Denver Nuggets, Los Angeles Clippers, Washington Wizards

Nene verlässt Denver

Die Denver Nuggets, Washington Wizards und Los Angeles Clippers einigten sich kurz vor dem Ablauf der Trading Deadline auf einen Tausch von insgesamt fünf Spielern. Nene Hilario, Nick Young, Brian Cook, JaVale McGee und Ronny Turiaf wechselten die Teams. Wer ist der Sieger des Trades? Dazu müssen erst einmal die Ausgangslagen betrachtet werden.

Die Ausgangslagen der Franchises

Spätestens mit der Verletzung von Chauncey Billups waren sich Fans wie Experten einig, dass die Los Angeles Clippers noch einen Flügelspieler brauchen, um sich ernsthafte Gedanken um die Finals der eigenen Conference oder gar an die der gesamten NBA zu machen. Die dabei besonders missliche Lage: Man hatte mit Eric Bledsoe nur einen Tradechip, den man aber scheinbar innerhalb der Organisation sehr schätzt und der beinahe zum Dealbreaker zwischen den Clippers und Hornets im Chris Paul-Trade geworden wäre. Die Aufgabe lautete also, einen potenten Zweier zu erstehen, der neben Chris Paul und/oder Mo Williams funktioniert, obwohl man eigentlich wenig bis gar nichts zu bieten hatte.

Denver dagegen als Ansammlung mehrerer überdurchschnittlich begabter Rollenspieler, die teilweise wie Franchise-Spieler (Nene) bezahlt wurden, hatte an sich wenig Grund zum Traden. Zwar hat man das Niveau des fulminanten Saisonstarts nicht halten können, was aber auch an immer wieder auftretenden Verletzungen einzelner Spieler (Nene, Ty Lawson, Gallinari) lag. An sich konnte man aber davon ausgehen, mit gesundem Kader zu den sicheren Playoff-Teams der Western Conference zu gehören. Von derlei Gedankenspielen sind die Washington Wizards meilenweit entfernt – vielmehr geht es darum, um Sophomore John Wall ein Team zu formen, das in mittelfristiger Zukunft wieder zu den ernsthaften Playoff-Aspiranten gehört.

Der Trade aus Sicht der Wizards

Dabei setzt Washington in diesem Trade voll darauf, kurzfristig besser zu werden. JaVale McGee wurde seit geraumer Zeit der gesamten Liga zum Trade angeboten, was angesichts seiner Eskapaden auf dem Spielfeld auch nicht weiter verwunderlich ist. Zwar hat er durchaus die Fähigkeiten, der defensive Anker eines Teams zu sein, sein Kopf steht ihm dabei aber immer wieder im Wege. Mit Nick Young wurde ein weiterer junger Spieler abgegeben, der vor allem ein begnadeter Scorer und sonst … nun ja, er ist eben ein begnadeter Scorer. Nicht zuletzt wegen der deutlichen Leistungssteigerung von Jordan Crawford, verbunden mit Querelen zwischen Interimscoach Randy Wittman und Young, dürfte dieser entbehrlich geworden sein.

Im Gegenzug erhielt man mit Nene den besten Spieler des Deals, auch wenn der Brasilianer bislang nicht wirklich an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen konnte. Als offensiv versierter Spieler, der sowohl aus dem Post, der Mitteldistanz sowie nach dem Pick and Roll scoren kann, sollte er an diesem Ende des Feldes ein deutliches Upgrade gegenüber Resteverwerter McGee darstellen und zum neuen Lieblingsspielzeug von John Wall werden. Im Grunde fügt Washington damit dem eigenen Spiel eine völlig neue Dimension zu, seitdem sich Andray Blatche partout weigert, sein immenses Potential auch nur annähernd abzurufen und reihenweise Fahrkarten aus der Mitteldistanz schießt.
Der Haken an der Sache könnte aber Nenes Vertrag werden: Der ist noch mit 52 Millionen Dollar über die nächsten vier Jahre dotiert, weshalb die Wizards voll darauf bauen müssen, dass Nene seine Leistungen der bisherigen Saison übertrumpft – sonst hat man nach Rashard Lewis die nächste Vertragsleiche auf der Payroll stehen. Brian Cook als auslaufender Vertrag und der Zweitrundenpick der Clippers 2015 dürfen getrost als Randaspekte des Trades betrachtet werden.

Denvers Dealsicht

Denver dagegen hatte mehrere Motive, diesen Trade durchzuführen: Aus sportlicher Sicht konnte man nach den starken Auftritten von Kenneth Faried seit der Verletzung Nenes zum Schluss kommen, dass der Brasilianer nicht mehr wirklich gebraucht wird. Zwar mag Faried nicht annähernd die offensive Durchschlagskraft eines Nene haben, dafür ist er aber der deutlich bessere Rebounder und Athlet. Finanziell war der Deal ohnehin ein No-Brainer für die Nuggets: Der angesprochene Vertrag von Nene hätte den Cap langfristig immens belastet, obwohl die sportlichen Leistungen nicht zwingend den entsprechenden Gegenwert bilden. 

Mit der Aufnahme von McGee und Ronny Turiaf sparen die Nuggets alleine diese Saison 6,5 Millionen an Gehältern ein, dazu laufen beide Verträge zum Saisonende aus (McGee wird Restricted Free Agent, Turiaf Unrestricted).
Man ist also auch langfristig wesentlich flexibler bzw. hat jetzt die Möglichkeit, Wilson Chandler ein längerfristig orientiertes Angebot zu machen und damit dem Team noch diese Saison einen weiteren Rotationsspieler hinzuzufügen (ob er dann wirklich einen Unterschied macht, ist die andere Frage). Wenn man Glück hat und sich McGee einfach nur auf’s Basketballspielen konzentriert, könnte man sogar noch unverhofft den bislang fehlenden defensiven Enforcer gefunden haben. Ich würde die Chancen darauf zwar nicht als allzu hoch ansehen, aber man weiß nie, wie sich Spieler in neuer Umgebung plötzlich verhalten – zumal McGee plötzlich zu einem Playoff-Team gespült wurde, das völlig andere sportliche Ambitionen hegt.

Die Gedanken der Clippers zum Three-Way-Deal

Fragt sich nur, wieso die Clippers überhaupt in diesen Trade involviert wurden. Ihr Glück, einen relativ starken Shooting Guard gefunden zu haben, liegt vor allem darin, dass Nick Young wohl nicht seine Bird-Rechte aufgeben wollte, um bei den Nuggets zu spielen. Kurzfristig musste also noch eine dritte Partei gefunden werden, um den Trade durchzubringen, wobei klar war, dass Young nur zu einem Contender will, wenn er schon seine Bird-Rechte aufgibt. Gesagt, getan – die Clippers hatten das entsprechende Need, dürften sich diebisch gefreut haben, für Bankwärmer und Handtuchwedler Cook noch einen jungen Rotationsspieler zu kriegen und gleichzeitig dem Lokalrivalen aus LA eins ausgewischt zu haben – wieso man sich bei den Lakers nicht um Young bemühte, ist mir völlig schleierhaft. Sei’s drum, Young sollte bei den Clippers Randy Foye zurück auf die Bank schicken und endlich seine wahre Berufung gefunden haben: Ein tödlicher Spot Up-Schütze, der von viel talentierteren Mitspielern wie Chris Paul und Blake Griffin die entsprechenden Gelegenheiten serviert kriegen dürfte. Ob die Clippers damit endgültig zu den “richtigen” Contendern aufgestiegen sind, bleibt abzuwarten – auch Youngs Spiel zeigte eine konstante Unkonstanz bei erstaunlichem Wurfvolumen. Die Chance ist dennoch da, dass man ein fehlendes Puzzleteil gefunden hat, zumal Paul in New Orleans schon mit ähnlichen Spielertypen (Mo Peterson, Stojakovic, Bellinelli) erfolgreich zusammengespielt hat.

Fazit

Aus diesem Grund sind die Clippers wohl auch der Gewinner des Trades – man hat eigentlich nichts abgegeben und dafür einen der wenigen sich auf dem Markt befindlichen Shooting Guards bekommen, der zumindest ein Anforderungsprofil hervorragend ausfüllt: Dreier werfen. Den defensiven Stopper auf dem Flügel wird man weiter vergeblich suchen, aber dafür hat man ja noch Jordan und Martin unter den Körben. Washington hat sich von ungeliebten Spielern getrennt und einen legitimen Co-Star neben Wall bekommen, weshalb es im Sommer vor allem darum geht, das Mannschaftsgefüge um dieses Fundament herum zu ordnen. Denver dürfte vor allem finanzielle Motive gehabt haben, kann sich aber mit Glück auch sportlich auf dem gleichen Niveau halten wie vor dem Trade.

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