Draftprofile 2013

Nerlens Noel

University of Kentucky

Datenblatt

Name: Nerlens Noel

Position: Big

[xrr rating=3/4] (Allstar)

College: University of Kentucky

College-Erfahrung: Freshman

Die erste Saison nach Anthony Davis sollte von vornherein schon nicht einfach werden, weil man als amtierender Meister im Prinzip das komplette Team an die NBA verlor und Coach Calipari vor die Aufgabe gestellt wurde, aus neuen Rekruten eine schlagkräftige Mannschaft für die Titelverteidigung auf die Beine zu stellen. Wer würde sich da besser anbieten als ein Anthony-Davis-Klon? Das dachte sich Calipari beim Recruiting von Nerlens Noel sicherlich auch. Der etwas extrovertiertere Noel wählte die Wildcats als sein Team und sollte – ebenso wie Davis – Kentucky bestenfalls zu einer Meisterschaft führen.

Dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen sollte, ist mittlerweile bekannt. Noel verletzte sich Anfang Februar, als er sich das Kreuzband riss und für den Rest der Saison ausfiel. Es war beileibe nicht die bestmögliche Saison, die Nerlens Noel ablieferte, allerdings überzeugte er auch in seinen Auftritten für das Team von Calipari.

Skills

Nerlens Noel  hat Gardemaß für einen großen Forward, in der schnelllebigen NBA wird dies auch für den Centerspot reichen, wenn das Team small spielen will. Noel hat dazu alle Anlagen, um ein elitärer Verteidiger in der NBA zu werden. Er hat am College 4,4 Würfe pro Spiel geblockt und war dabei, den Kentucky/NCAA-Rekord von Anthony Davis zu brechen, der 4,7 Blocks pro Spiel verzeichnen konnte. Noel hat also ein unglaubliches Timing und Gefühl für den Wurf seines Gegenspielers und kann aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen hier auch das Spiel defensiv nachhaltig beeinflussen. Unterschätzt ist zudem die Fähigkeit, seinem Gegner den Ball zu stehlen. Noel verzeichnete über 2 Steals pro Spiel und agierte zu größeren Teilen als Rückgrat der Wildcats. Defensiv bringt Noel alle Voraussetzungen mit, um – nach Genesung – direkt Impact auf ein NBA-Spiel ausüben zu können. Er agiert um den eigenen Korb herum sehr souverän und bügelt Fehler seiner Mitspieler aus. Er ist ein prototypischer Ringprotector, der gerade in der jetzigen NBA gesucht wird: schnell, um den Fastbreak mitrennen zu können; mit tollen Instinkten, um als letzte Verteidigungslinie den Korb zu beschützen; und athletisch, um mit der schnelleren Spielweise in der NBA zurechtzukommen.
Offensiv hat Noel weiterhin Probleme, sein Spiel zu etablieren. Es gab bereits eine Progression innerhalb der Collegesaison, dennoch hat Noel keinen Go-to-Move, auf den er sich verlassen kann. Noel kennt jedoch seine Grenzen und nimmt nur Würfe, die ihm gut erscheinen. Seine FG% (knapp 60) gibt ihm hier auch Recht. Unterschätzt ist zudem sein Passspiel aus dem Post heraus.  Noel findet hier recht zuverlässig seinen Mitspieler und öffnet somit Räume für sein Team. Diese Fähigkeit könnte gerade im Hinblick auf die NBA wichtig sein, sodass Noel trotz beschränkten Arsenals effektiv für seine Franchise sein könnte.

Probleme wird Noel – zusätzlich zum Trainingsrückstand durch seien Verletzung – mit körperlich starken Gegenspielern bekommen. Noel muss dringend seinen eher schlaksigen Körper zielgerichtet trainieren, um defensiv im Post gegenhalten zu können und offensiv im Post Stellung beziehen zu können. Momentan ist der Körper – gerade gegen klassische Fünfer – nicht NBA-ready, um wirklich konstant positiven Einfluss auf das Spiel seines Teams nehmen zu können. Noel wird durch seine physischen Voraussetzungen bereits ein guter Help-Defender sein, wenn er das NBA-Parkett betritt, was aber nicht davon ablenkt, dass er noch einen weiten Weg gehen muss, um seinen eigenen Gegenspieler davon abhalten kann, hochprozentig abzuschließen.
Sollte Noel – bedingt durch seine leicht zu geringe Größe oder seine fehlende körperliche Masse – auf der kleineren Big-Position eingesetzt werden, fehlt ihm eindeutig der (Mitteldistanz-) Wurf, um in der NBA bestehen zu können. Gerade in der heutigen Zeit wäre es auch für einen Smallball-Power Forward möglich, gegen Noel körperlich dagegenzuhalten, sodass Noel kein Mismatch in der Offensive kreieren könnte. Je nach Franchise oder Matchup könnte Noel vorerst gezwungen sein, den kleinen Big zu verteidigen. Ein Wurf wäre von Vorteil, sodass er offensiv zumindest Räume für einen klassischen Center oder Slasher zu schaffen. Es würde vorerst auch ein absoluter Set-Shot genügen, Hauptsache er entwickelt etwas über Bewegungen im Post hinaus.

Spielervergleich

Der Spielervergleich wurde bereits mehrfach angedeutet: Noel tritt in die Fußstapfen von Anthony Davis. Die Parallelen sind hier eindeutig zu sehen: Größe, Rolle, Körperbau, Antizipation beim Block, offensive Limitationen. Im Gegensatz zu Davis fehlt Noel aber auch offensiv noch ein wenig mehr an Durchschlagskraft. Davis konnte in einem unheimlich ausgeglichenen Team offensiv Akzente setzen. Dies gelang Noel nur selten. Dennoch schlägt sich Noel im Gesamtpaket nicht viel schlechter als der momentane Big der New Orleans Pelicans.

In der Historie der NBA findet man immer wieder Spieler, die lang, dürr und offensiv limitiert waren, aber durchaus genug Impact aufs Spiel hatten, um ein wichtiger Baustein für jede Franchise sein zu können. Noel reiht sich hier ein und hat zudem noch das Entwicklungspotential, um mehr als nur ein astreiner Defensiv-Big werden zu können. Um dies ausschöpfen zu können, wird es vor allem auf seine Arbeitseinstellung ankommen. Vorerst ist er ein offensiv leicht roherer Anthony Davis.

Draftaussichten

Anthony Davis wurde als unumstrittener Nummer-Eins-Pick gehandelt und letztlich von New Orleans auch dort ausgewählt. In diesem Jahrgang gibt es keinen Anthony Davis. Noel sollte als bester Big auf allen Boards der GMs stehen. Sollte er nicht an #1 gezogen werden, bieten sich – je nach Franchise – gleich mehrere Vorteile für das Team, das sich für Noel entscheidet: Normalerweise sollte Noel der Spieler in der Draft sein, der über die gesamte Karriere den höchsten Impact auf die NBA bieten sollte. Interessanter ist jedoch, dass Noel durch seine Verletzung nicht gleich von Beginn an für sein Team auflaufen können wird (auch wenn Calipari sagt, dass er momentan vor seinem Zeitplan liegt). Das bedeutet zum einen, dass Noel in seinen ersten Spielen nicht unter so enormen Druck stehen wird wie unter normalen Umständen. Durch die Derrick-Rose-Verletzung sind die Fans dafür sensibilisiert, wie lange es dauern kann, bis ein Spieler wieder auf seine volle Leistungsstärke zurückgreifen kann. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass man wahrscheinlich einige Spiele verliert. Noel gibt also die Möglichkeit, im nächsten Jahr wieder einen hohen Pick zu erhalten, weil man mit einem verletzten Spieler viele Spiele verlieren wird.

Trotz aller Bedenken sollte man Nerlens Noel bereits an erster Stelle ziehen. Er ist das beste Talent seiner Draftclass. Dass seine Verletzung möglicherweise eine red flag sein könnte, sollte trotzdem keinen davon abbringen Noel auszuwählen. Im schlimmsten Fall hat man im nächsten Jahr den nächsten Top 5 Pick. Im besten Fall hat man einen Star und einen Top 5 Pick für sein Team. Eine durchaus gute Grundlage für die Zukunft.

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2 comments

  1. bartek

    ach ja! Hoffe er geht an 1 zu den CAvs! die Varejao noch abgeben sollten und weiter ihr junges Team aufbauen ……das OKC des Ostens 🙂

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