Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: Indiana Hoosiers

Indiana Hoosiers, Big Ten

2011/2012: 27-9; NCAA Tournament: Sweet Sixteen.

Sie sind zurück auf der Landkarte des College Basketballs. Tom Crean und die Indiana Hoosiers haben vergangenes Jahr in beeindruckender Manier gezeigt, dass von nun an wieder mit ihnen zu rechnen ist. Nach einer enorm langen Durststrecke konnte man satte 27 Siege einfahren, so viele wie zuvor in drei Jahren unter Crean zusammen.

Außer Verdell Jones III kehren alle Rotationsspieler zurück. Diese werden von einer mehr als ansprechenden Freshman-Class unterstützt. Gleich der ESPNU Top 100-Spieler konnten rekrutiert werden. Außerdem wird noch ein weiterer Neuling die Chance auf Einsatzzeit haben.

Der Hype in den Staaten um dieses Team könnte größer nicht sein. In allen Umfragen sind die Hoosiers die klare Nummer eins der Preseason. Der Druck ist enorm, auch wenn man es nicht zugeben möchte. Speziell von Cody Zeller und Christian Watford wird eine weitere Leistungssteigerung erwartet. Insbesondere Zeller wird dieses Jahr die eine oder andere Exrabewachung erwarten. Er gilt als der momentan beste College Basketball-Spieler.

Wer ging?

Nur Verdell Jones III verließ die Hoosiers. Nach dem vierten Jahr ist seine Karriere an der University of Indiana abgeschlossen. Mit seiner Erfahrung war der 23-Jährige ein wichtiger Teil des Kaders. Seine wohl wichtigste Aktion war die Vorlage zum Game-Winner von Christian Watford gegen Kentucky. Jones kam vergangenes Jahr auf 7.5 Punkte, 3.2 Assists und 2.9 Rebounds in 24.5 Minuten. 

Wer kam?

Die Klasse der Freshmen wird von Point Guard Yogi Ferrell angeführt. Trotz seiner geringen Größe (1.80 Meter) kann er von Beginn an als Starting Point Guard auflaufen. Als sehr flinker Spieler ist es kein Problem für ihn, seinen eigenen Wurf zu kreieren. Seine Mitspieler werden aber ebenfalls von seiner Ankunft profitieren.  Durch den Drive zum Korb werden sich viele freie Würfe sowohl am Perimeter als auch in der Zone ergeben. Wie die Aufteilung im Backcourt mit Jordan Hulls aussehen wird, ist noch nicht abzusehen. Dieser kann aber durch seinen gefährlichen Distanzwurf (49 %) auch als Off-Guard agieren. 

Jeremy Hollowell wird von der Bank kommen und durch seine Länge sowie Firepower eine weitere Option für Tom Crean darstellen. Neben dem Drive zum Korb kann er auch per Distanzwurf aus allen Lagen abschließen. Nur selten lässt er sich aus der Ruhe bringen und forciert Aktionen aufgrund des Tempo des Spiels. Eine Fähigkeit, welche für Spieler seines Alters relativ selten ist. 

Mit Hanner Perea bekommt man einen extrem athletischen und physischen Forward. Der Körper ist auf NBA-Level und man kann sich bei fast jedem Pass in seine Richtung sicher sein, dass er ihn verwerten kann. Neben dem Dunk kann Perea auch seinen Jumper im Zonenbereich anbringen. Die Hoosiers werden so ihren Spaß mit ihm haben.

Auch der vierte Spieler wird mehr als hilfreich sein. Peter Jurkin ist für seine 2.13 Meter sehr mobil und athletisch. Offensiv kann er auch per Jumper abschließen, seine Stärken liegen aufgrund des ausgeprägten Blockvehaltens aber in der Defense. Alleine das sollte ihm zu einigen Minuten auf dem Parkett verhelfen. 

Wer blieb?

Tom Crean kann sich mehr als glücklich schätzen, dass seine besten fünf Scorer erneut im Kader stehen. Allen voran Cody Zeller! 

Nach einer sehr guten Freshman-Saison erwartet ganz Amerika eine “Spieler des Jahres”-Kampagne von ihm. In diesem Sommer soll er sein Spiel noch einmal auf ein neues Level gehoben haben. Trotz des sehr talentierten Kaders wird es vor allem an ihm liegen, was dieses Jahr mit Indiana passiert. Von dem, was wir über ihn wissen und was sein Potential betrifft, stehen die Zeichen auf Championship. Doch die Konkurrenz ist viel zu stark, als dass man dies so einfach sagen kann. Seine Präsenz in der Zone, das Scoring und das Rebounding sollte erneut einen Schub bekommen und ihn zum absoluten Leader machen. Doch vergangene Spielzeit wurde der jüngste Bruder der Zeller-Familie phasenweise viel zu selten in das Spiel eingebunden. Wenn es über ihn ging, war das jedoch meist nicht gut für den Gegner. Genau dies wird in dieser Saison aber eher selten passieren. Crean machte mehrmals deutlich, was er über Zeller denkt: Nichts weiter, als dass er zur absoluten Spitzenklasse im College Basketball gehört und der beste Akteur im Kader ist. 

Neben ihm wird zumeist Christian Watford auflaufen. Der Senior war zweitbester Scorer und hatte eine bessere Dreier- als Feldwurfquote. Mit 2.09 Meter und dem starken Distanzwurf ist er sehr schwer auszurechnen. Dabei ist es egal, ob er auf der Drei oder Vier aufläuft. An seiner Feldwurfquote ist aber zumindest ein Manko abzusehen: Der nächste Schritt ist eine effektivere Wurfauswahl und eine daraus resultierende höhere Wurfquote. Auch das Reboundverhalten (5.8 RPG) soll auf das nächste Level angehoben werden. Wenn er diese Baustellen in den Griff bekommt, gibt es in Bloomington Grund zur Freude. Nicht umsonst gehört Watford bereits jetzt zur Top 40 der besten Spieler der NCAA (CBS).

Als einziger Spieler mit 30 Minuten pro Spiel trug Guard Jordan Hulls eine große Verantwortung. Crean vertraut in den wichtigen Phasen des Spiels auf seinen Floor Leader. Was heraussticht, sind jedoch seine unglaublichen Quoten aus dem Feld, sowie von der Wohltätigkeitslinie. 50.4 Prozent aus dem Feld sind für einen Guard herausragend. Dass seine 49.3 Prozent aus der Distanz fast genau so gut sind, spricht für sich. Die 89.9 Prozent beim Freiwurf machen das Steve-Nash-Paket komplett. Für Indianas Kontrahenten regnete es letztes Jahr satte 72 verwertete Dreipunktewürfe. Das alleine macht ihn sehr wertvoll. Doch wenn man ihn auf dem Feld beobachtet, ist die Leidenschaft und der Kampfgeist fast noch auffälliger. Seine Größe macht es ihm vor allem defensiv nicht gerade leichter, was er mit seiner Einstellung aber oftmals gut versteckt. 

Als Energizer hat Victor Oladipo eine ganz besondere Rolle. Obwohl seine Bewegungen teilweise etwas merkwürdig aussehen mögen, ist seine Athletik die ganz große Stärke und verhilft ihm zu dem einen oder anderen großen Moment, der ein Spiel drehen kann. Auch beim Rebound verhilft ihm seine Athletik zu guten Zahlen (5.3 pro Spiel). Wenn der Jumper nun noch zumindest anständig wird, kann er sich zu einem sehr guten College Spieler entwickeln. 

Will Shelley ist als Bankspieler der fünftbeste Scorer der Hoosiers gewesen (8.6 PPG). Die Mischung aus gutem Distanzwurf (38.3 3P%), effektivem Abschluss (50 FG%) und starker Defense auf dem Flügel macht ihn zu einem sehr wichtigen Spieler. Zusammen mit Oladipo bildet der Junior ein hervorragendes Defensivduo auf dem Flügel. Dies kann von enormer Bedeutung sein, da sich die Hoosiers vor allem defensiv verbessern müssen. 

Mit Matt Roth und Derek Elston kehren außerdem zwei sichere Schützen mit jeweils Dreierquoten von mehr als 50 Prozent zurück. Zwar sind beide recht eindimensionale Spieler, doch trotz alledem konnten auch sie des öfteren wichtige Beiträge zum Erfolg leisten. 

Auch wenn es nur zehn Minuten pro Spiel waren, Tom Pritchard war in jeder Partie aktiv und entlastete Zeller & Co. im Frontcourt zumindest für kurze Zeit. 

Stärken/Schwächen

Offensiv ist Indiana das Nonplusultra des College Basketballs, zumindest in diesem Jahr. Vergangene Saison gehörte man bei der Feldwurf-, Dreier- und Freiwurfquote zu den elf besten Teams in der gesamten Nation. Durch die Neuzugänge sollte dies nur noch besser werden. Die Situation im Backcourt wird offensiv die Aufgabe für Tom Crean sein. Wenn es ihm gelingt, Jordan Hulls und Yogi Ferrell richtig einzusetzen, sollte es keine Probleme geben. Diese sind an anderen Stellen zu erkennen:

Bei den Rebounds pro Spiel erzielten die Hoosiers nur den 175. Platz. Um in der Spitze zu bestehen, muss sich dies unbedingt verbessern. Es liegt an Spielern wie Christian Watford, Zeller zu entlasten. 

Die größte Baustelle ist jedoch die Defense. Dort gab es in allen Bereichen konstant Probleme. Durch die starke Offense konnte man es sich erlauben, mehr Punkte zuzulassen als andere Teams, was sich nun aber ändern muss, wenn es bis ins Final Four gehen soll. Tom Crean hat bereits angesprochen, dass es sowohl in der Transition- und Pick & Roll Defense, als auch in der Post Defense Verbes-serungspotential gibt. Ein weiterer Problemherd könnte durch die Aufstellung mit Hulls und Ferrell auf den Guardpositionen entstehen. Beide sind nicht die größten, was gegen einige Guardreihen, wie zum Beispiel die der Ohio State Buckeyes, zum Verhängnis werden kann. Hier muss dann im Notfall einer der beiden auf die Bank und Oladipo oder Sheehey auf die Zwei.

Im Frontcourt benötigt Zeller unbedingt Unterstützung in Form von Länge. Im vergangenen Jahr war Tom Pritchard der einzige echte Big Man, der ihn mal entlasten konnte und das nicht mal auf annähernd gleichem Niveau. Hier sollen und werden die Freshmen Jeremy Hollowell, Hanner Perea und Peter Jurkin helfen. Sie alle haben als Frontcourtspieler eine gute Größe, insbesondere Jurkin, und werden das Leben für Zeller und Crean somit deutlich einfacher machen. 

Daran ist auch zu sehen, dass die Hoosiers in diesem Jahr ein sehr tiefes und variables Team stellen. Will Sheehey gehörte 2011-12 zu den besten Sixth Men der NCAA, was sich auch in diesem Jahr nicht ändern wird. Mit ihm von der Bank hat man die Energie, die man sich wünscht. Ferrell und Hulls können beide auf der Eins spielen und sich somit gegenseitig Pausen ermöglichen.  Mit den drei Freshmen von der Bank können Oladipo, Watford und Zeller zumindest zeitweise ersetzt werden. Dazu kommen noch die Scharfschützen Matt Roth und Derek Elston. Tom Pritchard wird hingegen weniger Minuten sehen, doch auch er ist in der Lage, solide Minuten zu spielen. Das heißt im Umkehrschluss, dass insgesamt elf Spieler im Kader stehen, die man ohne Bedenken auf das Parkett schicken kann. Eine hervorragende Ausgangssituation für den Coaching Staff. 

Ausblick

Diese Indiana Hoosiers sind definitiv “for real”. Der Grundstein für eine sehr erfolgreiche Saison wurde gelegt und jetzt gilt es, das enorme Potential abzurufen. Die Big Ten scheint wieder mal sehr stark besetzt zu sein und es gibt einige Teams, die den Hoosiers den Rang um den Conference-Titel streitig machen wollen. Doch im Vergleich ist das Team aus Bloomington zu tief, zu talentiert und zu offensvistark, um nicht als absoluter Favorit zu gelten. Außerdem hat man bei Heimspielen das wohl euphorischste Publikum des Landes im Rücken. Die Hoosiers sind der Topfavorit auf den Gewinn des Final Fours und da gibt es, zumindest vor der Saison, keine Zweifel. 

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