Plans. Für viele Siege wird die Saison 2013-14 nicht gut sein, aber für Spielzeit und somit Evaluierung und Entwicklung der jüngeren Spieler und Etablierung eines Systems dafür umso mehr. Ende April wird man wissen, wie viel einem die anstehende Vertragsverlängerung Bledoes Wert ist, wie talentiert Len und Goodwin wirklich sind, oder wo die Reise bei den Morris-Twins und Plumlee hin geht.

Ganz nebenbei positioniert man sich nicht schlecht für den Draft 2014, in dem aller Voraussicht nach eine Schwemme an Talenten mit dem Zeug zum Franchiseplayer zur Auswahl stehen soll. Andrew Wiggins, Julius Randle, Jabari Parker, Aaron Gordon (die alle Forwards sind und so gut zu Bledsoe – Goodwin – Len passen würden) Marcus Smart, Dante Exum, Andrew Harrison, um nur ein paar zu nennen. Nebem dem eigenen, hohen Erstrundenwahlrecht hat man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Pick der Pacers. Auch den der Timberwolves und Wizards erhält man, wenn diese zu den besten 17 bzw. 18 Team der Liga gehören, was nicht unwahrscheinlich scheint.

Die Suns werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei, wenn nicht gar drei oder vier Picks in der ersten Runde des kommenden Superjahrgangs erhalten, wobei man mit einer Kombination dieser Picks (und Spielern) unter Umständen gar noch nach oben traden könnte. Zieht man in Betracht, dass der Draft nach wie vor die beste Methode ist, an Talente zu kommen und das Team zu verjüngen, hat das Management sich perfekt für einen erfolgreichen Rebuild positioniert.

DunkIn der ersten Saisonwoche überraschten die Suns positiv und schlugen die Blazers, Jazz und Pelicans. Die beiden Niederlagen kamen mit den Thunder und Spurs gegen Schwergewichte der Conference und waren äußerst knapp. Die Truppe Hornaceks kämpft, verteidigt überraschend gut und ist offensiv besser als erwartet, vor allem da viel auf Fastbreaks und Dreier gesetzt wird.

Fast fühlt man sich schon an glorreichere Zeiten erinnert, auch da der herausragende Akteur bisher ein Point Guard ist: Bledsoe überzeugte in den ersten fünf Spielen mit einem TS% von 61.3, einer AST% von 36.9 und einem ORtg von 113, bei absoluten Zahlen von rund 21 PPG, 5 RPG und 7 APG. Dabei nimmt er noch zu viele Dreier und schmeißt den Ball sehr oft weg. Doch bekommt er verbessert er sich hier weiter und kann seine Werte einigermaßen halten, hat Phoenix seinen Aufbauspieler der Zukunft.

Auch Plumlee überzeugt bisher als Double-Double-Threat und Rimprotector auf der Fünf. Green scheint sich selbst mit Namensvetter Danny zu verwechseln und trifft 48% seiner 6.2 Dreier pro Spiel. Die Morrii machen Vortschritte, während Goodwin roher als Sushi ist und Lens Knöchel weiter Sorgen machen… Es scheint eine durchaus unterhaltsame und interessante Saison in Phoenix zu werden.

Für die Entwicklung der Spieler und die Vermeidung einer Losing-Culture (wie sie in Jahren andauernden Rebuild oft entsteht) sind die aktuellen Siege gut. Der momentane Kader der Suns wird das aktuelle Niveau aber unmöglich über mehrere Wochen oder gar Monate halten können. Sie haben den Überraschungsmoment auf ihrer Seite, sind hungrig und hervorragened gecoacht. Dies wird mit der Zeit teilweise verpuffen bzw. an Relevanz verlieren. Gegnerische Verteidigungen werden sich auf Bledsoe, Plumlee und Co. einstellen. Die ersten Blowouts und Niederlagenserien kommen bestimmt, daran sollte nicht gezweifelt werden.

Doch schon 2014-15 könnte ein Kern um Bledsoe, Goodwin, Wiggins/Randle/Parker/Draftee X, Len um einen weiteren Pick 2015 mitspielen (wo man evtl. noch den der Lakers bekommt), bevor man dann in den folgenden Jahren wieder viel sonnigeren Zeiten im Wünstenstaat entgegensehen dürfte. Ganz so, wie man es dort gewohnt ist.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

4 comments

  1. Avatar

    t0rchy

    Ich muss hier mal ein sehr deutliches Lob aussprechen, der Artikel ist wirklich richtig toll geworden, ich möchte auch begründen warum:

    Meine Freundin fragt mich schon die gesamte Offseason über, was es denn jeden Tag so interessantes zu nur einer Mannschaft geben kann, dass man da ständig Neuigkeiten oder Artikel lesen kann. Ich konnte ihr das bisher nur sehr mäßig nahe bringen, durch deinen Artikel aber hat sie Besonderheiten der aktuellen Situation aber verstanden und fand ihn noch dahinstehe gut lesbar. Bis auf einige Statistiken bzw Abkürzungen. Aber hey, sie hat mich bei der EM auch gefragt, warum da immer noch eine zweite Uhr mitläuft…

    Allerdings auch aus Sicht eines Fans, der das mit der anderen Uhr doch schon kennt, fand ich den Artikel sehr lesenswert. Sowohl für Suns Fans als auch weniger geschmackvolle Ligabeobachter.
    Am Anfang die globale Thematik näher gebracht, strukturiert nach Priorität auf die einzelnen Spieler eingegangen sowie das ganze mit etwas lockererem Sprachfluss zum Schluss abgerundet. Hat mir sehr gut gefallen!

    Einzig zu den beiden Neuzugängen, die wohl am ehesten eine Konstante sein werden: McD und Hornaceck, hätte ich mir etwas mehr details gewünscht. Aber das ist nur mein persönlicher Gusto.

    Vielen Dank und gerne mehr! Auf jeden Fall ein Artikel auf inhaltlich und im Ausdruck sehr hohem Niveau.

    Grüße, Christian.

    P.S.: Goodwin ist roher als Sushi… Großer Sport :D

  2. Jonathan Walker

    |Author

    Vielen Dank für dein Lob, Christian. Da wird einem ja ganz warm ums Herz. :mrgreen:

    Einzig zu den beiden Neuzugängen, die wohl am ehesten eine Konstante sein werden: McD und Hornaceck, hätte ich mir etwas mehr details gewünscht. Aber das ist nur mein persönlicher Gusto.

    Ehrlich gesagt sehe ich das ganz genauso wie du. Ich hatte mir diesen Teil bis zum Schluss aufgehoben. Da ich allerdings schon seit Monaten immer wieder am Artikel geschrieben habe und vor allem in letzter Zeit (Gortat-Trade, Saisonstart) ständig wieder etwas umschreiben musste, bin ich nicht so detailliert auf Coach und GM eingegangen, wie ich es vorgehabt hatte. Das Ding musste jetzt einfach mal raus.

  3. Avatar

    bartek

    Super geschrieben Jonathan. Du trägst zwar etwas Miami in dir, aber auf deine Suns kannst du stolz sein :D

    Würde mich auf so einen Artikel zur Mitte der Saison über deine Suns freuen ;)

    Edith: Ach, ich beobachte die Suns gerade gegen die Kings :mrgreen:

  4. Jonathan Walker

    |Author

    Super geschrieben Jonathan. Du trägst zwar etwas Miami in dir, aber auf deine Suns kannst du stolz sein :D

    Danke! :)

    Würde mich auf so einen Artikel zur Mitte der Saison über deine Suns freuen ;)

    Je nachdem wie die Saison verläuft, könnte ich mir schon vorstellen, noch mal einen zu schreiben.

    Edith: Ach, ich beobachte die Suns gerade gegen die Kings :mrgreen:

    Macht mal wieder Spaß, auch wenn Bledsoe leider fehlt. Plumlee, Goodwin und Green dunken wild um sich. :mrgreen:


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben