NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: UCLA Bruins

UCLA Bruins, PAC 12

2011/2012: 19-14; NCAA Tournament: keine Teilnahme.

Die hochdekorierte Mannschaft aus Westwood, Los Angeles hat eine äußerst durchwachsene Saison 2011/12 hinter sich. Der Rekordmeister der NCAA mit elf gewonnenen Meisterschaften hatte im letzten Jahr wenig mit dem Kampf um die Krone zu tun, da sich die jungen Männer von Trainer Ben Howland nicht für das NCAA-Tournament qualifizieren konnten. In diesem Jahr sollen die Fans der UCLA Bruins wieder einen verrückten März erleben dürfen, doch liegt noch ein langer Schatten der Ungewissheit über jene Spieler, die als Garanten für den Erfolg der UCLA gelten.

Wer kam?

Im Blickfeld des Sommers stehen insbesondere zwei Spieler. Shabazz Muhammad und Kyle Anderson – zwei Freshmen – sollen zu den neuen Stars auf dem Campus und im Pauley Pavilion avancieren. Kollege Julian Barsch listet die beiden Flügelspieler im kürzlich erschienen Artikel unter den Top-5 der College-Rookies. Doch entschied sich die NCAA, die Feier zum starken diesjährigen Recruiting durch laufende Untersuchungen zum Amateurstatus und Anwerbungsprozess der Spieler vorerst zu sprengen. Im schlimmsten Fall würde es den beiden Spielern wie Enes Kanter vor zwei Jahren ergehen. Der Big Man der Utah Jazz durfte damals alle Spieler seiner Kentucky Wildcats in Zivil anschauen, weil ihm die Spielberechtigung für den vermeintlichen Amateursport an den amerikanischen College-Ligen entzogen wurde. Sollten die beiden Spieler die Freigabe erhalten, kann Howland in Muhammad einen der besten Scorer der Liga und zukünftigen Top-Pick auf der Zwei aufbieten, in Kombination mit einem großgewachsenen Forward, der über die spielerischen Fertigkeiten eines Guards verfügt und auf den Namen Anderson hört.

Aufgrund seiner spielerischen und körperlichen Reife – und natürlich auch wegen des Daseins als Linkshänder – wird bei Muhammad gerne der Vergleich mit dem Shooting Guard der Oklahoma City Thunder, James Harden, gezogen. Dieser verfügt bisweilen über den sichereren Wurf, aber Muhammad kann mit der besseren Athletik aufwarten. Mit den vielen Vorschusslorbeeren hofft man in Los Angeles, dass er bald mit den bekannten UCLA-Abgängern wie Gail Goodrich, Jamaal Wilkes, Reggie Miller und Russell Westbrook in einem Atemzug genannt wird. Bei Betrachung von Anderson hingehen, wird man unweigerlich an Jalen Rose erinnert. Keine hervorstechende Athletik, kein besonderer Wurf, allerdings mit hohen Basketball-IQ und guten Passfähigkeit ausgestattet – und das Ganze in einem 6’9”-Körper.

Jener wird auch dem Neuzugang aus Chapel Hill und vermutlich etatmäßigen Starter auf der Eins, Larry Drew II, in Sachen Gestaltung der Bruins-Offensive stark unter die Arme greifen. Die Leistung des ehemaligen Point Guards der Tar Heels war in den drei Jahren in North Carolina doch sehr wechselhaft. Das stark veränderte Gesicht des UCLA-Kaders wird durch zusätzlich durch zwei Freshmen abgerundet: Tony Parker, seines Zeichens Big Man, und Jordan Adams, wurfstarker Flügelspieler.

Wer ging?

Die Abgänge, die Coach Howland hinnehmen muss, sind nicht ähnlich spektakulär wie die Zugänge. Die drei namhaftesten Spieler, die kommende Saison nicht mehr mit dem UCLA-Blau auflaufen werden, sind Basketball-Rüpel Reeves Nelson, Lazeric Jones und Jerime Anderson. Während der Draft im Juni wurde keiner dieser Namen ins Mikrofon gesprochen. Nelson, der 2010-11 noch als potentieller 1st Rounder gehandelt wurde, aber in der vergangenen Saison nach sechs Spielen aufgrund seines Verhaltens vor die Tür gesetzt wurde, konnte sich diesen Sommer bei den Los Angeles Lakers für einen ungarantierten Vertrag empfehlen und kämpft nun um einen Rosterspot. Letzten Endes muss man den Verlust von Nelson allerdings als “Addition by Substraction” kategorisieren. Ein Spieler, der seine Mitspieler schikaniert und teilweise verletzt, bringt keine Mannschaft voran. Point Guard Jones hofft ebenfalls auf ein Engagement bei einer NBA-Franchise, aber ob ihm der Sprung noch gelingt, steht in den Sternen.

Wer blieb?

Die wichtigsten Spieler, die auf den UCLA-Campus zurückkehren werden, sind die Wear-Zwillinge, David und Travis, Tyler Lamb, Norman Powell und Joshua Smith. Das brüderliche Big-Man-Duo haben – genau wie Drew II – ihre College-Karriere bei den Tar Heels begonnen, sind aber bereits nach einer Saison nach Los Angeles transferiert. Die beiden sollten weiterhin auf den großen Positionen starten. Diesen Posten wird Lamb wohl an Muhammad bzw. Anderson abtreten dürfen und sich letztlich mit Powell und Adams um die Minuten hinter den beiden neuen Stars streiten. Das Zeug zum Starter hat eigentlich auch der wuchtige Center Smith … wenn bei ihm die Einstellung stimmt. Nach seinem Jahr als Freshman kam es im zweiten Jahr zu einem Rückschritt. Sollte er allerdings seinen Gewicht in den Griff bekommen, könnte er Howland eine weitere interessante Komponente im Spiel geben und seine Gegner vor Probleme stellen.

Zuletzt sollen David Brown, Nick Kazemi und Khalid McCaskill noch eine namentliche Erwähnung in diesem Artikel erhalten. Als Entschädigung dafür, dass sie keine Rolle auf dem Basketballfeld spielen werden.

Stärken/Schwächen

Die prognostizierte Startaufstellung mit Drew II, Muhammad, Anderson und den Wears bzw. das Talent, welches die wohl beste Recruiting Class dieses Jahr in den Kader spült, macht insgesamt einiges her. Howland wird es – wie man es von ihm gewohnt ist – darauf anlegen, eine harte “Man-to-Man”-Defense zu installieren, um die Grundlage seines Erfolgs zu bilden. Die Offense wird selbstverständlich hauptsächlich über das Sahnestück des Kaders, die Flügelposition, laufen. Hier beginnen möglicherweise auch die Probleme: Zum einen natürlich die noch fehlende Freigabe von Muhammad und Anderson wie bereits im Vorfeld angesprochen – ein Problem, welches im schlimmsten Fall alle Ambitionen zerstören würde – und zum anderen die Frage, wie schnell die Umstellung der Freshmen funktioniert. Im Grunde müssen sie vom ersten Tag an funktionieren. Mit vier Freshmen unter den besten zehn Spielern im Team und insgesamt fünf Neuen in dieser Rotation wird das keine einfache Aufgabe. Wie kommen sie also mit dem Druck und der fehlenden Erfahrung zurecht? Dafür gibt es leider keine allgemeingültige Aussage.

Ein weiteres Problem in der Starting-Five könnte die fehlende Gefahr von der Drei-Punkt-Linie werden – bereits in der vergangenen Saison eine Schwachstelle. Keiner der drei Kleinen ist ein hervorragender Schütze, was es erschwert, für Muhammad oder Anderson Räume zu schaffen. Allerdings soll dies nicht zu pessismistisch klingen, denn diese Spieler sind talentiert genug, Wege zu finden, um ihre Klasse auf dem Parkett darzubieten.

Vielleicht über ein etwas höheres Spieltempo, auch wenn dies nicht zwingend Howlands Philosophie entspricht. Ob gerade Drew, ein turnoveranfälliger Aufbauspieler, der seit Februar letzten Jahres kein Punktspiel absolviert hat, einen Howland dazu bewegen kann, darf – freundlich formuliert – als fraglich bezeichnet werden. Eher kann man hier noch von einer Schwäche sprechen.

Ausblick

Wenn alle Spieler an Bord bleiben bzw. von der NCAA die Erlaubnis erhalten, an Bord kommen zu dürfen, ist es eine berechtigte Erwartungshaltung, UCLA als Titelfavoriten in der schwächelnden Pac-12 zu sehen – mit den Arizona Wildcats als ärgsten Konkurrenten. Hinsichtlich des Tournaments bleibt es abzuwarten, wie sich die Freshmen und auch ein Smith präsentieren.

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