NCAA Previews 11/12

College Preview: Connecticut Huskies

Connecticut Huskies, Big East

2010/11: 32-9; NCAA Tournament: National Champion.

Noch bevor das Tournament im letzten Jahr startete, stand für die meisten Experten fest, dass die Huskies nur so weit kommen, wie Kemba  Walker sie tragen wird. Es sollte anders kommen, denn während Walker zum Ende des Tournaments in seiner Rolle als Führungsspieler leicht schwächelte, wuchsen Spieler wie Jeremy Lamb und Alex Oriakhi über sich hinaus, sodass am Ende der erste Titel seit sieben Jahren gefeiert werden konnte. So gilt UConn, trotz des Abgangs von Walker, als einer der Titelkandidaten für die kommende Saison. Natürlich liegt das auch, und vor allem, an Andre Drummond, der als einer der vielversprechendsten High School Spieler an die Universität von Connecticut kommt, und mit großen Erwartungen empfangen wird. Wie stehen die Chancen auf den Repeat? 

Wer ging?

Der Abgang des Most Outstanding Players muss zwangsläufig Lücken hinterlassen. Kemba Walker war der wichtigste Spieler UConns, dessen Erfahrung und Leadership erst einmal ersetzt werden müssen. Im Spielerischen muss die ganze Offensive umstrukturiert werden, die im letzten Jahr sehr stark auf Walker fokussiert war. Die Folge dieser Umstrukturierung wird sein, dass sich jeder einzelne Spieler des verbliebenen Meisterschaftsteams in einer größeren Rolle wiederfinden wird. Wer dann als erste Angriffsoption auch noch in kritischen Momenten übernehmen kann, wird sich wohl erst während der Saison herauskristallisieren, wobei die geeigneten Kandidaten dafür Jeremy Lamb und Shabazz Napier wären, die schon während des diesjährigen Runs auf die Championship einige Last von Walkers Schultern nehmen konnten.

Des Weiteren verlässt mit Charles Okwandu ein robuster Center das Team. Okwandu war technisch nicht wirklich begabt, konnte dafür mit seiner harten Spielweise die kleinen Arbeiten, wie Rebounden und Verteidigen, für die Huskies übernehmen. Beim D-League Draft wurde er in den dritten Runde gezogen und wird von nun an für die Maine Red Claws spielen.

Wer kam?

Spät entschied sich Andre Drummond für die Huskies, eigentlich als schon niemand mehr damit rechnete (Go-to-Guys berichtete). Da unser Redakteur Tobias Berger sich hier schon ausführlich mit dem Jungstar beschäftigt hat, folgt hier nur eine kurze Zusammenfassung. Drummond ist ein großgewachsener, talentierter Big Man, dessen körperliche Anlagen für die NBA großartig sind, sodass er bereits dadurch alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Mit seinen 2,09m und 120 kg spielt er auch wie ein Innenspieler und dominierte seine Altersgenossen auf der High School mit Dunks und Schüssen in unmittelbarer Korbnähe.
Zwischendurch blitzt auch immer wieder sein Talent für die Help-Defense auf, wobei der fehlende Fokus ihn noch teilweise hemmt. Dass er nun sein Passspiel verbessern konnte, wird vor allem die Huskies freuen, da Freshmen gerade in ihrer Anfangszeit Schwierigkeiten mit der Spielgeschwindigkeit haben. Mit einem guten Passspiel, das Drummond auch bereitwillig aufziehen kann, erleichtert sich die Umstellung. Allzu große Erwartungen sollte man natürlich nicht haben, denn nicht viele Big Man schaffen gleich den Sprung zum Führungsspieler. Allerdings lässt sich schon prognostizieren, dass allein die Größe und das Talent für einen Impact sorgen werden, auch wenn es nur für Weakside Blocks, Offensive Rebounds und Putbacks reichen sollte.

Ein weiterer Rekrut wird Point Guard Ryan Boatright sein, der wohl den Backup-Platz hinter Shabazz Napier einnehmen wird. Er ist recht klein, kann aber aufgrund seiner Sprungkraft auch gut unter dem Korb abschließen, wenn er durch sein gutes Ballhandling und seine Schnelligkeit in eine Korblegerbewegung kommt. Aufgrund seines schwachen Körperbaus ist er in der Verteidigung bisher noch aufgeschmissen, sodass er für die Defensive eine doppelte Belastung ist, wenn er, wie auf der High School, teilweise ohne Fokus spielt.

Mit DeAndre Daniels haben die Huskies einen weiteren Steal gelandet, da er wunderbar die Lücke des startenden Small Forwards schließen kann und zudem hervorragend ins Team passen wird. Mit seinem starken Dreipunktewurf wird er für ordentlich Spacing sorgen, hinzu kommt eine ordentliche Körpergröße (6’8), die in der Verteidigung helfen kann.

Wer blieb?

Bis auf Kemba Walker und Big Man Charles Okwandu blieben den Huskies alle Rotationsspieler erhalten. Viele von ihnen fingen zum Ende der Saison Feuer und sollten, ob ihrer größeren Rolle im Team, hoch motiviert in die neue Saison gehen.

Die Kombination Napier/Lamb sollte zu den talentiertesten Backcourt-Duos ligaweit gehören. Jeremy Lamb wurde für diese Saison ins Associated Press Preseason All-American Team gewählt, was hauptsächlich auf seine großartige Leistung im Tournament zurückzuführen ist. In den sechs wichtigsten Spielen der Saison hob er seinen Schnitt um sechs Punkte auf 16.2 Punkte pro Spiel und schaffte dies zu großen Teilen nicht nur durch von Walker freigespielte Würfe, sondern durch Eigeninitiative. Für einen Freshman, der zudem neben Walker oft als Spielmacher fungieren musste, war das eine solch beeindruckende Leistung, sodass er in den Mock Drafts dramatisch stieg. Dabei ist Lamb selbst ein guter Scorer, der sehr kontrolliert spielt und mit seiner Größe (6’5) immer wieder seine körperlichen Vorteile ausnutzen kann. Dies geschieht meistens durch sein recht variantenreiches Spiel aus der Mitteldistanz oder per Distanzwurf. Durch seine Länge (einige Quellen berichten von einem 7’4 Wingspan) und gute Antizipation hat er starke Voraussetzungen, um ein guter Verteidiger zu werden.

Unterstützt wird Lamb von Shabazz Napier, der mit seinem Aufbauspiel sehr gut mit Walker harmonierte. Mit seinem starken Ballhandling und einigen Hesitation-Dribblings schafft es Napier mit seiner Geschwindigkeit seinen Gegenspieler hinter sich zu lassen und die Help-Defense durch die richtigen Pässe bluten zu lassen. Nutznießer sind dann entweder die freien Distanzschützen oder die unterm Korb postierten Big Men. An seinem Wurf muss der Point Guard noch arbeiten, wenngleich eine technisch saubere Wurfbewegung schon vorliegt und deshalb eine Entwicklung durchaus wahrscheinlich ist.

Neben dem Freshman Boatright wird auch der Deutsche Niels Giffey wieder Zeit als Rotationsspieler bekommen. Als Freshman durfte der Guard immerhin zehn Spiele starten und war im Tournament als Backup gesetzt. Sein Landsmann Enosh Wolf wird im Frontcourt wohl schlechtere Chancen haben, wobei er vielleicht das ein oder andere Spiel mehr spielen wird als im letzten Jahr.

Alex Oriakhi ist nicht nur einer der besten Verteidiger unter den Big Men der Liga, sondern zudem auch noch variabel. Er kann sowohl neben Drummond in der Midrange, als auch neben Olander als Center eingesetzt werden. Für das Gespann Oriakhi/Drummond, das für jeden gegnerischen Offensivspieler ein Alptraum ist, wird die Frage essentiell sein, wie gut Oriakhi an seinem Wurf gearbeitet hat. Sollte der weiterhin unkonstant fallen, wird die Huskies-Offensive am mangelnden Spacing leiden. Ist der Wurf aber deutlich verbessert, wird auch sicher die Draftposition des Sophomore steigen, die zurzeit in den Mock Drafts in der zweiten Runde angesiedelt wird.

Tyler Olander und Roscoe Smith kommen in ihre zweite Saison und werden sich wohl um die Minuten im Frontcourt streiten, die Drummond und Oriakhi liegen lassen. Während Tyler Olander der Arbeiter ist, der sich jedem zum Korb ziehenden Flügelspieler oder zum Offensivrebound gehenden Center in den Weg stellt, und versucht, seinen Einfluss auf das Spiel durch die kleinen Dinge zu nehmen. Roscoe Smith ist so ziemlich das genaue Gegenstück zu ihm und muss mental noch einiges reifen. Dafür ist er deutlich talentierter und besitzt für einen Spieler seiner Größe (6’8) ein gutes Gefühl für den Ball. Vermutlich muss er sich aufgrund des überladenen Frontcourts in dieser Saison auf die Small Forward Position umorientieren und deshalb an seinem Wurf sowie dem Dribbling arbeiten.

Stärken/Schwächen

Die Verteidigung dürfte mit Sicherheit das Aushängeschild der diesjährigen Huskies sein. Mit Drummond und Oriakhi hat man sowohl eine 2-Mann-Combo, die sowohl zusammen agieren kann als auch getrennt voneinander als Center die Verteidigung zusammenhalten kann. Durch diese Stärkung im Rücken können auch die Perimeter-Verteidiger aggressiver zu Werke gehen, was vor allem Spielern wie Smith, Lamb und Daniels entgegenkommen könnte, die durch ihre Körpergröße Werfer gut irritieren können. Dazu kommen noch Spezialisten wie Giffey und Olander, die für nichts anderes auf dem Parkett stehen, als in der Verteidigung Akzente zu setzen.

Doch auch auf ein variableres Offensivsystem darf man sich in diesem Jahr freuen. Mit Drummond verfügt man über einen Offensivspieler, der aus Eigeninitiative punkten kann und die Last, die Walker tragen musste, teilt sich unter den Guards auf. Sollten Drummond und Oriakhi offensiv nicht zusammen agieren können, kann man immer noch reagieren und besitzt dann in Olander und Smith zwei unterschiedliche Spielertypen. Dazu kommt, dass DeAndre Daniels einen gefährlicheren Offensivspieler abgeben wird, als es Jamal Coombs-McDaniel letzte Saison tat.

Natürlich muss auch erst einmal abgewartet werden, ob Spieler wie Lamb oder Napier die Rollen einnehmen können, die man ihnen zuspricht. Beide Spieler kommen erst in ihr zweites Jahr und erarbeiteten sich ihren Status in wenigen Spielen zum Ende der Saison. Zudem müssen die Studenten aus Connecticut mit dem gestiegenen Druck umgehen können, der durch die Erwartungen „Repeat“ geschürt wird, zumal die Gegner besonders motiviert sein werden.

Ausblick

UConn ist einer der Topfavoriten auf den National Title. Das Talent ist vorhanden, dazu kommt eine Macht unter dem Korb und bewiesene Turnierspieler, die Erfahrung sammeln konnten. Wer sehen will, wie sich eine gute Verteidigungsmannschaft mit der Addition eines der talentiertesten Big Man Verteidigern anstellen wird, der sollte an Spielen der Huskies seinen Spaß haben. Drummond könnte der interessanteste Spieler dieser College Saison werden und ist immer eine Sichtung wert.

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