Draft, NCAA Previews 12/13

NCAA Preview ’12: Duke Blue Devils

Duke Blue Devils, ACC

2011/12: 27-7; NCAA Tournament: 1. Runde.

“Enttäuschend” ist das Wort, das die Saison 2010/2011 der traditionsreichen Duke Blue Devils am treffendsten beschreibt. Nachdem man im Vorjahr zum ersten Mal seit neun Jahren die Championship holen konnte, galt man die gesamte Spielzeit über als Topfavorit auf den erneuten Titel, nur um in der Sweet Sixteen gegen eine Mannschaft aus Arizona auszuscheiden, die in diesem Spiel Feuer fing, wie selten ein direkter Gegner der Blue Devils.

Mit diesen Worten begann die Preview zu den Duke Blue Devils im letzten Jahr. Verglichen mit diesem Jahr war die Saison 2010/2011 gar ein Erfolg. Das Team um Austin Rivers fand bis auf vereinzelte Ausreißer nie so richtig ihren Stil, was nicht zuletzt am Sohn von Celtics-Coach Doc lag.
Im NCAA-Tournament konnte man keinen einzigen Sieg erringen und schied als #2-Seed bereits in der ersten Runde aus. Wieso Duke trotzdem in einer Preview auftaucht, die die acht stärksten College-Teams vorstellen soll, soll im Folgenden erklärt werden.

Wer ging?

Mit Austin Rivers verließ der beste Scorer das Team und wanderte in Richtung NBA ab. Der zukünftige Hornet legte für die Blue Devils 15,5 Punkte pro Spiel auf und traf respektable 36,5% seiner Dreier. Als Spielgestalter trat Rivers zumeist nicht in Erscheinung, was auch ein Grund dafür war, dass Duke nie so richtig überzeugen konnte. Rivers gab dem Team das Scoring, das es benötigte, aber benötigte dafür auch oft den Ball in der Hand.

Zweiter prominenter Abgang ist Miles Plumlee, der ebenfalls den Sprung in die NBA geschafft hat und zukünftig für die Indiana Pacers die Bretter abräumen will. Den Blue Devils gab Plumlee Länge, Einsatz und harte Arbeit. Seine Feldwurfquote von 61% zeigt zum einen, dass er ein reiner Resteverwerter in Ringnähe ist, zum anderen aber auch, dass er seine Rolle kannte, nichts forcierte und sich immer in den Dienst seiner Mannschaft stellte.

Zudem verzeichnete Duke einen dritten Abgang: Michael Gbinije wechselte die Universität und geht zukünftig für die Syracuse Orange auf Punktejagd. Gbinije spielte bei den Blue Devils aber nie eine Rolle und kam bei 19 Einsätzen auf im Schnitt 6 Minuten pro Spiel.

Wer kam?

Coach Mike Krzyzewski hat für diese Saison zwar nur zwei Spieler rekrutiert, kann aber zudem auf zwei Red-Shirts zugreifen, die in der letzten Saison noch nicht eingesetzt wurden.
Dies ist zum einen Marshall Plumlee, der dritte Sohn, der für die Blue Devils das Jersey überstreifen wird. Plumlee hat im Gegensatz zu seinen Brüdern ein polierteres Offensivgame und kann auch bis zur Midrange hinaus seinen Wurf treffen. Der Center wurde bei ESPN 2011 als viertbester Pivot in der Recruiting Class geführt und wird das Erbe seines Bruders Miles antreten müssen. Marshall reboundet auf beiden Seiten des Feldes gut, aber nicht herausragend, wenn man seine herausragende Mobilität und Agilität als Grundlage sieht. Zudem hat er manchmal ein Fokusproblem und ruft sein Potential nicht auf konstanter Basis ab, obwohl er die klassischen “Plumlee-Eigenschaften” Einsatz und Arbeit fürs Team besitzt.

Zum anderen kommt mit Alex Murphy ein Tweener-Forward ins Team, der von ESPN 2011 direkt hinter Neu-Sixer Moe Harkless bei den Small Forwards gerankt wurde. Murphy ist im Fastbreak ein ganz gefährlicher Spieler, der aber immer noch seine Position finden muss. Dies bedeutet vor allem, dass er sich entscheiden muss, ob er defensiv eher die Power Forwards am Brett verteidigen will, wozu er Masse aufbauen müsse, oder ob er die Small Forwards verteidigt, wozu er an seienr Schnelligkeit arbeiten müsste.

Rasheed Sulaimon ist der nächste Fünf-Sterne-Rekrut, der für Duke auflaufen wird. Der Shooting Guard ist ein wahrer Scorer, der sich sowohl zum Ring durchtanken kann als als auch den Pull-Up-Jumper besitzt. Seine Reichweite geht bis zur Dreierlinie, obwohl Sulaimon noch ein wenig streaky ist. Dennoch muss die Defense Sulaimons Wurffähigkeiten respektieren, weil dieser auch schnell heiß laufen kann. Zudem besitzt Sulaimon genug Ballhandling, um eventuell auch auf der Point Guard Position auszuhelfen, auch wenn dies in diesem Duke-Team nicht nötig sein wird. Seine Schwächen sind sein defensiver Fokus, den er zuweilen verliert, und dass er offensiv manchmal zu sehr forciert.

Zuletzt kommt mit Amile Jefferson noch ein schlaksiger Power Forward zu den Blue Devils, der vor allem durch seine Baseline-Cuts auf sich aufmerksam macht. Jefferson hat ein sehr gutes Gefühl für das Spiel und beherrscht seine Körperspannung außerordentlich gut, sodass er am Ring effektiv abschließen kann. Jeffersons größte Schwäche ist momentan sein fehlender Wurf, der ihn nicht gerade dazu prädestiniert, offensiv die Small Forward-Position zu bekleiden, die er aufgrund seiner Schnelligkeit und Agilität einnehmen könnte.

Wer bleibt?

Bis auf Rivers und Miles Plumlee bleiben sechs Rotationsspieler bei den Blue Devils. Dies gibt dem Team eine Konstanz, auf die man aufbauen kann. Heraus stechen dabei die Seniors in der Starting Five, die mit der bereits gesammelten Erfahrung das Grundgerüst stellen werden. Seth Curry, der Bruder von Warrior Stephen, wird etwas mehr Scoringlast übernehmen müssen, war aber hinter Rivers in der letzten Saison schon zweitbester Scorer und hat die Shooting-Gene seines Vaters Dell ebenfalls geerbt, was 38% Dreier bei über 4 Versuchen pro Spiel eindrucksvoll beweisen.
Coach K. kann sich ebenfalls für eine letzte Saison am College auf Ryan Kelly verlassen, der ein typischer Stretch Four ist und das Spiel breit machen kann. Kelly hat im letzten Jahr noch weiter an seinem Wurf gearbeitet und trifft den Dreier hochprozentig, sodass er Räume für Drives schaffen kann. Kellys Reboundarbeit ist immer noch nicht so ausgereift wie möglich, was aber neben den Plumlees auch nicht so wichtig schien. Mason Plumlee komplettiert die Senior-Riege und wird auf der 5 starten. Der Center wird wieder für die Hustle-Plays und Second-Chance-Points zuständig sein und dem Team eine defensive Identität geben. Bereits in der letzten Saison hatte Mason seinem Bruder Miles den Rang abgelaufen und sich für mehr Spielzeit und Punkte verantwortlich gezeigt.
Verzichten wird Coach K. in dieser Saison auf Andre Dawkins, der mit einem “red shirt” versehen wurde und somit in dieser Saison nicht für Duke auflaufen wird.

Auf der 1 wird aller Voraussicht nach Tyler Thornton starten (Quinn Cook wäre die Alternative), der sich vor allem darum kümmert, das Spiel zu organisieren und in der Defense gut verteidigt. Der Junior nimmt fast alle seiner Wurfversuche am Perimeter, schließt aber nur sehr selten selbst ab. In der letzten Saison kam er auf gerade 4,4 Punkte in 21 Minuten. Thornton ist ein Systemspieler, der sich voll auf seine Aufgaben konzentriert, das Spiel organisiert und wenige Fehler macht. Mit dem Abgang von Rivers wird Thorntons Aufgabenfeld eventuell erweitert.

Ebenfalls größere Aufgaben kommen auf Quinn Cook und Josh Hairston zu. Beide hatten keine größeren Spielanteile in der letzten Saison, aber der Coaching Staff plant fest mit beiden. Insgesamt kann Duke auf 5 Spieler zurückgreifen, die mindestens Juniors sind.

Stärken/Schwächen?

Genau diese Erfahrung wird eine klare Stärke des Teams sein. Mit Thornton, Curry, Kelly und Mason Plumlee hat man vier sehr erfahrene Starter zur Hand, die bereits drei Jahre miteinander Basketball spielen. Das Team wird homogener als im letzten Jahr wirken, wo mit Austin Rivers eine Persönlichkeit das Gesicht des Teams war. Duke kann sich auch in diesem Jahr auf seine Dreierschützen verlassen, die hochprozentig vom Perimeter treffen und so Platz für die Penetration schaffen. Die Scoringlast wird dementsprechend auch auf mehrere Schultern verteilt. So sollen die drei Senior Starter Curry, Kelly und Plumlee jeweils den Großteil des Scorings tragen. Co-Trainer Collins spricht von 15-18 Punkte pro Spiel. Duke wird also nicht so sehr auszurechnen sein wie im letzten Jahr.
Dazu sind die Blue Devils wesentlich tiefer als im letzten Jahr. Man plant mit einer 10-Mann-Rotation, sodass man auch auf alle Freshmen zugreifen wird. Alex Murphy könnte sogar als Starter auf der 3 auflaufen, der Rest soll von der Bank für Entlastung sorgen.

Als Schwäche des Teams sind vor allem zwei Dinge zu nennen: Zum einen fehlt dem Team das Spitzentalent. Austin Rivers war dies. Die Stelle des Stars bleibt in diesem Jahr vorerst unbesetzt. Das bedeutet auch, dass man am Ende des Spiels eventuell Probleme bekommen könnte, weil es bisher keinen klaren Go-to-Guy gibt, der das Spiel dann für Duke gewinnt.
Zum anderen fehlt trotz der Starting Five vor allem die Erfahrung von der Bank. Diese wird mit drei Freshmen, einem Sophomore und einem Junior besetzt sein. Duke könnte Probleme bekommen, wenn ein Senior in Foulprobleme gerät oder wenn nicht alle Freshmen so einschlagen, wie man sich dies erhofft. Dann könnten eventuell die Entlastungen für die Starter fehlen, die zum Ende des Spiels nicht mehr genügend Energie und Konzentration aufbringen können, um das Spiel erfolgreich zu beenden.

Ausblick

Duke ist ein Wackelkandidat für das Elite Eight. Es fehlt an purem Talent und der Erfahrung bis in die hinteren Bankreihen. Das Team hat keinen Star, muss also selbst der Star sein. Zudem müsste eine Breakout-Season von Seth Curry folgen, wenn dieses Team ein Final Four sehen möchte.

Trotz alledem hat Coach K. ein gutes Team zusammen, das überperformen kann, wenn die Freshmen ihre Rollen ausfüllen oder Erwartungen übertreffen können. Die vier Top 40 Prospects aus den letzten beiden Jahren müssen mit dem alten Mannschaftskern schnell zueinander finden, um den bestmöglichen Erfolg sicher zu stellen.

Realistisch ist aber eine Elite Eight-Teilnahme, wo Duke dann aufgrund der unerfahrenen Bank oder durch das Fehlen eines Closers scheitert.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben