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Ist Carmelo Anthony ein berechtigter MVP-Kandidat?

rroundupIm heutigen Redaktions-Roundup nehmen unsere Redakteure Danial, Pierre, Jan, Julian und Jonathan Carmelo Anthonys Anspruch als MVP-Kandidat genau unter die Lupe. Ist der Franchise Player der New York Knicks bereit für diesen Schritt – und hat er die Auszeichnung überhaupt verdient?


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Danial Haschem: Um diese Frage beantworten zu können, müsste man sich mit der bisherigen Vergabe dieses Awards beschäftigen. Dabei ist das Wort “Valuable” oftmals direkter Anlass hitziger Diskussionen unter den NBA-Fans. Ist es nun der wertvollste Spieler eines Teams? Der wertvollste (und damit selbsredend beste) Spieler der Liga? Oder einigt man sich auf den besten Spieler des bilanztechnisch besten Teams? Da sich genügend plausible Argumente für alle drei Ansichten finden lassen, zieht man bei der Bewertung der Kandidaten möglichst viele Kategorien in Betracht.

Nun also zur konkreten Fragestellung: Was spricht für Carmelo Anthony?
Anthony spielt mit Abstand den besten und vor allem effizientesten Basketball seiner Karriere. Für seine Knicks resultiert das in dem besten Start der Franchise in eine NBA Saison seit mehr als einer Dekade und folglich der zweitbesten Bilanz in der Eastern Confrence (Stand: 30. Dezember 2012). Durch den seit Saisonbeginn verletzungsbedingten Ausfall von Amare Stoudemire, ist Carmelo Anthony zudem der einzige Knickerbocker, der sich bei hohem Volumen in der Offensive den eigenen Wurf kreieren kann. Die Vorwürfe vergangener Spielzeiten, er würde seinem Team durch sein potentes Scoring nicht weiterhelfen, kann er zumindest in dem ersten Drittel dieser NBA Saison eindrucksvoll entgegnen. Die Knicks erzielen mit Anthony auf dem Feld ein ORtg (Offensive Rating – Errechnete Anzahl an Punkten bei 100 Angriffen ) von 115, ohne ihn lediglich eines von 107.

Wenn man sich diese Zahlen nun vor Augen führt und sich dann ins Gedächtnis ruft, welche Faktoren maßgeblich an der Awardvergabe beteiligt sind, wird einem bewusst, dass ‘Melo’ bisher definitiv ein berechtigter Kandidat auf die Auszeichnung des MVP’s ist. Er spielt auf einem großartigem Niveau und ist der wertvollste Spieler einer Mannschaft, die eine der besten Bilanzen der Liga vorzuzeigen hat. Die Frage, ob sich dieser Trend fortsetzen kann, lässt sich im Moment aber noch nicht beantworten. Viele Fragen rund um die Knicks Franchise stehen hier noch im Raum. Beispielsweise kann man die Rückkehr von Amare Stoudemire und dessen Einfluss auf die Spielweise nicht endgültig vorausahnen, ebenso ist es fraglich, ob Anthony und seine Mitspieler ihre effiziente Offense beibehalten können. Es ist trotzdem schön mitanzusehen, wie einer der talentiertesten Spieler der Liga scheinbar endlich begriffen hat, wie er seinem Team am Besten weiterhelfen kann.

Julian Lage: Von mir ein klares Nein. Auch wenn die Definition hinter der MVP-Auszeichnung meiner Meinung nach tatsächlich das „Most Valuable“ beinhalten sollte und kein verklausulierter Preis für den besten Spieler ist: Ein Spieler kann nicht MVP werden, wenn es einem breiten Konsens zufolge sogar auf seiner Position zwei bessere Spieler gibt. Für mich der Hauptgrund, wieso Anthony als Kandidat gehandelt wird, ist eine gewisse Sättigung bezüglich der Leistung seiner Konkurrenten – man ist es einfach schon gewohnt, dass James fast jedes Spiel am Triple-Double schrammt beziehungsweise Durant mit Quoten weit jenseits der 50% glänzt. Welcher der letztjährigen Finalgegner am Ende der Saison die MVP-Trophäe in der Hand hält, ist noch vom weiteren Verlauf der Saison sowie der Bilanz ihrer Teams abhängig. Für mich kann es aber kein anderer sein, LeBron James und auch Kevin Durant liefern das komplettere Spiel als der Rest der Liga und auch Anthony ab.

Pierre Magazin: Ja und nein. Carmelo Anthony spielt ohne Frage eine sehr starke Saison und vielleicht sogar den besten Basketball seiner Karriere. Der einzige Grund, warum er derzeit in die MVP-Diskussion involviert ist, ist der Fakt, dass sein Team aktuell erfolgreich spielt, meiner Meinung nach sind bei dem derzeitigen Erfolg der New York Knicks allerdings ganz andere Faktoren von wesentlich größerer Bedeutung. Hier zu nennen wären der Einfluss von Raymond Felton als Spielgestalter, Jason Kidd als erfahrener Veteran und glue-guy, sowie die enorm verbesserte Tiefe des Kaders. Der zwischenzeitliche, verletzungsbedingte Ausfall Anthonys machte deutlich, dass das Team auch ohne ihn gewinnen kann. Letztendlich wird Anthonys Rolle als Top-Scorer beim vermutlich besten (östlichen) Team der regulären Saison ihn bei den Journalisten zu einem MVP-Kandidaten machen, auf einem absoluten Niveau eines solchen spielt er allerdings nicht.

carmeloanthonyJan Karon: Durchaus. Die Vergabe des MVP-Awards in den letzten zehn Jahren hat gezeigt, dass nicht der zwangsläufig beste und/oder wertvollste Spieler den Preis erhalten muss. Die Knicks sind das sechstbeste Team der Liga, das zweitbeste ihrer Conference und sieht man Anthonys Leistungen, kommt man nicht drum herum zu sagen, dass das auch sein Verdienst ist. Anthony erzielt Karrierebestwerte in Punkten pro Spiel, hat den zweit niedrigen Turnover-Wert seiner Karriere und wirft fast 48% aus dem Feld, was ebenfalls zu den besten Quoten gehört. Kurzum: Anthony ist ein Elite-Scorer, der ungemein effizient und mannschaftsdienlich agiert. Die Knicks sind freilich ein derzeit funktionierendes Gefüge, aber nimmt man die Tatsache hinzu, dass sie Erfolg haben und Anthony dabei der herausragende Akteur ist, muss man zum Schluss kommen, dass er gewiss als Anwärter auf den MVP-Award gesehen werden kann, wenngleich nicht als Frontrunner.

Jonathan Walker: Nein. Carmelo Anthony ist einer dieser Spieler, die in einem zu Saisonbeginn überraschend gut spielenden Team stehen, sich zudem individuell verbessert haben und somit bereits im Dezember in den Kreis der verfrühten MVP-Kandidaten aufsteigen. Der Überraschungseffekt lässt den Spieler individuell besser erscheinen, als er eigentlich ist – wenn auch Anthony den bisher besten Basketball seiner Karriere spielt. Natürlich hat der beste Spieler des besten Teams einer Conference immer gute Chancen auf die Maurice-Podoloff-Trophäe, doch nach fulminantem Einstand haben sich die Knicks mittlerweile auf dem Niveau der Heat und – auch überraschend – Hawks eingependelt.
Jedoch ist Carmelo individuell trotz Verbesserung vom Leistungsvermögen weiterhin hinter LeBron James und Kevin Durant, der sein Spiel ebenfalls noch einmal auf ein höheres Level brachte, einzuordnen. Zudem ist Anthony regelmäßig verletzt und sein Team hat bewiesen, auch ohne ihn ähnlich eindrucksvolle Siege einzufahren, was die wählenden Journalisten gerne beim Verteilen der Stimme berücksichtigen. New York müsste im Vergleich zu den Teams der individuell jeweils stärkeren Konkurrenten, Miami und Oklahoma City, eine extrem gute Bilanz aufweisen können, damit Anthony diese Nachteile wett machen kann, was bezweifelt werden muss. Kurz: Anthony ist momentan Kandidat, eine realistische Chance auf die MVP Trophäe räume ich ihm jedoch nicht ein.


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