Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: N.C. State Wolfpack

North Carolina State Wolfpack, ACC

2011/2012: 24-13; NCAA Tournament: Sweet 16.

In der ACC geht es nicht darum, wie viele Teams die Chance auf die Meisterschaft haben, sondern nur, ob Duke oder North Carolina den ersten Platz belegen. So ist es normalerweise. In diesem Jahr wird sich in dieser Hierarchie einiges ändern. Natürlich ist dies nicht garantiert, doch die North Carolina State University hat vielleicht sogar noch mehr Potential als die beiden legendären Programme der Blue Devils und Tar Heels. 

Nachdem Mark Gottfried in seiner ersten Saison als Head Coach des NC State Wolfpack schon deutlich erfolgreicher war, als man es ihm zugetraut hat, wird dieses Jahr ein weiterer Leistungssprung erwartet. Überraschenderweise gelang ein recht tiefer Run im März, welcher erst im Sweet Sixteen von Kansas beendet wurde. Doch das soll dieses Jahr nicht der Fall sein. 

Wer ging?

Mit 10.6 Punkten, 3,8 Rebounds und soliden Quoten hinterlässt C.J. Williams definitiv eine Lücke, die erstmal gefüllt werden muss. In seinem letzten Jahr war er nochmal Teil eines sehr erfolgreichen N.C. State-Teams. Der Guard war zwar nicht der beste Schütze, doch er übernahm Verantwortung und war der beste Verteidiger im Team. Insbesondere diese Eigenschaft wird auf dem Spielfeld fehlen. 

Senior-Guard Alex Johnson verließ das Wolfpack nach seinem Abschluss. In allen 37 Partien stand er auf dem Parkett. In knapp 20 Minuten pro Spiel erzielte er aber nur 4.4 Punkte bei einer schwachen Wurfquote von 33.8 Prozent. Außerdem verursachte er 1.6 Turnover. 

Der Abgang von DeShawn Painter ist deutlich härter für Gottfried. Von der Bank kommend hatte auch er eine, für einen Big Man, sehr schwache Wurfquote (42.3 %), seine Stärke lag jedoch in der Defense. Sobald er ins Spiel kam, übernahm er die Bewachung des besten Post-Spielers, was es für C. J. Leslie & Co. deutlich einfacher machte. Er wechselt zu den Old Dominion Monarchs.

Wer kam?

Gottfried konnte eine überdurchschnittlich starke Recruiting-Klasse an die North Carolina State lotsen. Angeführt wird diese von Guard-Sensation Rodney Purvis.

Purvis ist der typisch moderne Scoring-Guard wie er im Buche steht. Seine hervorragende Athletik verhilft ihm des Öfteren zu spektakulären Plays in Korbnähe. Für Gegenspieler ist es mehr als schwer, ihn vor sich zu halten und den Drive zu verhindern. Gerade im Fastbreak sowie im Transition-Game ist Purvis nicht aufzuhalten. Der Distanzwurf ist bei den meisten jungen, athletischen Guards ein Problem, so auch bei dem 18-Jährigen. Doch schon im vergangenen Jahr hat er sich dort verbessern können und man kann hoffnungsvoll sagen, dass noch Potential vorhanden ist. Am defensiven Ende bringt Purvis eine starke On-Ball Defense mit. Abseits des Balles hat er teilweise noch Probleme seinen Kontrahenten nach einem Screen zu folgen, doch das sollte mit der Zeit und Erfahrung kommen.

Tyler Lewis ist klein (1.80 Meter) und nicht gerade der Rimrocker wie Purvis. Trotz alledem wird der Point Guard eine wichtige Option von der Bank sein. Mit seiner Schnelligkeit und dem guten Dribbling ist es sehr schwer, ihn als Verteidiger zu kontrollieren. Als Pass-first Guard denkt er immer schon einen Schritt weiter als seine Gegenspieler. Das Passspiel ist schon sehr ausgereift und mit den vielen neuen Optionen sollte es nun noch mehr zur Geltung kommen. Den freien Distanzwurf kann Lewis ohne Probleme verwandeln, doch es gibt defensiv noch Probleme. Durch seine Größe hat er konstant Probleme gegen kräftigere Guards, was am College noch mehr ins Gewicht fallen wird. 

Forward T.J. Warren hat sich trotz Anfragen aus North Carolina, Georgetown und Florida für die NC State entschieden. Wenn man die Preseason Polls anschaut, war es eine gute Entscheidung. Der Flügel bringt alles mit, was ein guter Scorer braucht: Der Wurf sitzt bis hinter die Dreierlinie sicher, der Pull-up aus dem Mid-Range ebenso. Außerdem fällt es ihm nicht schwer, beim Drive zum Korb Fouls zu ziehen. Warren fühlt sich auf beiden Forward-Positionen wohl und wird für Tiefe und Variabilität im Frontcourt sorgen.

Wer blieb?

Es kehren gleich vier Starter zurück, was es Gottfried erlaubt, letztes Jahr als Grundstein für die kommende Spielzeit zu nehmen. 

Lorenzo Brown wechselte erfolgreich auf die Position des Point Guards und verteilte mit 6.3 Assists die zweitmeisten in der ACC. Sein Impact als Leader, Scorer und Ballverteiler ist eminent für das Wolfpack. Er spielte die meisten Minuten (34.3), erzielte 12,7 Punkte, war stark beim Rebound (4,5) und in der Defense (1.6 Steals). Doch die 3.2 Ballverluste pro Spiel sind definitiv zu viel. 

Der wichtigste Akteur kam letztes Jahr aber noch von der Bank. C. J. Leslie hätte schon in diesem Jahr ein NBA-Erstrundenpick sein können, entschied sich aber, zurückzukehren. Zu Beginn seiner College-Karriere hat er noch die mentale Reife vermissen lassen, die man von seinem Top-Rekrut erwartet, dies änderte sich aber letzten Winter. In der zweiten Hälfte der vergangenen Saison bewies Leslie, dass er das Talent und die Reife besitzt, das Team zu führen. Das Gesamtpaket aus Scoring, Rebounding und Durchsetzungsvermögen ist extrem selten und gibt ihm die Möglichkeit, ohne große Anstrengung das Spiel an sich zu reißen. 

Neben ihm wird wieder Senior Richard Howell auflaufen. Als drittbester Rebounder in der ACC (9.2 RPG) legte er fast ein Double-Double im Schnitt auf und wird mit seiner physischen Spielweise und Erfahrung viele Minuten bekommen.

Scharfschütze Scott Wood startete in seinen ersten drei Jahren am College und wird dies voraussichtlich auch in diesem Jahr tun. Bei einer Dreierquote von über 40 Prozent verwandelte der Senior 95 Würfe von Downtown und gehört somit zur Elite auf diesem Gebiet. 

Durch den Abgang von Painter wird ein wichtiger Spieler im Frontcourt fehlen. Dementsprechend werden andere Akteure mehr Spielzeit bekommen. Als Ersatz für ihn werden Seven-Footer Jordan Vandenberg und Sophomore Thomas de Thaey eine neue Rolle bekommen. 

Vandenberg war nur in sieben Spielen aktiv, wobei er zwei Punkte und knapp drei Rebounds im Schnitt erzielte. Vor allem er wird zu Beginn der Saison mehr Minuten sehen und die Chance bekommen, als defensiver Anker für Sicherheit zu sorgen. Sollte dies nicht klappen, werden entweder de Thaey oder auch Rookie T. J. Warren auf den großen Positionen eingesetzt. 

Stärken/Schwächen

Die ganz große Stärke ist die Eingespieltheit und Erfahrung. Die vier zurückkehrenden Starter aus dem vergangenen Jahr kommen zusammen auf 262 Spiele in der Starting Five. Gottfrieds System ist nun verinnerlicht, was die Chemie auf dem Spielfeld noch einmal verbessern sollte. Auch für die Freshmen ist es deutlich einfacher, in eine solche eingespielte Truppe zu kommen, da sie von den älteren Spielern lernen können. 

Nicht viele Teams können von sich behaupten, gleich drei Topspieler im Kader zu haben. Leslie, Brown und Purvis gehören aber genau diesem Kaliber an. Wenn Purvis es schnell schafft, sich an das Spiel auf dem nächsten Level zu gewöhnen, sollte der Backcourt zu den besten im ganzen Land gehören. Leslie alleine hebt den Frontcourt auf enorm hohes Level. Wenn der Junior erneut einen Fortschritt erzielen kann, ist für N.C. State eine Menge möglich.

Das Team deckt alle Bereiche mehr als zufriedenstellend ab. Für den Ballvortrag und das Aufziehen des Spiels stehen mit Brown, Purvis und Lewis gleich drei Spieler zur Verfügung. Das Scoring kann auf mehrere Schultern verteilt werden, da Brown, Purvis und Leslie den eigenen Wurf kreieren können. Wood wird mit seinem Distanzwurf Platz schaffen und Möglichkeiten zum Drive geben. Einzig und alleine Howell ist kein wirklicher Scorer. Dafür hat man mit Warren noch einen talentierten Forward auf der Bank. Der Senior hingegen ist der wichtigste Faktor beim Rebound. Auch hier sollte Leslie noch einmal zulegen können. Wenn jetzt noch Vandenberg oder de Thaey annähernd solide Leistungen bringen, gibt es kaum noch Schwachstellen in diesem Team.

Doch genau das ist auch das Problem: Es ist nicht sicher, dass die beiden Big Men ihren Teil zum Erfolg beitragen können. Dahinter herrscht gähnende Leere, denn kein weiterer Spieler ist in der Lage, auf dem gewünschten Niveau zu spielen. So kann es sein, dass man am Ende eine Rotation aus sieben Spielern hat, wobei kein echter Big Man von der Bank kommt. Hier muss Gottfried dann kreativ werden. 

Des Weiteren fehlt den Bankspielern eindeutig die Erfahrung. Während die Starting Five nur so vor Erfahrung strotzt, haben Vandenberg und de Theay letztes Jahr zusammen nur 26 Spiele absolviert. Vandenberg soll eine größere Rolle spielen, stand letztes Jahr aber nur etwas mehr als 70 Minuten auf dem Parkett. Lewis und Warren bringen selbstverständlich noch überhaupt keine Erfahrung mit und müssen sich erst an die NCAA gewöhnen. Vor allem für Lewis wird es zu Beginn nicht einfach werden.

Ausblick

Obwohl die Banksituation alles andere als optimal ist, muss das Ziel die ACC-Meisterschaft sein. Das Potential ist vorhanden und alleine vom Spielermaterial ist man besser aufgestellt als Duke und North Carolina. Landesweit sollte man im März weiter kommen als in diesem Jahr. Ab dem Sweet Sixteen ist alles möglich, da speziell in diesem Teil der Saison die Rotation eh verkleinert und auf die wichtigsten Spieler vertraut wird. Es ist also definitiv nicht vermessen, zu behaupten, dass dieses Team das Final Four erreichen kann. 

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben