Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: Kansas Jayhawks

Kansas Jayhawks, Big 12

2011/2012: 32-7; NCAA Tournament: Finale.

Offense wins games, defense wins championships. Der ursprünglich aus dem Gebiet des American Football stammende Spruch, der aber auch im Basketball viel Gehör findet, konnte sich für Trainer Bill Self und seine Kansas Jayhawks im letzten Jahr nicht bewahrheiten. Im NCAA-Finale musste man sich den Kentucky Wildcats um die späteren ersten beiden NBA Draft-Picks Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist geschlagen geben. Allerdings war es die Verteidigung, die den Champion von 2008 überhaupt erst ins Finale brachte. Auf den Angriff war im März wenig Verlass.

Wer ging?

Der prominenteste Abgänger ist ohne Frage Thomas Robinson: letztjähriger Top-Scorer (17,7 PpS) und Top-Rebounder (11,9 RpS) des Vizemeisters, der zukünftig in Sacramento bei den Kings unter dem Korb wüten wird. Den All-American wird man in Lawrence, Kansas schmerzlich vermissen: neben seinen Punkten und seinen Rebounds insbesondere seinen unglaublichen Motor, der ihn antreibt und seine Kollegen auch ansteckt und inspiriert.

  His motor is crazy. That alone will help him. [DeMarcus Cousins]

Zwar ganze 36 Positionen nach Robinson gedraftet, könnte Tyshawn Taylors Abschied nichtsdestotrotz ähnlich schwer wiegen. Mit ihm verlässt auch der Playmaker, zweitbester Scorer (16,6 PpS) und guter Drei-Punkt-Schütze (38,2% bei knapp vier Versuchen pro Spiel) die Mannschaft von Self.

Der letzte relevante Abgänger – Jordan Juenemann, Merv Lindsay und Anthony West konnten bloß mit Handtuchwedeln glänzen – ist Conner Teahan, das letzte Überbleibsel vom 2008er Championship-Kader. In seinem letzten Jahr als Basketballer konnte er sich schlussendlich noch eine bedeutende Rolle im Team erarbeiten. Am Ende der Saison hatte er die zweitmeisten Dreier (zusammen mit Taylor) Richtung Korb gefeuert.

Wer blieb?

“The last line of defense”, Jeff Withey, Kansas’ defensiver Anker bleibt dem Team weiterhin erhalten. Zum Leidtragen der Gegner. Kein Wunder, denn der Center konnte in der vergangenen Spielzeit eine Blockrate von 15,2 vorweisen. Im Tournament konnte er diesen Wert gar auf 17,4 steigern. Da hatte selbst Anthony Davis am Ende das Nachsehen. Wenn es nach seinem Coach geht, würde Withey jenen Davis dieses Jahr auch als insgesamt einflussreichsten Verteidiger der NCAA beerben. Sollte es zu diesem Titel reichen, wäre es zum Teil in guter Gesellschaft (NABC-Award: Alonzo Mourning 1992, Tim Duncan 1995-1997, Emeka Okafor 2003-2004, Greg Oden 2007), andererseits sind ebenfalls Shelden Williams, Hasheem Thabeet und Jarvis Varnado ehemalige Gewinner.

Weiterhin im Team sind auch Elijah Johnson und Travis Releford, die nun in ihr Senior-Jahr kommen und letztes Jahr neben Robinson, Taylor und Withey als Starter aufliefen. An diesem Status wird sich nichts ändern, an der Rolle allerdings schon etwas. Johnson könnte zum Top-Scorer des Teams avancieren, zudem wird er als Spielgestalter gefordert sein. Letzten Endes ist die Hoffnung, dass er in die Fußstapfen von Taylor trifft und dessen Rolle ausfüllt. Ob er dazu in der Lage sein wird, lässt sich an dieser Stelle schwerlich beantworten. Releford wird als Elite-Verteidiger für die drei kleinen Positionen sowie als erfahrener Glue Guy fungieren und mit vielen, kleinen Dingen glänzen … zumindest für die wirklich aufmerksamen Beobachter.

Rückkehrer sind außerdem Kevin Young, Justin Wesley, Christian Garrett, Niko Roberts und Naadir Tharpe, aber dass außer Young jrmsnf nennenswerte Minuten auf dem Parkett sehen wird, kann getrost verneint werden.

Wer kam?

Bei den Neulingen sind zwei Namen hervorzuheben. Zum einen der athletische Guard Ben McLemore, der eigentlich schon vor einem Jahr zu den Jayhawks kam, aber sein Freshman-Jahr aufgrund akademischer Schwächen aussetzen musste. In der ESPN Top100-Liste tauchte sein Name zwar erst an 49. Stelle auf, aber sein Coach sieht ihn als besten Freshman, den er bisher bei den Jayhawks hatte. Das schließt Mario Chalmers, Darrell Arthur, Julian Wright, Xavier Henry, Marcus und Markieff Morris, Brandon Rush und Thomas Robinson mit ein. Allerdings steckt er noch in seiner sportlichen Entwicklung und es könnte noch etwas dauern, bis er im Stande ist, seine körperliche Fähigkeiten effektiv einzusetzen.

Der andere ist der designierte Nachfolger von Robinson: Perry Ellis, die #35 der diesjährigen ESPN-Liste, soll künftig die Vier besetzen. Als vielseitiger Scorer, der grundsätzlich am Korb punktet, aber auch in der Lage ist, zwei Schritte rauszugehen und mit dem Gesicht zum Korb zu attackieren, soll zumindest teilweise die große Lücke, die Robinson hinterlassen hat, schließen. Da es ihm alleine nicht gelingen wird, sollen seine Freshmen-Kollegen Zach Peters und Landen Lucas ihm bei der Aufgabe unter die Arme greifen.

Hinter Johnson, Releford und McLemore wird vermutlich Andrew White III (ESPN #48) der vierte Flügel im Bunde sein. Er gilt als harter Arbeiter, der mit einem gutem Wurf ausgestattet ist. Der letzte Freshman ist der Guard Rio Adams. Entweder wird er als Combo-Guard seine Nische in Selfs Rotation finden oder als Tweener auf der Bank versauern.

Stärken/Schwächen

Die Defense um Withey wird im Mittelpunkt stehen und die größte Stärke der Jayhawks bilden. Es wird das Ziel sein, die Zone zu verringeln und jeden Wurf aus der Nahdistanz zu beeinflussen (nicht zwingend zu blocken). Wenn die Gegner ihre Possessions ähnlich ineffizient nutzen wie im vergangenen März (0,89 Punkte pro Ballbesitz), dann würde Selfs Taktik aufgehen. In dem Fall könnte man auch mit den eigenen Schwächen im Angriff umgehen. Eine Offense, die selbst mit Robinson und Taylor oftmals Ladehemmungen hatte. Das bleibt vorerst das große Fragezeichen, inwieweit die Verbliebenen und die Neuen die fehlenden Punktelieferanten kompensieren können.

Fehlendes Starpotential könnte man auch als Schwachstelle definieren. Johnson mag die spektakuläre Spielweise und das Charisma dafür haben, aber ob er über ausreichend Talent verfügt, steht in den Sternen.

Da Basketballspiele nicht nur auf dem Parkett, sondern teilweise auch an der Seitenlinie entschieden werden, soll Bill Self an dieser Stelle genannt werden. Ein Trainer, der mit seiner Mannschaft regelmäßig die Abgänge wichtiger Akteure versteckt und als Pauker seine Schüler acht Jahre in Folge zur Meisterschaft der Big-12-Conference führt, versteht ohne Frage sein Handwerk. Das sieht man in Kansas ähnlich: Self wurde für weitere zehn Jahre bis 2022 an die Jayhawks gebunden. Dafür bekommt er auch ca. 52 Millionen US-Dollar überwiesen. Die gute Teamchemie, die er aufbaut (bspw. durch Reisen nach Europa mit der gesamten Mannschaft), könnte einer der Gründe sein, weshalb manche seiner Teams auch über ihrem eigentlich Talentlevel performen.

Ausblick

Wir haben die Kansas Jayhawks als eine der acht besten Mannschaften der kommenden Saison auserkoren. Keine schlechte Prognose für eine Mannschaft, die zwei ihrer besten drei Spieler verabschieden musste. Wenn die Defense wieder steht, könnten sie im Tournament erneut die Gegner zermürben und tief ins Turnier vorstoßen – auch ohne den großen Star.

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