Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: Louisville Cardinals

Louisville Cardinals, Big East

2011/2012: 30-10; NCAA Tournament: Final Four.

Die Geschichte der Louisville Cardinals liest sich ähnlich wie die Story der Connecticut Huskies aus dem Jahre 2010. Die Saison verlief eher durchwachsen. Ein paar gute Siege hier, ein paar schlimme Niederlagen dort. Besonders im Conferenceplay gegen die starken Teams aus der Big East wollte der Knoten von Rick Pitinos Mannschaft nicht platzen, was eine recht mäßige Ligabilanz zur Folge hatte. Aber dann kam der März und ein kleiner Aufbauspieler machte sich auf, die Saison seines Colleges zu retten. Analog zu Champion Kemba Walker schulterte Point Guard Peyton Siva sein Team und führte diese von Triumph zu Triumph. Zunächst gewann man die vier Spiele des Big East Tournaments inklusive Netzabschneidens im Madison Square Garden.  Dann ging der Lauf auch im NCAA Tournament weiter. Erst im Final Four konnte man vom Erzrivalen aus dem eigenen Staat und späteren Meister gestoppt werden. Was erwartet die Cardinalsanhänger in dieser Spielzeit?

Wer ging?

Louisville muss in der nächsten Saison auf seine zwei Seniors aus dem vergangenen Jahr verzichten. Mit dem sehr variabel einsetzbaren Small Forward Kyle Kuric (12,6 PpG) und dem toughen Guard Chris Smith (9,7 PpG) verließen zwei der drei erfolgreichsten Punktesammler aus der vergangenen Spielzeit das Team. Beide waren als langjährige Cardinalsspieler wichtige Bestandteile von Pitinos ausgeklügeltem Verteidigungssystem, das viel mit Pressen und verschiedensten Zonenverteidigungen experimentiert. Zum anderen sorgten die zwei guten Schützen für Platz in der Offensive und zogen als gefährliche Optionen von außen gegnerische Verteidigungen auseinander. Während der regulären Saison nahm Kuric gar recht oft die wichtigen Würfe in der Crunchtime. Allerdings zeigte sich während des Tournaments, dass beide nicht zur Toptalentkaste der Collegespieler zu zählen sind. Weder Kuric noch Smith hatte in den fünf wichtigsten Spielen der Saison einen zweistelligen Punkteschnitt. Die klaren Führungsspieler während des Runs waren andere.

Wer kam?

Rick Pitino hat mit seinen rekrutierten Big Men den ohnehin schon gut besetzten Frontcourt noch tiefer werden lassen.

Montrezl Harrell, der von ESPNU als eines der besten 90 High School Talente angesehen wird, kommt als athletischer, aber leider auch etwas zu klein geratener, Power Forward daher. Harrell ist sehr flink auf den Beinen und wird deswegen gut in das System der Cardinals passen. Defensiv kann er die verschiedenen Verteidigungsvarianten mitspielen und dann offensiv nach Ballgewinnen im Schnellangriff abschließen. Er gilt also solider Rebounder und besitzt sogar einen passablen Wurf, den er bis zur Freiwurflinie trifft. Stimmt seine Einstellung, stehen einigen Minuten in seiner Freshmansaion nichts im Wege.

Etwas schwerer sollte es Center Mangok Mathiang haben. Der gebürtige Sudanese soll in ein paar Jahren einmal das Erbe vom aktuellen Starter auf der Fünf, Gorgui Dieng, übernehmen. Bis dahin hat der junge Big Man aber noch einen weiten Weg vor sich. Wie viele der jungen Afrikaner wirkt auch Mathiang technisch und mit seinen aktuell rund 90 Kilogramm Gewicht auch körperlich noch nicht auf Basketball auf dem Collegelevel vorbereitet. Dennoch ist Potential für mehr auf jeden Fall vorhanden. Durch ein Redshirtjahr könnte Mathiang seine Talente für Postscoring, Rebounding und Shotblocking weiter ausbauen und als potentieller Rotationsspieler im nächsten Jahr in das Team rücken.

Wer blieb?

Wie schon im Eingangstext beschrieben, war es vor allem ein Spieler, der dafür sorgte, dass der Cardinalsmotor auf Hochtouren lief: Peyton Siva. Der Point Guard geht in seine vierte und damit letzte Collegesaison für Louisville und möchte sich mit einem erfolgreichen Jahr für die Riege der Eliteguards auf NCAA Level empfehlen. Einen Grundstein dafür hat der Most Outstanding Player des Big East Turniers in seinen die Saison abschließenden neun Partien gelegt. In diesen Spielen legte er 11,3 PpG / 4,5 RpG / 6 ApG auf und garnierte diese tolle Statline gar mit 1,6 Steals im Schnitt. Siva war kaum zu stoppen. Mit seinem schnellen Antritt kommt er an nahezu jedem Gegenspieler vorbei und hat dann die Klasse, auch in schwierigen Situationen gegen mehrere Verteidiger den freien Mann zu finden. Die Spezialität des quirligen „Pass-First“ Aufbaus ist diesen tollen ersten Schritt nutzend das Pick’n’Roll. Zudem bewies er sich als Anführer auf dem Feld. Allerdings hat sein Spiel auch Schattenseiten. Oft ist der ziemlich klein geratene Guard anfällig für Turnover (3,4 TOpG). Zudem ist sein Distanzwurf – gelinde ausgedrückt – eher bescheiden (24% 3P).

Wichtigster Spieler für die Cardinals war trotz der tollen letzten Spiele Sivas trotzdem ein anderer. Fünfer Gorgui Dieng war es, der als Anker in der Verteidigung das Herzstück Louisvilles darstellte. Der gebürtige Senegalese spielte eine herausragende Defensivcenter-Saison, aber ihm wurde nie die Aufmerksamkeit zuteil, die er verdient gehabt hätte. Blöd, dass der defensiv auch recht beschlagene #1Pick der vergangenen Draft nur 130km entfernt sein Collegezuhause hatte. Deshalb soll Dieng ruhig hier einmal in das Rampenlicht gerückt werden. Nachdem er als Freshman nur 15 Minuten im Schnitt sah, spielte der nie müde werdende Sophomore Center nun die viertmeisten Minuten aller Akteure. Er war der erfolgreichste Rebounder (9,1 RpG) und mit Abstand auch der beste Blocker (3,1 BpG) der gesamten Big East und kontrollierte so in fast allen Spielen die Action unter dem eigenen Korb. Die Vergabe der Titels Defensive Player of the Year kann nur über ihn laufen. Offensiv gibt es natürlich noch ordentlich Raum für Verbesserungen. Bisher hat er kaum eigene Bewegungen und verwertet zumeist Offensivrebounds oder Durchstecker. Aber seine Werte der letzten Saison zeigen, dass er kein Totalausfall ist, legte er doch nette 9,1 PpG bei guten Quoten auf (52%FG, 67%FT).

Unterstützen werden diese beiden Starspieler eine Menge sehr talentierter Rotationsspieler. Neben Dieng wird Chane Behanan starten. Der Sophomore Power Forward mag vielleicht etwas undersized sein, aber erfüllte seine bisherigen Aufgaben trotzdem zufriedenstellend. Ähnlich wie Dieng arbeitet Behanan  besonders am offensiven Brett sehr gut (7,5RpG). Offensiv nutzt er gern seine Schnelligkeit aus und ist jetzt schon besser als sein Frontcourtpartner (9,5 PpG).

Eine Breakoutseason wird von Wayne Blackshear erwartet. Der Flügelspieler geht in seine zweite Saison für die Cardinals und sollte eigentlich schon im letzten Jahr als bester Spieler der Recruitingclass Louisvilles 2011/12 für Furore sorgen. Es kam eine komplizierte Schulterverletzung dazwischen und zwang ihn lange zum Zuschauen. In den letzten 15 Spielen konnte er dann doch noch für Rick Pitino auflaufen und teilweise zeigen, dass er mit seinem Drive und tollen Athletik ein Zugewinn für das Team sein kann. Blackshear könnte Starter auf der Drei werden und dem Team mit seinen Scoringfähigkeiten extrem helfen.

Juniorguard Russ Smith war in der letzten Saison noch Sixth Man und hatte nach seinen Einwechslungen sowohl offensiv und defensiv sofortigen Einfluss auf das Spiel der Cardinals. In nur 21 Minuten Spielzeit sorgte er für durchschnittlich 11,3 Punkte und 2,2 Steals, zweitbester bzw. gar bester Wert aller Louisvillespieler. Allerdings muss er extrem an seiner Wurfauswahl arbeiten, um Starterminuten zu rechtfertigen. Noch einmal 35%FG und 30%3P wären unentschuldbar.  

Die restlichen Minuten teilen sich Luke Hancock, Stephan Van Treese und Kevin Ware. Hancock, ein erfahrener Transfer von George Mason, der als Junior Flügelspieler über tolle Passfähigkeiten verfügt (4,3 Apg). Van Treese ist ein solider Arbeiter auf Groß und Kevin Ware könnte in seinem Sophomorejahr für Entlastung von Siva sorgen. Pitino bezeichnete den jungen Guard zuletzt als „Most Improved Player“  seines Rosters.

Stärken / Schwächen

Wenn die Cardinals in der letzten Saison etwas ausgezeichnet hat, dann ist dies sicher ihre bissige und giftige Verteidigung. Wie schon beschrieben lässt Erfolgscoach Pitino eines der interessantesten und vor allem auch erfolgreichsten Defensivsysteme der gesamten NCAA spielen. In allen relevanten Verteidigungsstatistiken war man unter den besten Teams zu finden. Man ließ nur 61 Punkte bei 38,4%FG zu. Pro Ballbesitz erzielten die Gegner nur 0,76 Punkte im Schnitt. All dies sind Topwerte. In dieser Saison sollte dies ähnlich aussehen. Man verfügt weiterhin über schnelle Guards, die einen enormen Druck auf das gegnerische Aufbauspiel ausüben und behält mit Dieng einen der besten Verteidiger unter den Körben. Zudem ist man als Team tiefer als im letzten Jahr, was bedeutet, dass der Einsatz und die Energie sogar noch steigen könnten. Diese Verteidigung wird Louisville in nahezu jedem Spiel eine Chance zum Sieg ermöglichen.

Das Team hat viele wichtige Rotationsspieler behalten, die nun nach dem tollen Run im letzten Jahr reifen und wachsen konnten. Nun hat man eine gute Mischung aus erprobten Upperclassmen (Siva, Dieng, Smith, Hancock) und hungrigen, talentierten, (weiterentwickelten) Underclassmen (Blackshear, Behanan) zusammen.

Allerdings muss sich Pitino sich für die Offensive etwas einfallen lassen. Es fehlt an gefährlichen Shootern, die das Spiel im Angriff auseinanderziehen. Ballverluste waren in der vergangenen Spielzeit ein großes Problem (14 TOpG). Schon im vergangenen Jahr fehlte ein echter Go-To-Guy. Man verlor rund 22 Punkte durch die Abgänge von Chris Smith und Kyle Kuric. Wer diese ersetzen soll, ist noch unklar. Als Leader scheint Siva nun etabliert, aber als echter Ballverteiler ohne ordentlichen Wurf wird er nicht plötzlich zum besten Punktesammler des Teams mutieren. Werden Smith und Blackshear diese dringend benötigten Crunchtimescorer der Mannschaft?

Ausblick

Die Louisville Cardinals sind neben Indiana vielleicht der Topfavorit auf die NCAA Championship. Das Team ist tief, talentiert, erfahren und hat einen guten Coach. Es gibt zwar offensiv einige Fragezeichen, aber wir wissen ja alle: „Defense wins […]“

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