Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: Kentucky Wildcats

Kentucky Wildcats, SEC

2011/2012: 38-2; NCAA Tournament: Champion.

John Calipari hat sein Ziel endlich erreicht! Er durfte das erste Mal in seiner Coaching-Karriere die Netze abschneiden, weil er das NCAA Tournament mit seinen Kentucky Wildcats gewonnen hat. Dazu konnte er gleichzeitig Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist so hoch wie möglich in der Draft platzieren: Die Führungsspieler des Teams wurden an Position #1 und #2 ausgewählt.

Welches Ziel bleibt einem Coach nach der Saison der Superlativen (die Wildcats verloren im ganzen Jahr nur zwei Spiele) noch? Die Antwort ist ganz einfach: Den Erfolg mit neuem Personal wiederholen.

Wer ging?

Die geeignetere Frage wäre eigentlich: Wer ging nicht? Die Wildcats sind seit Calipari als One-and-Done-Universität verschrien, wo es eine Saison Top-Talente zu sehen gibt, die aber nach einem Jahr das Team in Richtung NBA wieder verlassen. In der Vergangenheit haben die Wildcats mit John Wall, DeMarcus Cousins und Brandon Knight drei Lotterypicks nach einem Jahr Richtung NBA verloren. Dazu kommen mit Derrick Rose und Tyreke Evans Spieler aus Memphis – Caliparis vorherige Station.

In dieser Saison ist der Talentverlust ebenfalls sehr groß. Mit Anthony Davis geht der unumstritten beste College-Spieler in die NBA. Der #1-Draft-Pick dominierte nicht nur defensiv (10,4 Rebounds und außerirdische 4,7 Blocks pro Spiel, dazu unglaubliche Defense) die Nation, sondern konnte auch hochprozentige 14,2 Punkte pro Spiel beisteuern. Eigentlich ist so ein Talent nicht zu ersetzen.
Ebenfalls auf das nächste Level hat sich Michael Kidd-Gilchrist begeben. Der Small Forward mit dem unbändigen Motor wird in der kommenden Saison die Charlotte Bobcats anführen. Kidd-Gilchrist ist ein emsiger Verteidger und ein brutaler Slasher, der bisher noch immer einen Weg zum Korb gefunden hat. In der NBA muss er jedoch noch beweisen, ob er einen anständigen Wurf sein Eigen nennen kann.

Zudem kommt mit Terrence Jones noch ein weiterer Pick, der fast in der Lottery gelandet ist. Jones, der so ein wenig an eine kleinere Version von Lamar Odom erinnert, spielt nun bei den Houston Rockets. Der vielseitige Forward hat keinen speziellen Skill, sondern ist ein Basketballer: Er kann viele Dinge gut, wenn auch nichts herausragend. Wie erfolgreich man damit auf NBA-Niveau werden kann, muss Jones nun unter Beweis stellen.
Am Ende der ersten Runde griffen die Chicago Bulls dann bei Freshman Marquis Teague zu. Der Point Guard ist keineswegs ein Pass-First-Guard mit guter Courtvision, sondern hatte zu Saisonbeginn ernsthafte Probleme, sein Spiel (Drives zum Korb) aufzuziehen, da Teague sehr turnoveranfällig spielte und seine Mitspieler nicht fand. Dies verbesserte sich über den Verlauf der Saison etwas, sodass sich Teague seine Wahl in der ersten Runde verdiente.

Zwei weitere Abgänge wurden in der zweiten Runde der NBA-Draft gezogen: Doron Lamb und Darius Miller – beides Flügelspieler, die mit ihrer Wurfstärke (zusammen 132 getroffene Dreier in der Saison) für viel Platz zum Operieren unterm Korb sorgten. Lamb traf knapp 47% seiner Dreier, Darius Miller 37,6% – beides Spitzenwerte im Team.

Damit ging beinahe das komplette Team der Wildcats (Kentucky spielte mit sieben Rotationsspielern; einzig Kyle Wiltjer blieb, Eloy Vargas’ sechs Minuten pro Partie sind eher zu vernachlässigen) in die NBA. John Calipari musste also ein komplettes Team ersetzen. Wen konnten die Wildcats nach Lexington holen?

Wer kam?

Big things first: Nerlens Noel, bei ESPN als bester Rekrut seiner Klasse geführt und auch in unserer Top 10 ganz oben, hat sich für Kentucky und Calipari entschieden. Der Center kommt mit ganz ähnlichen Voraussetzungen wie Anthony Davis nach Lexington: Auch er ist lang und schlacksig, auch bei ihm sieht man dieses ungeheure Gefühl für den Block; aber auch hier gibt es Probleme im Offensivspiel, das noch etwas roh wirkt.
Die Fußstapfen, die Davis in diesem Team hinterließ, könnten größer nicht sein, aber wenn ein Profil eines Rekruten in diesem Jahrgang auf Davis zutreffen könnte, dann das von Nerlens Noel. Auch Noel hat Probleme mit seinem Wurf, von den “Elbows” im High Post ist noch einige Arbeit erforderlich. Ebenso wie Davis ist Noel aber auch ein exzellenter Passer aus dem Post heraus. Auch wenn Noel nicht das Niveau Davis’ erreichen wird, haben die Wildcats eine hervorragende Zonenpräsenz rekrutiert, um die sich leicht eine Defensive konstruieren lässt.

Zu Noel gesellen sich noch die beiden Freshmen-Flügelspieler Alex Poythrees und Archie Goodwin – beides Top 15 Rekruten in diesem Jahrgang. Poythrees ist ein sehr guter Athlet, was ihn zu einem exzellenten Verteidiger und Slasher macht, der sowohl die Drei als auch die Vier bekleiden kann. Er hat noch Probleme mit dem Dribbling, wenn er zum Korb ziehen will, was ihn davon abhält, die Small Forward-Position bestmöglich zu bekleiden. Die Stärken sind bei Poythrees vor allem in seinem Körper zu finden, wo er aufgrund seiner Athletik Räume verengen kann oder für Highlight-Spielzüge bereit ist. Darüber hinaus verfügt er über gute Passingsskills, was im System von Calipari einiges erleichtern dürfte.
Ihm zur Seite wird Archie Goodwin stehen, der ein Shooting Guard mit Gardemaß ist und auch aufgrund der geografischen Lage Vergleiche mit Joe Johnson hervorruft. Wie der Shooting Guard der Brooklyn Nets kann Goodwin neben seinem guten Wurf auch Passfähigkeiten vorweisen und gilt zudem – wie Poythrees und Noel – als guter Verteidiger. Für sein Alter hat Goodwin wenige Schwächen in seinem Spiel, auch wenn er seinen Drei-Punkte-Wurf und seinen Pull-Up-Shooter noch perfektionieren muss. Durch sein natürliches Wachstum erhoffen sich die Scouts zudem noch eine Gewichtszunahme von 10-15 Pfund.

Abrunden wird die Freshmen-Class der Wildcats Willie Cauley, der schlacksige Big Man aus Spearville. Cauley ist noch recht roh in seinem Offensivspiel, kann jedoch aufgrund seiner Kombination aus Leichtfüßigkeit und Größe durch Tip-In, Putbacks und Dunks, sowie in Ansätzen durch ein Face-Up-Game in der Nähe des Korbes abschließen. Cauley hat – wie Noel – ein tolles Gefühl für Blockshots, auch wenn er Probleme beim Rebound hat. Dies ist vor allem seinem Körper geschuldet, der zwar Gazellen-gleich übers Parkett rennt, aber vor allem die nötige Muskulatur vermissen lässt, um defensiv gegenhalten zu können. Cauley wird bei den Wildcats von der Bank kommen und dem Team Einsatz und Länge geben.

Neben Nerlens, Goodwin und Poythrees wird Sophomore Kyle Wiltjer starten. Der fehlende Point Guard wird in Gestalt von North Carolina State-Transfer Ryan Horrow zum Team stoßen. Horrow hat 2010/11 eine äußerst bescheidene Saison bei NC State abgelegt und sich dann für einen Transfer nach Kentucky entschieden. Im darauffolgenden Jahr war er aufgrund des Uniwechsels nicht spielberechtigt. Er ist ein athletischer, flinker Point Guard, der keine Angst hat, auch gegen größere Gegenspieler zum Brett zu ziehen und dort abzuschließen. Harrow besitzt ein ausgezeichnetes Ballhandling, muss aber noch an seinem Decisionmaking arbeiten. Er ist der Typ Athlet, mit dem Calipari in den vergangenen Jahren immer wieder gearbeitet hat: John Wall, Brandon Knight und Marquis Teague waren alle keine puren Point Guards, sondern entweder exzellente Schützen oder (für die Motion Offense sehr wichtig) schnelle Spieler, die zum Korb zogen. Die Attribute Schnelligkeit und Drive vereinigt Ryan Harrow in sich. Im letzten Jahr soll er vor allem an seinem Körper gearbeitet haben, um auch gegen kräftigere Gegner besser auszusehen.

Wer blieb?

Einzig nennenswerter Hinterbliebener, auf den Coach Calipari auch im Meisterschaftsjahr baute, ist Kyle Wiltjer. Wiltjer sah nur 11 Minuten pro Spiel und erzielte nur 5 Punkte, zeigte aber schon in der ersten Saison, dass er über ein feines Händchen von außen verfügt, als er die Freiräume nutzte, die seine Mitspieler schufen, und 35 seiner 81 Versuche von Downtown traf. Wiltjer ist in der Nation als Shooter bekannt, was bei seiner Größe von 6’10” schon außergewöhnlich genug ist. Dazu will Wiltjer in der Offseason an seinen Post-Moves gearbeitet haben, um nicht nur aus dem Pick & Pop agieren zu können. Calipari wieder die Entwicklung des Forwards freuen.

Weiterhin im Kader verblieben sind auch Sam Malone, Jarrod Polson, Jon Hood, Twany Beckham und Brian Long. Auch in diesem Jahr werden sie keine Rolle für die Wildcats spielen.

Stärken/Schwächen

Die Wildcats sind ein junges, unglaublich athletisches Team, das auch über ihre defensive Identität in ein Spiel zurückkommen könnte, wenn alle Spieler ihre großartigen körperlichen Anlagen nutzen können.
Als Stärke muss auch klar Coach Calipari genannt werden, der aus hochtalentierten Freshmen immer Basketballteams formt, die selbstlos für das Team einstehen und sich für den Erfolg zurücknehmen. Dies war bei den Staransammlungen der letzten Jahre auffällig und sollte beachtet werden. Wenn Calipari also wieder das Kunststück vollbringt, Talent mit Teamgeist zu verknüpfen, hat Kentucky wieder ein junges, schlagkräftiges Team beisammen, das über einen unerbittlichen Motor und eine starke Defense viele Gegner zermürben kann.

Probleme werden die Cats wahrscheinlich mit dem Distanzwurf bekommen, den bis auf Kyle Wiltjer und zu Teilen Archie Goodwin kein Spieler im Repertoire hat. Zudem gilt natürlich die alljährliche These zu Teams, die Calipari zusammenstellt: Das Talent muss die Erfahrung der anderen Teams schlagen, denn eine Starting Five mit drei Freshmen, einem Sophomore und einem Transfer, der seit einem Jahr nicht mehr am Wettbewerb teilgenommen hat, strahlt nicht gerade Veteran-Erfahrung aus. Dieses Handicap konnte im letzten Jahr überwunden werden, als mit Terrence Jones auch ein Überbleibsel des letzten Jahres ein Puzzleteil für den Erfolg wurde. Auf Kyle Wiltjer wird eine ganz entscheidende Rolle zukommen.

Ausblick

Jedes One-and-Done-Team Caliparis in Kentucky hat bisher das Elite Eight erreicht und trotz der vielen Abgänge war es für Coach Cal nie ein Problem, die nächste schlägkräftige Formation zu finden, um erneut weit ins NCAA Tournament vorzudringen.
Dieses Team ist sicherlich nicht das beste, was Calipari bisher zur Verfügung stand, aber zum ersten mal kann er auf einen erfahreneren Point Guard zugreifen, der die Offensive leiten soll und dafür ein Jahr Zeit hatte, um diese zu erlernen. Wenn Ryan Harrow und Kyle Wiltjer die Verantwortung übernehmen, Nerlens Noel und Alex Poythrees die Abgänge von Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist halbwegs ersetzen können und Archie Goodwin mit seinem kompletten Spiel genügend Raum für die anderen schafft, ist auch wieder mit den Wildcats im Final Four zu rechnen.

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1 comment

  1. Smido83

    Weiterhin im Kader verblieben sind auch Sam Malone, Jarrod Polson, Jon Hood, Twany Beckham und Brian Long. Auch in diesem Jahr werden sie keine Rolle für die Wildcats spielen.

    Wenn Ryan Harrow und Kyle Wiltjer die Verantwortung übernehmen, Nerlens Noel und Alex Poythrees die Abgänge von Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist halbwegs ersetzen können und Archie Goodwin mit seinem kompletten Spiel genügend Raum für die anderen schafft, ist auch wieder mit den Wildcats im Final Four zu rechnen.

    Und genau da liegt der Grund, weshalb ich Kentucky dieses Jahr nicht unter den Top 4 der Liga sehe. Das Team ist in der Spitze, also in der Starting 5 wiederum sehr stark und qualitativ hochwertig besetzt. Wohl insgesamt etwas schlechter als letzte Saison, aber die Starting 5 gehört für mich wieder zu den Top 5 der NCAA. Auch erfahrungstechnisch ist die erste 5 mit der des vergangenen Jahres zu vergleichen. 3 Freshman sowie ein Softmore Forward und ein Softmore (obwohl ja eigentlich Junior) Guard.

    Aber der so wichtige und unheimlich erfahrene Glue Guy, namentlich Miller, den das Team letztes Jahr hatte, der fehlt vollkommen! Wer soll denn in dieser Mannschaft diese Rolle übernehmen? Sagen wir Cauley-Stein bekommt die Big-Man Bankminuten von Wiltjer/Vargas und spielt 15 Minuten hinter den beiden Startern. Wer soll dann aber die Guards bzw. Poythress entlasten? Einziger annehmbarer Spieler ist Julius Mays, ein weiterer Transfer wie Harrow. Aber er ist nicht ansatzweise in einer Liga mit Miller. Er wird aber trozdem über 20 Minuten sehen, da eben sonst niemand anderes draußen sitzt der ne Rolle in der Rotation übernehmen kann.

    Also ist die Starting 5 etwas schlechter als letzte Saison, und die Bank auch nochmals dünner und qualitativ nicht so gut. Also für mich wäre das Elite 8 schon ein riesen Erfolg. Hält man die Kader der anderen Favoriten dagegen, dann wird es Kentucky dieses Jahr sehr sehr schwer haben!

    Ich denke dies wird mehr oder weniger ein “Übergangsjahr”. Denn ich sage mal nur die Namen: Andrew Harrison, Aaron Harrison, James Young, Marcus Lee, sowie wahrscheinlich Julius Randle. Die nächstjährige UK Recruiting Class wird wohl die beste sein, dies in der NCAA jehmals gegeben hat. Und da ich denke, dass dieses Jahr höchstens 4 wichtige Spieler das Team verlassen werden (Noel, Poithress und vieleicht Harrow und Goodwin) kann man sich dann wieder auf ein UK Team freuen, mit dem Coach Cal seinen letzten Traum in Angriff nehmen könnte… eine perfekte Saison ohne Niederlage! ;)


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