Gedanken, Miami Heat

CB three

Braucht Chris Bosh eine größere Rolle?

Die Partie befindet sich in der Schlussminute. Es spielen die Miami Heat gegen die San Antonio Spurs. Die Texaner liegen vorne. Chris Bosh wird an der Dreierlinie angespielt und hatte eine freie Sicht auf den Korb. Er setzt zum Wurf an … und trifft.

Der aufmerksame Spielbeobachter wird sich beim Lesen der Zeilen wundern. Bosh hat den Dreier in Spiel 1 der NBA Finals kurz vor Ende der Partie doch auf und nicht in den Ring gesetzt. Korrekt. Die anfangs beschriebene Szene stammt allerdings auch aus der regulären Saison:

Ancient Regular Season

Die Miami Heat der Saison 2012/13: Die Mannschaft um LeBron James gewinnt 66 Spiele, davon 27 in Folge, und das Ganze mit einer hohen Punktedifferenz. Offensiv steht man zusammen mit den Oklahoma City Thunder ganz vorne, defensiv liegt man trotz lang anhaltender Meisterschaftslethargie in der Top-10. Eine Ausbeute, die sich sehen lassen kann. Das System, das Coach Spoelstra spielen lässt: Eine Armada an Schützen zieht das Feld auseinander und schafft Räume für Penetrations von James und Dwyane Wade. Für den gegnerischen Coach heißt es: Pick your Poison. Gerade in der regulären Saison ist man dem Ganzen noch viel stärker ausgeliefert. Jede zweite Nacht spielt man einen anderen Gegner und eine wirkliche Vorbereitung und individuelle Einstellung auf ein Team erfolgt nur im begrenzten Maße. Zudem ist die grundsätzliche Ausrichtung der meisten Mannschaften nicht darauf ausgerichtet, das talentierteste Team der NBA zu schlagen, sondern gegen die anderen 28 Mannschaft möglichst oft zu gewinnen. Zu den angesprochenen Schützen gehört auch Bosh. In Toronto galt er noch als designierter Nachfolger von Dirk Nowitzki und Kevin Garnett, als bester kommender Power Forward. Dass er mit seinem Wechsel zu den Heat Spielanteile und auch Ruhm abgeben bzw. teilen muss, war ihm sicherlich auch im Sommer 2010 bereits klar. Aber ob er sich bloß in der aktuellen Rolle gesehen hat?

In der regulären Saison lief es hervorragend. Bosh ließ sich die Würfe aus der Mitteldistanz ohne eigene Mühen von James auf dem Silbertablett servieren und er traf diese Würfe mit einer traumhaften Effizienz. Fünf Würfe aus Distanz ’16-23 feet’, 86% durch Assists für eine Quote von 53%. Zehn Prozentpunkte besser als in seinem letzten Jahr bei den Raptors. Die simple, aber effiziente Offense lief dank Boshs Fähigkeit, als Großer lange Würfe zu versenken. Es regnete Siege und es gab demzufolge keinen Grund, etwas anzuzweifeln. ‘Never change a running system’ heißt es bekanntlich. Coach Spoelstra wusste auch, wen er loben musste:

“He [Chris Bosh] is our most important player for a reason. We’ve said that for three seasons.”

Welcome to the Future

Die Playoffs sind allerdings ein anderes Kapitel. Die Mannschaften und Trainer wissen, dass sie vier bis sieben Male gegen dasselbe Team spielen werden, somit haben und nutzen sie die Gelegenheit, sich akribisch auf den Gegner aufzubereiten und Analysen jeglicher Art durchzuführen. In Cleveland konnte LeBron James beweisen, dass er für eine sehr gute Bilanz in der regulären Saison (bspw. 66 Siege mit Maurice Williams als zweite Geige) bei seinen Mitspielern nur bestimmte Fähigkeiten (bspw. Wurfstärke, Defense), aber kein besonders hohes Talent benötigt. In den Playoffs sah es anders aus. Jetzt ist das Talent da, aber die Performance gleicht die eines Rollenspielers. Gemeint ist Chris Bosh.

chrisboshsadDer Nutzen, wenn Bosh sich vom Korb entfernt, um Räume für James bei seinen Penetrations oder seinem Spiel im Low-Post zu schaffen, dürften keinem entgehen, aber heißt es denn, dass er nicht anderes machen sollte, als Räume zu schaffen? Den Pacers und Spurs ist es gelungen bzw. gelingt es derzeit, Bosh über seine Comfort-Zone hinaus an die Dreierlinie zu drängen. In der regulären Saison nahm Bosh einen Dreier pro Partie und traf diese mit einer Quote von 28,4% (ähnlicher Karriere-Durchschnitt). Auch wenn er in der Serie gegen Indiana seine 16 Dreier mit einer sehr guten Quote traf, sind dies natürlich Würfe, die man ihm durchaus geben kann und will. Zu beobachten war es auch im ersten Spiel der Finals. Auf Anweisung von Coach Popovich reagierten die Spurs-Verteidiger sehr zurückhaltend, wenn Bosh oberhalb der Birne an der Drei-Punkt-Linie stand. Von seinen vier freien Dreiern könnte er keinen versenken.

Es stellt sich die Frage: Hätte man in der regulären Saison gelegentlich vom erfolgreichen System abweichen sollen, um Wege zu suchen, wie man einen Bosh seinem Talent entsprechend auch anderweitig einsetzen kann, um letzlich eine Offense auf die Beine zu stellen, die variabler ist und auf diese Weise den Gegner vor weitaus größere Probleme stellen kann? Auch mit dem Risiko vielleicht das eine oder andere Spiele weniger zu gewinnen bzw. am Ende schlechtere Zahlen in der regulären Saison zu haben, aber für die Playoffs besser aufgestellt zu sein?

Ohne populistisch klingen zu wollen, könnte man durchaus argumentieren, dass ein Ryan Anderson in derselben Rolle offensiv wohl mehr leisten würde als Bosh, da dieser über einen noch besseren Wurf bei längerer Range verfügt. Beim Talent Boshs darf es natürlich nicht sein, dass man überhaupt auf die Idee kommt, solch eine Aussage zu tätigen. Nach Spiel 6 der Eastern Conference Finals hatte Dwyane Wade eine ähnliche Ansicht:

“We’ve got to do a good job of making sure me and Chris have our opportunities to succeed throughout the game. That’s something we’re going to have to look at as a team.”

An der Grundausrichtung der Heat (Priorität #1: Spacing, auch dank Bosh) gibt es nichts zu bemängeln, aber Coach Spoelstra muss sich vorwerfen lassen, dass es ihm nicht gelingt, für Bosh in bestimmten Momenten und Spielsituationen Plays zu laufen, die seinem Talent und seinen Fähigkeiten entsprechen, und dem Team die Möglichkeit geben würden, James zu entlasten. Es darf doch nicht sein, dass die Massenmedien und einige Fans den “LeBron James hat keinen Supporting Cast”-Chor aus Cleveland anstimmen können. Ein talentierter Big Man, der allerdings zu oft an der Drei-Punkt-Linie steht, ist allerdings wie Öl auf den Stimmbändern. Sich einem Team unterzuordnen sollte nicht in Verschwendung münden.

heatteam

Finals Again

Man könnte – zurecht – anmerken, dass die Heat zum dritten Mal im Folge im Finale stehen und auch die Offense oftmals läuft und – bspw. gegen Indiana – die Defense am Brett und das Rebounding die wirklichen Problemfelder und Gründe waren, weshalb die Serie über sieben Spiele ging. Es ist auch der Beweis, über welches Talentlevel diese Mannschaft verfügt und als NBA-Beobachter muss man auch froh darüber sein, dass es dem Trainerstab noch nicht gelungen ist, das spielerische Optimum aus dieser Mannschaft zu holen. Ansonsten hätte der Spannungsbogen der NBA eine Ähnlichkeit mit einer Gerade. Demzufolge ist natürlich auch der Maßstab entsprechend hoch anzusetzen und auf dieser Basis offenbart sich noch Verbesserungspotential der Mannschaft aus South Beach … auch wenn außerhalb der Partymetropole die Hoffnung bestehen sollte, dass dieses Potential nicht weiter realisiert wird.

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14 comments

  1. Dennis Spillmann

    Ich glaube, was mit der Fragestellung immer implizit mitschwingt, ist die Gegenfrage: “Soll Dwyane Wade in eine keinere Rolle?”. Ich denke, das bedingt sich und hier sollte man mit dem Abwägen beginnen.

  2. Julian Lage

    Ich bin nicht ganz davon überzeugt, dass die größere Rolle für einen Spieler immer eine kleinere für einen anderen ist. Das mag jetzt leicht absurd klingen, aber der Punkt für Bosh sind ja nicht unbedingt die zu wenigen Würfe, sondern die falschen. Wenn die Plays etwas besser auf ihn zugeschnitten wären, käme man auch zu der gewünschten größeren Rolle. So sieht es für mich oft so aus, als wäre Bosh nur die Notfall-Option, wenn das geplante Play nicht funktioniert.

  3. Dennis Spillmann

    Bosh muss aber die Notfalloption weit weg zum Korb spielen, weil sowohl James als auch eben Wade die Stärken am Korb haben. wenn man Bosh dauerhaft näher am Korb platzieren will, sollte man im Optimalfall einen Shooter für Wade bringen. Ansonsten sehe ich den Verteidiger Wades immer zum Doppeln rotieren.

  4. Hassan Mohamed

    |Author

    Bosh muss aber die Notfalloption weit weg zum Korb spielen, weil sowohl James als auch eben Wade die Stärken am Korb haben. wenn man Bosh dauerhaft näher am Korb platzieren will, sollte man im Optimalfall einen Shooter für Wade bringen. Ansonsten sehe ich den Verteidiger Wades immer zum Doppeln rotieren.

    Meine Aussage war ja folgende:

    An der Grundausrichtung der Heat (Priorität #1: Spacing, auch dank Bosh) gibt es nichts zu bemängeln, aber Coach Spoelstra muss sich vorwerfen lassen, dass es ihm nicht gelingt, für Bosh in bestimmten Momenten und Spielsituationen Plays zu laufen, die seinem Talent und seinen Fähigkeiten entsprechen, und dem Team die Möglichkeit geben würden, James zu entlasten.

    Die Rolle Boshs als Stretch-Big grundsätzlich nachvollziehbar und auch nicht verkehrt, aber zum einen sollte es nicht dazu führen, dass er zu häufig hinter der Dreierlinie steht, und zum anderen kann Bosh einfach wesentlich mehr als der typische Stretch-Big und ich denke, dass es in einem 48-minütigen Spiel nicht verkehrt wäre, in einigen Possessions diese Fähigkeiten Boshs zu nutzen. Es würde die gegnerischen Coaches doch vor neue Herausforderungen stellen, wenn beim Game Plan berücksichtigt werden muss, dass die Heat diese Möglichkeit – abseits von der Grundstrategie – nutzen.

    Vielleicht ist der neue Untertitel nicht optimal und der ursprüngliche ‘Vom Star zum Rollenspieler und zurück?’ passte besser. Wenn man die Vergangenheit nicht kennen würde und diese Saison isoliert betrachten würde, würde ein Großteil Bosh doch “nur” auf dem Niveau von Serge Ibaka sehen. Letzten Endes will ich sagen: Bosh kann mehr und es sollte auch möglich sein, diese Stärken, die ihm von Rollenspielern unterscheiden, auch besser zu nutzen, ohne dabei die eigene Teamstrategie zu korrumpieren. Es reichen ja eigentlich einzelne Plays, die man einstreut.

  5. Julian Lage

    Bosh muss aber die Notfalloption weit weg zum Korb spielen, weil sowohl James als auch eben Wade die Stärken am Korb haben. wenn man Bosh dauerhaft näher am Korb platzieren will, sollte man im Optimalfall einen Shooter für Wade bringen. Ansonsten sehe ich den Verteidiger Wades immer zum Doppeln rotieren.

    Es ist sicher keine schlechte Idee, dass Bosh dann mehr Würfe nimmt, wenn entweder James oder Wade draußen sind. Aber an sich haben praktisch alle Teams der Liga, vielleicht mit Ausnahme des derzeitigen Gegners, mehr Spacing-Probleme als die Heat. Der nominell 2. Big neben Bosh macht da zwar einen großen Unterschied (Battier vs Anderson), aber selbst Haslem scheint ja seinen Jumper gefunden zu haben in den Playoffs. Von dem her sehe ich Hassans im letzten Beitrag zitierte Aussage als voll zutreffend, Spoelstra muss sich etwas ausdenken.

  6. Dennis Spillmann

    Zu Hassan (und eigentlich auch zu Julian): Aber du möchtest doch, dass Bosh näher am Korb abschließt und es nicht nur designte Setplays gäbe, wo er den Jumper bekommt. Dafür benötigt Bosh aber Raum zum Operieren. Optimalerweise spielt statt Wade dann ein Shooter, der ihm diesen Raum verschaffen kann. Natürlich kann man ein Play so aufziehen, dass Wade und Bosh auf einer Seite agieren (die Spurs verteidigen grundsätzlich die nächste Passstation, Hilfe müsste also von woanders kommen), aber will man Bosh denn wirklich recht tief gegen Duncan etablieren? Oder wo siehst du offensiv die Stärken Boshs, die nicht genutzt werden?

  7. Julian Lage

    Gegen die Pacers hätte er z.B. seine größere Mobilität ausnutzen können, davon habe ich rein gar nichts mitbekommen. Aber da hatte es natürlich auch große Vorteile, Hibbert aus der Zone zu ziehen… Duncan/Splitter sind natürlich unangenehm, aber man sollte von Bosh eigentlich erwarten können, dass er trotzdem punktet, wenn vernünftige Spielzüge aufgerufen werden.

  8. Fabian Thewes

    Ich bin nicht davon überzeugt, dass Boshs durchwachsene individuelle (!) Offensivperfomances der Hauptgrund sind, wieso die Heat gegen die Pacers (und im ersten Spiel gegen SA) Probleme gegen die Spurs hatte. Gegen die Pacers, einer der besten Defensivteams überhaupt, erzielten die Heat mehr als 110 Punkte pro 100 Possessions und waren damit auf dem Niveau der RS, obwohl man dort bekanntermaßen insbesondere gegen miese Teams spielt, die die Werte nach oben treiben.

    Ingesamt erzielten die Heat in den Playoffs 2013 die meisten Punkte pro 100 Possessions und sind damit das beste Offensivteam. Im ersten Spiel gegen die Spurs erzielten die Heat nur knapp 104 Punkte pro 100 Possessions, was zugegebenermaßen eher schlecht ist, doch finde ich dieses eine Spiel (gegen die Pacers überzeugten die Heat in der Offensive extrem!) als Grundlage etwas wenig. 200+ Spiele (inkl. Pacers) lang ist die taktische Ausrichtung von Spoelstra in Bezug auf Bosh erfolgsträchtig gewesen. Das wirft man nicht einfach so über Bord.

    EDIT:

    Viel problematischer sehe ich die Defensive. Bereits Bis Spiel 7 gegen die Pacers hatte man extreme Probleme in der Verteidigung (Rebounding!!!), gegen die Spurs kassierte man wieder fast 109 Punkte pro 100 Possessions. Hier muss man ansetzen!
    In Bezug auf Bosh halte ich seine mangelnde Arbeit am (defensiven) Brett für deutlich kritikwürdiger als den ein oder anderen Fehlwurf.

  9. Dennis Spillmann

    Viel problematischer sehe ich die Defensive. Bereits Bis Spiel 7 gegen die Pacers hatte man extreme Probleme in der Verteidigung (Rebounding!!!), gegen die Spurs kassierte man wieder fast 109 Punkte pro 100 Possessions. Hier muss man ansetzen!
    In Bezug auf Bosh halte ich seine mangelnde Arbeit am (defensiven) Brett für deutlich kritikwürdiger als den ein oder anderen Fehlwurf.

    Ich verweise dazu mal auf den Eye on Basketball-Pod von CBS vom 6.6.2013 (Direktlink). Hier erklären Harper/Moore, wie gut Bosh verteidigt, auch wenn er nicht reboundet. Ich finde die genaue Stelle nun aber nicht mehr.

  10. Fabian Thewes

    Ich verweise dazu mal auf den Eye on Basketball-Pod von CBS vom 6.6.2013 (Direktlink). Hier erklären Harper/Moore, wie gut Bosh verteidigt, auch wenn er nicht reboundet. Ich finde die genaue Stelle nun aber nicht mehr.

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    Ehrlich gesagt habe ich gerade keine Lust mehr als 40 Minuten eines Podcast wegen ein paar Sätze anzuhören, wenn ich nicht weiß, wo es sich ansatzweise befindet. ;) Da du ja den Podcast gehört hast und die Argumente, die dort gebracht werden, nachvollziehbar findest, kannst du den Inhalt bzw. die Erklärung bitte kurz zusammenfassen?

    Dass er meinetwegen individuell solide verteidigt, will ich im übrigen gar nicht in Abrede stellen, doch die individuelle Defense gegen einen Gegenspieler hat nicht unbedingt den größten Einfluss auf die Defensive im Ganzen. Chris Bosh reboundet seit Anfang der Pacers-Serie schlechter am defensiven Brett als Bargnani (Karrierewert). Wenn Bosh mindestens 20% der möglichen Defensivrebounds holt (alles andere als ein Fabelwert), stehen die Heat in den Playoffs 6:1. Holt er weniger, stehen die Heat bei 5:4 (obwohl 7 von 9 Heimspiele dabei waren). Die Heat gehören allgemein zu den schlechtesten Defensivrebounding-Teams in den diesjährigen Playoffs und gerade Chris Bosh hat als nomineller Center offensichtlich einiges dazu begetragen. Das und die allgemeine schlechte Defensive der Heat (im Ganzen) sind für mich eher der Grund für die durchwachsenen Ergebnisse seit Anfang der Pacers-Serie als die offensive taktische Ausrichtung des Chris Bosh, insbesondere wenn man eben beachtet, dass die Heat als Team in den Playoffs 2013 in der Offensive sehr erfolgreich sind.

  11. Hassan Mohamed

    |Author

    Ich befürchte, dass meine Intention anscheinend nicht ganz deutlich wird.

    1.

    Ich bin nicht davon überzeugt, dass Boshs durchwachsene individuelle (!) Offensivperfomances der Hauptgrund

    […]

    Viel problematischer sehe ich die Defensive. Bereits Bis Spiel 7 gegen die Pacers hatte man extreme Probleme in der Verteidigung (Rebounding!!!), gegen die Spurs kassierte man wieder fast 109 Punkte pro 100 Possessions. Hier muss man ansetzen!

    Antwort:

    Man könnte – zurecht – anmerken, dass die Heat zum dritten Mal im Folge im Finale stehen und auch die Offense oftmals läuft und – bspw. gegen Indiana – die Defense am Brett und das Rebounding die wirklichen Problemfelder und Gründe waren, weshalb die Serie über sieben Spiele ging.

    2.

    […] 200+ Spiele (inkl. Pacers) lang ist die taktische Ausrichtung von Spoelstra in Bezug auf Bosh erfolgsträchtig gewesen. Das wirft man nicht einfach so über Bord.

    Antwort:

    An der Grundausrichtung der Heat (Priorität #1: Spacing, auch dank Bosh) gibt es nichts zu bemängeln, aber Coach Spoelstra muss sich vorwerfen lassen, dass es ihm nicht gelingt, für Bosh in bestimmten Momenten und Spielsituationen Plays zu laufen, die seinem Talent und seinen Fähigkeiten entsprechen, und dem Team die Möglichkeit geben würden, James zu entlasten.

    Die Rolle Boshs als Stretch-Big grundsätzlich nachvollziehbar und auch nicht verkehrt, aber zum einen sollte es nicht dazu führen, dass er zu häufig hinter der Dreierlinie steht, und zum anderen kann Bosh einfach wesentlich mehr als der typische Stretch-Big und ich denke, dass es in einem 48-minütigen Spiel nicht verkehrt wäre, in einigen Possessions diese Fähigkeiten Boshs zu nutzen. Es würde die gegnerischen Coaches doch vor neue Herausforderungen stellen, wenn beim Game Plan berücksichtigt werden muss, dass die Heat diese Möglichkeit – abseits von der Grundstrategie – nutzen.

    Vielleicht ist der neue Untertitel nicht optimal und der ursprüngliche ‘Vom Star zum Rollenspieler und zurück?’ passte besser. Wenn man die Vergangenheit nicht kennen würde und diese Saison isoliert betrachten würde, würde ein Großteil Bosh doch “nur” auf dem Niveau von Serge Ibaka sehen. Letzten Endes will ich sagen: Bosh kann mehr und es sollte auch möglich sein, diese Stärken, die ihm von Rollenspielern unterscheiden, auch besser zu nutzen, ohne dabei die eigene Teamstrategie zu korrumpieren. Es reichen ja eigentlich einzelne Plays, die man einstreut.

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    Ich hatte gehofft, dass basierend auf dem Fazit des Gedankens deutlich wird, dass mir bewusst ist, dass ich auf einem sehr hohen Niveau kritisiere. Wie dort geschriebene setze ich natürlich einen sehr hohen Maßstab für diese Mannschaft an. Ich sehe den Nutzen, aber keinen Schaden, wenn man für einen Spieler dieses Kalibers paar mehr Plays läuft, die etwas von der Hauptstrategie abweichen, ohne diese über den Haufen zu werfen. LeBron James bedauerte in der Pacers-Serie zu wenig Unterstützung, nach dem Spiel gegen die Spurs lässt er verlauten, dass er platt war (sein Körper ist scheinbar doch menschlich). Dann läuft da ein vermeintlicher Superstar auf dem Feld rum, der vom Coach behandelt wird, als könne nicht mehr als Matt Bonner. Man könnte Bosh einfach noch viel besser nutzen – was spricht dagegen es zu tun?

    Und dass die Offense und Defense verknüpft sind, ist ja auch bekannt. Bspw. könnte ein James, der vorne entlastet wird, ja defensiv viel mehr Gas geben (bspw. gegen Tony Parker).

    Es ist eine Kritik auf hohen Niveau. Das habe ich geschrieben und darf nicht vergessen werden. Des Weiteren geht die Kritik eher gegen Spoelstra als gegen Bosh.

  12. Fabian Thewes

    @Hassan:
    Die besagten Stellen des Artikels habe ich ja gelesen. :mrgreen: Wo ich inhaltlich einfach nicht ganz zustimmen kann ist die Beschreibung (die auch in der Gliederung des Artikels deutlich wird), dass sich die Heat in den Playoffs plötzlich mit ganz anderen Problemen als in der RS auseinandersetzen müssen (“die Playoffs sind ein ganz anderes Kapitel”) und sie dabei Probleme haben und dass das dabei insbesondere auf die taktische offensive Ausrichtung von Bosh hingewiesen wird. Die Heat spielen, wenn man die Playoffs gänzlich betrachtet, meiner ansicht nach ziemlich genau das, was sie bereits in der RS getan haben. Vorne hui, hinten geht so (meistens jedenfalls).
    Lange Zeit krebste man in der Defense in der RS im letzten Drittel der Liga herum. Erst der großartige Run in der zweiten Saisonhälfte (aber: es war ein sehr leichter Schedule) ändert es etwas und sie rutschten knapp noch in die Top 10 in Sachen Defense. Die Grundprobleme blieben jedoch bestehen und bestätigen sich in den Playoffs wieder; zumindest nach den ersten beiden Runden, da die Gegner dort keine wirklichen Gegner waren. Ich sehe da keine großartige Veränderungen oder neue Probleme im Vergleich zur RS. Die Schwächen, die man in der RS gezeigt hat, sind auch weiterhin die Schwächen in den Playoffs, nur dass man teilweise sich noch etwas schlechter anstellt (Stichwort DefensivRebounding). Vielleicht könnte man die Verletzung von Wade hinzu nehmen, aber an der Grundkonstruktion des Teams, der Stärken und Schwächen, hat sich kaum etwas geändert.
    Selbst wenn man das Team mit dem vom letzten Jahr vergleicht (Finals-Ausrichtung gegen die Thunder) spielen sie weiter ihren Stil. Auch Boshs Rolle sieht kaum anders aus als letztes Jahr, seine Rolle in der Offensive sieht in Sachen Quantität im Prinzip genauso aus. Ich kann durchaus verstehen, wieso der Coach der Heat daran festhält, denn das hat die Heat erfolgreich gemacht.

    Nichtsdestoweniger wird das eine sehr schwierige Aufgabe für die Heat, die ich vor der Serie auch nicht wirklich als Favoriten eingestuft habe. Es sind zwei Teams auf Augenhöhe. Letztes Jahr schlug man die Thunder durch die Offense, während man hinten massig kassierte. Ich traue den Spurs in Sachen defensive Adjustments durchaus mehr zu als den letztjährigen Thunder (auch Dank Pop). Können die Heat die Spurs dieses Jahr über die Offensive schlagen wie die Thunder (Thunder erzielten letztes Jahr > 110 Puntke pro 100 Possessions? Ich habe da gewisse Zweifel. Falls nicht, muss die Defensive schnell besser werden.

    EDIT:

    Noch ein Nachtrag: eingestehen muss ich, dass dein vorschlag mehr über Bosh zu gehen, durchaus ein Weg sein könnte, die Serie über die Offensive zu gewinnen…
    Ansonsten ist meine Kritik auch auf “hohen Niveau” gemeint; gut rübergebracht habe ich das aber nicht. Mir ist gerade aufgefallen, dass ich meinen Beitrag wohl etwas zu forsch formuliert habe. :oops:

  13. Poohdini

    Die Heat sind aber nicht mehr das Team, dass sie in der Win Streak waren. Ich geb da auch nicht vie auf die Statistiken, weil die sowieso aufgebläht sind.
    In der Win Streak sah man den Small Ball in Perfektion. Ball- und Mannbewegung ohne Ende, einfache Pässe, jede Menge abwechslungsreicher Sets, “positionsloser” Basketball, wie er sein sollte.

    Davon ist aber in den POs nichts mehr zu sehen. Viel zu viel 5outs (wo nur rumgestanden wird), mieses SPacing und generell weniger Ballmovement. Dazu ein verletzter Superstar, eine schwächere Verteidigung und die Shützen funktionieren auch nicht mehr (obwohl das wohl mit dem o.g. Grund zu tun hat).

    Als einer der wichtigsten Spieler überhaupt für das Small Ball erachte ich Shane Battier, aber der ist aktuell sowas von eiskalt von Downtown, dass seine Spielzeit Mike Miller (!!) bekommt.

    Sorry, bin ein wenig vom Thema weggekommen. Was ich damit aber sagen soll: Ja, Bosh muss anders eingesetzt werden, wenn er denn will und physisch kann.

  14. Hassan Mohamed

    |Author

    Ich kann durchaus verstehen, wieso der Coach der Heat daran festhält, denn das hat die Heat erfolgreich gemacht.

    Eine Abkehr fordert niemand – zumindest ich nicht. Einige andere Plays für Chris Bosh zu laufen, würde allerdings ja keiner Abkehr gleichkommen.

    Gerade eben über einen passenden Artikel bei ESPN gestolpert, wo bestimmte Aspekte mit Zahlen untermauert werden, auch wenn sie eigentlich auch im Eye-Test ersichtlich sind:

    I present to you a statistic from Synergy Sports Technology:
    No one in the NBA has registered more spot-ups than Chris Bosh this postseason. No one.

    Here’s another one for you: Guess how many post-up plays Bosh has registered this postseason?
    Try eight. In 17 games.

    This postseason, Bosh has tallied more 3-pointers (15) than dunks (11). According to NBA.com data, Bosh’s average field goal attempt this postseason is 14.1 feet away from the basket. That’s 2.3 feet farther than his average shot in the regular season and 3.8 feet farther than he was last postseason. In 2009-10? His average shot was a mere 8.8 feet away from the basket — almost half where he is planted now.

    Auch wenn die Offense der Heat gut ist, ist sie noch nicht perfekt. An dieser Stelle geht meiner Meinung nach viel Potential Richtung Perfektion verloren. Warum also mit weniger zufrieden geben? Warum einen Superstars ausschließlich als Rollenspieler einsetzen?

    Erik Spoelstra und LeBron James scheinen es – in der Theorie – ähnlich zu sehen. Nach diesen Äußerung stellt sich die Frage, an wem es jetzt scheitert. An Spoelstra oder an Bosh selbst?

    “We need to get him in areas he can be aggressive and get paint catches,” Spoelstra said on Monday.

    It’s odd to hear of an eight-time All-Star suffering from an identity crisis in the Finals. But James offered a solution for Bosh: return to the paint and get back on track. “I think if he accepts the challenge to want to put pressure in the paint, he’ll have it,” James said of Bosh. “Wherever CB demands the ball in the post, we’ll give it to him. We need that paint attack from him.”

    Quelle: http://insider.espn.go.com/nba/playoffs/2013/story/_/page/PerDiem-130609/why-chris-bosh-game-gone-too-far-out


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