Gedanken

Midseason Awards

Mit etwas Verzug folgen nun Teil 5 und 6 der Midseason Awards, die mittlerweile eigentlich gar keine Midseason Awards mehr sind, sondern „Zweidrittelsaison Awards“. Ein Gutes hat die verspätete Vergabe der verbleibenden Awards jedoch: In die Bewertung des Executive of the Year kann nun (wie in der Realität) die Arbeit der Trade Deadline einfließen. Auch bei den Coaches hat sich aus verschiedenen Gründen der eine oder andere frühe Favorit aus dem Rennen verabschiedet.

1. Gregg Popovich

Wenn man vor der Saison gefragt hätte, welches Team nach zwei Dritteln der Saison die viertbeste Bilanz nach den Bulls, Heat und Thunder vorweist, wäre der Name der Franchise aus San Antonio wohl eher selten zu hören gewesen. Die Mannen Greg Popovichs wurden, zum wiederholten Male, stark unterschätzt. Wirft man einen Blick auf den Kader der Spurs, ist das auch mitnichten verwunderlich. Neben dem einzigen legitimen Star des Teams, Tony Parker, tummeln sich ein sehr alter Tim Duncan (28 Minuten pro Spiel), ein sehr zerbrechlicher Manu Ginobili (nur 18 absolvierte Spiele) und sonst ausschließlich kleine Namen im Kader: Kawhi Leonard, Danny Green, Gary Neal, DaJuan Blair und Matt Bonner sind die Profis, welche nach den genannten die meisten Minuten sehen. Den überbezahlten Richard Jefferson (9 PPG, 3.5 RPG, 41% FG) wurde man inzwischen gegen Trainerschreck Stephen Jackson los. Coach Pop bastelte aus dieser Schar von – zugegebenermaßen sich perfekt ergänzenden – Rollenspielern erneut ein Team, das besser ist als die Summe seiner Teile (Go-to-Guys berichtete). Jedes Spiel kann ein Anderer Topscorer sein und Popovich lässt die Spieler auf dem Feld, die gerade funktionieren. Daraus resultiert nicht nur die erwähnte viertbeste Bilanz, sondern auch die viertbeste Offense der Liga, was zu großen Teilen an den guten Quoten aus dem Feld (dritter in Sachen eFG%) in Verbindung mit der zweitniedrigsten Turnoverrate ligaweit liegt. Dass die Defense im Einklang mit Duncans sinkendem Einfluss nur noch Mittelmaß ist, wiegt daher nicht all zu schwer. Es ist jedenfalls beachtlich, was Gregg Popovich aus dem ihm zur Verfügung stehenden Material geformt hat. Dazu kommt noch der Umstand, dass Popovich zwar seit Jahren als einer der besten – und seit Phil Jacksons Rücktritt wohl als der beste – Trainer der Liga gilt und der Coach mit der längsten Amtszeit ist, jedoch erst einmal zum Trainer des Jahres gewählt wurde (2003). Es wäre also mal wieder an der Zeit.

2. Tom Thibodeau

Vorweg: Es gab noch nie einen Trainer, der in aufeinanderfolgenden Jahren zum Coach of the Year gewählt wurde, was die Wahrscheinlichkeit, dass dem Trainer der Bulls dieses Kunststück gelingen wird, erheblich verringert. Dennoch – betrachtet man, was Thibodeau diese Saison leistet und misst es am Vorjahr, müsste er eigentlich wieder gewählt werden. Ähnlich wie Steve Nash, der 2005-2006 noch Größeres leistete als im Jahr zuvor und somit fast zwangsläufig zum zweiten Mal in Folge zum MVP gewählt werden musste. Trotzt der verletzungsbedingten Ausfälle des amtierenden MVPs Derrick Rose stehen die Bulls weiterhin an der Spitze der NBA. Dies ist vor Allem der überragenden Verteidigung zuzuschreiben, welche die zweitbeste der Liga (hinter der Philadelphias) ist. Wo sich die Bulls jedoch entscheidend verbessert haben, ist der Angriff. Während sich Thibs‘ Mannen 2010-2011 in Sachen offensive Effizienz noch im Mittelfeld der Liga befanden (Platz elf), hat sich das Team mittlerweile auf Platz drei katapultiert. All das, obwohl ständig Leistungsträger ausfallen. Rose verpasste bereits 15 Spiele, sein Backup CJ Watson 17, Luol Deng neun und der angedachte Starter auf der Zwei Rip Hamilton ganze 33. Thibodeau versteht es extrem gut, Ausfälle teamintern zu kompensieren. Selbst ohne Rose gewannen die Bulls  elf Spiele. Angesichts dieser Tatsachen ist Tom Thibodeaus Leistung als Coach mindestens auf dem Niveau Gregg Popovichs. Es bleibt abzuwarten, ob es den Wählern genügt, um Geschichte zu schreiben.

3. Doug Collins / Rick Adelman

Doug Collins war der frühe Favorit, da seine Sixers überraschend gut verteidigten und noch mehr überraschend viele Spiele gewannen und so zwischenzeitlich hinter den Bulls und Heat auf Platz drei im Osten standen. Seit der Spielplan Philadelphias jedoch an Schwierigkeit zugenommen hat, fielen die Sixers auf den 6. Platz der Eastern Conference und Collins hinter die die Kollegen Popovich und Thibodeau.

Auch Rick Adelman hatte keine schlechten Chancen, da Minnesota zur Überraschung aller auf bestem Wege in die Playoffs war. Seit Ricky Rubios Verletzung stehen die Chancen auf ein Erreichen der Endrunde und einen Award für Adelman jedoch ungleich schlechter.

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