NCAA Previews 11/12

College Preview: Syracuse Orange

Syracuse Orange, Big East

2010/2011: 27-8; NCAA Tournament: Third Round.

Ein Saisonstart wie im Traum und eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Das sind die Aspekte, die am auffälligsten sind, wenn die vergangene Spielzeit der Syracuse Orange betrachtet wird. Allerdings fehlt noch ein ganz entscheidender Fakt: Das Ausscheiden in der dritten Runde des NCAA Tournaments kam für viele überraschend, gegen den Big East-Kontrahenten Marquette verlor man jedoch bereits in der regulären Saison. Und das, obwohl ein sensationeller 18–0-Start Hoffnungen auf einen Erfolg im März machte. Am Ende wurden es dann zwar immer mehr Niederlagen, diese sollten aber nicht so stark ins Gewicht fallen. In der wichtigsten Partie war Darius Johnson-Odom, Anführer der Golden Eagles, aber nervenstark und legte mit seinem wichtigen Dreipunktewurf den Grundstein für das Weiterkommen. Insbesondere der Auftritt von Guard Scoop Jardine, der 36 Minuten spielte, war einfach zu schwach, um letztendlich den Einzug in die nächste Runde klarzumachen. Von der Bank hatte Dion Waiters zwar einen Sahnetag erwischt (18 Punkte, 8-10 FG), dies reichte letztendlich aber auch nicht zum Sieg.

Wer ging?

Mit Power Forward Rick Jackson verlässt der dominanteste Big Man und Defensivanker die Orange. Mit den Statistiken von 13.1 Punkten, 10.3 Rebounds, 2.5 Blocks, 2.2 Assists und 1.3 Steals bei einer Feldwurfquote von 58.8 Prozent ist alles gesagt. Sein Impact in der Zeit war enorm und ihn zu ersetzen wird eine Aufgabe, die nur sehr schwer zu stemmen ist. Nach vier Jahren verlässt der Leistungsträger Syracuse in Richtung Frankreich, wo er nun für Chorale Roanne Basket spielen wird, wobei ihm durchaus Chancen in der Draft eingeräumt wurden.

Wer kam?

Da der Abgang von Jackson aber der einzige ist, besteht Hoffnung. Vor allem, weil die Freshman-Class wieder eine gute ist und mit Rakeem Christmas ein talentierter Big Man rekrutiert werden konnte, der in der ESPNU Top 100 auf Platz 20 gelistet ist. Dieser gilt als einer der besten Post-Spieler des Jahrgangs. Defensiv kann der aus Philadelphia stammende Center den Unterschied ausmachen. Sein Verhalten beim Block ist sehr dominant und das Rebounding gehört ebenfalls zu seinen Stärken. Gerade am offensiven Brett schafft es Christmas, sich gut zu positionieren und durch tolles Timing aufzufallen. Seine Bewegungen in der Offense sind noch sehr limitiert, das Potential ist aber vorhanden. Trotzdem wird es einige Zeit dauern, bis wirklich konstant Scoring von ihm erwartet werden kann. Ein richtiger Go-to-Move fehlt und das Spiel mit dem Rücken zum Korb braucht viel Training. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich Christmas schnell an das Niveau anpassen und ein wichtiger Spieler in der Rotation von Coach Jim Boeheim sein wird.

Auch der Backcourt wird Unterstützung bekommen: Michael Carter-Williams besticht mit einer absolut herausragenden Scorer-Mentalität, die nur wenige Spieler in dieser Recruiting-Class vorweisen können. Sein Distanzwurf ist tödlich, aber auch der Drive zum Zylinder darf nicht vernachlässigt werden, denn diesen greift der Guard kompromisslos an. Bemerkenswert ist, dass MCW sein Spiel als Point Guard in der Senior-Saison an der High School auf ein neues Level heben konnte. Es ist ihm möglich, als Aufbau das Spiel zu leiten und trotzdem als Scorer in Erscheinung zu treten. Somit werden die Orange auch davon profitieren können. Doch nicht nur offensiv liegen seine Stärken. Mit knapp zwei Metern ist der McDonald’s All American auch für die Defense mit einer hervorragenden Größe ausgestattet. Schnell auf den Beinen und immer aktiv, ist es schwer, ihn im Eins-gegen-eins zu schlagen. Das größte Problem bei Carter-Williams ist aber schon auf den ersten Blick zu sehen: Mit nicht einmal 80 Kilo ist der Combo-Guard extrem dünn. Sein Hauptaugenmerk muss von nun an sein, Muskeln aufzubauen und an Stärke zu gewinnen, denn auf dem nächsten Level wird sich der physische Nachteil negativ auf sein Spiel auswirken. Allerdings ist er durch seine Fähigkeiten beim Distanzwurf nicht unbedingt gezwungen, immer den direkten Kontakt mit den körperlich stärkeren Kontrahenten zu suchen.

Trevor Cooney ist der dritte und letzte Akteur, den Boeheim & Co. rekrutieren konnten. Seine Rolle wird es vor allem sein, als reiner Distanzschütze zu agieren. Der Shooting Guard gilt als sehr guter Shooter und soll – ähnlich wie Andy Rautins – vor ein paar Jahren für Gefahr von Downtown sorgen. Neben seinem Wurf gehört der hohe Basketball-IQ und das Spiel ohne Ball zu seinen Stärken. Im Gegensatz zu den meisten Rollenspielern kann Cooney auch mit einigen Allroundfähigkeiten auffahren, was das Team in eine sehr solide Situation bringt. Zwar wird aus ihm kein Star werden, da insbesondere seine Athletik eher durchschnittlich ist, trotzdem sollten die Orange von der Verpflichtung profitieren.

Wer blieb?

Jim Boeheim kann (fast) auf den selben Kader zurückgreifen, wie in der vergangenen Spielzeit, ein Vorteil, der genutzt werden sollte. Vor allem die Guards sind nun ein Jahr älter und werden durch die Erfahrungen im vergangenen März stärker zurückkommen. Gerade von Fifth Year Senior Scoop Jarine hört man sehr positive Dinge aus der Offseason. Sowohl bei der LeBron James Skills Academy als auch im Training mit NBA-Star Chris Paul hat der Guard sein Spiel kontinuierlich verbessert und hofft auf eine stärkere Saison 2011/12. Die 12.5 Punkte und 5.9 Assists gehörten bereits vergangene Saison zu den Topwerten im Team und seine Bedeutung als Leader wird weiter steigern.

Kris Joseph geht in seine vierte Saison für die Orange und muss ebenfalls seinen Status als Anführer gerecht werden. Die Erwartungen an das kanadische Talent waren stets hoch, doch so richtig konnte der Forward das Leistungsniveau noch nicht erreichen. Keine Frage, dass seine 14.3 Punkte und 5.2 Rebounds aller Ehren wert sind. Auch die Quoten aus dem Feld (45.6%) und von Downtown (36.6%) sind akzeptabel. Trotz alledem muss diese Saison mehr von dem Senior kommen, um wirklich das volle Potential ausschöpfen zu können. Das Talent ist vorhanden, doch bei ihm ist es nach Teamkollege Scoop Jardine vor allem Kopfsache. Auch wenn ihn immer wieder kleinere Verletzungen aufhalten, ist es nicht der Aspekt, mit dem er zu kämpfen hat. Sein Coach ist jedoch der Meinung, dass Joseph einer der besten Spieler in der Big East Conference in diesem Jahr sein wird.

Des Weiteren sind die Guards Brandon Triche und Dion Waiters wieder im Kader. Auch von ihnen wird Scoring erwartet. Triche ist mit 11.1 Punkten im Schnitt eine wichtige Stütze für das Team, die Rolle als Point Guard wird der Junior aber nicht ausfüllen können. Wie bereits erwähnt, hatte Waiters bei der Niederlage gegen Marquette einen guten Tag erwischt, solche Auftritte wünschen sich die Fans in New York aber öfter von ihm.

Auf den Forward-Positionen werden C.J. Fair und James Southerland die Rotation komplettieren. In der relativ kurzen Einsatzzeit liefern sie zwar statistisch kaum entscheidende Werte, aber zur Entlastung der Starter wird es auch auf sie ankommen.

Im Frontcourt streiten sich Baye Moussa Keita und der Brasilianer Fab Melo um die Starterrolle auf der Center-Position. Beide durften schon von Beginn auf das Parkett, zeigten aber nur selten das, was von ihnen erwartet wurde. Keiner der beiden punktete mehr als 3 Punkte im Schnitt und zusammen holten sie in 24.3 Minuten ganze 5.6 Rebounds. Diese Ausbeute ist lächerlich und muss unbedingt verbessert werden. Alternativen gibt es auf dieser Position nicht. Im letzten Jahr hatte Melo der Klimawechsel und die dazugehörige Umstellung der Lebensweise ziemlich zugesetzt. Nach einem Jahr sollte diesem Fakt aber keine allzu große Bedeutung mehr zukommen.

Stärken/Schwächen

Auch wenn der Kader auf den ersten Blick relativ gut bestückt aussieht, gibt es noch so einige Baustellen. Die Dreierquote war in der vergangenen Saison nicht wirklich gut, allerdings nahmen sich Triche & Co. deutlich mehr Distanzwürfe als in dem Jahr zuvor. Dieser Entwicklung muss entgegen gewirkt werden. Die Freshmen sollten dabei eine große Hilfe sein, da insbesondere die Guards einen hervorragenden Wurf besitzen.

Auch die Rolle des Point Guards muss eindeutig geklärt sein. Zwar konnte Jardine mit mehr als 5 Assists im Schnitt zeigen, dass er der Aufbau sein kann, genau wie Triche ist aber auch er eher ein Combo-Guard. Ob Carter-Williams diese Rolle schon übernehmen kann, ist fraglich. Für Entlastung wird der Freshman aber sorgen können. Außerdem macht der Sommer von Scoop Jardine Hoffnung, da sich das Training mit Chris Paul positiv auf sein Spiel als Aufbau auswirken sollte.

Grundsätzlich galt Fab Melo als großes Talent auf der Fünf. Diesen Ansprüchen konnte der 2.13 Meter große Center aber nie nur annähernd gerecht werden. Wenn diese Saison wirklich eine Leistungssteigerung erfolgt, wird das einen eminent wichtigen Effekt für das gesamte Team haben.

Trotz all dieser Probleme muss man natürlich auf die Erfahrung der Orange hinweisen. Es kehren vier von fünf Startern zurück und der Backcourt gehört zu den besten in der gesamten Division I. Den Akteuren ist die Zonen-Defense von Boeheim bekannt und gerade am defensiven Ende ist eine gewisse Kontinuität förderlich für eine eingespielte Mannschaft. Mit Kris Joseph haben sie einen hervorragenden Small Forward und die Recruiting Class kann sich auch sehen lassen. Alles Aspekte, die eine Platzierung in der Top 5 der Preseason Poll rechtfertigen.

Ausblick

Es ist noch Vieles ungewiss und hängt davon ab, ob die Akteure ihr Potential wirklich in Leistung ummünzen können. Im Endeffekt hat Head Coach Jim Boeheim eine starke Truppe zusammen, mit der es sich gut arbeiten lässt. Es sollte hier nicht mehr darum gehen, ob man im März beim NCAA Tournament dabei ist, sondern wie weit es geht.

Ein Einzug ins Elite Eight trauen wir den Orange durchaus zu, obwohl der Sprung in ein mögliches Final Four dann doch eher unrealistisch ist. Zu den absoluten Top-Teams fehlt letztendlich doch der dominante Big Man.

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