NCAA Previews 11/12

College Preview: Vanderbilt Commodores

Vanderbilt Commodores, SEC

2010/2011: 23-11; NCAA Tournament: Second Round.

Vier Jahre in Folge gab es keinen Sieg im NCAA Tournament. Eine niederschmetternde Bilanz! Doch dieses Jahr soll alles anders werden. Klar, zu Beginn der Saison besteht immer Hoffnung, allerdings gibt es enorm gute Argumente, dass diese Spielzeit deutlich erfolgreicher wird. Auch vergangene Saison konnte schon von einer soliden Bilanz gesprochen werden (23-11), jedoch sind die Ansprüche nun höher. Eine erneute Niederlage in der zweiten Turnierrunde ist nicht akzeptabel. Es gibt keine Preseason Top 25 ohne Vanderbilt in der Top 10. Natürlich ist das keine Wild-Card, dennoch sollte die Meinung der Experten nicht ignoriert werden.

Wer ging?

Alle fünf Starter der Commodores kehren zurück. Somit sind es nur wenige Abgänge, die dem Team aber nicht besonders weh tun werden. Forward Andre Walker wechselt nach Xavier, außerdem verlassen Guard Chris Meriwether und Flügel Joe Duffy nach jeweils vier Jahren das Team. Zwar bekam Walker im Schnitt knapp 20 Minuten Spielzeit in der vergangenen Saison, trotz alledem absolvierte er nur 15 Spiele. Der Impact von Meriwether und Duffy war weitesgehend nicht vorhanden und somit kein großer Verlust für die Qualität des Kaders.

Wer kam?

Zwei ESPNU Top 100-Guards fanden ihren Weg nach Vanderbilt. Zum Einen wäre da Dai-Jon Parker, der mit seinen knapp 1.90 Meter etwas klein daher kommt. Als Shooting Guard gelistet, wird ihm das einige Probleme auf dem nächsten Level bereiten. Jedoch ist dies einer der wenigen Kritikpunkte an ihm. Gute Athletik und ein explosiver Zug zum Korb, gepaart mit einem hervorragenden Wurf aus der Distanz, finden sich relativ selten. Parker kann ins Spiel kommen und schnell heiß laufen. Allerdings muss er insgesamt noch etwas konstanter werden. Mit etwas Zeit sollte der zehntbeste Zweier des Jahrgangs aber mindestens 40 Prozent von Downtown treffen. Physisch hilft ihm sein kompakter Körperbau sowohl beim Drive als auch in der Defense. Von der Bank kommend, wird Parker eine hervorragende Entlastung für die erfahrenen Starter sein.

Zum Anderen stößt mit Kedren Johnson ein Point Guard zu den Commodores, der gute physische Voraussetzungen hat und als Aufbau mit ausgezeichneten 1.94 Meter daher kommt. Der Freshman versteht es, Kontakt aufzunehmen und diesen für sich zu nutzen. Auch die Passqualitäten sind vorhanden und gut ausgebildet. Johnson wird zwar keinen Kontrahenten überlaufen, die Athletik ist aber trotzdem solide. Was den Coaches Sorgen machen sollte, ist der schwache Distanzwurf, der den Gegenspielern erlaubt, weit abzusinken, den Drive somit zu erschweren. Einen zumindest ernstzunehmenden Wurf muss er sich zulegen, damit letztendlich freie Räume entstehen. Johnson bringt ein relativ seltenes Skill-Paket mit, wird jedoch Zeit benötigen, um im Kader von Head Coach Kevin Stallings eine wichtige Rolle spielen zu können.

Letztendlich konnte noch Power Forward Shelby Moats rekrutiert werden. Der Big Man hat sowohl den Wurf von draußen als auch den Touch am Brett. Dies macht ihn zu einem absoluten Mismatch gegen kleinere Verteidiger. Dennoch muss sich der 2.07 Meter große Vierer physisch weiter entwickeln und explosiver werden, um ein wichtiger Teil der Rotation zu werden.

Wer blieb?

Die Situation, in der sich Kevin Stallings momentan befindet, ist wohl einzigartig in der Division I. Nicht nur, dass er auf alle Starter der vergangenen Saison zurückgreifen kann, sondern auch die Kombination und Qualität der Akteure. Jeffery Taylor ist der beste Athlet, den er jemals im Kader hatte, John Jenkins der beste Shooter und Brad Tinsley der beste Passer. Dazu kommt mit Festus Ezeli, Lance Goulbourne, Steve Tchiengang und Josh Henderson eine Big Men-Garde, welche den Commodores die notwendige Größe unter dem Korb zur Verfügung stellt. Doch den Kern des Teams bilden Taylor, Jenkins, Tinsley und Ezeli. Für den Platz als Power Forward konnten sich bereits vergangenes Jahr mehrere Kandidaten empfehlen und somit war diese Position nie konstant an einen Spieler vergeben. Mit 7.3 Rebounds im Schnitt zeigte Lance Goulbourne aber, von welcher Bedeutung er für das Programm momentan ist.

Statistisch gesehen bilden die vier genannten Stützen das Gerüst des Teams. Zusammen sind sie für 57.8 Punkte, 18.5 Rebounds und 8.4 Assists verantwortlich. Die Wurfquoten sind mehr als akzeptabel, wobei insbesondere die Quote aus der Distanz überzeugt (37 Prozent als Team). Doch der Ausfall von einem der Leistungsträger wird eminente Folgen haben. So müssen die ersten Spiele schon mit erhöhter Konzentration absolviert werden, da Ezeli für sechs Spiele aufgrund einer Strafe der NCAA gesperrt wurde. Es ist jedoch fraglich, ob der Nigerianer danach sofort zurückkehren kann, da er sich eine Verletzung am Knie im Training zuzog, die ihn vermutlich 6-8 Wochen aus dem Verkehr ziehen wird. Wie sein Zustand am 2. Dezember sein wird, kann niemand vorhersagen, jedoch sollte die Partie gegen Louisville ein echter Härtetest für die Commodores werden. Nichtsdestotrotz stehen schon vorher Partien gegen Oregon (11. November) und Xavier (28. November) auf dem Programm, welche ebenfalls als sehr schwere Aufgaben gelten.

Der Key-Factor wird aber definitiv nicht Ezeli sein. Letztendlich entscheidet Topscorer John Jenkins (19.5 PPG) über das Abschneiden des Teams. Sein Impact ist enorm, was sich anhand des True Shooting-Wertes belegen lässt (64, d.h. Platz 30 in der Nation). Die Quoten waren einfach überragend (46.2 FG %, 89.4 FT % und 40.8 3P %) und sein Wurf ist aus allen Lagen extrem sicher. Nicht umsonst wird die Wurftechnik mit der von Ray Allen verglichen.

Stärken/Schwächen

Auf dem Papier liest sich der Kader wunderbar: Tolle Schützen von Außen, Athletik und Erfahrung ist vorhanden. Außerdem ist die Truppe eingespielt und kennt die Philosophie des Coaches wie die eigene Westentasche. Wo ist nun das Problem? Schlussendlich werden wir (fast) das gleiche Team sehen, das im März knapp gegen Underdog Richmond verlor. Nicht gerade ein überzeugendes Ergebnis. Natürlich sind die Freshman-Ergänzungen wichtig und wirklich solide, entscheidend werden sie aber nicht sein. Viel mehr müssen sich Ezeli & Co. im Frontcourt steigern und die gegnerischen Reihen dominieren. Grundsätzlich ist das Problem jedoch nicht die Offense. 76 Punkte pro Spiel sind eine Anzahl, mit der man durchaus zufrieden sein kann. Gute Verteidigungsreihen gewinnen mit solch einer Ausbeute und da muss Stallings mit seinem Staff ansetzen. Die Perimeter-Verteidigung war oftmals nicht auf einem zufriedenstellenden Niveau. Die Mehrzahl der gegnerischen Punkte kam innerhalb der Dreipunktelinie zustande, jedoch nur bedingt in der Zone. Das heißt, dass Jenkins und Kumpanen zu viele direkte Zweikämpfe verloren und somit einfach Midrange-Jumper zugelassen haben. Sicherlich ist es schwer für Jenkins und Tinsley, das Team offensiv wie defensiv zu tragen, jedoch wird das auch nur teilweise von ihnen verlangt. Ezeli und der jeweilige Frontcourt-Partner können es den gegnerischen Guards erschweren zu scoren, was nur möglich ist, wenn am Perimeter zumindest solide Arbeit erledigt wird. Inwiefern sich dieser Kritikpunkt gebessert hat, wird schon im sechsten Spiel zu sehen sein, denn dann kommt Tu Holloway mit den Xavier Musketeers nach Nashville.

Ausblick

Individuell sind die Commodores hervorragend aufgestellt, wobei sie auch als Team funktionieren. Die Erfahrung ist das Stichwort. Es gibt nur wenige Basketballprogramme, die auf solch eine Masse an bereits absolvierten Uni-Jahren zurückgreifen können. Dies sollte in so einigen Spielen entscheidende Vorteile bringen. Im März geht es dann für einige Akteure das letzte Mal ans Eingemachte und der Druck wird hoch sein. Das Team droht auseinanderzufallen. Es ist die letzte und beste Chance, einen Titel nach Tennessee zu holen. Ein Favorit auf das Final Four sind sie nicht, allerdings ist die Chance gegeben, dass es bis nach New Orleans geht. Verstecken müssen sich Ezeli & Co. vor niemandem in der NCAA. Ein Einzug in das Elite Eight halten wir für wahrscheinlich.

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